5693/J XXVIII. GP

Eingelangt am 07.04.2026
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ANFRAGE

 

des Abgeordneten Peter Schmiedlechner

an den Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft

betreffend Fischverlust durch Kormorane

 

 

Der Kormoran - einst als Fischräuber selbst vom Menschen gejagt, erreichte in den letzten Jahrzehnten durch die EU-Vogelschutzrichtlinie[1] einen Populationszuwachs von 50.000 Vögeln in den 70er Jahren auf aktuell über zwei Millionen Exemplare in ganz Europa.[2]

 

Insgesamt gibt es vier bekannte Brutkolonien in Österreich: am Neusiedler See, in den Marchauen (Hauptkolonie), im Rheindelta und in der Tibelmündung in Kärnten. Rund 3.000 Kormorane ziehen zusätzlich jährlich mit Herbstbeginn nach Österreich, um hier den Winter zu verbringen. Für unsere heimischen Berufsfischer beginnt damit der alljährliche Kampf um jeden überlebenden Speisefisch in den Seen, Teichen, Bächen und Aquakulturen und somit um ihre Existenz, denn ein Vogel dieser Art frisst bis zu einem halben Kilo Fisch pro Tag – in der Brutzeit bis zu 700 Gramm.

 

Da Kormorane in großen Kolonien leben und jagen, gehen in den Wintermonaten mehrere Tonnen an regionalen Speisefischen wie z.B.: Saiblinge, Reinanken und Karpfenfische verloren. Fehlende oder strenge Vorgaben von Vergrämungs-maßnahmen erschweren den Fischern ihre Fische zu schützen.

 

Erst seit einem Jahr ist es erlaubt, Kormorane unter bestimmten Auflagen zu bejagen. Ausgenommen sind jedoch große Seen, die Donau, der Inn und die Salzach.[3] Im Rahmen von EU-Projekten werden Fische gechipt um die Auswirkungen des Kormoran-Managements nachverfolgen zu können. So wurden dieses Jahr 800 Fische der Oberen Drau gechipt, um zu ermitteln, wie groß der Schaden durch Kormorane gefressener Fische tatsächlich ist, nachdem der Fischbestand einen historischen Tiefstand erreicht hat.[4] Obwohl in Österreich weniger Fisch als empfohlen gegessen wird, konnte der Bedarf von 71.000 Tonnen im Jahr 2023 nur zu einem Bruchteil von 5.100 Tonnen Fisch gedeckt werden. 77.500 Tonnen Fisch wurden 2023 importiert.

 

 

In diesem Zusammenhang richtet der unterfertigte Abgeordnete an den Bundes-minister für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft nachstehende

 

Anfrage

 

1.    Wie viele Kormorane wurden 2025 gesamt in Österreich gezählt? (Bitte um Aufschlüsselung nach Bundesländern)

a.    Wie viele Kormoran Brutpaare gab es 2025 in Österreich?

b.    Wie viele Kormorane verbrachten den Winter 2025 in Österreich?

2.    Wie viel Geld wurde in den letzten 5 Jahren für den Schutz des Kormoran Vogels von ihrem Ministerium investiert?

a.    Welche Projekte wurden mit diesem Geld finanziert?

3.    Wie viel Geld bekam Österreich in den letzten 5 Jahren von der EU für den Schutz des Kormoran Vogels zur Verfügung gestellt?

a.    Welche Projekte wurden damit finanziert?

4.    Haben Sie sich in den letzten 5 Jahren für eine Reduktion der Kormorane auf EU oder nationaler Ebene eingesetzt?

a.    Wenn ja, in welcher Form?

b.    Wenn nein, warum nicht?

5.    Werden Sie sich in den nächsten 4 Jahren auf EU-Ebene für eine Reduktion der Kormorane auf ein umweltverträgliches Maß einsetzen?

a.    Wenn ja, in welcher Form?

b.    Wenn nein, warum nicht?

6.    Werden Sie sich in den nächsten 4 Jahren auf nationaler Ebene für eine Reduktion der Kormorane auf ein umweltverträgliches Maß einsetzen?

a.    Wenn ja, in welcher Form

b.    Wenn nein, warum nicht?

7.    Wie viele Teichkulturen, Aquakulturen und Seenfischerei Standorte wurden mit Stand 2025 in Österreich gemeldet? (Bitte um Aufschlüsselung nach Bundes-ländern)

a.    Wie viel verschiedene Speisefischarten werden von diesen Betrieben produziert?

b.    Wie viel Tonnen Speisefisch wurden in den letzten 5 Jahren von diesen Betrieben produziert?

8.    Wie viel Tonnen an Fischverlust wurden in den letzten 5 Jahren von der Fischereiwirtschaft gemeldet?

a.    Wie viele Verlustmeldungen wurden davon aufgrund des Fischraubs durch den Kormoran gemeldet?

b.    Wieviel Tonnen Speisefisch fielen davon auf den Kormoran zurück?

c.    Mit wie viel Geld ist der Fischverlust in Österreich aufgrund des Kormorans in Österreich gesamt zu beziffern?

9.    Wie viel Tonnen an Fischverlust durch den Kormoran wurden in den letzten 5 Jahren von der Freizeitfischereivereinen gemeldet?

10. Wie viel Geld kostete das EU-Projekt entlang der oberen Drau, bei dem 800 Fische mit Mikrochips ausgestattet wurden, um den Einfluss des Kormoran zu überprüfen?

11. Mit wie viel Geld wurde das Projekt Brutvogelatlas 2013-2018 im Rahmen der ländlichen Entwicklung von Ihrem Ministerium unterstützt?

12. Mit wie viel Geld wurde der Brutvogelatlas 2019-2024 von Ihrem Ministerium unterstützt?

13. Wird die Gesellschaft für Vogelkunde - BirdLife Österreich mit Geldern aus Ihrem Ministerium unterstützt?

a.    Wenn ja, mit wie viel Geld in den Jahren 2019 bis 2024?

b.    Wenn ja, mit viel Geld im Jahr 2025?

c.    Wenn ja, Wie viel Geld wurde für 2026 budgetiert?

d.    Für welche Projekte wurde/wird dieses Geld eingesetzt?

e.    Gibt es auch noch andere Vogelschutz-Organisationen, die unterstützt werden?

14. Werden Projekte zur Erhaltung der Biodiversität in heimischen Gewässern gefördert?

a.    Wenn ja, wie viele derartige Projekte gibt es?

b.    Wenn ja, mit wieviel Geld werden/wurden die letzten 5 Jahre derartige Projekte unterstützt?

c.    Welche Projekte wurden unterstützt?

d.    Welche Organisationen wurden unterstützt?

15. Wie viele Fischarten sind in Österreich vom Aussterben bedroht?

16. Wie viele Gewässer (Flüsse, Bäche und Seen) sind jetzt bereits ohne Fisch-besatz?

17. Werden Sie Maßnahmen setzen, um Fische in Österreich vor dem Kormoran zu schützen?

a.    Wenn ja, welche?

b.    Wenn nein, warum nicht?

18. Mit welchen Maßnahmen schützen sie die Fische vor invasiven Beutegreifen?



[1]    https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/ALL/?uri=CELEX:32009L0147 (aufgerufen am 25.03.2026)

[2]    https://huberpower.com/wordpress/?p=40118 (aufgerufen am 25.03.2026)

[3]    https://zeitungderarbeit.at/feuilleton/wissenschaft/kormorane-kehren-zurueck-fischereien-in-oberoesterreich-unter-druck/ (aufgerufen am 25.03.2026)

[4]    https://www.kleinezeitung.at/kaernten/oberkaernten/20115222/fischbestand-in-der-oberen-drau-hat-historischen-tiefstand-erreicht (aufgerufen am 25.03.2026)