6036/J XXVIII. GP

Eingelangt am 04.05.2026
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ANFRAGE

 

des Abgeordneten Mag. Paul Hammerl, MA

an den Bundesminister für Wirtschaft, Energie und Tourismus

betreffend Aufklärung über die Bedrohungslage der Transalpinen Ölpipeline (TAL) und die davon abhängige Versorgungssicherheit Österreichs mit Öl

 

 

Die Transalpine-Pipeline (TAL) ist eine internationale Ölleitung, die Energie vom Hafen von Triest zu den Raffinerien u.a. in Österreich und Deutschland transportiert. Betrieben wird diese von der TAL-Gruppe, die aus drei Gesellschaften mit Sitz in Italien, Österreich und Deutschland besteht. Die TAL-Pipeline trägt wesentlich zur Energieversorgung in Österreich, Süddeutschland und der Tschechischen Republik bei, und ist für die österreichische Wirtschaft von elementarer Bedeutung. So liefert die TAL 90% des österreichischen Bedarfs an Mineralöl.[1]

 

Die Pumpwerke der TAL-Pipeline sind weitgehend abhängig von der lokalen Stromversorgung in den jeweiligen Ländern.

 

In einem Artikel des ORF mit dem Titel „Transalpine Ölpipeline / Ermittler vermuten Sabotage“ vom 12. April 2026 wird über einen mutmaßlichen Sabotageakt an einem Hochspannungsmast berichtet, der für die Stromversorgung einer Pumpstation auf dem italienischen Abschnitt der TAL-Pipeline notwendig ist.[2] Der Hochspannungsmast ist an der Basis mit einer Brennschneideflamme abgetrennt worden. Die Staats-anwaltschaft Triest ermittelt wegen Sabotage. Die Behebung der Störung hat bereits zu Lieferunterbrechungen geführt.

 

Auch die APA berichtet in ihrem Artikel vom 14. April 2026 mit dem Titel „Sabotage bei Pipeline in Italien: Justiz prüft internationale Spur“[3] über den mutmaßlichen Sabotageakt in Italien sowie über einen weiteren mutmaßlichen Sabotageversuch an der Gaspipeline Balkanstream in Nordserbien.

 

Die TAL-Pipeline ist die zentrale Öl-Lebensader Österreichs. Ein mutmaßlicher Sabotageakt auf die italienische Stromversorgung der Pipeline ist somit auch ein mutmaßlicher Sabotageakt gegen die kritische Infrastruktur Österreichs. Während die italienischen Behörden über Ermittlungen informieren, fehlt von Seiten der österreichischen Bundesregierung eine proaktive Information weitestgehend.

 

 

In diesem Zusammenhang richtet der unterfertigte Abgeordnete an den Bundes-minister für Wirtschaft, Energie und Tourismus nachstehende

 

Anfrage

 

1.    Seit wann haben die österreichischen Behörden Kenntnis über Betriebs-einschränkungen bei der TAL-Pipeline?

2.    Wer hat die Behörde über den Umstand der Betriebseinschränkung in Kenntnis gesetzt?

3.    Welche Behörde hatte diese Kenntnis zuerst?

4.    Welche Behörden wurden im Anschluss an diese Informationslage von der erstinformierten Behörde in Kenntnis gesetzt?

a.    Wann erfolgte diese Informationsweitergabe genau?

5.    Seit wann haben die österreichischen Behörden Kenntnis über den mutmaß-lichen Sabotageakt gegen die Stromversorgung der TAL-Pipeline?

6.    Wer hat die Behörde über den Verdacht einer Sabotage in Kenntnis gesetzt?

7.    Welche Behörde hatte diese Kenntnis zuerst?

8.    Welche Behörden wurden im Anschluss an diese Informationslage von der erstinformierten Behörde in Kenntnis gesetzt?

a.    Wann erfolgte diese Informationsweitergabe genau?

9.    Gibt es Notfallpläne für Sabotageakte gegen die TAL-Pipeline?

a.    Wenn nein, warum nicht?

b.    Wenn ja, mit welchen wesentlichen Inhalten?

10. Sehen diese Notfallpläne eine Kommunikation an betroffene Unternehmen vor?

a.    Wenn nein, weshalb nicht?

b.    Wenn ja, mit welchen Fristen und ab welcher Informationslage?

11. Sehen diese Notfallpläne eine Kommunikation an die Bevölkerung vor?

a.    Wenn nein, warum nicht?

b.    Wenn ja, mit welchen Fristen und ab welcher Informationslage?

12. Ist die Einsetzung eines Krisenstabes bei einem Sabotageakt gegen die TAL-Pipeline vorgesehen?

a.    Wenn nein, warum nicht?

b.    Wenn ja, wer ist Mitglied dieses Krisenstabes?

13. Wurden infolge des mutmaßlichen Sabotageakts an der Stromversorgung der TAL-Pipeline in Italien in Österreich Notfallpläne aktiviert?

a.    Wenn nein, warum nicht?

b.    Wenn ja, welche Aktivitäten wurden durchgeführt?

14. Wurde infolge des mutmaßlichen Sabotageakts an der Stromversorgung der TAL-Pipeline in Italien in Österreich ein Krisenstab eingesetzt?

a.    Wenn nein, warum nicht?

b.    Wenn ja, welche Aktivitäten wurden durchgeführt?

15. Welche gesetzlichen Grundlagen gelten für die TAL-Pipeline in Bezug auf die Prävention und Abwehr von Bedrohungslagen insbesondere in Hinblick auf die Versorgungssicherheit?

a.    Erfüllt die TAL-Pipeline diese gesetzlichen Grundlagen?

b.    Wird die Einhaltung von Sicherheitsvorschriften durch die TAL-Gruppe extern überprüft?

                                          i.    Wenn ja, durch wen?

                                        ii.    In welchen Abständen wird die Einhaltung überprüft?

                                       iii.    Welche Audit-Ergebnissen liegen vor?

                                       iv.    Wenn nein, warum nicht?

16. Wie wird die aktuelle Bedrohungslage in Bezug auf die TAL-Pipeline eingestuft?

17. Wie wird die aktuelle Bedrohungslage in Bezug auf die Energieinfrastruktur eingestuft?

18. Wird die aktuelle Bedrohungslage bei den verschiedenen Technologien der Energieinfrastruktur (u.a. Kraftwerke, Speicher, Netzinfrastruktur) sowie den eingesetzten Energieträgern (u.a. Strom, Gas, Rohöl, Ölprodukte) unter-schiedlich bewertet?

19. Welche Sicherheitsvorkehrungen werden aktuell getroffen, um die TAL-Pipeline zu schützen?

20. Wie viele ungeplante Lieferunterbrechungen der TAL-Pipeline – mit Auswirkung auf Österreich – gab es in den letzten zehn Jahren? (Bitte um Nennung von genauem Zeitpunkt, Dauer, ie Ursache sowie der Menge der ausgefallenen Lieferungen)

21. Wie hoch ist der volkswirtschaftliche Schaden einer Lieferunterbrechung von 24 Stunden?

22. Wie hoch ist der volkswirtschaftliche Schaden einer Lieferunterbrechung von sieben Tagen?

23. Wie hoch ist der volkswirtschaftliche Schaden einer Lieferunterbrechung von einem Monat?

24. Wie ist die Stromversorgung der TAL-Pipeline in Österreich ausfallssicher sichergestellt?

a.    Sind hierzu unterbrechungsfreie Notstromversorgungen vorhanden?

25. Erfüllt die Stromversorgung der kritischen Infrastruktur der TAL-Pipeline in Österreich das n-1 Kriterium?

a.    Wenn nein, warum nicht?

26. An welche österreichischen Stromnetzbetreiber ist die TAL-Pipeline angeschlossen?

27. Arbeiten Ihre Organisationseinheiten mit den europäischen Ländern im Zusammenhang mit dem Schutz der kritischen Infrastruktur zusammen?

a.    Wenn nein, warum nicht?

b.    Wenn ja, wie gestaltet sich die konkrete Zusammenarbeit?

c.    Wenn ja, welche Maßnahmen wurden in Zusammenhang mit dem mutmaßlichen Sabotageakt in Italien getroffen?



[1]   https://www.tal-oil.com/de/die-tal-gruppe/unternehmenszahlen (aufgerufen am 17.04.2026)

[2]   https://orf.at/stories/3426673/ (aufgerufen am 17.04.2026)

[3]   APA0101 vom 14.04.2026