5545/J XXVIII. GP
Eingelangt am 31.03.2026
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ANFRAGE
des Abgeordneten Christofer Ranzmaier
an die Bundesministerin für europäische und internationale Angelegenheiten
betreffend Doppelstaatsbürgerschaft für Südtiroler und bestehende Praxisfälle im Ausland
Die Frage der doppelten Staatsbürgerschaft für Südtiroler ist seit Jahren Gegenstand politischer Diskussionen in Österreich. Dabei wird regelmäßig auf rechtliche, politische und insbesondere außenpolitische Bedenken verwiesen, die einer Umsetzung entgegenstehen sollen.
Gleichzeitig zeigt ein Blick auf bestehende Praxisfälle, dass Doppelstaatsbürger-schaften mit Österreich-Bezug bereits in erheblichem Umfang existieren und faktisch gelebt werden. Besonders hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang die brasilianische Gemeinde Dreizehnlinden (Treze Tílias), die 1933 von österreichischen Auswanderern gegründet wurde und bis heute eine starke kulturelle und sprachliche Bindung an Österreich aufweist.[1]
In dieser Gemeinde ist die doppelte Staatsbürgerschaft für einen großen Teil der Bevölkerung Realität. Zahlreiche Einwohner besitzen sowohl die brasilianische als auch die österreichische Staatsbürgerschaft und nehmen sogar aktiv an österreichischen Wahlen teil.
Dieses Beispiel zeigt, dass Doppelstaatsbürgerschaften in einem internationalen Kontext nicht nur möglich, sondern auch praktisch umsetzbar sind, ohne dass daraus ersichtlich diplomatische Spannungen entstehen. Auch in Italien ist die doppelte Staatsbürgerschaft gängige Praxis, insbesondere für im Ausland lebende Personen italienischer Abstammung, denen der Erwerb der italienischen Staatsbürgerschaft neben einer bestehenden Staatsangehörigkeit regelmäßig ermöglicht wird.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, weshalb vergleichbare Modelle im Falle Südtirols, dessen Bevölkerung historisch nicht freiwillig, sondern infolge geopolitischer Entwicklungen von Österreich getrennt wurde, bislang nicht zur Anwendung kommen.
In diesem Zusammenhang richtet der unterfertigte Abgeordnete an die Bundes-ministerin für europäische und internationale Angelegenheiten nachstehende
Anfrage
1. Wie beurteilen Sie die bestehende Praxis doppelter Staatsbürgerschaften im Zusammenhang mit Österreich-stämmigen Bevölkerungsgruppen im Ausland, insbesondere am Beispiel der Gemeinde Dreizehnlinden in Brasilien?
2. Ist Ihnen bekannt, dass ein erheblicher Teil der Bevölkerung von Dreizehnlinden sowohl die brasilianische als auch die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt und an österreichischen Wahlen teilnimmt?
3. Welche außenpolitischen oder völkerrechtlichen Bedenken bestehen aus Ihrer Sicht konkret gegen die Einführung einer doppelten Staatsbürgerschaft für Südtiroler?
4. Inwieweit unterscheidet sich aus Ihrer Sicht die Situation der Österreich-stämmigen Bevölkerung in Dreizehnlinden von jener der Südtiroler Bevölkerung?
5. Welche Rolle spielt dabei der Umstand, dass die Bevölkerung Südtirols historisch nicht freiwillig, sondern infolge politischer Entscheidungen von Österreich getrennt wurde?
6. Hat es Ihrerseits Gespräche mit Italien gegeben, in denen die Möglichkeit einer doppelten Staatsbürgerschaft für Südtiroler thematisiert wurde?
a. Wenn ja, wann und mit welchem Ergebnis?
b. Wenn nein, warum nicht?
7. Welche konkreten rechtlichen und politischen Schritte wären aus Ihrer Sicht erforderlich, um ein Modell der doppelten Staatsbürgerschaft für Südtiroler umzusetzen, und welche Hindernisse stehen einer solchen Umsetzung derzeit entgegen?
8. Sehen Sie die Möglichkeiten, im Rahmen bestehender staatsbürgerschafts-rechtlicher Bestimmungen oder durch gezielte gesetzliche Anpassungen eine Sonderregelung für Südtiroler zu schaffen?
[1] https://www.unsertirol24.com/blog/doppelstaatsbuergerschaft-eine-erklaerung-am-beispiel-brasiliens/
https://suedtiroler-freiheit.com/2010/01/13/doppelte-staatsbuergerschaft-fuer-oesterr-minderheit-in-dreizehnlinden-brasilien-bereits-realitaet/
https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20210609_OTS0025/nachrichten-aus-dem-brasilianischen-tirol (aufgerufen am 20.03.2026)