5085/J XXVIII. GP

Eingelangt am 03.03.2026
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ANFRAGE

 

der Abgeordneten Ricarda Berger

an den Bundesminister für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport

betreffend Förderung des Kinderbuches „Lina die Entdeckerin“ aus dem Achse Verlag

 

 

Gerade im Bereich der Kinderliteratur ist besondere Sensibilität geboten. Kinder sind eine besonders schützenswerte Zielgruppe, deren kognitive und emotionale Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist. Inhalte, die gesellschaftspolitische, weltanschauliche oder sensible Themen behandeln, bedürfen daher einer besonders sorgfältigen Prüfung im Hinblick auf Altersgerechtigkeit, pädagogische Vertretbarkeit und den Schutz der elterlichen Erziehungsverantwortung.

 

Das Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport vergibt regelmäßig Fördermittel für Literatur und Publikationen. Darunter fallen auch Werke, die sich ausdrücklich an Kinder richten. Im Rahmen dieser Förderpraxis wurde das Buch „Lina die Entdeckerin“ aus dem Achse Verlag mit öffentlichen Mitteln unterstützt.

 

Da Kinder eine besonders schützenswerte Zielgruppe darstellen, ist eine strenge inhaltliche, pädagogische und altersbezogene Prüfung solcher Werke zwingend erforderlich. Vor diesem Hintergrund ergeben sich Fragen zur Förderentscheidung, zur inhaltlichen Kenntnis des Werkes, zu den angewandten Kriterien sowie zu den bestehenden Kontrollmechanismen.

 

Im vorliegenden Fall stellen sich insbesondere Fragen dahingehend, ob das geförderte Werk inhaltliche und bildliche Darstellungen enthält, die über eine altersgemäße Vermittlung hinausgehen, ob gesellschaftspolitische Fragestellungen in einer Weise transportiert werden, die Kinder nicht richtig einordnen können.

 

 


 

In diesem Zusammenhang richtet die unterfertigte Abgeordnete an den Bundes-minister für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport nachstehende

 

Anfrage

 

1.    In welcher exakten Höhe wurde das Buch „Lina die Entdeckerin“ gefördert und über welchen Zeitraum erstreckte sich diese Förderung?

2.    Aus welchem konkreten Budgetansatz wurden die Fördermittel bereitgestellt und wie hoch ist der Gesamtbetrag, der jährlich für vergleichbare Kinderbuch-projekte zur Verfügung steht?

3.    Wer hat den Förderantrag für dieses Buch eingebracht und mit welcher inhaltlichen Begründung wurde dieser Antrag versehen?

4.    Welche fachlichen Kriterien waren ausschlaggebend für die Auswahl dieses Buches gegenüber anderen eingereichten Projekten?

5.    Welche Personen oder Gremien haben die Förderentscheidung vorbereitet und getroffen und welche fachlichen Qualifikationen hatten diese Personen im Bereich Pädagogik, Kinderpsychologie oder Jugendschutz?

6.    In welcher Form wurde der vollständige Inhalt des Buches vor der Förderentscheidung geprüft und dokumentiert?

7.    Welche konkreten Textstellen, Themenbereiche oder Darstellungen wurden im Zuge dieser Prüfung besonders bewertet oder diskutiert?

8.    Welche Definition von Kindgemäßheit legt Ihr Ressort bei der Förderung von Kinderliteratur zugrunde?

9.    Wie wurde im vorliegenden Fall festgestellt, dass der Inhalt des Buches dieser Definition entspricht?

10. Für welche Altersgruppe wurde das Buch im Förderverfahren vorgesehen und welche fachliche Begründung lag dieser Alterszuordnung zugrunde?

11. Welche pädagogischen oder entwicklungspsychologischen Erkenntnisse wurden bei der Beurteilung des Buchinhaltes herangezogen?

12. Inwieweit wurde geprüft, ob einzelne Inhalte für Kinder überfordernd, verunsichernd oder entwicklungsbeeinträchtigend sein können?

13. Welche Rolle spielte der Aspekt des Jugendschutzes konkret bei der Förderentscheidung?

14. Welche externen Expertinnen oder Experten wurden gegebenenfalls in die inhaltliche Beurteilung eingebunden und nach welchen Kriterien wurden diese ausgewählt?

15. Welche Stellungnahmen oder Gutachten liegen Ihrem Ressort zum Inhalt dieses Buches vor?

16. Wie wird in Ihrem Ressort sichergestellt, dass geförderte Kinderbücher nicht Inhalte vermitteln, die Eltern ohne ihr Wissen oder ihre Zustimmung konfrontieren?

17. Welche Verantwortung sieht Ihr Ressort gegenüber Eltern, wenn öffentliche Mittel für Inhalte verwendet werden, die sich gezielt an Kinder richten?

18. Welche internen Kontrollmechanismen bestehen, um sicherzustellen, dass Förderentscheidungen nicht ausschließlich ideologischen oder aktivistischen Zielsetzungen folgen?

19. Wie wird ausgeschlossen, dass Fördermittel für Kinderliteratur zur indirekten Beeinflussung von Kindern in weltanschaulichen oder gesellschaftspolitischen Fragen verwendet werden?

20. Welche Möglichkeiten bestehen innerhalb Ihres Ressorts, Förder-entscheidungen nachträglich zu überprüfen, wenn inhaltliche Kritik bekannt wird?

21. Wurde im konkreten Fall eine nachträgliche inhaltliche Evaluierung des Buches vorgenommen oder in Erwägung gezogen?

22. Welche Konsequenzen sind vorgesehen, wenn sich im Nachhinein herausstellt, dass ein gefördertes Kinderbuch nicht altersgerecht oder kindgemäß ist?

23. Wie häufig kam es in den letzten fünf Jahren zu Kritik oder Beanstandungen an geförderten Kinder- oder Jugendbüchern Ihres Ressorts?

24. Welche Lehren wurden aus solchen Fällen gezogen und welche Änderungen wurden gegebenenfalls an den Förderkriterien vorgenommen?

25. In welcher Weise werden Förderentscheidungen Ihres Ressorts gegenüber der Öffentlichkeit transparent gemacht?

26. Welche Informationen erhalten Eltern darüber, welche Inhalte mit öffentlichen Mitteln gefördert werden und warum?

27. Welche Rolle spielt die gesellschaftliche Akzeptanz bei der Förderung von Kinderliteratur aus Sicht Ihres Ressorts?

28. Wie wird verhindert, dass öffentliche Förderungen an den Wertvorstellungen eines großen Teils der Bevölkerung vorbeigehen?

29. Welche Leitlinien gelten in Ihrem Ressort für den sensiblen Umgang mit Sexualitätsthemen in Kinderbüchern?

30. Wie wurde im konkreten Fall bewertet, in welchem Umfang und in welcher Form solche Themen im Buch behandelt werden?

31. Welche Abwägung wurde zwischen künstlerischer Freiheit und dem Schutz von Kindern vorgenommen?

32. Wer trägt innerhalb Ihres Ressorts letztlich die politische Verantwortung für die Förderung dieses konkreten Buches?

33. In welcher Weise werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Ihres Ressorts für die Prüfung von Kinderinhalten geschult?

34. Welche Schritte plant Ihr Ressort, um die Prüfstandards bei Kinder- und Jugendliteratur künftig zu verschärfen?

35. Wie stellen Sie sicher, dass Fördermittel im Bereich Kinderliteratur dem Wohl der Kinder und nicht primär gesellschaftspolitischen Agenden dienen?

36. Welche Änderungen im Förderwesen hält Ihr Ressort nach dem vorliegenden Fall selbst für notwendig oder sinnvoll?

37. In welchem Umfang war Ihrem Ressort bei der Förderentscheidung bekannt, wie die Inhalte des Buches „Lina die Entdeckerin“ konkret visualisiert sind, insbesondere im Zusammenspiel von Text und Illustration?

38. Welche konkreten Illustrationen des Buches wurden im Zuge des Förder-verfahrens geprüft und wie wurden diese inhaltlich und altersbezogen bewertet?

39. Welche Kriterien legt Ihr Ressort bei der Beurteilung von Illustrationen in Kinderbüchern an, insbesondere wenn Bilddarstellungen Themen transportieren, die über den reinen Text hinausgehen?

40. Wie wurde im konkreten Fall beurteilt, welche Wirkung die Kombination aus Bild und Text auf Kinder der vorgesehenen Altersgruppe entfalten kann?

41. Welche fachlichen Überlegungen wurden angestellt, um sicherzustellen, dass visuelle Darstellungen für Kinder weder überfordernd noch verstörend wirken können?

42. In welcher Weise wurde geprüft, ob die Bildsprache des Buches mit entwicklungspsychologischen Erkenntnissen zur Wahrnehmung von Kindern vereinbar ist?

43. Welche Personen oder Stellen haben die Illustrationen im Rahmen der Förderentscheidung begutachtet und über welche fachliche Qualifikation im Bereich Kinderpsychologie, Pädagogik oder Illustration verfügten diese?

44. Wie wird in Ihrem Ressort grundsätzlich sichergestellt, dass Illustrationen in geförderten Kinderbüchern den gleichen inhaltlichen Prüfmaßstäben unterliegen wie die Texte selbst?

45. Welche Rolle spielte bei der Förderentscheidung die Frage, ob Kinder Inhalte primär über Bilder und nicht über erklärende Texte aufnehmen?

46. In welcher Form wurde geprüft, ob einzelne Illustrationen ohne begleitende Erklärung missverständlich oder entwicklungsrelevant interpretiert werden können?

47. Welche Überlegungen wurden dazu angestellt, wie Kinder die dargestellten Szenen eigenständig deuten könnten, unabhängig von der Intention der Autorinnen oder Illustratoren?

48. Wie wurde bewertet, ob die visuelle Darstellung im Buch geeignet ist, bestimmte Themen zu normalisieren oder zu emotionalisieren, ohne dass Kinder diese Inhalte altersgerecht einordnen können?

49. Welche Dokumentation liegt Ihrem Ressort zur konkreten Prüfung der Illustrationen und der dazugehörigen Texte vor?

50. Welchen konkreten kulturellen, pädagogischen oder gesellschaftlichen Mehrwert sieht Ihr Ressort in der Förderung des Buches „Lina die Entdeckerin“ im Verhältnis zum Einsatz öffentlicher Mittel?

51. Inwiefern entspricht die Förderung dieses konkreten Werkes nach Einschätzung Ihres Ressorts den Erwartungen der Steuerzahler, insbesondere jener Eltern, deren Kinder die primäre Zielgruppe des Buches darstellen?

52. Welche Förderbeiräte, Expertengremien oder vergleichbaren Beratungs-gremien bestehen im Zusammenhang mit der Vergabe von Fördermitteln, und wie setzen sich diese jeweils zusammen (Mitglieder, Funktionen, Entsendungs-stellen) einschließlich der jeweiligen Auswahl und Bestellkriterien?