5698/J XXVIII. GP
Eingelangt am 07.04.2026
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ANFRAGE
des Abgeordneten Christofer Ranzmaier
an den Bundesminister für Inneres
betreffend Entwicklung der Suchtmittelkriminalität in Tirol, organisierte Strukturen und Anteil ausländischer Tätergruppen
Die Entwicklung der Suchtmittelkriminalität in Österreich zeigt insgesamt eine besorgniserregende Dynamik. Der Lagebericht des Bundeskriminalamts zur Suchtmittelkriminalität 2024 weist einen weiteren Anstieg der Anzeigen sowie eine zunehmende Professionalisierung der kriminellen Strukturen aus. Der illegale Drogenmarkt erreicht mittlerweile ein Volumen von über einer Milliarde Euro und wird zunehmend von organisierten Netzwerken geprägt.
Diese Entwicklungen spiegeln sich auch auf regionaler Ebene wider. Insbesondere in Tirol mehren sich Berichte über eine zunehmende Verfestigung der Drogenszene sowie über das Auftreten organisierter Strukturen im Bereich des Suchtmittelhandels. Besonders erschütternd ist in diesem Zusammenhang der jüngst bekannt gewordene Todesfall eines 13-jährigen Mädchens in Innsbruck, das im Umfeld der lokalen Drogenszene ums Leben kam. Dieser Fall verdeutlicht in dramatischer Weise, dass die Problematik längst nicht mehr auf Randbereiche beschränkt ist, sondern auch Minderjährige unmittelbar betrifft und gefährdet.[1]
Der Schutz junger Menschen vor dem Einfluss von Suchtmitteln sowie vor dem Abgleiten in kriminelle Strukturen stellt eine zentrale sicherheitspolitische Aufgabe dar. Wenn bereits Kinder in Kontakt mit derartigen Szenen geraten, wirft dies grundlegende Fragen hinsichtlich der Wirksamkeit bestehender Präventions-, Kontroll- und Straf-verfolgungsmaßnahmen auf.
Vor diesem Hintergrund ist auch die Zusammensetzung der Tätergruppen von besonderer Bedeutung. Immer wieder wird darauf hingewiesen, dass insbesondere im Bereich des organisierten Drogenhandels ein erheblicher Anteil der Tatverdächtigen keinen österreichischen Hintergrund aufweist.
Diese Entwicklungen werfen grundlegende Fragen hinsichtlich der Effektivität der bisherigen Maßnahmen zur Bekämpfung der Suchtmittelkriminalität in Tirol sowie hinsichtlich der Bekämpfung organisierter, grenzüberschreitender Täterstrukturen auf.
In diesem Zusammenhang richtet der unterfertigte Abgeordnete an den Bundes-minister für Inneres nachstehende
Anfrage
1. Wie hat sich die Suchtmittelkriminalität in Tirol in den letzten fünf Jahren hinsichtlich Anzeigen, Tatverdächtigen und sichergestellten Mengen entwickelt?
2. Wie stellt sich aus Ihrer Sicht die aktuelle Lage der Suchtmittelkriminalität in Tirol im Vergleich zum Bundesdurchschnitt dar?
3. Welche konkreten Ursachen sehen Sie für die aktuelle Entwicklung der Suchtmittelkriminalität in Tirol?
4. Welche Rolle spielen aus Ihrer Sicht organisierte, insbesondere international vernetzte kriminelle Netzwerke in der Suchtmittelkriminalität in Tirol?
5. Wie hoch ist der Anteil folgender Personengruppen bei den Tatverdächtigen im Bereich der Suchtmittelkriminalität in Tirol:
a. österreichische Staatsbürger,
b. EU-Bürger,
c. Drittstaatsangehörige,
d. Asylwerber,
e. Asylberechtigte?
(Bitte um Aufschlüsselung nach Jahr ab 2021 und Tiroler Bezirken, jeweils absolute Zahlen und prozentuale Anteile)
6. Wie hoch ist der Anteil folgender Personengruppen bei den Tatverdächtigen insbesondere im Bereich des organisierten Drogenhandels in Tirol:
a. österreichische Staatsbürger,
b. EU-Bürger,
c. Drittstaatsangehörige,
d. Asylwerber,
e. Asylberechtigte?
(Bitte um Aufschlüsselung nach Jahr ab 2021 und Tiroler Bezirken, jeweils absolute Zahlen und prozentuale Anteile)
7. Wie stellt sich die Altersstruktur der Tatverdächtigen im Bereich der Suchtmittelkriminalität in Tirol dar und wie hat sich insbesondere der Anteil minderjähriger Tatverdächtiger in den letzten fünf Jahren entwickelt?
8. Wie hat sich die Zahl der Drogentoten in Tirol in den letzten fünf Jahren entwickelt und wie stellt sich deren Altersstruktur, insbesondere im Hinblick auf minderjährige und junge Betroffene, dar?
9. In welchen Regionen bzw. Städten Tirols ist aus Ihrer Sicht eine besonders starke Ausprägung organisierter Suchtmittelkriminalität festzustellen?
10. Welche konkreten öffentlichen Orte oder Einrichtungen in Tirol gelten aus Sicht der Sicherheitsbehörden als besondere Brennpunkte der Suchtmittel-kriminalität?
11. Welche konkreten Maßnahmen wurden in Tirol in den letzten zwei Jahren gesetzt, um gegen organisierte Drogenkriminalität vorzugehen?
12. Wie viele Polizeikräfte sind aktuell in Tirol speziell für die Bekämpfung der Suchtmittelkriminalität eingesetzt, und wurden diese Kapazitäten in den letzten fünf Jahren ausgebaut oder reduziert?
13. Inwieweit beurteilen Sie die bestehenden sicherheitspolitischen Instrumente als ausreichend, um die Entwicklung der Suchtmittelkriminalität in Tirol wirksam zu bekämpfen?
14. Welche zusätzlichen Maßnahmen planen Sie konkret für Tirol, um insbesondere junge Menschen vor dem Einstieg in drogenbezogene Abhängigkeiten und kriminelle Strukturen zu schützen?
15. Wie hoch ist der Anteil von Wiederholungstätern im Bereich der Suchtmittel-kriminalität in Tirol und welche Maßnahmen werden gesetzt, um ein erneutes Abgleiten in die Szene zu verhindern?
16. Welche Erkenntnisse liegen dem Ressort darüber vor, in welchem Ausmaß Suchtmittelkriminalität im Umfeld von Schulen oder durch Kontakt mit schulpflichtigen Minderjährigen in Tirol eine Rolle spielt?
[1] https://www.tt.com/artikel/30929949/drei-tote-im-innsbrucker-drogenmilieu-juengstes-opfer-starb-kurz-nach-13-geburtstag (aufgerufen am 19.03.2026)