5117/J XXVIII. GP

Eingelangt am 05.03.2026
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Anfrage

 

der Abgeordneten Lukas Hammer, Leonore Gewessler, Freundinnen und Freunde

an den Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft

betreffend Sanierungsbonus abrupt eingestellt: Vorzeitiger Stopp gefährdet Wärmewende und verunsichert Haushalte und Betriebe

BEGRÜNDUNG

 

Am 2. Februar 2026 wurde bekannt gegeben, dass der sogenannte „Sanierungs-bonus“ im Rahmen der Bundesförderung Sanierungsoffensive Neu vorzeitig beendet wurde. Also nur wenige Monate nach dem Start der im November 2025 neu aufgelegten Sanierungsoffensive Neu des Bundes, die auf zwei Säulen aufbaut: Dem „Sanierungsbonus“ für thermisch-energetische Sanierungen sowie dem „Kessel-tausch“ für den Umstieg von fossilen Heizungen auf umweltfreundliche Heizsysteme.

Laut Angaben der Förderstelle und des BMLUK entfielen seit der Neuauflage Ende November 2025 rund zwei Drittel des Antragsvolumens auf den Sanierungsbonus und etwa ein Drittel auf den Kesseltausch. Begründet wurde die vorzeitige Beendigung des Sanierungsbonus damit, dass der Kesseltausch im Vergleich zur Sanierung mehr CO2-Einsparung pro eingesetztem Fördereuro erziele.[1] Auch wenn die Begründung in Teilen nachvollziehbar sein mag, so wirft sie trotzdem grundlegende Fragen hinsichtlich der Gesamtstrategie der Bundesförderungen im Gebäudebereich sowie der Vereinbarkeit mit langfristigen klima- und energie-politischen Zielsetzungen auf. Denn thermische Sanierungen sind gerade in privaten Haushalten ein zentraler Hebel zur Emissionsreduktion. Und es lassen sich dadurch nicht nur der Energieverbrauch, sondern auch die laufenden Kosten senken. Darüber hinaus beeinflusst die Qualität der thermischen Gebäudehülle auch maßgeblich die erforderliche Leistung des Heizsystems. Aus fachlicher Sicht ist es daher grund-sätzlich empfehlenswert, ein Gebäude thermisch zu sanieren (durch Einzelmaß-nahmen oder eine umfassende Sanierung), bevor die Heizung getauscht wird, um überdimensionierte Heizsysteme und Ineffizienzen zu vermeiden. [2] Die Entscheidung über das vorzeitige Ende hat nun jedoch zur Folge, dass es in fünf von neun Bundesländern keine Möglichkeit einer Förderung für thermische Sanierungs-maßnahmen gibt.[3]

Kritik an der Entscheidung über das vorzeitige Ende kam unter anderem von Global 2000, vom Forschungsverband der Baustoffindustrie oder auch von Energieberat-er:innen.[4] Diese warnen vor erheblichen negativen Auswirkungen auf die Sanier-ungsrate, Investitionsentscheidungen, massiver Unsicherheit in den betroffenen Branchen und Einbußen für die heimische Wertschöpfung. Denn die Sanierungs-branche belebt die Konjunktur und erzeugt Beschäftigungsnachfrage. Gerade diesen Aspekt unterstreicht auch eine 2025 veröffentlichte Studie, die die Effekte des Sanierungsbonus in den Jahren 2023 und 2024 untersuchte. Mit 776 Millionen Euro an Förderungen (für Einzelmaßnahmen, Teil- und Gesamtsanierungen) wurden 4,19 Milliarden Euro an volkswirtschaftlicher Wertschöpfung erzielt und rund 33.700 Arbeitsplätze gesichert oder geschaffen. Auch der Staatshaushalt profitierte mit 1,5 Milliarden Euro zusätzlich (durch direkte und indirekte Steuern und Abgaben). Diese Rückflüsse entsprechen knapp dem Doppelten der eingesetzten Fördermittel.[5] 

Kritisch erscheint im Hinblick auf das vorzeitige Ende auch, dass noch am 13. Jänner 2026 auf der Seite der Kommunalkredit Public Consulting (kurz KPC) sogenannte One-Pager für die unterschiedlichen Förderschienen – darunter auch für den Sanierungsbonus – veröffentlicht wurden.[6] Dies vermittelte Förderwerber:innen sowie Unternehmen weiterhin den Eindruck einer aufrechten und planbaren Förderlandschaft.

Die lange Förderlücke im Jahr 2025 sowie die jetzige vorzeitige Beendigung beim Sanierungsbonus sorgen aber nicht nur für Unmut und Verunsicherung in der Bevölkerung und den betroffenen Betrieben, sondern gefährden auch die Erreichung zentraler Energie- und Klimaziele im Bereich der Gebäudesanierung und der Dekarbonisierung der Raumwärme.

Auf EU-Ebene bildet die Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden (2024/1275) das zentrale Instrument für die angestrebte Dekarbonisierung des Gebäudebestands, mit dem zentralen Ziel, dass alle Gebäude bis spätestens 2050 den Standard des „Nullemissionsgebäudes“ erreichen. Damit einher geht auch der schrittweise Ausstieg aus fossilen Energieträgern. Ein Blick auf die aktuelle Entwicklung des Heizungsmarktes im Jahr 2025 zeigt hingegen bereits, dass die Absatzzahlen im Vergleich zum Vorjahr bei erneuerbaren Heizsystemen rückläufig waren (-22 Prozent bei Wärmepumpen und -33 Prozent bei Biomasse-Heizungen), während die Gasheizungen wieder angestiegen sind (+27 Prozent).[7] Diese Entwicklung steht im klaren Widerspruch zu diesen Zielen und den Erfordernissen der Wärmewende.

Laut dem Bericht „Umweltinvestitionen des Bundes 2024“ wurden im Jahr 2024 rund 21.100 Anträge im Rahmen des Sanierungsbonus genehmigt sowie knapp 58.300 Anträge im Programm „Raus aus Öl und Gas“ einschließlich „Sauber Heizen für Alle“. [8]. Mit der Sanierungsoffensive Neu geht das BMLUK Medienberichten zufolge davon aus, dass damit jährlich bis zu 30.000 Kessel getauscht werden können, ergänzt um rund 7.400 Projekte im Bereich der thermisch-energetischen Sanierung – wobei im Rahmen des Doppelbudgets 2025/2026 für 2026 lediglich knapp über 15.000 Kesseltäusche veranschlagt werden.[9] [10] Die aktuellen Entwicklungen lassen befürchten, dass selbst diese – für die Klimaneutralität im Raumwärmebereich viel zu niedrigen – Zielzahlen gefährdet sind und die verbleibenden Mittel für den Heizkesseltausch womöglich nicht bis zum Ende der Förderperiode ausreichen werden.

Vor diesem Hintergrund ist es erforderlich, die Entscheidung zur vorzeitigen Beendigung des Sanierungsbonus nachvollziehbar zu begründen, die verbleibenden Mittel für den Kesseltausch offenzulegen und die Auswirkungen auf Klimaziele, Energieeffizienzziele, Fördersystematik und Budgetplanung für betroffene Haushalte und Unternehmen transparent darzulegen. Das Ziel muss jedenfalls sein, auch in budgetär angespannten Situationen langfristig Transparenz und Planungssicherheit für alle Beteiligten sicherzustellen und die notwendigen Rahmenbedingungen für eine klimaneutrale Wärmeversorgung in Österreich zu schaffen.

Die unterfertigenden Abgeordneten stellen daher folgende

ANFRAGE

 

1)    Wann und von wem wurden Sie über den Ausschöpfungsstand der Fördermittel, der zur Beendigung des „Sanierungsbonus“ geführt hat, informiert?

 

2)    Wann und von wem wurde die Entscheidung zur vorzeitigen Beendigung des „Sanierungsbonus“ getroffen?

 

3)    Wann und von wem wurden Sie über die vorzeitige Beendigung des „Sanierungsbonus“ informiert?

 

4)    Welche fachlichen Analysen lagen der Entscheidung zugrunde?

 

5)    Inwiefern wurde vorab geprüft, ob der vorzeitige Stopp im Widerspruch zu energieeffizienzpolitischen Prinzipien steht („Energieeffizienz an erster Stelle“)?

 

6)    Inwiefern wurde vorab geprüft, ob der vorzeitige Stopp im Widerspruch zu der Empfehlung steht, thermische Sanierungsmaßnahmen vor dem Heizungstausch zu setzen?

 

7)    Wurden die Bundesländervertreter:innen sowie die betroffenen Branchen über die Änderungen informiert?

a.    Wenn ja, wann und von wem?

b.    Wenn nein, warum nicht?

 

8)    Wie viele Registrierungen gab es seit Start der „Sanierungsoffensive Neu“ für den „Sanierungsbonus“ insgesamt? Bitte auch um Aufschlüsselung nach Tag der Registrierung, Bundesland und durchschnittliche Höhe der reservierten Mittel.

 

9)    Wie viele Registrierungen gab es seit Start der „Sanierungsoffensive Neu“ für den „Kesseltausch“ insgesamt? Bitte auch um Aufschlüsselung nach Tag der Registrierung, Bundesland und durchschnittlichen Höhe der reservierten Mittel.

 

10) Wie hoch waren die noch nicht reservierten Mittel in den Monaten November 2025 bis Februar 2026? Bitte um Aufschlüsselung nach Wochen.

 

11) Wie hoch waren die noch nicht reservierten Mittel in den Tagen zwischen 1. Jänner 2026 und 2. Februar 2026? Bitte um Aufschlüsselung nach Tag.

 

12) Welche Auswirkungen hat die vorzeitige Beendigung auf die angestrebten Sanierungs- und Tauschraten?

 

13) Welche Auswirkungen hat die vorzeitige Beendigung auf die geplanten CO2-Einsparungen?

 

14) Welche Auswirkungen hat die vorzeitige Beendigung auf die Erreichung der nationalen Energieeffizienzziele?

 

15) Welche Auswirkungen werden durch die vorzeitige Beendigung auf den Endenergieverbrauch im Gebäudesektor erwartet?

 

16) Welche ökonomischen Auswirkungen hat die vorzeitige Beendigung insbesondere im Hinblick auf die heimische Wertschöpfung und Arbeitsplätze?

 

17) Welche alternativen Maßnahmen sind bei einer Abweichung der Zielraten geplant, um die Klima- und Energieziele im Bereich der Raumwärme nicht zu gefährden?

 

18) Sind auch weitere Förderprogramme im Rahmen der „Sanierungsoffensive Neu“ von einem vorzeitigen Stopp gefährdet?

 

19) Ist absehbar, ob die Fördermittel für den Heizkesseltausch bis zum Ende der laufenden Förderperiode ausreichen werden?

 

20) Wann ist eine Neuauflage bzw. Nachfolgeregelung des Sanierungsbonus geplant?

 

21) Laut dem Bericht „Umweltinvestitionen des Bundes 2024“ wurden 2024 rund 21.100 Sanierungsprojekte mit dem Sanierungsbonus unterstützt.

a.    Wie viele davon wurden 2024 und 2025 umgesetzt? Bitte um Aufschlüsselung nach Jahren.

b.    Wie hoch waren die nicht abgerufenen Fördermittel und wofür wurden diese eingesetzt?

 

22) Wie viele Sanierungsprojekte wurden 2025 im Rahmen der Sanierungsoffensive unterstützt und umgesetzt? Wie viele CO2-Emissionen konnten dadurch eingespart werden?

 

23) Laut dem Bericht „Umweltinvestitionen des Bundes 2024“ wurden 2024 mehr als 53.000 Projekte im Rahmen von „Raus aus Öl und Gas“ unterstützt.

a.    Wie viele davon wurden 2024 und 2025 umgesetzt? Bitte um Aufschlüsselung nach Jahren.

b.    Wie hoch waren die nicht abgerufenen Fördermittel und wofür wurden diese eingesetzt?

 

24) Wie viele fossile Heizungssysteme wurden 2025 im Rahmen der Sanierungsoffensive unterstützt und getauscht? Wie viele CO2-Emissionen konnten dadurch eingespart werden?

 

25) Die öffentlichen Aussagen zu einer angestrebten jährlichen Tauschrate von 30.000 Heizkesseln unterscheiden sich stark von den entsprechenden Kennzahlen im Bundesbudget, wo für 2026 beispielsweise von etwas mehr als 15.000 Heizkesseln ausgegangen wird.

a.    Welche Tauschrate strebt das BMLUK an?

b.    Wie wird sichergestellt, dass die angestrebte Tauschrate erreicht wird?

 

26) Ist absehbar, wie viele Sanierungsprojekte 2026 im Rahmen der Sanierungsoffensive unterstützt werden können?

a.    Wenn ja, wie viele?

b.    Wenn ja, welche CO2-Einsparungen werden dadurch erwartet?

c.    Wenn nein, wann ist mit einer Prognose zu rechnen?

 

27) Ist absehbar, wie viele fossile Heizkessel 2026 im Rahmen der Sanierungsoffensive getauscht werden können?

a.    Wenn ja, wie viele?

b.    Wenn ja, welche CO2-Einsparungen werden dadurch erwartet?

c.    Wenn nein, wann ist mit einer Prognose zu rechnen?

 

28) Die EU-Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden verfolgt zur Dekarbonisierung des Gebäudebestands unter anderem den schrittweisen Ausstieg aus fossilen Energieträgern bis 2040. Welche Maßnahmen setzen Sie, damit die noch bestehenden fossilen Heizkessel in Österreich zum Tausch gebracht werden?

 

29) Früher wurde auf der Website der KPC des jeweiligen Förderprogramms angegeben, wie viele Fördermittel noch zur Verfügung stehen. Wann wurde dies geändert und warum?

 

30) Gibt es Überlegungen, wie die Förderung des „Sanierungsbonus Neu“ so ausgestaltet werden kann, damit langfristige Planungssicherheit garantiert werden kann?

a.    Wenn ja, welche?

b.    Wenn nein, warum nicht?

 

 



[1] Hoher Andrang auf Sanierungsbonus - ab heute Fokus auf Kesseltausch | Sanierungsoffensive

[2] https://www.energieinstitut.at/privatpersonen/haustechnik-energieversorgung/raus-aus-oel/beim-heizungstausch-auch-an-das-gebaeude-denken

[3] https://www.global2000.at/sanierungsfoerder-check-2026-downloaden

[4] Sanierungsbonus endet: Heizungsförderung ab Februar nur noch für Kesseltausch - VOL.AT

[5] https://www.report.at/bau/sanierungsbonus-brachte-milliarden-impulse

[6] Kompakte Onepager für die Förderungen der Sanierungsoffensive ab sofort verfügbar! | Sanierungsoffensive

[7] Heizungsverkauf: Gas und Öl legten zu, Dämpfer für Wärmepumpe und Biomasse | Nachrichten.at

[8]https://www.umweltfoerderung.at/fileadmin/user_upload/public_consulting/Umweltinvestitionen_des_Bundes_Klima_und_Umweltschutzmassnahmen_2024.pdf

[9] Millionen für den Heizungstausch: Wie viele Förderungen wurden tatsächlich abgeholt? - Energiemarkt - derStandard.at › Wirtschaft

[10] BD - UG 43-Umwelt, Klima und Kreislaufwirtschaft Budgets 2025 und 2026