4978/J XXVIII. GP

Eingelangt am 25.02.2026
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ANFRAGE

 

des Abgeordneten Hermann Brückl, MA

an den Bundesminister für Bildung

betreffend Transparenz und Veröffentlichung der Ergebnisse der Zentralmatura 2025

 

 

Im Lichte der bevorstehenden heurigen Reifeprüfung und der damit einhergehenden verstärkten öffentlichen Aufmerksamkeit für Leistungsentwicklungen im österreichischen Schulsystem rücken die Resultate des vergangenen Prüfungs-jahrgangs erneut in den Fokus der bildungspolitischen und medialen Diskussion.

 

Die im Herbst veröffentlichten medialen Berichte zu den Ergebnissen der Zentralmatura – etwa von „ORF Oberösterreich“, der „Kleinen Zeitung“ und „Der Standard“ – thematisieren einen Rückgang der Durchfallquote, jedoch zugleich einen Rückgang bei den Spitzenbewertungen („Einser“).[1]

 

Diese Entwicklung wird durch offizielle Zahlen der Statistik Austria untermauert: Im Sommer 2024 lag die Positivquote bei der Matura bei 89,9%, nur marginal über dem Vorjahr (2023: 89,4%), jedoch deutlich höher als vor der Pandemie (2019: 85,1%).[2] Gleichzeitig betrug der Anteil der durchgefallenen Kandidaten lediglich 6,9%, im Vergleich zu fast 12,7% im Jahr 2019 – eine Verschiebung, die offensichtlich durch die bereits eingeführte Einrechnung der Jahresnote begünstigt wird.

 

Diese Zahlen illustrieren eindeutig: Die massive Senkung der Durchfallquote ist kein Ausdruck gesteigerter Schülerleistung, sondern vielmehr ein symptomatischer Effekt des Systems – eine absichtliche „Schönfärberei“ im Namen der Statistik, die die öffentliche Wahrnehmung trübt und das Prüfungsergebnis inhaltlich entwertet.

 

Die Änderung des Benotungssystems macht es notwendig, die Ergebnisse der Zentralmatura wesentlich genauer zu beleuchten – und zwar differenziert nach Schultypen und Schulstandorten. Nur durch eine solche detaillierte Betrachtung kann sichtbar gemacht werden, ob die Senkung der Durchfallquoten tatsächlich auf Leistungssteigerungen zurückzuführen ist oder ob sie lediglich das Resultat einer systematischen Verwässerung der Anforderungen darstellt. Daraus ergibt sich auch die Möglichkeit, dass eine Reform des Systems notwendig wird, um wieder ein faires, transparentes und aussagekräftiges Leistungsbild sicherzustellen.

 

In diesem Zusammenhang richtet der unterfertigte Abgeordnete an den Bundes-minister für Bildung nachstehende

 

Anfrage

 

1.    Welche detaillierten Ergebnisse weist die Zentralmatura 2025 (anonymisierte Durchschnittsnoten) nach Bundesländern aus und wie stellen sich dabei die Quoten für „ausgezeichneten Erfolg“, „guten Erfolg“, „bestanden“ und „negativ“ dar?

a.    Wie lauten diese Ergebnisse für die AHS, aufgeschlüsselt nach AHS-Typ (z.B. Gymnasium, Realgymnasium, Wirtschaftskundliches Realgym-nasium, Oberstufenrealgymnasium)?

b.    Wie lauten diese Ergebnisse für die BHS, aufgeschlüsselt nach BHS-Typ (z.B. HTL, HAK, HLW, HLW/HLM – Mode, HLK/HLAKD, HLT, BAfEP & BASOP)?

2.    Welche Ergebnisse weist die Zentralmatura 2025 (anonymisierte Durch-schnittsnoten) nach Bezirken aus?

a.    Wie lauten diese Ergebnisse für die AHS, aufgeschlüsselt nach AHS-Typ (z.B. Gymnasium, Realgymnasium, Wirtschaftskundliches Realgym-nasium, Oberstufenrealgymnasium)?

b.    Wie lauten diese Ergebnisse für die BHS, aufgeschlüsselt nach BHS-Typ (z.B. HTL, HAK, HLW, HLW/HLM – Mode, HLK/HLAKD, HLT, BAfEP & BASOP)?

3.    Welche Ergebnisse weisen die einzelnen Schulen (AHS und BHS) für den Haupttermin 2025 aus, insbesondere in Bezug auf die Quoten positiver Abschlüsse, negativer Abschlüsse und nicht vollständiger Teilnahme?

a.    Wie lauten diese Ergebnisse für die AHS, aufgeschlüsselt nach AHS-Typ (z.B. Gymnasium, Realgymnasium, Wirtschaftskundliches Realgym-nasium, Oberstufenrealgymnasium)?

b.    Wie lauten diese Ergebnisse für die BHS, aufgeschlüsselt nach BHS-Typ (z.B. HTL, HAK, HLW, HLW/HLM – Mode, HLK/HLAKD, HLT, BAfEP & BASOP)?

4.    In welchen Schulen lag die Erfolgsquote bei der Zentralmatura 2025 über 95% und in welchen unter 80%?

a.    Wie stellt sich dies für die AHS dar, aufgeschlüsselt nach AHS-Typ (z.B. Gymnasium, Realgymnasium, Wirtschaftskundliches Realgymnasium, Oberstufenrealgymnasium)?

b.    Wie stellt sich dies für die BHS dar, aufgeschlüsselt nach BHS-Typ (z.B. HTL, HAK, HLW, HLW/HLM – Mode, HLK/HLAKD, HLT, BAfEP & BASOP)?

c.    Wie hoch waren die Negativquoten in den zentralen Prüfungsfächern (Mathematik, Deutsch, Englisch) im Bundesländervergleich sowie auf Bezirksebene und Schulebene?

5.    Welche konkreten Auswirkungen auf die Notenverteilung sind durch die Einrechnung der Jahresnote bei der Zentralmatura 2025 nachweisbar?

a.    Wie hoch ist der Anteil jener Schüler, die durch die Einrechnung der Jahresnote eine negative Beurteilung vermeiden konnten?

b.    Wie hoch ist der Anteil jener Schüler, die durch die Einrechnung der Jahresnote von einem „Genügend“ auf ein „Befriedigend“ oder höher aufgestuft wurden?



[1]   https://www.kleinezeitung.at/oesterreich/19814354/zentralmatura-2025-kaum-durchfaller-aber-weniger-top-noten (aufgerufen am 23.02.2026); https://www.derstandard.at/story/3000000274738/matura-einrechnung-der-jahresnote-bringt-weniger-f252nfer-und-einser (aufgerufen am 23.02.2026)

[2]   https://www.statistik.at/fileadmin/announcement/2025/01/20250130sRDP2024.pdf (aufgerufen am 10.09.2025)