5571/J XXVIII. GP
Eingelangt am 01.04.2026
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ANFRAGE
des Abgeordneten Christian Lausch
an die Bundesministerin für Justiz
betreffend Gerichtsmedizinische Institute und Gewaltambulanzen in Österreich
Auf der Homepage des Zentrums für Gerichtsmedizin ist Folgendes zu lesen:
„Die Gerichtsmedizin hat sich von dem aus Kriminalromanen bekannten ‚Detektiv mit dem Skalpell‘ heute zu einer multidisziplinären forensischen High-Tech-Wissenschaft entwickelt und gewandelt.
Die Forschung umfasst dabei sowohl eigenständige Forschung als auch die Adaptierung, Implementierung und Validierung von wissenschaftlichen Erkenntnissen anderer Fachgebiete für spezifisch forensische Zwecke. Forensische Forschung ist hochqualitative universitäre Forschung, die international ausgerichtet werden muss. Die angewandte Forschung ergibt sich aus speziellen hoheitlichen Fragestellungen (z.B. die Identifikation von Menschen mittels DNA-Analyse, der Nachweis von Giften, die Beurteilung einer Beeinträchtigung durch Drogen und Medikamente im Straßenverkehr etc.), welche in anderen naturwissenschaftlichen Fächern nicht in dieser Form bearbeitet werden."[1]
In diesem Zusammenhang richtet der unterfertigte Abgeordnete an die Bundes-ministerin für Justiz nachstehende
Anfrage
1. Wie viele von der Staatsanwaltschaft oder einem Gericht angeordnete Obduktionen wurden 2025 im Sprengel OLG Wien durchgeführt? (Bitte um Aufschlüsselung nach Jahren und Universitätseinheiten für Gerichtliche Medizin)
2. Wie viele von der Staatsanwaltschaft oder einem Gericht angeordnete Obduktionen wurden 2025 bundesweit durchgeführt? (Bitte um Aufschlüsselung nach Jahren und Universitätseinheiten für Gerichtliche Medizin)
3. Wie viele gerichtsmedizinische Sachverständige stehen der österreichischen Justiz derzeit tatsächlich zur Verfügung?
4. Wie viele Strafverfahren mussten in den Jahren 2022 - 2025 aufgrund fehlender gerichtsmedizinischer Kapazitäten verzögert oder verschoben werden?
5. Welche durchschnittlichen Wartezeiten bestehen derzeit für gerichts-medizinische Gutachten in Strafverfahren?
6. Wie viele gerichtsmedizinische Facharztstellen sind aktuell an den österreichischen Universitätsinstituten insgesamt vorgesehen und wie viele davon sind derzeit unbesetzt?
a. Seit wann bestehen diese unbesetzten Stellen jeweils?
7. Welche konkreten Maßnahmen wurden gesetzt, um diese Stellen zu besetzen?
8. Wer trägt die politische Verantwortung für den seit Jahren bekannten Personal-mangel im Bereich der Gerichtsmedizin?
9. Welche konkreten Maßnahmen wurden seit 2021 gesetzt, um diesen Personal-mangel strukturell zu beheben?
10. Konnte die gerichtsmedizinische Facharztstelle für die Gewaltambulanz Wien schon besetzt werden?
a. Wenn ja, seit wann ist diese Stelle besetzt?
b. Wenn nein, seit wann ist diese Stelle ausgeschrieben?
c. Wenn nein, wie viele Bewerbungen sind bisher eingelangt?
d. Wenn nein, welche Gründe gibt es, dass diese zentrale Stelle nicht besetzt werden kann?
e. Wenn nein, wann wird diese Stelle besetzt?
11. Ist es immer noch so, dass Allgemeinmediziner mit entsprechender Zusatz-ausbildung eingesetzt werden, weil nicht ausreichend Gerichtsmediziner zur Verfügung stehen?
a. Wenn ja, ist das eine dauerhafte Struktur?
b. Wenn ja, oder nur eine Übergangslösung?
12. Wie wird sichergestellt, dass die Beweissicherheit vor Gericht bei Untersuchungen durch nicht spezialisierte Fachärzte gewährleistet ist?
13. Bis zu welchem Zeitpunkt ist aus heutiger Sicht die Finanzierung der Pilotbetriebe der Gewaltambulanzen gesichert?
14. Welche finanziellen Mittel wären erforderlich, um die bestehenden Gewalt-ambulanzen dauerhaft zu betreiben?
15. Gibt es schon einen Zeitplan für den bundesweiten Ausbau von Gewalt-ambulanzen?
a. Wenn ja, wie sieht dieser im Detail aus?
b. Wenn ja, wird hier ganz Österreich abgedeckt mit Gewaltambulanzen?
c. Wenn ja, wo genau sind diese Ambulanzen?
d. Wenn nein, warum nicht?
16. Wie viele Gewaltopfer aus ländlichen Regionen mussten bislang aufgrund fehlender regionaler Angebote längere Anfahrtswege zu Gewaltambulanzen in Kauf nehmen?
17. Wie lange beträgt die durchschnittliche Anfahrtszeit für Betroffene außerhalb der Ballungsräume?
[1] https://gerichtsmedizin.meduniwien.ac.at/forschung-und-fachbereiche/forensische-medizin-und-morphologie/?utm_source=chatgpt.com (aufgerufen am 16.03.2026)