Eingelangt am 10.03.2026
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ANFRAGE
des Abgeordneten Dipl.-Ing. Gerhard Deimek
an den Bundesminister für Inneres
betreffend Härte in der Forderung – Schwäche
im Vollzug: Melderecht/ZMR als Einfallstor für unrichtige Meldedaten zu
Lasten Unbeteiligter mit Polizeifolgen und Reformbedarf
Das Melderecht und das ZMR sind Kerninfrastruktur staatlichen
Vollzugs. Wenn unrichtige Meldedaten zu Lasten unbeteiligter Dritter entstehen
und nicht rasch end-to-end bereinigt werden, hat das Folgewirkungen in
Zustellung, Beitrags-/ Abgabenprozessen und im Extremfall in polizeilichen
Anlässen. Entscheidend sind daher: robuste
Plausibilisierung, klare Zuständigkeiten, verbindliche Korrekturfristen
und wirksamer Schutz Drittbetroffener.
In diesem Zusammenhang richtet der unterfertigte
Abgeordnete an den Bundes-minister
für Inneres nachstehende
Anfrage
„Wie groß ist das
Problem?“ – ZMR-Kennzahlen und Vollzugsdaten
- Wie viele Anmeldungen
(Haupt-/Nebenwohnsitz getrennt) wurden 2022, 2023, 2024 und 2025 im ZMR
erfasst? (Bitte um Aufschlüsselung nach Jahr und Bundesland)
- Wie viele Ummeldungen/Adressänderungen
wurden in den genannten Zeiträumen erfasst? (Bitte um
Aufschlüsselung nach Jahr und Bundesland)
- Wie viele Abmeldungen wurden in den
genannten Zeiträumen erfasst? (Bitte um Aufschlüsselung nach Jahr
und Bundesland)
- Wie viele Berichtigungen von
Meldedaten wurden in den genannten Zeiträumen durchgeführt? (Bitte
um Aufschlüsselung nach Jahr Bundesland und Berichtigungsgründen
soweit kategorisiert)?
- Wie viele amtswegige
Meldeüberprüfungsverfahren wurden 2022-2025 eingeleitet und abgeschlossen?
(Bitte um Aufschlüsselung nach Jahr und Bundesland)
- Wie viele Verwaltungsstrafverfahren
wegen meldebezogener Übertretungen wurden 2022–2025
eingeleitet, wie viele endeten rechtskräftig, und wie hoch waren
Median/Durchschnitt der Strafhöhe? (Bitte um Aufschlüsselung
nach Jahr und Bundesland)
„Fehlzuordnungen zu Lasten
Dritter?“ – Erfassung, Muster, auffällige Konstellationen
- Welche Definition/Kategorisierung
verwendet das BMI bzw. werden Meldebehörden angehalten zu verwenden für
Fälle „unrichtige Meldedaten zu Lasten unbeteiligter
Dritter“? (Bitte um Darlegung der Begriffe/Kategorien)
- Wie viele solcher Fälle sind
dem BMI bzw. den Meldebehörden 2022-2025 bekannt oder statistisch
erfasst? (Bitte um Aufschlüsselung nach Jahr, Bundesland und Art der
Betroffenheit kategorisieren)
- Wenn nicht erfasst, warum nicht?
- Wird eine Erfassung
eingeführt (Zeitplan)?
- In wie vielen Fällen kam es zu
Mehrfach-/Häufungskonstellationen an derselben Adresse binnen 12
Monaten? (Bitte um Aufschlüsselung nach Jahr und Bundesland und
Nennung der Schwellenwerte, ab wann „auffällig“
gezählt wird)
- Welche Top-10 Ursachencluster
wurden identifiziert? (Bitte um Angabe nach Häufigkeit)
- Gibt es im ZMR bzw. in den
meldebehördlichen Fachanwendungen im Meldeprozess ein automatisiertes
Plausibilisierungs-/Flagging (Häufung/ Fluktuation/unplausible
Haushaltsgröße)?
- Wenn ja, seit wann?
- Wenn nein, warum nicht?
- Welche Kategorien
„auffälliger Adresskonstellationen“ werden im Vollzug
gesondert behandelt (z. B. Leerstand, Baustellen, Sammelunterkünfte)
und welche Zusatzprüfungen gelten?
„Wie wird geprüft?“
– Identitäts- und Nachweisprüfung im Meldeverfahren
- Welche Mindestnachweise sind im
Meldeverfahren erforderlich (Standardfall/ Ausnahmefall)?
- Welche Rolle hat der
Unterkunftgeber im Verfahren und wie wird missbräuchliche
Bestätigung verhindert bzw. sanktioniert?
- Welche rechtlichen
Möglichkeiten bestehen, Unterkunftgeber proaktiv über
An-/Ummeldungen an ihrer Adresse zu informieren?
- Welche Hürden werden genannt?
- Welche Optionen prüft das BMI
zur Verbesserung?
- In welchen Fallgruppen ist
persönliche Vorsprache erforderlich, in welchen sind elektronische
Verfahren möglich? (Bitte um Darstellung der Varianten mit
Rechtsgrundlage und Prüfschritten)
- Welche Authentifizierungsniveaus
werden akzeptiert und wie wird sichergestellt, dass Authentifizierung
nicht materielle Adressrichtigkeit ersetzt?
- Gibt es ein standardisiertes
Verfahren, um bei Verdacht auf Identitätsmissbrauch Meldedaten
vorläufig zu kennzeichnen/zu sperren?
- Wenn ja: welche Maßnahme,
wie schnell?
- Wenn nein, warum nicht?
„Wie wird bereinigt?“
– Korrekturketten, Fristen, One-Stop
- Welche Stelle ist primär
zuständig, wenn ein Bürger glaubhaft macht, dass Personen zu
Unrecht an seiner Adresse gemeldet sind (Zuständigkeits-kaskade)?
- Welche Standardfristen gelten
für Erstprüfung, vorläufige Sicherung und endgültige
Berichtigung/Abmeldung (Soll/Ist)?
- Welche durchschnittlichen Durchlaufzeiten
(Median/90. Perzentil) hatten Klärungsverfahren 2022-2025? (Bitte um
Aufschlüsselung nach Jahr und Bundesland)
- Welche Entlastungsinstrumente
stehen Drittbetroffenen zur Verfügung, um Folgewirkungen während
der Klärung zu minimieren?
- Gibt es eine einheitliche
Fallnummer/Vorgangs-ID über Behördenebenen hinweg?
- Wenn nein, ist eine
Einführung geplant?
„Wer hat was geändert?“
– Audit-Trail, Revision, Qualitätssicherung
- Welche Audit-Trail-Informationen
werden erfasst (wer/wann/was) und welche Aufbewahrungsfristen gelten
(soweit erfasst)?
- Wie viele Fälle wurden 2022-2025
wegen Verdacht missbräuchlicher Manipulation näher geprüft?
(Bitte um Aufschlüsselung nach Jahr und Bundesland; soweit erfasst)
- Welche Revisionen/Audits zur
Datenqualität bzw. Prozessqualität im Meldewesen wurden seit
2022 durchgeführt? (Bitte um Aufschlüsselung nach Datum,
Prüfumfang, zentrale Feststellungen, Umsetzungsstand)
- Welche
Schulungs-/Qualitätsstandards gelten für meldezuständige
Mitarbeiter (Mindestschulung, Leitfäden, Aktualisierung)?
„Warum heilen Korrekturen nicht
alles?“ – Schnittstellen und Folgewirkungen
- Welche Kategorien externer Stellen
übernehmen Meldedaten typischerweise automatisiert aus dem ZMR? (Bitte
um Nennung der Kategorien nennen)
- Welche Mechanismen stellen sicher,
dass eine Berichtigung im ZMR zeitnah in Folgesystemen wirksam wird (end-to-end-Korrekturkette)?
- Welche Hürden verhindern, dass
Korrekturen alle Folgesysteme zuverlässig „heilen“, und
welche Abhilfe ist geplant?
„Polizeifolgen“ –
Verwechslungsgefahr und Qualitätssicherung
- Wie viele polizeiliche
Anlässe/Einsätze 2022-2025 hatten als wesentlichen Ausgangspunkt
eine Adress-/Meldedatenlage, die sich nachträglich als unrichtig
erwies?
- Wenn hierzu keine Zahlen
geführt werden, warum nicht?
- Welche dienstlichen Vorgaben
bestehen zur Minimierung von Verwechslungsgefahr bei Maßnahmen an
Wohnadressen (zusätzliche Identitätsabgleiche, dokumentierte
Plausibilisierung)?
- Welche Überprüfungswege
bestehen für Betroffene, wenn eine unrichtige Adresslage polizeiliche
Folgewirkungen hatte (Zuständigkeit, Verfahren, Fristen)?
„Ausblick“ –
Maßnahmenpaket und Reformbedarf
- Welche kurz-/mittel-/langfristigen
Maßnahmen (0-6 / 6-18 / 18+ Monate) setzt bzw. plant das BMI zur
Reduktion unrichtiger Meldedaten zu Lasten Unbeteiligter?
- Welche gesetzlichen, verordnungs-
oder richtlinienbasierten Änderungen sowie IT-/Prozessänderungen
hält das BMI für erforderlich, um Plausibilisierung,
Korrekturfristen und Schutz Drittbetroffener zu stärken? (Bitte um Darstellung
nach Priorität, Zeitplan, budgetären Auswirkungen)
Sollten einzelne Antworten
einer Vertraulichkeit bzw. Geheimhaltung unterliegen, wird ersucht, diese unter
Einhaltung des Informationsordnungsgesetzes klassifiziert zu beantworten.