4885/J XXVIII. GP

Eingelangt am 13.02.2026
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Anfrage

 

der Abgeordneten Alma Zadic, Freundinnen und Freunde

an die Bundesministerin für europäische und internationale Angelegenheiten

betreffend Aufklärung um österreichischen Pass von Jeffrey Epstein in den „Epstein-Files“

BEGRÜNDUNG

 

Am 23. Dezember 2025 berichtete „Der Standard“ exklusiv über erstmals aufgetauchte Fotos eines gefälschten österreichischen Reisepasses mit einem Bild des verstorbenen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein, die vom US-Justizministerium in den sog. „Epstein-Files“ veröffentlicht wurden:

„Er war dafür mitverantwortlich, dass Jeffrey Epstein nach seiner Festnahme im Juli 2019 nicht auf Kaution freikam: ein gefälschter, österreichischer Pass, ausgestellt in den 1980er-Jahren. Ein klares Indiz für ein Fluchtrisiko, argumentierten US-Staatsanwälte damals, nachdem sie Epstein wegen Vorwürfen des Menschenhandels verhaftet hatten. Rund einen Monat später wurde der US-Finanzier tot in seiner Zelle gefunden.

Der Pass, um den es ging, gibt seither viele Rätsel auf. Nun sind in den neuesten Veröffentlichungen des US-Justizministeriums Fotos des Reisedokuments aufgetaucht. So ist auf dem Pass zu lesen, er sei am 21.5.1982 in der Bundespolizeidirektion Wien ausgestellt worden. Als Name wird "Marius Fortelni" angegeben, als dessen Wohnort "Dammam" in Saudi-Arabien. Zu sehen ist ein Foto von Epstein, das jedoch nicht per Stempel beglaubigt wurde.

Der Pass zeigt einige Ein- und Ausreisestempel, etwa französische und saudi-arabische. Epsteins Anwälte argumentierten 2019, der Finanzier habe den Pass von einem Freund erhalten, um sich bei Reisen in den Nahen Osten vor Entführungen zu schützen. Er habe den Pass jedoch nie verwendet. In einer parlamentarischen Anfragebeantwortung gab Innenminister Gerhard Karner 2022 an: "Die Erhebungen konnten die Existenz des gegenständlichen österreichischen Reisepasses bislang nicht bestätigen, weshalb auch keine entsprechenden Erkenntnisse vorliegen.“

(…)

Allerdings zeigen die Dokumente des US-Justizministeriums, dass sich die österreichische Botschaft offenbar schon unmittelbar nach dem Fund des Passes bei den US-Behörden erkundigt hat.“[1]

So findet sich in den jüngsten „Epstein-Files“ ein Mailverkehr unter Beteiligung der US-Strafverfolgungsbehörden, aus dem hervorgeht, dass die österreichische Botschaft bereits im Jahr 2019 um Informationen zum damals vermeintlichen österreichischen Pass angefragt hat[2]:

Bild: Mailverkehr in den „Epstein-Files“

 

Am 28. Dezember 2025 berichteten österreichische Medien, dass das Innenministerium strafrechtliche Ermittlungen im Zusammenhang mit dem gefälschten Reisepass prüft: "‘Da der Verdacht eines strafrechtlich relevanten Sachverhalts vorliegt, wurde dies umgehend an die zuständige Stelle zur Prüfung übermittelt‘, heißt es vonseiten des Innenministeriums.“[3] Die „Kronen Zeitung“ titelte: „Epstein-Pass: Österreichische Behörden ermitteln“.[4]

 

Die unterfertigenden Abgeordneten stellen daher folgende

ANFRAGE

 

1)    Wann wurde Ihrem Ressort bekannt, dass Jeffrey Epstein mutmaßlich über einen österreichischen Reisepass verfügt?

2)    Haben Angehörige Ihres Ressorts – wie E-Mails in den „Epstein-Files“ nahelegen – bereits im Jahr 2019 bei den US-Behörden um Informationen bezüglich des Reisepasses angefragt?

a.    Wenn ja: Welches Organ, bei welcher US-Behörde, wann?

b.    Wenn ja: Welche Informationen wurden Ihrem Ressort seitens der US-Behörden mitgeteilt?

3)    Haben Ihr Ressort oder nachgeordnete Behörden Anzeige wegen des Verdachts einer gerichtlichen Straftat im Zusammenhang mit dem gefälschten Reisepass von Jeffrey Epstein erstattet?

a.    Wenn ja: Wann, bei welcher Stelle, wegen des Verdachts welcher strafbaren Handlungen und gegen wen?

b.    Wenn nein: Warum nicht?

4)    Gab oder gibt es aufgrund der „Epstein-Files“ Kontakte Ihres Ressorts mit US-Behörden?

5)    Ist bekannt, für welchen Zweck der Reisepass verfälscht wurde?

a.    Wenn ja: Wozu?

6)    Konnte in Erfahrung gebracht werden, ob Jeffrey Epstein den Pass für Reisetätigkeiten genutzt hat?

a.    Wenn ja: Wann und wohin?

b.    Wenn ja: Ist Jeffrey Epstein damit nach Österreich gereist?

7)    Gab es im Zusammenhang mit Jeffrey Epsteins Wien-Besuch im Jahr 2019 Kontakt zwischen Ihrem Ressort und den US-Behörden?

a.    Wenn ja: Wann, zwischen welchen Stellen und auf Grund welcher Verdachts- oder Gefährdungslage?



[1] https://www.derstandard.at/story/3000000301978/brisante-details-aus-us-dokumenten-epsteins-gefaelschter-oesterreichischer-pass-und-sein-aufenthalt-in-wien

[2] https://www.justice.gov/epstein/files/DataSet%208/EFTA00016759.pdf

[3] https://www.derstandard.at/story/3000000302180/polizei-prueft-ermittlungen-zu-epsteins-verfaelschtem-oesterreichischen-pass

[4] https://www.krone.at/3999332