5216/J XXVIII. GP

Eingelangt am 09.03.2026
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ANFRAGE

 

des Abgeordneten Thomas Spalt

an den Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft

betreffend Repräsentation statt Krisenmanagement? Die Landwirtschaft im Schatten des Mercosur-Abkommens

 

 

Der Jänner 2026 markiert einen Wendepunkt für die österreichische Landwirtschaft und offenbart eine fragwürdige Prioritätensetzung der Bundesregierung. Während auf EU-Ebene das Mercosur-Abkommen[1] trotz Bedenken seitens Wien finalisiert wurde, blieb eine entschlossene Antwort aus dem zuständigen Ministerium aus. Angesichts der berechtigten Existenzsorgen der heimischen Landwirte und der Forderungen nach einem Rettungsschirm wirkt die öffentliche Prioritätensetzung der Ressortleitung unglücklich. In einer Phase, in der die Landwirtschaft um faire Wettbewerbs-bedingungen gegenüber Importen aus Südamerika kämpft, wird die Teilnahme an gesellschaftlichen Terminen wie dem Jägerball kritisch hinterfragt. Es entsteht der Eindruck, dass die politische Präsenz in Brüssel und an der Basis hinter den repräsentativen Verpflichtungen zurückgeblieben ist.

 

 

In diesem Zusammenhang richtet der unterfertigte Abgeordnete an den Bundes-minister für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft nachstehende

 

Anfrage

 

  1. Wie viele offizielle Termine besuchten Sie als Bundesminister im Zeitraum vom 7. bis 26. Jänner 2026? (Bitte um Auflistung nach Datum, Ort und Zweck)
  2. Wie hoch waren die Kosten für Ihre Teilnahme am Jägerball? (Bitte um detaillierte Aufschlüsselung)
  3. Welche personellen Ressourcen wurden für den Besuch des Jägerballs am 26.01.2026 beansprucht, und wie hoch waren die damit verbundenen Gesamtkosten? (Bitte um Aufschlüsselung nach Funktionen, entstandene Kosten inkl. Überstunden und Spesen)
  4. Welcher Anteil der wöchentlichen Arbeitszeit entfiel im Jänner 2026 auf die Vorbereitung von EU-Ratsentscheidungen im Vergleich zu repräsentativen Terminen?
  5. Hat Ihr Ministerium ein Rechtsgutachten beim Verfassungsdienst oder bei externen Experten in Auftrag gegeben, um die Zulässigkeit eines „Splitting“ des Mercosur-Abkommens durch die EU-Kommission zu prüfen?
    1. Wenn ja, zu welchem Ergebnis kommt dieses Gutachten hinsichtlich der Wahrung des bindenden Ablehnungsbeschlusses des österreichischen Nationalrats?
  6. Welche konkreten diplomatischen Schritte wurden seit der Überstimmung am 9. Jänner 2026 unternommen, um die Allianz mit Frankreich zu festigen?
  7. Gab es seit dem 9. Jänner 2026 direkten Kontakt auf Ministerebene mit der französischen Regierung, um eine gemeinsame Blockadestrategie gegen den Handelsteil des Abkommens zu koordinieren?
  8. Welche konkreten Modelle zur Ausweitung der Herkunftskennzeichnung auf verarbeitete Produkte wurden im Rahmen der Wintertagung 2026 präsentiert, und wie sieht der Zeitplan für eine gesetzliche Umsetzung aus?
  9. Inwieweit plant Ihr Ministerium, die Erhöhung der De-minimis-Grenzen auf EU-Ebene aktiv voranzutreiben, um Einkommensverluste durch erhöhten Importdruck direkt zu kompensieren?
  10. Wie hoch schätzt Ihr Ministerium den jährlichen Einkommensverlust für die österreichische Rinderwirtschaft ein, sollte das Mercosur-Abkommen in seiner jetzigen Form (ohne die Anpassung der Importstandards) in Kraft treten?


[1]    https://www.wko.at/aussenwirtschaft/eu-mercosur (aufgerufen am 30.01.2026)