5048/J XXVIII. GP

Eingelangt am 02.03.2026
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ANFRAGE

 

des Abgeordneten Christian Lausch

an die Bundesministerin für Justiz

betreffend Große Sicherheitslücke

 

 

Am 19.Februar 2026 konnte man in der Tageszeitung „Krone“ Folgendes lesen:

 

„Wien: Unbekannte klettern für Video auf Häfn-Dach

Auf TikTok kursieren derzeit Videos, die für Aufsehen sorgen. Offenbar ist es mehreren Personen gelungen, eine Sicherheitslücke auszunutzen und auf das Dach der Justizanstalt Wien-Josefstadt zu klettern. Das Justizministerium ist zwar informiert, hat bislang aber keine zusätzlichen Maßnahmen ergriffen.

 

Eigentlich sollte man annehmen können, dass das größte Gefängnis Österreichs eines der sichersten Orte im ganzen Land ist. Doch diese Vermutung scheint wackelig: Auf TikTok kursieren derzeit zahlreiche Videos, die auch der „Krone“ vorliegen, und das „graue Haus“ aus nächster Nähe filmen. Was steckt dahinter?

 

Über Baugerüst aufs Dach geklettert

 

Laut „Krone“-Informationen hat sich der Vorfall bereits Ende November bzw. Anfang Dezember zugetragen. Es dürfte sich dabei um vier maskierte Personen gehandelt haben, die von der Landesgerichtsstraße aus über ein Baugerüst – die Justizanstalt wird seit 2023 saniert – auf das Dach des neben der Justizanstalt gelegenen Gerichtsgebäudes kletterten. Offenbar war es nicht das einzige Mal: Ein TikTok-Account veröffentlichte über längere Zeit Videos vom Dachbereich, auf denen die Personen herumlaufen und auf die Hafträume zoomen.

 

WEGA im Einsatz

 

Die Unbekannten sollen anschließend von der Spezialeinheit WEGA – vermutlich im Bereich des Besucherzentrums – vom Dach geholt worden sein. Wie ein Insider aus der Josefstadt der „Krone“ gegenüber bestätigte, befanden sich die „Kletterer“ jedoch zu keinem Zeitpunkt direkt auf dem Dach der Justizanstalt. Dieses ist nämlich aus Sicherheitsgründen durch massive Stacheldrahtrollen vom Gerichtsgebäude getrennt.

 

Das Justizministerium ist auf Anfrage der „Krone“ informiert und setzt derzeit bauliche, technische und organisatorische Sicherheitsmaßnahmen um. Die ORF-„Zeit im Bild“ betonte in einem Beitrag, dass bei solchen waghalsigen Aktionen Gegenstände ins Gefängnis geschmuggelt werden könnten.“[1]

 

 

In diesem Zusammenhang richtet der unterfertigte Abgeordnete an die Bundes-ministerin für Justiz nachstehende

 

Anfrage

 

1.    Seit wann ist Ihnen oder der Leitung der Generaldirektion dieser Vorfall bekannt, bei dem mehrere Personen über ein Baugerüst auf das Dach des Gerichtsgebäudes neben der Justizanstalt Wien-Josefstadt gelangten?

2.    Gelangten diese unbefugten Personen auch auf das Gelände des Gerichtsgebäudes?

3.    Gelangten diese unbefugten Personen auch auf das Gelände der Justizanstalt?

4.    Gelangten diese unbefugten Personen auch auf das Dach der Justizanstalt?

5.    Wann wurden die zuständigen Stellen erstmals offiziell über entsprechende Vorfälle bzw. kursierende Videos auf TikTok informiert?

6.    Wie viele derartige Vorfälle haben sich seit Beginn der Sanierungsarbeiten im Jahr 2023 ereignet? (Bitte um Aufschlüsselung nach Jahren bis dato)

7.    Wurden im Zuge der Sanierungsarbeiten sicherheitstechnische Risikoanalysen durchgeführt?

a.    Wenn ja, mit welchem Ergebnis?

b.    Wenn nein, warum nicht?

8.    Warum war das Baugerüst offenbar nicht ausreichend gegen unbefugtes Betreten gesichert?

9.    Welche konkreten baulichen, technischen und organisatorischen Maßnahmen wurden nach Bekanntwerden des Vorfalls gesetzt?

10. Zu welchem Zeitpunkt wurden diese Maßnahmen umgesetzt?

11. Gab es Hinweise darauf, dass Gegenstände in die Justizanstalt eingebracht oder zu Insassen hinabgelassen wurden?

a.    Wenn ja, welche Gegenstände?

12. Bestand bei diesem Vorfall eine Gefährdung von Öffentlichkeit, Bediensteten oder Insassen?

13. Welche Rolle spielte die Spezialeinheit WEGA beim Einschreiten?

14. Wann erfolgte der Einsatz der Spezialeinheit WEGA?

15. Gab es Festnahmen?

a.    Wenn ja, wie viele?

b.    Wenn nein, warum nicht?

16. Wurden Anzeigen erstattet?

a.    Wenn ja, welche Delikte wurden angezeigt?

b.    Wenn nein, warum nicht?

17. Welche Strafen sind da zu erwarten Verwaltungsstrafen oder nach dem Strafgesetzbuch?

18. Wie viele dieser unbefugten Personen wurden aufgegriffen und polizeilich erfasst?

19. Welche Nationalitäten haben diese unbefugten Personen?

20. Wurden diese unbefugten Personen nach der Festnahme in die Justizanstalt eingeliefert?

a.    Wenn ja, wie viele?

b.    Wenn nein, warum nicht?

21. Wie viele dieser unbefugten Personen konnten flüchten?

22. Wurden organisatorische Konsequenzen innerhalb der Justizanstalt oder der zuständigen Bauaufsicht geprüft?

23. Welche Kosten sind dem Bund durch den Einsatz sowie durch nachträgliche Sicherheitsmaßnahmen entstanden?

24. Müssen diese Personen die Kosten des Einsatzes bezahlen?

a.    Wenn nein, warum nicht?

25. Wurde geprüft, ob durch Videoaufnahmen aus dem Dachbereich sensible Sicherheitsinfrastruktur dokumentiert und veröffentlicht wurde?

a.    Wenn ja, welche?

b.    Wenn nein, warum nicht?

26. Welche Maßnahmen werden künftig ergriffen, um vergleichbare Sicherheits-lücken bei laufenden Bauarbeiten in Justizanstalten zu verhindern?

27. Besteht aktuell eine Gefährdung der Sicherheit der größten Justizanstalt Österreichs?

28. Gab es solche Vorfälle in anderen Justizanstalten?

a.    Wenn ja, in welchen Justizanstalten?

 

 

 

 

 

Sollten einzelne Antworten einer Vertraulichkeit bzw. Geheimhaltung unterliegen, wird ersucht, diese unter Einhaltung des Informationsordnungsgesetzes klassifiziert zu beantworten.



[1]    https://www.krone.at/4051066 (aufgerufen am 19.02.2026)