4877/J XXVIII. GP
Eingelangt am 11.02.2026
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ANFRAGE
des Abgeordneten Christian Hafenecker, MA
an die Bundesministerin für europäische und internationale Angelegenheiten
betreffend Epsteins österreichischer Reisepass: Was wird verschwiegen?
In seiner Beantwortung vom 18.03.2022 der parlamentarischen Anfrage betreffend „wie kam US-Milliardär Epstein zu einem österreichischen Pass?“ (9509/J)[1] konnte oder wollte ÖVP-Innenminister Gerhard Karner nicht beantworten, wie, wann und von wem dem verurteilten und mittlerweile verstorbenen US-Investmentbanker, Milliardär und pädophilen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein mutmaßlich ein österreichischer Reisepass ausgestellt wurde. Fotos belegen, dass der Reisepass jedenfalls am 21. Mai 1982 von einem Oberkommissar der „Bundespolizeidirektion Wien“ beglaubigt wurde.[2] Das Außenministerium hat sich zu dieser Causa bisher überhaupt in Schweigen gehüllt, obwohl bereits zahlreiche „Österreich-Bezüge“ aus den Akten ersichtlich sind.
Jüngste Enthüllungen rund um den „Fall Epstein“ und den Missbrauchsprozess sowie die Veröffentlichung zahlreicher Dokumente, darunter „Klienten-Listen“, werfen allerdings erneut ein Schlaglicht auf die dubiose „Österreich-Connection“ Epsteins. Wie der „exxpress“ bereits am 04. Jänner 2024 berichtete, soll der „Zweit-Reisepass“ Epsteins im Jahr 1982 unter der Regierung Bruno Kreisky IV und dem damaligen SPÖ-Innenminister Erwin Lanc ausgestellt worden sein.[3]
Aus den jüngsten „Epstein Files“ geht zudem hervor, dass eine österreichische Botschaft (vermutlich jene in Washington) eine Anfrage an eine nicht näher ersichtliche US-Behörde im Zusammenhang mit Epsteins österreichischem Reisepass stellte. Am 22. Juli 2019 schrieb vermutlich ein US-Staatsanwalt unter dem Betreff „Epstein/Austria“ folgende E-Mail:
Ein weiterer E-Mail-Verkehr mit dem Betreff „Austrian passport thing“, wenige Tage vor der Anfrage der österreichischen Botschaft, enthüllt zudem, dass es sich bei der von Epstein für seinen Reisepass gestohlenen Identität „Marius Fortelni“ tatsächlich um einen österreichischen Staatsbürger handelt, der in den USA lebt.[5] Die US-Staatsanwaltschaft weist das FBI darin an, bei Fortelni nachzufragen, ob und wie er sich erklären kann, „warum ein Pass aus seinem Heimatland mit seinem Namen darauf das Foto von Jeffrey Epstein enthält und sich in einem Safe in Epsteins Villa befindet?“:
Weitere Recherchen zu Epsteins Kontakten und Netzwerken mit Verbindungen zu Österreich weisen zudem immer wieder den Namen „Ronald Lauder“ aus. In den jüngsten Aktenveröffentlichungen scheint der Name ganze 954-mal auf. Der Milliardär Lauder war von 1986 bis 1987 für insgesamt 18 Monate Botschafter der Vereinigten Staaten in Wien. Während seiner Zeit als Botschafter standen immer wieder Vorwürfe des illegalen Exports von Kunstwerken gegen ihn im Raum. Lauder weist einen starken Bezug zu Österreich auf und gründete in den Folgejahren zahlreiche Einrichtungen in der Republik, darunter die „Lauder Business School“ in Wien. Zudem war und ist er im Bereich der Restitution stark aktiv und erhielt 1999 das Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich.[7]
In diesem Zusammenhang richtet der unterfertigte Abgeordnete an die Bundes-ministerin für europäische und internationale Angelegenheiten nachstehende
Anfrage
1. Welche österreichische Botschaft stellte an welche US-Behörde genannte Anfrage zu Epsteins Reisepass?
a. Wurde diese Anfrage vom Außenministerium in Auftrag gegeben oder mit diesem koordiniert?
b. War der damalige Außenminister Alexander Schallenberg involviert und darüber informiert?
c. Welche Antwort und welche Informationen erhielt die Botschaft?
d. Wurde das Innenministerium über diese Anfrage und die Antwort informiert?
i. Wenn ja, wann?
ii. Wenn nein, warum nicht?
e. Warum wurde die Anfrage der österreichischen Botschaft bisher vor der Öffentlichkeit und dem Nationalrat geheim gehalten?
2. Welche Informationen liegen Ihrem Ressort bezüglich dem Identitätsdiebstahl von Marius Fortelni durch Epstein vor?
a. Hatte Ihr Ressort diesbezüglich Kontakt mit Fortelni?
i. Wenn ja, wann und mit welchem Inhalt?
b. Hatte die österreichische Botschaft in Washington diesbezüglich Kontakt mit Fortelni?
i. Wenn ja, wann und mit welchem Inhalt?
c. Hatte Fortelni geschäftliche oder anderweitige Beziehungen zu Epstein oder Ghislaine Maxwell?
3. Besaß Jeffry Epstein die österreichische Staatsbürgerschaft?
4. Wie oft reiste Jeffry Epstein nach Österreich? (Bitte um Auflistung)
5. Ist oder war Ronald Lauder in die Vergabe/Ausstellung des österreichischen Reisepasses von Epstein involviert?
a. Stand oder steht Ihr Ressort diesbezüglich mit Lauder in Kontakt?
i. Wenn ja, wann und mit welchem Inhalt?
6. Epsteins Anwalt betonte, dass es sich um einen „Zweitpass“ handelte. Wie ist es daher um den eigentlichen/ersten Reisepass Epsteins bestellt?
[1] Anfrage: https://www.parlament.gv.at/gegenstand/XXVII/J/9509
Beantwortung: https://www.parlament.gv.at/gegenstand/XXVII/AB/9321 (aufgerufen am 10.02.2026)
[2] https://www.justice.gov/epstein/files/DataSet%209/EFTA00159098.pdf
[3] https://exxpress.at/der-sex-krimi-um-epstein-sein-41-jahre-alter-pass-bringt-spoe-unter-druck/ (aufgerufen am 10.02.2026)
[4] https://www.fob.at/epsteins-oesterreichischer-reisepass/
https://www.justice.gov/epstein/files/DataSet%208/EFTA00020344.pdf (aufgerufen am 10.02.2026)
[5] https://about.me/MariusFortelni (aufgerufen am 10.02.2026)
[6] https://www.justice.gov/epstein/files/DataSet%208/EFTA00021576.pdf , S. 2 (aufgerufen am 10.02.2026)
[7] https://www.hagalil.com/archiv/99/10/lauder.htm (aufgerufen am 10.02.2026)