6031/J XXVIII. GP

Eingelangt am 30.04.2026
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ANFRAGE

 

des Abgeordneten Christoph Steiner

an den Bundesminister für Wirtschaft, Energie und Tourismus

betreffend Fragwürdiger Mitteleinsatz im Rahmen der neuen Tourismusstrategie „Vision T“

 

 

Wie aus Medienberichten[1], [2] hervorgeht, hat die Bundesregierung im Rahmen eines Ministerratsvortrags[3] angekündigt, im Zuge der neuen Tourismusstrategie „Vision T“ bis zum Sommer 2026 neben Maßnahmen zur Stärkung der Branche – insbesondere in den Bereichen Fachkräfte, Marketing und regulatorische Anpassungen – unter anderem eine Million Euro für Werbemaßnahmen im Zusammenhang mit den Olympischen Winterspielen in Mailand und Cortina d’Ampezzo bereitzustellen.[4] Zudem ist ein ressortübergreifendes Übereinkommen zur verstärkten Nutzung von Großveranstaltungen für touristisches Marketing geplant.

 

Besonders bemerkenswert erscheint in diesem Zusammenhang die Ankündigung, gemeinsam mit der Statistik Austria zu prüfen, „ob die derzeitige Abgrenzung und Gewichtung tourismusrelevanter Positionen in der Inflationsberechnung zeitgemäß und sachgerecht ist“2.

 

Diese Aussagen werfen grundlegende Fragen auf, da damit der Eindruck entstehen kann, dass nicht primär die tatsächliche Preisentwicklung, sondern deren statistische Darstellung Gegenstand politischer Einflussnahme werden soll.

 

Gleichzeitig wird seitens der Bundesregierung selbst eingeräumt, dass aufgrund der Budgetlage keine steuerlichen Entlastungen für die Betriebe vorgesehen sind, während stattdessen nur auf Schlagworte wie Entbürokratisierung, Imagekampagnen und Förderprogramme gesetzt wird.

 

Auch im Bereich der Fachkräfte wird auf bestehende Maßnahmen wie den Tourismusbeschäftigtenfonds (dotiert mit jährlich 6,5 Mio. Euro) sowie auf neue Kampagnen zur Attraktivierung der Branche verwiesen, obwohl der Fachkräftemangel seit Jahren als strukturelles Problem bekannt ist.

 

 

In diesem Zusammenhang richtet der unterfertigte Abgeordnete an den Bundes-minister für Wirtschaft, Energie und Tourismus nachstehende

 

Anfrage

 

1.    Welche konkreten Inhalte umfasst die geplante Tourismusstrategie „Vision T“?

2.    Welche messbaren Ziele sollen mit dieser Strategie erreicht werden?

3.    Welche konkreten Maßnahmen sind über allgemeine Ankündigungen hinaus bereits definiert?

4.    Welche budgetären Mittel sind für die Umsetzung der Strategie vorgesehen?

5.    Wurde eine Evaluierung der bisherigen Tourismusstrategien durchgeführt?

a.    Wenn ja, mit welchem Ergebnis?

6.    Wie setzte sich die angekündigte Million Euro für Werbemaßnahmen im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen konkret zusammen?

7.    Welche konkreten Maßnahmen wurden bereits mit diesen Mitteln finanziert bzw. sind noch geplant?

8.    Nach welchen Kriterien wurde die Höhe dieser Mittel festgelegt?

9.    Wurde im Vorfeld eine Prüfung der Verhältnismäßigkeit dieser Marketing-maßnahme vorgenommen und wie fällt die diesbezügliche Evaluierung nach Abschluss der Olympischen Winterspiele aus?

a.    Wenn ja, welcher prognostizierte Nutzen ergibt sich daraus für den Tourismusstandort Österreich?

10. Gab es vergleichbare Kampagnen in der Vergangenheit?

a.    Wenn ja, mit welchen Ergebnissen?

11. Wie bewertet das Ressort die Wirksamkeit des Tourismusbeschäftigtenfonds?

12. Wie viele Personen konnten durch diesen Fonds tatsächlich qualifiziert oder nachhaltig beschäftigt werden?

13. Welche konkreten Verbesserungen der Arbeitsbedingungen im Tourismus sind geplant?

14. Wie soll durch Imagekampagnen ein strukturelles Problem wie der Fachkräfte-mangel konkret nachhaltig gelöst werden?

15. Gibt es konkrete Maßnahmen zur Verbesserung von Löhnen, Arbeitszeiten oder Arbeitsbedingungen?

a.    Wenn ja, welche?

b.    Wenn nein, warum nicht?

16. Was ist konkret unter der geplanten „Überprüfung der Abgrenzung und Gewichtung tourismusrelevanter Positionen in der Inflationsberechnung“ zu verstehen?

17. Wer hat diese Überprüfung initiiert?

18. Welche konkreten Änderungen werden dabei in Betracht gezogen?

19. Wie wird sichergestellt, dass es zu keiner politischen Einflussnahme auf die Inflationsmessung kommt?

20. Wurde die Statistik Austria in diese Überlegungen eingebunden?

a.    Wenn ja, mit welcher fachlichen Stellungnahme?

21. Besteht die Absicht, tourismusbedingte Preissteigerungen in der Inflations-berechnung künftig geringer zu gewichten?

22. Gab es in der Vergangenheit ähnliche Überlegungen oder Anpassungen?

a.    Wenn ja, mit welchen Auswirkungen?

23. Warum wird anstelle struktureller Reformen primär auf Marketing, Förderungen und statistische Anpassungen gesetzt?

24. Welche konkreten Maßnahmen sind geplant, um die Wettbewerbsfähigkeit der Tourismusbetriebe nachhaltig zu stärken?

25. Wie wird sichergestellt, dass öffentliche Mittel effizient und zielgerichtet eingesetzt werden?



[1]    https://www.derstandard.at/story/3000000200000/regierung-will-neue-tourismusstrategie (aufgerufen am 14.04.2026))

[2]    https://orf.at/stories/tourismusstrategie-2026/ (aufgerufen am 14.04.2026)

[3]    https://www.bundeskanzleramt.gv.at/dam/jcr:0999e3d0-b737-406d-b53c-ae75a2e77419/36_8_mrv.pdf (aufgerufen am 14.04.2026)

[4]    https://www.bundeskanzleramt.gv.at/bundeskanzleramt/nachrichten-der-bundesregierung/2026/01/bundesregierung-staerkt-tourismusstandort-oesterreich.html (aufgerufen am 14.04.2026)