Eingelangt am 10.03.2026
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ANFRAGE
des
Abgeordneten Dipl.-Ing. Gerhard Deimek
an
den Bundesminister für Finanzen
betreffend
Härte in der Forderung – Schwäche im
Vollzug in der Finanzverwaltung bei Adress- und Identitätslagen,
Umgang mit unrichtigen Meldedaten/Scheinadressen, steuerliche Folgewirkungen,
Zustell- und Einbringungsfälle, Korrekturketten, Kennzahlen und
Systemhärtung
Die
Bundesregierung verfolgt – auch in der öffentlichen Kommunikation
– eine konsequente Linie: Die digitale Identität (ID Austria) und
die darauf aufbauenden elektronischen Verfahren sollen zum Standard des
modernen Staatsvollzugs werden. Registerbasierte Verfahren und digitale
Kanäle (u. a. FinanzOnline) setzen korrekte Identitäts- und
Adressdaten voraus. Unrichtige Datenlagen können Zustellung,
Bescheiderlass, Einbringung und Missbrauchsbekämpfung beeinträchtigen.
Demgegenüber
mehren sich Berichte und Rückmeldungen aus der Verwaltungs-praxis, wonach
bei der Einführung und beim Betrieb digitaler Prozesse nicht die
technische Modernität das Problem ist, sondern die Prozessqualität:
unzureichende Sicherungs- und Plausibilitätsprüfungen, schwache
Korrekturketten, inkonsistente Zuständigkeiten und mangelnde
Durchgriffsfähigkeit im Zusammenspiel von Registern, Behörden und
angebundenen Stellen. Wenn es möglich ist, dass unbeteiligte Dritte durch „Phantom“-Meldungen,
Scheinadressen oder missbräuchliche An-/Ummeldungen in Folgesystemen (z.
B. Zustellung, Bescheide, Einbringung, Steuernummer/UID, Risiko- und
Betrugsbekämpfung) in Anspruch genommen, belästigt oder sogar
polizeilich „adressiert“ werden, ist dies kein Randproblem, sondern
ein Warnsignal: Ein digitaler Staat ist nur so gut wie seine Prüf- und
Korrekturprozesse. Wo diese schwach sind, entstehen systemische Risiken
– und zwar gerade dort, wo der Staat Digitalisierung als Pflicht und
Zukunftsmodell propagiert.
In
diesem Zusammenhang richtet der unterfertigte Abgeordnete an den Bundes-minister für Finanzen nachstehende
Anfrage
Umfang:
Adressdaten, Zustellung, Rückläufer, Verfahrensfolgen
- Wie
viele Zustellungen (postalische und elektronisch) der Finanzverwaltung
(Bescheide/Erledigungen/Mahnungen) wurden in den Jahren 2022, 2023, 2024
sowie 2025 veranlasst? (Bitte um Aufschlüsselung nach Jahr und
– soweit verfügbar – nach Organisationseinheit/Region)
- Wie
viele dieser Zustellungen führten in den genannten Zeiträumen zu
Rückläufern (unzustellbar/Adressat unbekannt/Verzogen)? (Bitte
um Aufschlüsselung nach Jahr und Rückläufergründen
soweit kategorisiert)
- Wie
viele Verfahren/Bescheide mussten in den genannten Zeiträumen
aufgrund von Zustellproblemen neu zugestellt oder verfahrensrechtlich neu
aufgerollt werden? (Bitte um Aufschlüsselung nach Jahr; soweit
statistisch erfasst)
- Wie
viele Fälle gab es, in denen es im Zuge der Zustellung zu einer
Fehladressierung mit Drittbetroffenheit (unbeteiligte Personen an einer
Adresse) kam? (Bitte um Aufschlüsselung nach Jahr)
- Wenn
es keine Erfassung gibt, warum nicht?
- Wenn
es keine Erfassung gibt, ist zukünftig eine geplant?
- Welche
durchschnittliche Durchlaufzeit (Median und 90. Perzentil) besteht bei
BMF-internen Adresskorrekturen von der Meldung bis zur Wirksamkeit im
Zustellwesen? (Bitte um Aufschlüsselung nach Jahr für 2022-2025)
Datenquellen
und Adressführung: ZMR-Übernahme, Abweichungen, Korrekturlogik
- Aus
welchen Primärdatenquellen bezieht die Finanzverwaltung Adressdaten
für natürliche Personen und Unternehmen? (Bitte um
Aufschlüsselung nach ZMR, Eigenangaben, Firmenbuch/GISA, sonstige
Quellen)
- Welche
Prioritätslogik gilt, wenn Adressdaten aus verschiedenen Quellen
voneinander abweichen (z. B. ZMR vs. Eigenangabe in FinanzOnline)? (Bitte
um Darstellung des Regelwerks/Weisung)
- Wie
häufig werden Adressdaten aus dem ZMR bzw. anderen Registern
automatisiert synchronisiert und welche technischen/organisatorischen
Sperren gibt es (Stichtage, Batchläufe, Ausnahmen)?
- Gibt
es im BMF-System eine Kennzeichnung („Flag“/Sperrvermerk)
für adressbezogene Risikolagen (z. B. wiederkehrend unzustellbar,
auffällige Mehrfachnutzung einer Adresse, Verdacht auf
Scheinadresse)?
- Wenn
ja, seit wann, welche Kriterien?
- Wenn
nein, warum nicht?
- Welche
end-to-end-Korrekturkette ist vorgesehen, damit eine festgestellte
Adressunrichtigkeit nicht nur im Kernsystem, sondern auch in allen
relevanten BMF-Teilsystemen (Zustellung, Einbringung,
Prüf-/Risikotools) wirksam wird?
Scheinadressen
und missbräuchliche Konstellationen: Erkennung, Muster, Risikoindikatoren
- Welche
Definition/Kategorisierung verwendet das BMF für Verdachtslagen wie
Scheinadresse, Scheinunternehmertum oder Adressmissbrauch? (Bitte um
Darstellung der Begriffe, Kriterien, Abgrenzung zu bloßen Zustell-problemen)
- Wie
viele Fälle mit Verdacht auf Scheinadresse wurden in den Jahren 2022-2025
(bis dato) in der Finanzverwaltung erfasst bzw. bearbeitet? (Bitte um
Aufschlüsselung nach Jahr und Unterscheidung nach natürlicher
Person/Unternehmen)
- Wie
viele dieser Fälle führten zu weiteren Maßnahmen (z. B.
Risikoeinstufung, Prüfung, UID-Maßnahmen,
Einbringungsmaßnahmen, Anzeige an Strafverfolgung)? (Bitte um
Aufschlüsselung nach Jahr und Maßnahmentyp)
- Welche
Top-10 Risikoindikatoren werden zur Identifikation solcher Fälle
verwendet (z. B. Massennutzung einer Adresse, hohe Fluktuation, fehlende
wirtschaftliche Substanz, unplausible Branchen-/Umsatzmuster; bitte nach
Relevanz ordnen)?
- Gibt
es automatisierte Verfahren zur Anomalie-/Fraud-Erkennung in Bezug auf
Adresslagen (regelbasiert oder datengetrieben)?
- Wenn
ja, welche Grundlogik und welche Governance (Freigabe/ Monitoring) liegen
hier zugrunde?
- Wenn
nein, warum nicht?
Steuernummer/UID
und Unternehmensregistrierung: Prüfschritte, Missbrauchsschutz
- Welche
Prüfschritte sind vorgesehen, um bei Neuanlage/Änderung von
Steuerkonten sicherzustellen, dass eine angegebene Adresse materiell
plausibel ist? (Bitte um Darstellung des Prozesses)
- Welche
zusätzlichen Prüfschritte bestehen im Zusammenhang mit der
Vergabe/Verwaltung von UID-Nummern zur Reduktion von Missbrauch über
Scheinadressen? (Bitte um Aufschlüsselung nach Maßnahmen und
Rechts-/ Weisungsgrundlagen)
- Wie
viele UID-bezogene Maßnahmen (z. B.
Einschränkung/Entzug/Versagung, intensivere Prüfung) gab es 2022-2025
(bis dato) mit Adressbezug? (Bitte um Aufschlüsselung nach Jahr und Maßnahmenkategorien)
- Welche
Rolle spielt die Finanzpolizei bzw. welche BMF-Organisations-einheiten
sind bei adressbezogenen Missbrauchskonstellationen involviert? (Bitte um
Darstellung nach Zuständigkeiten)
- In
wie vielen Fällen wurden 2022-2025 (bis dato) adressbezogene
Verdachtslagen an andere Stellen (z. B. BMI/Meldebehörde,
Gewerbebehörde, Staatsanwaltschaft) übermittelt? (Bitte um
Aufschlüsselung nach Jahr, Empfänger-Kategorie und
Anlasskategorie)
Einbringung/Vollstreckung
und Schutz unbeteiligter Dritter
- Wie
viele Einbringungsfälle (z. B. Mahnung, Exekutionseinleitung, Vollstreckungsmaßnahmen)
mussten 2022-2025 (bis dato) aufgrund unrichtiger Adresslage korrigiert,
gestoppt oder zurückgenommen werden? (Bitte um Aufschlüsselung
nach Jahr; soweit statistisch erfasst)
- Welche
internen Regeln bestehen, um bei wiederholt unzustellbaren Sendungen bzw.
widersprüchlichen Adresslagen Einbringungsmaßnahmen zu
pausieren, bis eine Klärung erfolgt?
- Welche
Möglichkeiten haben unbeteiligte Dritte, die an ihrer Adresse
wiederholt BMF-Sendungen für fremde Personen erhalten, eine
behördliche Bereinigung bzw. ein wirksames
„No-contact“-Signal auszulösen? (Bitte um Darstellung von
Prozess, Zuständigkeit, erforderlichen Nachweisen)
- Welche
durchschnittlichen Bearbeitungszeiten bestehen für solche Drittbetroffenen-Meldungen?
(Bitte um Aufschlüsselung nach Median/90. Perzentil für die
Jahre 2022-2025)
- Gibt
es für Betroffene eine standardisierte Fallnummer/Vorgangs-ID, die
über Zustellwesen, Steuerkonto und Einbringung hinweg genutzt wird?
- Wenn
ja, wie ist diese implementiert?
- Wenn
nein, ist eine Einführung geplant?
FinanzOnline
/ digitale Prozesse / Authentifizierung (inkl. ID Austria)
- In
welchen BMF-Verfahren ist eine digitale Authentifizierung (z. B. über
ID Austria) vorgesehen bzw. faktisch erforderlich? (Bitte um
Aufschlüsselung nach Verfahrensarten)
- Mit
welchen Maßnahmen stellt das BMF sicher, dass die digitale
Authentifizierung nicht als Ersatz für materielle Adress- und
Identitäts-plausibilisierung wirkt? (Bitte um Aufschlüsselung
nach Prozess-/Kontroll-punkten)
- Wie
viele Support-/Beschwerdefälle gab es 2022-2025 im Zusammenhang mit
Adressänderungen in FinanzOnline bzw. deren Wirksamkeit in Zustell-/ Einbringungssystemen?
(Bitte um Aufschlüsselung nach Jahr; soweit erfasst)
- Welche
technischen/organisatorischen Maßnahmen bestehen, um
missbräuchliche Adressänderungen in digitalen Kanälen
(FinanzOnline) zu verhindern bzw. zu erkennen (z. B. MFA, Friktionschecks,
Abgleichregeln, Monitoring)?
Audits,
Qualitätssicherung, Datenschutz und Governance
- Welche
internen oder externen Audits/Revisionen wurden seit 2022 zu den Themen Adressdatenqualität,
Zustellprozesse, Scheinadressen/Schein-unternehmertum und Korrekturketten
durchgeführt? (Bitte um Aufschlüsselung nach Datum,
Prüfumfang, zentrale Feststellungen, Umsetzungsstand)
- Welche
KPIs verwendet das BMF zur Steuerung der Prozessqualität (z. B.
Rückläuferquote, Zeit bis Korrektur, Wiederholungsfälle pro
Adresse, Einbringungsstopps wegen Datenlage) und welche Zielwerte gelten?
- Welche
Datenschutz- und Sicherheitsmaßnahmen bestehen für die
Protokollierung/Auswertung adressbezogener Risikodaten (Zweckbindung,
Zugriff, Aufbewahrungsfristen)?
Ressortübergreifende
Schnittstellen und Reformbedarf
- Welche
verbindlichen Vereinbarungen/Arbeitsstrukturen bestehen mit dem BMI
(ZMR/Meldewesen) und dem BKA (digitale Identität) zur schnellen,
verlässlichen Klärung adressbezogener Fehlkonstellationen? (Bitte
um Darstellung von Governance, Sitzungsfrequenz, Outputs seit 2023)
- Welche
konkreten Maßnahmen setzt bzw. plant das BMF, um adressbezogenen
Missbrauch und Drittbetroffenheit zu reduzieren? (Bitte um Gliederung nach
Maßnahmen in 0-6 Monate, 6-18 Monate, 18+ Monate inkl.
Ressourcen/Budgetansätze)
- Welche
gesetzlichen oder organisatorischen Änderungen hält das BMF
für erforderlich, um
- Adress-
und Identitätsplausibilisierung zu stärken,
- Korrekturfristen
verbindlicher zu machen und
- unbeteiligte
Dritte wirksam zu schützen, und
- welche
Initiativen hat das BMF hierzu seit 2023 gesetzt (Bitte um
Aufschlüsselung nach Prioritäten, Zeitplan, budgetäre
Auswirkungen)
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