4889/J XXVIII. GP

Eingelangt am 13.02.2026
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Anfrage

 

der Abgeordneten Alma Zadic, Freundinnen und Freunde

an den Bundesminister für Inneres

betreffend „Epstein-Files“: Gefälschter österreichischer Pass und polizeiliche Aktivitäten rund um Wien-Aufenthalt

BEGRÜNDUNG

 

Gefälschter Reisepass

Am 23. Dezember berichtete „Der Standard“ exklusiv über erstmals aufgetauchte Fotos eines gefälschten österreichischen Reisepasses mit einem Bild des verstorbenen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein, die vom US-Justizministerium in den sog. „Epstein-Files“ veröffentlicht wurden:

„Er war dafür mitverantwortlich, dass Jeffrey Epstein nach seiner Festnahme im Juli 2019 nicht auf Kaution freikam: ein gefälschter, österreichischer Pass, ausgestellt in den 1980er-Jahren. Ein klares Indiz für ein Fluchtrisiko, argumentierten US-Staatsanwälte damals, nachdem sie Epstein wegen Vorwürfen des Menschenhandels verhaftet hatten. Rund einen Monat später wurde der US-Finanzier tot in seiner Zelle gefunden.

Der Pass, um den es ging, gibt seither viele Rätsel auf. Nun sind in den neuesten Veröffentlichungen des US-Justizministeriums Fotos des Reisedokuments aufgetaucht. So ist auf dem Pass zu lesen, er sei am 21.5.1982 in der Bundespolizeidirektion Wien ausgestellt worden. Als Name wird "Marius Fortelni" angegeben, als dessen Wohnort "Dammam" in Saudi-Arabien. Zu sehen ist ein Foto von Epstein, das jedoch nicht per Stempel beglaubigt wurde.

Der Pass zeigt einige Ein- und Ausreisestempel, etwa französische und saudi-arabische. Epsteins Anwälte argumentierten 2019, der Finanzier habe den Pass von einem Freund erhalten, um sich bei Reisen in den Nahen Osten vor Entführungen zu schützen. Er habe den Pass jedoch nie verwendet. In einer parlamentarischen Anfragebeantwortung gab Innenminister Gerhard Karner 2022 an: "Die Erhebungen konnten die Existenz des gegenständlichen österreichischen Reisepasses bislang nicht bestätigen, weshalb auch keine entsprechenden Erkenntnisse vorliegen.“

(…)

Allerdings zeigen die Dokumente des US-Justizministeriums, dass sich die österreichische Botschaft offenbar schon unmittelbar nach dem Fund des Passes bei den US-Behörden erkundigt hat.“[1]

So findet sich in den jüngsten Epstein-Files ein Mailverkehr unter Beteiligung der US-Strafverfolgungsbehörden, aus dem hervorgeht, dass die österreichische Botschaft bereits 2019 um Informationen zum damals vermeintlichen österreichischen Pass von Jeffrey Epstein angefragt hat[2]:

Mailverkehr in den Epstein-Files

 

Am 28. Dezember 2025 wurde berichtet, dass das Innenministerium strafrechtliche Ermittlungen im Zusammenhang mit dem gefälschten Reisepass prüft: "‘Da der Verdacht eines strafrechtlich relevanten Sachverhalts vorliegt, wurde dies umgehend an die zuständige Stelle zur Prüfung übermittelt‘, heißt es vonseiten des Innenministeriums.“[3] Die „Kronen Zeitung“ titelte: „Epstein-Pass: Österreichische Behörden ermitteln“.[4]

 

Jeffrey Epsteins Wien-Besuch im Jahr 2019

„Der Standard“ berichtete am 30. Jänner über neue Mails in den Epstein-Files im Zusammenhang mit dem Wien-Besuch Jeffrey Epsteins im März 2019. Dabei soll er einen renommierten Mathematikprofessor im Café Landtmann getroffen haben.[5]

In den neuesten Epstein-Files findet sich dazu ein Mailverkehr zwischen einem US-Beamten und der US-Bundesstrafverfolgungsbehörde, in dem der US-Beamte offenbar nach Rücksprache mit Angehörigen der Polizei Schwechat Informationen über Jeffrey Epstein, darunter Epsteins Flugzeugnummer, seine Reisebegleitung und wo er sich in Wien aufgehalten hat, weitergibt. Bei der Polizei Schwechat wurde dazu mit einem gewissen „Poldi“ Rücksprache gehalten.[6]

 

 

Mailverkehr in den Epstein-Files

 

Dabei bleiben viele Unklarheiten: Wie und warum verfügte die Polizei Schwechat über die Informationen? War Jeffrey Epstein damals schon im Visier österreichischer Behörden? Und wer war „Poldi“?

Die unterfertigenden Abgeordneten stellen daher folgende

ANFRAGE

 

1)    Haben Ihr Ressort oder nachgeordnete Behörden Anzeige wegen des Verdachts einer gerichtlichen Straftat im Zusammenhang mit dem gefälschten Reisepass von Jeffrey Epstein erstattet?

a.    Wenn ja: Wann, bei welcher Stelle, wegen des Verdachts welcher strafbaren Handlungen und gegen wen?

b.    Wenn nein: Warum nicht?

2)    Wurden verwaltungsstrafrechtliche Ermittlungen im Zusammenhang mit dem gefälschten Reisepass von Jeffrey Epstein eingeleitet?

a.    Wenn ja: Wann, durch welche Behörde, bei welcher Stelle und wegen welchen Verwaltungsstraftatbeständen?

b.    Wenn nein: Warum nicht?

3)    Welche Ermittlungsschritte wurden gesetzt?

4)    Was war das Ergebnis der Ermittlungen?

5)    Gab es eine Kontaktaufnahme von US-Behörden gegenüber Ihrem Ressort oder seitens Ihres Ressorts bei US-Behörden im Zusammenhang mit dem Reisepass von Jeffrey Epstein oder im Zusammenhang mit sonstigen Jeffrey Epstein betreffenden Angelegenheiten?

6)    Ist bekannt, für welchen Zweck der Reisepass verfälscht wurde?

a.    Wenn ja: Wozu?

7)    Ist bekannt, wie Jeffrey Epstein an das Dokument gelangt ist?

8)    Gibt es Hinweise auf organisierten Identitätsdiebstahl?

9)    Konnte in Erfahrung gebracht werden, ob Jeffrey Epstein den Pass für Reisetätigkeit genutzt hat?

a.    Wenn ja: Wann und wohin?

b.    Wenn ja: Ist Jeffrey Epstein damit nach Österreich gereist?

10)  Falls verwaltungsstrafrechtliche Ermittlungsverfahren eingestellt wurden:

a.    Gegen welche Verdächtigen wurde das Verfahren eingestellt?

b.    Aus welchen Gründen wurde das Verfahren eingestellt?

11)  Seit wann ist bekannt, dass Jeffrey Epstein ein (verfälschtes) österreichisches Reisedokument besitzt?

12)  Wurden im Zusammenhang mit dem Reisepass bereits 2019 Ermittlungen gegen Jeffrey Epstein und/oder Dritte geführt?

13)  War Jeffrey Epstein im Jahr 2019 bei seinem Wien-Besuch in Beobachtung der Sicherheitsbehörden?

a.    Wenn ja: Auf Basis welcher Rechtsgrundlage?

14)  Gab es im Zusammenhang mit Jeffrey Epsteins Wien-Besuch im Jahr 2019 Kontakt zwischen Ihrem Ressort und US-Sicherheits- oder Strafverfolgungs-behörden?

a.    Wenn ja: Wann, zwischen welchen Stellen und auf Grund welcher Verdachts- oder Gefährdungslage?

15)  War der im obenstehenden Mail angeführte Österreicher „Poldi“ ein Bediensteter Ihres Ressorts?

a.    Wenn ja: In welcher Funktion und bei welcher Behörde?

b.    Wenn ja: Handelt es sich hierbei um den damaligen Stadtpolizeikom-mandanten von Schwechat und aktuellen Stv. Direktor sowie Leiter des Staatsschutzes in der DSN?

16)  Haben Ihr Ressort bzw. das Stadtpolizeikommando Schwechat im Jahr 2019 über Informationen über die Reise von Jeffrey Epstein und den Zweck seines Wien-Besuchs verfügt?

a.    Wenn ja: Warum und auf Grund welcher Rechtsgrundlage?

17)  Wie kamen das Stadtkommando Schwechat bzw. „Poldi“ zu den Informationen?

18)  Wurde Jeffrey Epstein von den Sicherheitsbehörden kontaktiert bzw. befragt?

a.    Wenn ja: Weshalb, wozu und auf Basis welcher Rechtsgrundlage?



[1] https://www.derstandard.at/story/3000000301978/brisante-details-aus-us-dokumenten-epsteins-gefaelschter-oesterreichischer-pass-und-sein-aufenthalt-in-wien

[2] https://www.justice.gov/epstein/files/DataSet%208/EFTA00016759.pdf

[3] https://www.derstandard.at/story/3000000302180/polizei-prueft-ermittlungen-zu-epsteins-verfaelschtem-oesterreichischen-pass

[4] https://www.krone.at/3999332

[5] https://www.derstandard.at/story/3000000306587/neue-dokumente-enthuellen-wen-epstein-im-maerz-2019-in-wien-getroffen-hat

[6] https://www.justice.gov/epstein/files/DataSet%209/EFTA00076042.pdf