6026/J XXVIII. GP

Eingelangt am 30.04.2026
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Anfrage

 

der Abgeordneten Barbara Neßler, Sigrid Maurer, Freundinnen und Freunde

an den Bundesminister für Bildung

betreffend Schulische Ferienbetreuung

BEGRÜNDUNG

 

Für zehntausende Familien in Österreich beginnt mit dem Sommer keine entspannte Auszeit, sondern eine organisatorische Belastungsprobe. Die neunwöchigen Sommerferien passen schlichtweg nicht mehr zur Lebensrealität berufstätiger Eltern. Da der gesetzliche Urlaubsanspruch meist nur fünf Wochen beträgt, klafft eine massive Betreuungslücke von einem Monat. Diese Zeit müssen Eltern jedes Jahr aufs Neue mit hohem finanziellem und logistischem Aufwand überbrücken.

Besorgniserregend ist dabei auch die soziale Kluft. Während Kinder aus wohlhaben-den Familien durch teure Camps oder Sprachreisen gefördert werden, verlieren Kinder aus weniger privilegierten Haushalten massiv an Boden. Studien zum „Sum-mer Learning Loss“ belegen eindeutig, dass zu lange Lernpausen den Bildungserfolg gefährden und die soziale Schere weiter öffnen. Neun Wochen ohne jede pädagogische Struktur sind in einer modernen Gesellschaft nicht mehr zeitgemäß.

Erschwerend kommt hinzu, dass Eltern in einem regelrechten Kompetenz-Wirrwarr gefangen sind. Je nach Angebot ist entweder Bund, Land oder Gemeinde zuständig. Das Ergebnis ist ein „Postleitzahlen-Glück“: Ob ein Kind im Sommer gut betreut ist, darf aber nicht vom Wohnort abhängen.

Auch die seit 2022 bestehende Sommerschule bietet hier nur teilweise Entlastung. Sie wird jedoch an nur wenigen Standorten in Österreich angeboten, dauert zwei Wochen und endet bereits zu Mittag.  Für den Nachmittag wäre dann wieder die Gemeinde zuständig. So ein Angebot – wenn es denn überhaupt existiert – ist für berufstätige Eltern kaum nutzbar. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bleibt unter diesen Umständen eine Illusion.


Die unterfertigenden Abgeordneten stellen daher folgende

ANFRAGE

 

Fragen zur Sommerbetreuung für Schüler:innen:

1.    Wie viele Schulstandorte in Österreich sind ganzjährig geöffnet? Bitte um tabellarische Darstellung nach Schuljahr (2024/25 und 2025/26), Bundesland, Bildungsregion, Schultyp (und im Verhältnis zu allen Schulen dieses Schultyps) sowie Ausmaß der geöffneten Wochen bzw. Schließtage.

a.    Wie viele Schüler:innen haben dort die Sommerbetreuung 2025 in Anspruch genommen bzw. sind für die Sommerbetreuung 2026 angemeldet? Bitte um Aufschlüsselung nach Schuljahren, Bundesland, Bildungsregion, Schultyp, Alter bzw. Schulstufe der Schüler:innen (in absoluten Zahlen sowie im Verhältnis zur Gesamtzahl der Schüler:innen derselben Altersstufe).

 

2.    Wie viele Schulstandorte in Österreich bieten in ihrem Standort eine Sommer-ferienbetreuung an (intern oder extern), in welcher Form und in welchem zeitlichen Umfang? Bitte um tabellarische Darstellung nach Schuljahr (2024/25 und 2025/26), Bundesland, Bildungsregion und Schultyp (und im Verhältnis zu allen Schulen dieses Schultyps) sowie Form und zeitlichem Umfang (Wochen, Tage, Stunden).

a.    Wie viele Schüler:innen haben dort die Sommerbetreuung 2025 in Anspruch genommen bzw. sind für die Sommerbetreuung 2026 angemeldet? Bitte um Aufschlüsselung nach Schuljahren, Bundesland, Bildungsregion, Schultyp, Alter bzw. Schulstufe der Schüler:innen (in absoluten Zahlen sowie im Verhältnis zur Gesamtzahl der Schüler:innen derselben Altersstufe).

 

3.    Haben Sie konkrete Pläne, das Wiener Campus-Modell (ganztägig und ganzjährig geöffnet) oder ähnliche Modelle auf das gesamte Bundesgebiet auszuweiten? Wenn ja, bitte um konkrete Infos und was werden konkrete nächste Schritte sein?

 

4.    Sind Sie bzw. die Bildungsdirektionen als nachrangige Dienststellen über das Hort-Angebot bzw. außerschulische Betreuungsangebot im Sommer im jeweiligen Bundesland informiert?

a.    Wenn ja, in welchen Gemeinden und an wie vielen Hort-Standorten wird Sommerbetreuung und in welchem Umfang angeboten? Bitte um tabellarische Darstellung nach Bundesländern, Bildungsregionen sowie nach Umfang.

b.    Wenn nein, warum gibt es hier keinen systematischen Austausch zwischen Bildungsverwaltung, Gemeinden, Schulstandorten und Hort-Anbietern?

 

5.    Wie viele Bundesschulen (AHS/BMHS) hatten bzw. haben in den Sommerferien 2025 sowie 2026 ihre Räumlichkeiten für interne oder externe Sommer-Betreuung geöffnet und in welchem Ausmaß? Bitte um Darstellung nach Schuljahren, Bundesländern, Standorte, interne oder externe Sommerbetreuung, Schultypen sowie nach Ausmaß.

a.    Wie viele Schüler:innen wurden an diesen Bundesschulen in den Sommerferien 2025 sowie 2026 in Summe betreut? Bitte um Angabe nach Standorten, Bundesländern, Alter und Schulstufe der Schüler:innen.

 

Fragen zur Sommerschule:

 

6.    An wie vielen Standorten wurde bzw. wird 2025 und 2026 die Sommerschule angeboten? Bitte um Angabe nach Bundesländern, Standorten, Schultyp und Alter/Schulstufe der Schüler:innen.

a.    Wie viele Schüler:innen haben die Sommerschule 2025 besucht?

b.    Wie viele Schüler:innen sind für die Sommerschule 2026 bis jetzt angemeldet?

c.    Wie viele Schüler:innen müssen für die Sommerschulen ihren Schulstandort wechseln, weil an der eigenen Schule keine Sommerschule angeboten wird? (2025 sowie 2026)

d.    An wie vielen Sommerschulstandorten gibt es ein inklusives Angebot (2025 sowie 2026) und wie viele Inklusionsschüler:innen haben dieses Angebot in Anspruch genommen?

e.    An wie vielen Sommerschulstandorten wird auch eine Nachmittagsbetreuung angeboten? (2025 sowie 2026) Bitte um Auflistung.

 

7.    Welche konkreten Schritte setzen Sie, um das Angebot an ganztägigen und inklusiven Sommerschulangeboten flächendeckend auszubauen?

 

Allgemeine Fragen:

 

8.    Gibt es einen institutionalisierten Austausch zwischen dem Bildungs-ministerium, den Bildungsdirektionen, Ländern und Gemeinden, um eine gemeinsame Lösung für ein flächendeckendes, ganztägiges Sommerschul-angebot zu finden?

 

9.    Gibt es einen institutionalisierten Austausch zwischen dem Bildungs­ministerium und anderen Ministerien sowie Ländern und Gemeinden, um eine gemeinsame Lösung für ein flächendeckendes Sommerbetreuungsangebot für alle, die es brauchen, zu erarbeiten?

 

10. Wird im Zuge der Reformpartnerschaft gezielt daran gearbeitet, den Ausbau von Schulen mit echtem Ganzjahresangebot zu forcieren?

 

11. Welche Strategie verfolgen Sie im Rahmen der Reformpartnerschaft um die bestehenden Kompetenz-Zersplitterungen zwischen Bund, Ländern und Gemeinden zu entflechten, damit ein flächendeckendes Sommerbetreuungs-angebot sichergestellt werden kann?

 

12. Welche Maßnahmen setzt das Ministerium, um den „Summer Learning Loss“ durch gezielte Angebote über die zwei Wochen der Sommerschule hinaus aktiv zu bekämpfen? Gibt es Überlegungen die Sommerferien generell zu kürzen und die Ferienzeiten über das Jahr anderes zu verteilen (analog zu anderen internationalen Modellen)?