5086/J XXVIII. GP
Eingelangt am 03.03.2026
Dieser Text wurde elektronisch übermittelt. Abweichungen vom Original sind
möglich.
ANFRAGE
des Abgeordneten Manuel Litzke, BSc
an die Bundesministerin für Frauen, Wissenschaft und Forschung
betreffend Geringe Anzahl universitärer Spin-offs trotz hoher Forschungs-förderung – strukturelle Defizite beim Wissenstransfer und Versäumnisse der Wissenschaftspolitik
Österreich investiert jährlich erhebliche öffentliche Mittel in Forschung und Entwicklung. Dennoch zeigt die aktuelle „Entrepreneurial Impact Study“[1], dass österreichische Universitäten im internationalen Vergleich nur eine äußerst geringe Anzahl an Ausgründungen (Spin-offs) hervorbringen, also von Unternehmen, die aus Forschungsergebnissen und Innovationen einer Universität hervorgehen. Während 78 Prozent der akademischen Start-ups im D-A-CH-Raum in Deutschland und 14 Prozent in der Schweiz entstehen, entfallen lediglich acht Prozent auf Österreich.
Besonders auffällig ist, dass selbst führende österreichische Universitäten – wie die TU Wien, die WU Wien oder die Universität Wien – deutlich hinter vergleichbaren Einrichtungen in Deutschland oder der Schweiz zurückliegen. Experten führen dies unter anderem auf eine mangelnde unternehmerische Kultur an Universitäten, eine starke Risikoaversion sowie auf langwierige und komplexe Prozesse bei der Übertragung geistigen Eigentums (IP) zurück.
Zudem zeigt das Beispiel des Innovationshubs „Wexelerate“, dass frühere Versuche, Forschung, Wirtschaft und Start-ups institutionell zu vernetzen, an fehlender Governance, politischer Einflussnahme und mangelnder struktureller Nachhaltigkeit gescheitert sind. Anstatt langfristig stabile Rahmenbedingungen zu schaffen, blieb es bei punktuellen Prestigeprojekten ohne nachhaltige Wirkung auf den Forschungs- und Gründungsstandort Österreich.[2]
Gerade öffentlich finanzierte Universitäten stehen in der Verantwortung, Forschungsergebnisse nicht nur zu publizieren, sondern auch in wirtschaftlich verwertbare Innovationen zu überführen. Dass dies bislang nur unzureichend gelingt, wirft grundlegende Fragen zur Ausrichtung der österreichischen Wissenschaftspolitik auf.
In diesem Zusammenhang richtet der unterfertigte Abgeordnete an die Bundes-ministerin für Frauen, Wissenschaft und Forschung nachstehende
Anfrage
1. Wie hoch waren die öffentlichen Mittel, die in den letzten zehn Jahren jährlich in Forschung an österreichischen Universitäten geflossen sind? (Bitte um Aufschlüsselung nach Jahren)
2. Wie viele universitäre Spin-offs wurden im selben Zeitraum aus österreichischen Universitäten heraus gegründet?
3. Wie viele dieser Spin-offs bestehen nach fünf Jahren noch am Markt?
4. Welche konkreten Zielvorgaben bestehen seitens des Ministeriums hinsichtlich der Anzahl von Ausgründungen aus öffentlichen Universitäten?
5. Warum bestehen in Österreich weiterhin langwierige Verfahren zur Übertragung geistigen Eigentums von Universitäten an Forscher oder Gründer?
6. Wie lange dauert die IP-Übertragung an öffentlichen Universitäten im Durchschnitt tatsächlich?
7. Plant das Ministerium eine Reform des IP-Rechts an öffentlichen Universitäten nach skandinavischem Vorbild („Erfinderprinzip“)?
8. Welche Rolle spielen universitäre Technologietransferstellen bei der Verzögerung oder Verhinderung von Ausgründungen?
9. Inwiefern werden Professoren und Universitätsleitungen leistungsbezogen danach beurteilt, ob Forschungsergebnisse wirtschaftlich verwertet werden?
10. Welche Anreize bestehen für Universitäten, Studenten aktiv zur Unternehmens-gründung zu ermutigen?
11. Wie viele verpflichtende Lehrveranstaltungen mit unternehmerischem Schwerpunkt gibt es derzeit an öffentlichen Universitäten?
12. Wie beurteilt das Ministerium die im Artikel geäußerte Kritik, dass Universitäten primär auf Lehre und Publikationen statt auf wirtschaftlichen Transfer fokussiert sind?
13. Welche Konsequenzen zieht das Ministerium aus dem Scheitern bzw. der Neuausrichtung von „Wexelerate“ für zukünftige Innovationsstrukturen?
14. Inwiefern sieht das Ministerium eine politische Mitverantwortung für das Ausbleiben nachhaltiger, personenunabhängiger Innovationsmodelle?
15. Welche konkreten Reformmaßnahmen plant das Ministerium bis zum Ende der laufenden Gesetzgebungsperiode, um die Zahl akademischer Gründungen messbar zu erhöhen?
[1] https://www.entrepreneurshipranking.com/wp-content/uploads/2025/06/Entrepreneurial_Impact_of_Academic_Institutions_2025-DACH-Ranking.pdf (aufgerufen am 11.02.2026)
[2] https://www.diepresse.com/20555481/versucht-und-gescheitert-warum-aus-wien-kein-start-up-standort-mehr (aufgerufen am 11.02.2026)