5918/J XXVIII. GP
Eingelangt am 22.04.2026
Dieser Text wurde elektronisch übermittelt. Abweichungen vom Original sind
möglich.
ANFRAGE
der Abgeordneten Rosa Ecker, MBA
an die Bundesministerin für Europa, Integration und Familie
betreffend Steigende Zahl an Jugendlichen ohne Ausbildung oder Beschäftigung (NEETs)
Mit dem Begriff „NEET“ („Not in Employment, Education or Training“) werden junge Menschen bezeichnet, die weder in Beschäftigung stehen noch eine Ausbildung oder Weiterbildung absolvieren. Diese Gruppe umfasst sowohl arbeitslose Jugendliche als auch junge Menschen, die sich vollständig außerhalb von Bildungssystem und Arbeitsmarkt befinden.
Österreich weist im europäischen Vergleich – trotz vergleichsweise niedriger Jugend-arbeitslosigkeit – eine beträchtliche Zahl junger Menschen auf, die den Übergang von Schule zu Ausbildung oder Arbeitsmarkt nicht erfolgreich bewältigen. Aktuelle Auswertungen zeigen, dass sich rund 122.000 junge Menschen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren weder in Ausbildung noch in Beschäftigung oder einer Schulung des Arbeitsmarktservice befinden. Der Anteil dieser sogenannten NEET-Jugendlichen lag im Jahr 2023 bei rund 12,9% der Altersgruppe.[1]
Über einen längeren Zeitraum betrachtet bleibt der Anteil der NEET-Jugendlichen in Österreich zwar relativ stabil, jedoch hat sich die Zusammensetzung dieser Gruppe deutlich verändert. Besonders auffällig ist der steigende Anteil von Jugendlichen mit Migrationshintergrund sowie der hohe Anteil von Jugendlichen mit niedrigen Bildungsabschlüssen. Mehr als die Hälfte der Betroffenen verfügt lediglich über einen Pflichtschulabschluss oder keinen darüber hinausgehenden Abschluss.1
Auch regionale Unterschiede sind erheblich. Während einige Bundesländer deutlich niedrigere Anteile aufweisen, liegen die Quoten insbesondere in urbanen Regionen wie Wien deutlich über dem österreichischen Durchschnitt.
Die Problematik der NEET-Jugendlichen hat nicht nur arbeitsmarktpolitische, sondern auch bildungs-, sozial- und integrationspolitische Dimensionen. Internationale Studien zeigen, dass ein längerer Verbleib außerhalb von Ausbildung und Arbeitsmarkt mit einem erhöhten Risiko von Langzeitarbeitslosigkeit, Armutsgefährdung und sozialer Exklusion verbunden ist. Gleichzeitig entstehen für den Staat erhebliche volks-wirtschaftliche Kosten durch entgangene Wertschöpfung, höhere Sozialausgaben und geringere Steuereinnahmen.
In diesem Zusammenhang richtet die unterfertigte Abgeordnete an die Bundes-ministerin für Europa, Integration und Familie nachstehende
Anfrage
1. Wie bewerten Sie den Umstand, dass sich laut aktuellen Daten rund 122.000 Jugendliche im Alter von 15 bis 24 Jahren in Österreich weder in Ausbildung noch in Beschäftigung oder Schulung befinden?
2. Welche konkreten Ursachen sehen Sie für den aktuell hohen Anteil von rund 12,9% NEET-Jugendlichen in dieser Altersgruppe?
3. Wie hat sich die absolute Zahl sowie der Anteil der NEET-Jugendlichen in Österreich seit 2015 jährlich entwickelt? (Bitte um Aufschlüsselung nach Jahren)
4. Wie verteilt sich die Zahl der NEET-Jugendlichen auf die einzelnen Bundes-länder?
5. Wie hoch ist der NEET-Anteil in den einzelnen Bundesländern jeweils im Verhältnis zur jeweiligen Altersgruppe?
6. Welche sozioökonomischen Faktoren (z.B. Bildungsabschluss, Geschlecht, Region) sind laut den der Bundesregierung vorliegenden Daten besonders häufig mit einer NEET-Situation verbunden?
7. Wie hoch ist der aktuelle Anteil der NEET-Jugendlichen, die
a. arbeitslos gemeldet sind,
b. nicht arbeitslos gemeldet sind und
c. weder beim AMS gemeldet noch in Ausbildung stehen?
8. Wie viele NEET-Jugendliche sind aktuell beim Arbeitsmarktservice (AMS) vorgemerkt?
9. Welche spezifischen Programme oder Maßnahmen werden vom AMS aktuell für Jugendliche ohne Ausbildung oder Beschäftigung angeboten?
10. Wie viele Jugendliche haben in den letzten zehn Jahren jährlich an diesen Programmen teilgenommen? (Bitte um Aufschlüsselung nach Jahr)
11. Wie hoch waren die jährlichen Budgetmittel des Bundes für arbeitsmarkt-politische Maßnahmen speziell für Jugendliche seit 2015? (Bitte um Aufschlüsselung nach Jahr)
12. Welche Evaluierungen der arbeitsmarktpolitischen Programme für NEET-Jugendliche wurden in den letzten zehn Jahren durchgeführt? (Bitte um Aufschlüsselung nach Jahr)
13. Zu welchen zentralen Ergebnissen sind diese Evaluierungen gekommen?
14. Welche Maßnahmen wurden auf Grundlage dieser Evaluierungen verändert oder neu eingeführt?
15. Wie hoch ist der aktuelle Anteil der NEET-Jugendlichen mit
a. höchstens Pflichtschulabschluss,
b. abgeschlossener Lehre,
c. mittlerer oder höherer Ausbildung?
16. Wie bewerten Sie den Umstand, dass ein großer Teil der NEET-Jugendlichen lediglich über einen Pflichtschulabschluss verfügt?
17. Welche arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen setzen Sie aktuell speziell für Jugendliche mit geringen oder fehlenden Bildungsabschlüssen?
18. Wie viele Jugendliche ohne Pflichtschulabschluss oder mit negativem Pflicht-schulabschluss befinden sich aktuell in AMS-Maßnahmen?
19. Wie hoch ist der aktuelle Anteil der NEET-Jugendlichen mit Migrations-hintergrund?
20. Wie hat sich dieser Anteil seit 2015 jährlich entwickelt?
21. Aus welchen Herkunftsregionen bzw. Herkunftsländern stammen die größten Gruppen innerhalb der NEET-Jugendlichen mit Migrationshintergrund?
22. Wie viele dieser Jugendlichen sind
a. selbst zugewandert und
b. in Österreich geboren?
23. Welche speziellen Programme setzen Sie aktuell, um Jugendliche mit Migrationshintergrund in Ausbildung und Beschäftigung zu integrieren?
24. Wie viele Teilnehmer haben bestehende Programme jährlich seit 2015 erreicht? (Bitte um Aufschlüsselung nach Jahren)
25. Wie hoch waren die jährlichen Kosten dieser Programme seit 2015? (Bitte um Aufschlüsselung nach Jahren)
26. Welche regionalen Unterschiede bestehen bei der Wirksamkeit arbeitsmarkt-politischer Maßnahmen für Jugendliche?
27. Wie bewerten Sie den Umstand, dass einige Bundesländer deutlich höhere NEET-Quoten aufweisen als andere?
28. Welche spezifischen Maßnahmen für Regionen mit besonders hohen NEET-Anteilen, insbesondere für Wien, wurden bisher gesetzt?
29. Welche zusätzlichen Maßnahmen plant die Bundesregierung, um die Zahl der Jugendlichen ohne Ausbildung oder Beschäftigung nachhaltig zu senken und für wann sind diese angesetzt?
[1] https://www.news.at/technik/anteil-der-ausbildungs-und-erwerbsfernen-jugendlichen-stabil (aufgerufen am 14.03.2026)