5961/J XXVIII. GP
Eingelangt am 24.04.2026
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Anfrage
der Abgeordneten Barbara Neßler, Ralph Schallmeiner, Freundinnen und Freunde
an die Bundesministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz
betreffend kostenfreie psychosoziale Unterstützung für Kinder und Jugendliche
Kinder und Jugendliche sind in ihrem Alltag mit vielfältigen Herausforderungen konfrontiert. Übergänge wie jener vom Kindergarten in die Schule, aber auch belastende Lebensereignisse wie familiäre Trennungen, Verlusterfahrungen oder Mobbing können Spuren hinterlassen. Viele junge Menschen bewältigen solche Situationen gut – doch nicht alle haben die gleichen Ressourcen oder Unterstützungsmöglichkeiten.
Expert:innen aus der Praxis berichten, dass psychische Belastungen bei Kindern oft schleichend sichtbar werden: durch Rückzug, Reizbarkeit, Schlaf- oder Essprobleme oder auch durch Entwicklungsrückschritte. Für Eltern ist es häufig schwer, diese Signale richtig einzuordnen und rechtzeitig geeignete Hilfe zu finden. Umso wichtiger ist ein niederschwelliger, rascher und vor allem kostenfreier Zugang zu qualitätsvoller psychosozialer Unterstützung.
Gleichzeitig wird immer deutlicher, dass die bestehenden Angebote – insbesondere im Bereich der Kinder- und Jugendpsychotherapie – bei weitem nicht ausreichen. Trotz engagierter Fachkräfte und bewährter Initiativen übersteigt der Bedarf die vorhandenen Kapazitäten deutlich. Lange Wartezeiten oder fehlende Therapieplätze bedeuten für betroffene Kinder und ihre Familien eine zusätzliche Belastung in ohnehin schwierigen Situationen. So ist es auch mit dem Projekt „Gesund aus der Krise“. Ein erfolgreiches Projekt, dass Kinder und Jugendliche niederschwellig unterstützt, in dem das Angebot der Nachfrage allerdings nicht nachkommen kann, aufgrund zu geringer budgetärer Mittel.
Gerade in sensiblen Entwicklungsphasen kann jedoch frühzeitige Unterstützung entscheidend dafür sein, langfristige psychische Erkrankungen zu verhindern und Kindern stabile Perspektiven zu ermöglichen. Neben der Akutversorgung kommt daher auch präventiven Maßnahmen – etwa in Kindergärten und Schulen sowie in der Mobbingprävention – eine zentrale Bedeutung zu.
Die unterfertigenden Abgeordneten stellen daher folgende
1) Wie stellt sich aktuell die Versorgungssituation im Bereich der psychosozialen Betreuung sowie der Kinder- und Jugendpsychotherapie in Österreich dar (bitte um Aufschlüsselung nach Bundesländern, Kassenplätzen und privat zu finanzierenden Angeboten)?
2) Wie viele kostenfreie bzw. kassenfinanzierte Therapieplätze für Kinder und Jugendliche stehen derzeit zur Verfügung?
3) Wieviele Fachärzt:innen für Kinder- und Jugendheilkunde mit § 2-Kassenvertrag gibt es aktuell in Österreich?
4) Wie lange sind die durchschnittlichen Wartezeiten für einen kassenfinanzierten Therapieplatz im Bereich der Kinder- und Jugendpsychotherapie?
5) Welche Maßnahmen setzt das Ministerium aktuell, um die bestehenden Kapazitätsengpässe im Bereich der psychosozialen Versorgung von Kindern und Jugendlichen zu reduzieren?
6) Ist ein Ausbau der kostenfreien bzw. kassenfinanzierten Therapieangebote geplant?
a. Wenn ja, in welchem Ausmaß und bis wann?
b. Wenn nein, warum nicht?
7) Wie wird der Bedarf an psychosozialer Unterstützung für Kinder und Jugendliche aktuell erhoben und prognostiziert?
8) Welche Rolle spielen Programme wie „Gesund aus der Krise“ in der langfristigen Versorgungsstrategie, und ist eine dauerhafte Implementierung in die Sozialversicherung bzw. Ausweitung vorgesehen?
9) Welche Maßnahmen setzt das Ministerium im Bereich der Prävention psychischer Belastungen bei Kindern und Jugendlichen, insbesondere in Bildungseinrichtungen wie Kindergärten und Schulen?
10) Inwiefern werden Programme zur Mobbingprävention ausgebaut bzw. finanziell unterstützt?
11) Welche Maßnahmen sind vorgesehen, um Eltern beim Zugang zu geeigneten Unterstützungsangeboten besser zu informieren und zu begleiten?
12) Wie wird sichergestellt, dass Kinder und Jugendliche bei akuten psychischen Belastungen rasch und niederschwellig Zugang zu geeigneter Hilfe erhalten?
13) Wie haben sich die Kapazitäten der klinischen und tagesklinischen, sowie der kinder- und jugendpsychiatrischen Ambulatorien über die letzten 10 Jahre entwickelt? (Wenn möglich bitte um Aufschlüsselung nach Bundesland)
14) Wie wird sichergestellt, dass ausreichend Kapazitäten vorhanden sind?
15) Wurden die Ausbildungskapazitäten für Fachärzt:innen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie erhöht?
a. Wenn nein, warum nicht?
16) Was wird getan um die Arbeit im stationären Bereich für Fachärzt:innen aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie zu attraktivieren?
17) Sind Maßnahmen geplant, um Rückmeldungen über Versorgungslücken (z. B. Abweisungen in Einrichtungen aufgrund fehlender Kapazitäten) systematisch zu erfassen und auszuwerten?
18) Unterstützt das Ministerium das Projekt der „Mental Health Days“ an Schulen und Betreuungseinrichtungen in Österreich?
a. Wenn ja, ist geplant das Projekt österreichweit auszurollen?
b. Wenn nein, warum nicht?
19) Ist dem Ministerium bekannt wie viele „Mental Health Days“ bereits an Schulen und Betreuungseinrichtungen stattgefunden haben seit Beginn des Projekts? (Bitte nach Jahren aufschlüsseln)