5230/J XXVIII. GP

Eingelangt am 10.03.2026
Dieser Text wurde elektronisch übermittelt. Abweichungen vom Original sind möglich.

ANFRAGE

 

des Abgeordneten Alois Kainz

an die Bundesministerin für Landesverteidigung

betreffend Reform des Zivildienstsystems in Österreich

 

 

Die Debatte um die Zukunft des österreichischen Wehr- und Zivildienstsystems hat in den letzten Wochen deutlich an Dynamik gewonnen. Im Rahmen der vom Verteidigungsministerium eingesetzten Wehrdienstkommission wurden im Jänner 2026 konkrete Vorschläge zur Reform der Dienstpflicht vorgelegt,[1] darunter eine Verlängerung des Zivildienstes von derzeit neun auf künftig zwölf Monate, um den gestiegenen Anforderungen im sozialen Bereich und den strukturellen Engpässen etwa im Rettungswesen, in der Pflege und in der Behindertenhilfe Rechnung zu tragen.

 

Wie etwa in einem Artikel der Salzburger Nachrichten vom 21. Jänner 2026 dargestellt wird, sieht der Kommissionsbericht eine Fokussierung des Zivildienstes auf Aufgaben vor, die der zivilen Landesverteidigung unmittelbar zugutekommen. Gleichzeitig wird hervorgehoben, dass die Verlängerung des Dienstes grundsätzlich zu einer längeren Verfügbarkeit von Zivildienstleistenden für zentrale soziale Dienste führen würde.[2]

 

Statistiken der Zivildienstserviceagentur zeigen, dass sich in den vergangenen Jahren im Bereich des ordentlichen Zivildienstes jährlich rund 14.000-15.000 Personen verpflichtet haben, wobei die Gesamtzuweisungen im Jahr 2024 mit 14.892 Zivildienern zu den höchsten seit Bestehen des Zivildienstes gehörten. Dabei wurde die Bedarfsdeckung der Einrichtungen im Jahr 2024 mit 90,7% beziffert.[3]

 

 

In diesem Zusammenhang richtet der unterfertigte Abgeordnete an die Bundes-ministerin für Landesverteidigung nachstehende

 

Anfrage

 

1.    Wie viele Zivildienstzuweisungen hat es jährlich seit 2020 bis einschließlich 2025 gegeben?

2.    Wie stellen sich diese Zahlen im Vergleich zum jeweils gemeldeten Bedarf der Einsatzorganisationen dar?

3.    Wie viele ehemalige Zivildienstleistende wurden seit 2020 insbesondere im Gesundheitsbereich bzw. Pflege- und Sozialbereich im Anschluss an ihren Dienst in ein reguläres Dienstverhältnis übernommen oder begannen eine einschlägige Ausbildung?

4.    Wie hat sich die finanzielle Abgeltung für Zivildienstleistende und Grundwehrdiener über die letzten 10 Jahre angepasst?

5.    Ist eine Anpassung der Entlohnung für Grundwehrdiener geplant, um die Attraktivität des Dienstes und die Sicherstellung der Personalressourcen zu gewährleisten?

6.    Ist beabsichtigt, die Kriterien und Bewertungsmaßstäbe der Stellungs-kommission (Tauglichkeit, Teiltauglichkeit, Untauglichkeit) zu ändern?

a.    Wenn ja, in welche Richtung sollen diese Anpassungen erfolgen?

7.    Wie viele Stellungspflichtige wurden seit 2020 jährlich als tauglich, teiltauglich bzw. untauglich eingestuft?

8.    Wie haben sich diese Quoten im Zeitverlauf entwickelt?

9.    Ist vorgesehen, bei öffentlichen Ausschreibungen und insbesondere im öffentlichen Dienst wieder verstärkt auf das Kriterium „abgeleisteter Präsenz- oder Zivildienst“ Bedacht zu nehmen, um den Dienst attraktiver zu machen und gesellschaftlich aufzuwerten?

10. Welche Modelle freiwilliger Dienste bestehen derzeit?

11. Wie viele Teilnehmer gab es seit 2020 an freiwilligen Diensten?

12. Welche berufliche oder ausbildungsbezogene Anrechnung sowie welche finanzielle Abgeltung sind damit verbunden?

13. Mit welchen fachlich zuständigen Abteilungen oder Arbeitsgruppen innerhalb der Ministerien wird die strategische Weiterentwicklung des Zivildienstsystems derzeit abgestimmt?

14. Welche strategischen Zielsetzungen verfolgt die Bundesregierung aktuell im Bereich Zivildienst und Wehrpflicht?

15. Ist geplant, bei Engpässen im Bereich der Zivildienststellen verstärkt mit dem Arbeitsmarktservice zusammenzuarbeiten, um alternative Personalressourcen zu erschließen?

a.    Wenn ja, inwiefern?

16. Welche Gesamtkosten sind dem Bund in den Jahren 2015 bis einschließlich 2025 jährlich durch den Zivildienst entstanden (inklusive Zivildienstgeld, Sozialversicherung, Verwaltungsaufwand, Zivildienstserviceagentur und sonstiger budgetärer Aufwendungen)?

17. Wie hoch ist der durchschnittliche Kostenaufwand pro Zivildienstleistendem und pro Dienstmonat?

a.    Wie hat sich dieser Wert seit 2020 entwickelt?

18. Welche finanziellen Beiträge leisten die Einsatzorganisationen und Einsatz-einrichtungen selbst zur Finanzierung der Zivildienststellen?

a.    Wie hoch ist deren Gesamtanteil im Vergleich zum Bundesanteil?

19. Wie hoch ist der Anteil der Zivildienstleistenden an der Gesamtpersonalleistung in besonders kritischen Bereichen wie Rettungsdiensten, Pflegeeinrichtungen, Behindertenbetreuung und Krankenanstalten?

20. Gibt es Berechnungen darüber, wie viele Vollzeitäquivalente durch Zivildienst-leistende jährlich tatsächlich erbracht werden und welcher volkswirtschaftliche Wert dieser Leistung entspricht?

21. Wie hoch ist die Abbruchquote beim Zivildienst seit 2020?

a.    Welche Ursachen werden dafür identifiziert?

22. Wie viele Beschwerden, Disziplinarverfahren oder Probleme im Zusammen-hang mit Zivildienststellen wurden seit 2015 registriert, und wie haben sich diese Zahlen entwickelt?

23. Ist geplant, den Einsatzbereich des Zivildienstes künftig auszuweiten oder einzuschränken?

a.    Wenn ja, in welchen konkreten Bereichen?

24. Gibt es Überlegungen, Alternativmodelle zur Absicherung sozialer Dienste ohne Zivildienst zu schaffen?

a.    Wenn ja, welche Prüfungen werden angestellt und mit welchem Ergebnis?



[1]   https://orf.at/stories/3417655/ (aufgerufen am 25.01.2026)

[2]   https://www.sn.at/politik/innenpolitik/haben-zivildiener-bald-weniger-auswahl-art-631150 (aufgerufen am 25.01.2026)

[3]   https://www.zivildienst.gv.at/service/statistiken/zivildienst-2024.html (aufgerufen am 25.01.2026)