Eingelangt am 10.03.2026
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ANFRAGE
des Abgeordneten Dipl.-Ing. Gerhard Deimek
an die Bundesministerin für Justiz
betreffend Härte in der Forderung –
Schwäche im Vollzug: Bürger in der Inkasso-Falle durch
Identitätsmissbrauch, strafrechtliche Wirksamkeit, zivil-/verfahrens-rechtliche
Schutzlücken, Daten- und Beweissicherung sowie Rolle der
Datenschutzbehörde (DSB) bei Opferschutz und Korrekturketten
Identitätsmissbrauch trifft Bürger zunehmend in
sehr konkreten Lebenslagen: Dritte nutzen fremde Personendaten, schließen
online Geschäfte ab oder bestellen Waren, und Betroffene werden in der
Folge mit Mahnungen, Inkassoschreiben oder gerichtlichen Schritten konfrontiert
– obwohl sie weder bestellt noch profitiert haben. Dadurch entstehen
Kostenrisiken, Drucksituationen und potenziell Bonitätsfolgen.
Zugleich wird in der Praxis wiederholt berichtet, dass
notwendige Aufklärung, Daten- und Beweissicherung sowie die rasche
„Entlastung“ Unbeteiligter (Stoppen von vorgerichtliche Inkassokosten
und gerichtliche Kostenfolgen (Mahnkosten, Korrektur falscher Datenlagen) an
Schnittstellen und Rechtsunsicherheiten scheitern können. In diesem
Zusammenhang spielt auch Datenschutzrecht und die DSB eine Rolle.
In diesem Zusammenhang richtet der unterfertigte
Abgeordnete an die Bundes-ministerin für Justiz nachstehende
Anfrage
Strafrechtliche Abbildung und
Statistikfähigkeit
- Welche Deliktskategorien werden im
Regelfall herangezogen, wenn unter fremdem Namen online
Bestellungen/Vertragsabschlüsse getätigt werden und dadurch
Forderungen/Inkasso ausgelöst werden? (Bitte um schematische
Darstellung nach Tatvarianten)
- Welche konkreten
Reformprüfungen hat das BMJ seit 2022 durchgeführt, um
Identitätsmissbrauch (insbesondere E-Commerce/Bestellungen)
strafrechtlich zielgenauer und statistikfähig abzubilden? (Bitte um
Aufschlüsselung nach Datum, Auftrag, Zwischenergebnisse, Zeitplan)
- Welche Position vertritt das BMJ
zur Schaffung eines eigenständigen Tatbestandes
„Identitätsmissbrauch/Identitätsdiebstahl“? (Bitte
um Darlegung von Begründung, Alternativen, Zeitplan, Ressourcen)
- Welche typischen Nachweisprobleme
(z. B. Zurechnung digitaler Spuren, Zustellnachweise, internationale
Plattformen) führen in diesen Fällen zur Einstellung, und welche
Maßnahmen hält das BMJ zur Reduktion dieser Probleme für
geeignet?
- Welche Leitlinien/Empfehlungen gibt
es an Staatsanwaltschaften zur Bearbeitung dieser Fallgruppe?
- Wenn keine, warum nicht?
- Wenn keine, ist eine Erstellung
geplant?
Ermittlungsrealität: Aktenzahlen,
Erledigungen, Dauer
- Wie viele
Strafanzeigen/Ermittlungsverfahren mit Kernkonstellation
„Bestellung/Vertragsabschluss unter fremdem Namen“ wurden
2022, 2023, 2024 und 2025 eingelangt/geführt (Bitte um
Aufschlüsselung nach Jahr und – soweit nicht gesondert erfasst
– Ermittlungsmethodik über Ersatzkategorien)
- Wie viele dieser Verfahren endeten
je Jahr mit
- Einstellung (Bitte um
Aufschlüsselung nach Hauptgründen),
- Anklage,
- Diversion,
- Verurteilung?
- In wie vielen Fällen war der
Täterstatus „unbekannt“ und in wie vielen Fällen war
internationale Rechtshilfe erforderlich? (Bitte um Aufschlüsselung
nach Jahr)
- Welche mediane Verfahrensdauer
(Anzeige bis Erledigung) ergibt sich 2022-2025, und wie hoch ist das 90.
Perzentil? (Bitte um Aufschlüsselung nach Jahr)
- Welche
Ressourcen-/Belastungskennzahlen (z. B. durchschnittliche Aktenlast je StA
in dieser Fallgruppe) liegen dem BMJ vor?
Beweissicherung und digitale Spuren
- Welche Erlässe/Leitlinien/Handbücher
bestehen zur raschen Sicherung von Beweisen bei Plattformen,
Zahlungsdienstleistern und Zustell-/Logistik-unternehmen (z. B.
Sicherungsanordnungen, Standardersuchen, Fristen-management)?
- Welche typischen Daten werden in
dieser Fallgruppe benötigt (Bestell- und Payment-Daten,
IP-/Device-Informationen, Zustellnachweise) und welche Hürden
bestehen für deren Erlangung?
- Welche Reformmaßnahmen
prüft das BMJ, um die Beweissicherung vor Datenlöschung zu
verbessern (z. B. Sicherungsfristen, standardisierte
Preservation-Requests, Prozessrecht)?
- Wurden seit 2022
Schwerpunktaktionen/Koordinationsprojekte zu E-Commerce-Betrug/Identitätsmissbrauch
durchgeführt? (Bitte um Aufschlüsselung nach Umfang, Ergebnissen,
Lessons Learned)
- Welche Mindestanforderungen an
„gerichtsfeste“ digitale Nachweise sieht das BMJ, um
Zurechnung/Beweiswürdigung in Zivil- und Strafverfahren zu
erleichtern?
Zivil-/Verfahrensrecht: Mahnverfahren,
Kostenexplosion, Stop-Mechanismen
- Welche Instrumente bestehen, um
unbegründete Forderungen rasch zu stoppen, bevor Inkasso-/Mahnkosten
eskalieren (Fristen, Einwendungen, Kostenfolgen)?
- Welche Rolle spielt das
gerichtliche Mahnverfahren bei dieser Fallgruppe, und welche
Reformoptionen prüft das BMJ zur Missbrauchsreduktion (z. B.
strengere Plausibilisierung bei Identitätsbestreitungen)?
- Wie viele Verfahren/Anträge im
gerichtlichen Mahnverfahren wurden 2022-2025 aufgrund von
Identitätsbestreitungen/Fehlzuordnung bekämpft? (Bitte um
Aufschlüsselung nach Jahr – soweit statistisch erfasst –
andernfalls Begründung und Plan zur Erfassung)
- Welche Maßnahmen prüft
das BMJ, um Betroffene bei plausibilisiertem Identitätsmissbrauch vor
Kostenfolgen zu schützen (z. B. Kostendeckel, Hemmung von Nebenkosten
bis Klärung)?
Gerichtliche Rechtsdurchsetzung: Regeln,
Aufsicht, Beschwerdelage
- Welche Rolle spielen vorgerichtliche
Geltendmachung und anschließende gerichtliche Schritte (insb.
Mahnverfahren/Exekution) in Fällen von
Identitätsbestreitungen und welche missbrauchsbegünstigenden
Faktoren werden gesehen?
- Welche rechtlichen Instrumente
bestehen, um bei substantiiertem Identitätsbestreiten eine
rasche gerichtliche Klärung zu erzwingen bzw. Kostenfolgen zu
begrenzen (Einwendungen/Fristen/Kostenersatz)?
- Welche Daten liegen dem BMJ zu
gerichtlichen Verfahren vor, in denen Forderungen wegen
Identitätsbestreitungen/Fehlzuordnung bekämpft wurden
(Mahnverfahren, Einsprüche)? (Bitte um Aufschlüsselung nach Jahr
für 2022-2025 – soweit statistisch erfasst – andernfalls
Plan zur Erfassung)
- Prüft das BMJ einen
Mechanismus, wonach bei plausibilisiertem Identitätsmissbrauch Nebenkosten/Kostenfolgen
gehemmt werden, bis eine Klärung erfolgt? (Bitte um Angabe zu Stand
bzw. Zeitplan)
- Welche Maßnahmen setzt das
BMJ, um Musterkonstellationen (wiederkehrende Massenvorgänge,
systematische Fehlzuordnungen) im gerichtlichen Bereich zu erkennen und
rechtspolitisch zu adressieren?
DSB-Block: Datenschutz als Schnittstelle
von Opferschutz, Auskunft, Korrektur
26.
Wie viele
Beschwerden/Verfahren bei der Datenschutzbehörde(DSB) betrafen 2022-2025
Sachverhalte, in denen Betroffene wegen Identitätsmissbrauch bzw.
Fehlzuordnung eine rasche Auskunft/Korrektur begehrten? (Bitte um
Aufschlüsselung nach Jahr)
1. Wenn es keine Kategorisierung gibt,
warum nicht?
2. Wenn es keine Kategorisierung gibt, bis
wann ist eine geplant?
(Soweit Auskünfte aufgrund der
Unabhängigkeit der DSB nur eingeschränkt möglich sind, wird um
Darstellung der verfügbaren aggregierten Kennzahlen und der Erhebungsmethodik
ersucht)
27.
Welche mediane
Verfahrensdauer und welches 90. Perzentil ergeben sich bei der DSB für
Beschwerden mit unmittelbarer Opferschutzrelevanz (z. B. Korrektur falscher
Zuordnung, Auskunft zur Datenherkunft, Einschränkung der Verarbeitung)?
28.
Welche typischen
Ablehnungs- oder Verzögerungsgründe treten bei solchen Beschwerden
auf (z. B. Zuständigkeitsfragen, Datenherausgabe, Dritt-interessen)?
29.
Welche
Leitlinien/Empfehlungen (auch informell) existieren zur Abwägung
„Datenschutz vs. Opferschutz/Entlastung Unbeteiligter“ in typischen
Fehlzuordnungs- und Missbrauchsfällen?
30.
Welche
Maßnahmen hat das BMJ seit 2022 gesetzt, um die DSB (Ressourcen,
Verfahren, Digitalisierung) in die Lage zu versetzen, opferschutzrelevante
Beschwerden rascher zu erledigen? (Bitte um Angaben zu Budget, Planstellen,
Prozessreformen)
31.
Welche
gesetzgeberischen Klarstellungen prüft das BMJ, um datenschutz-rechtliche
Auskunfts- und Benachrichtigungswege in Missbrauchs-/Fehl-zuordnungsfällen
praktikabler zu machen, ohne die Unabhängigkeit der DSB zu
beeinträchtigen?
Koordination
und Reformpaket
- Welche ressortübergreifenden
Strukturen bestehen zwischen BMJ und BMI/BKA/BMF zur Bekämpfung von
Identitätsmissbrauch mit Folgewirkungen (Inkasso, Behördenpost,
falsche Zuordnungen)? (Bitte um Aufschlüsselung nach Gremien,
Sitzungsfrequenz, Outputs seit 2023)
- Welche kurz- (0-6 Monate), mittel-
(6-18 Monate) und langfristigen (18+ Monate) Maßnahmen plant das BMJ
zur Reduktion dieser Fälle? (Bitte um Angabe von Zeitplan,
Ressourcen, Gesetzesinitiativen)
- Welche messbaren
Zielgrößen (KPIs) hält das BMJ für geeignet (z. B.
Einstellungsquote, Dauer bis Erstmaßnahme, Dauer bis Entlastungs-bestätigung,
Dauer bis DSB-Erledigung) und welche Zielwerte werden angestrebt?
- Welche konkreten Gesetzesänderungen
im Strafrecht, Zivilrecht und Verfahrensrecht hält das BMJ
prioritär für erforderlich? (Bitte um Aufschlüsselung nach
Priorität mit Zeitplan und Wirkungsannahmen)
Sollten einzelne Antworten
einer Vertraulichkeit bzw. Geheimhaltung unterliegen, wird ersucht, diese unter
Einhaltung des Informationsordnungsgesetzes klassifiziert zu beantworten.