6043/J XXVIII. GP
Eingelangt am 05.05.2026
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ANFRAGE
der Abgeordneten Rosa Ecker, MBA
an die Bundesministerin für Frauen, Wissenschaft und Forschung
betreffend Defizite in der Erfassung von Gewalt gegen Frauen im höheren Lebensalter
Gewalt gegen ältere Frauen stellt ein gravierendes, jedoch vielfach unsichtbares gesellschaftliches Problem dar. Während Gewalt an Frauen insgesamt zunehmend öffentliche Aufmerksamkeit erfährt, bleibt die spezifische Betroffenheit älterer Frauen häufig unterrepräsentiert – sowohl in der Datenerhebung als auch in Präventions- und Schutzmaßnahmen.
Ein aktueller Bericht des Mediums „Der Standard“ vom 16.04.2026 weist darauf hin, dass ältere Frauen besonders häufig von sozialer Isolation, gesundheitlicher Einschränkung und finanzieller Abhängigkeit betroffen sind. Diese Faktoren erhöhen das Risiko, Opfer von Gewalt zu werden, erschweren jedoch gleichzeitig den Zugang zu Hilfsangeboten und Unterstützungssystemen.[1]
Zugleich zeigen vorliegende Analysen, dass ältere Frauen überproportional häufig von tödlicher Gewalt betroffen sind. So waren etwa laut Auswertungen von Opferschutz-einrichtungen und Studien zuletzt knapp die Hälfte der Femizidopfer über 65 Jahre alt. Gleichzeitig bestehen erhebliche Datenlücken: Offizielle Statistiken erfassen Gewalt gegen Frauen in Österreich in der Regel nur bis zur Altersgruppe von 74 Jahren, wodurch insbesondere Frauen über 75 Jahre systematisch untererfasst bleiben.[2]
Internationale Projekte wie „MARVOW 2.0“ haben konkrete Handlungsempfehlungen erarbeitet, darunter Risikofaktoren-Checklisten zur besseren Früherkennung, spezialisierte Schulungsprogramme für Fachkräfte sowie Leitfäden für eine koordinierte, behördenübergreifende Zusammenarbeit.[3]
In diesem Zusammenhang richtet die unterfertigte Abgeordnete an die Bundes-ministerin für Frauen, Wissenschaft und Forschung nachstehende
Anfrage
2. Warum fehlen in Österreich systematische und vergleichbare Daten zu Gewalt an Frauen ab 75 Jahren?
3. Welche konkreten Schritte setzen Sie aktuell zur Schließung dieser Datenlücke?
4. Welche spezifischen Schutzmaßnahmen bestehen derzeit für Frauen ab 60 Jahren?
5. Welche Maßnahmen setzen Sie, um ältere Frauen gezielt zu erreichen, die bestehende Hilfsangebote nicht oder kaum in Anspruch nehmen?
6. Gibt es spezifisch auf ältere Frauen zugeschnittene Informations- und Sensibilisierungskampagnen?
a. Wenn ja, welche und mit welcher Reichweite?
b. Wenn nein, warum nicht?
7. Welche Rolle spielt das Gesundheitswesen bei der Früherkennung von Gewalt an älteren Frauen?
8. Gibt es verpflichtende Screening- oder Schulungsmaßnahmen?
9. Welche Schulungsprogramme bestehen für Polizei, Pflegepersonal, Sozial-dienste und medizinisches Personal zur Erkennung von Gewalt an älteren Frauen?
10. Wie bewerten Sie die im EU-Projekt „MARVOW 2.0“ entwickelte Risikofaktoren-Checkliste?
a. Wird diese in Österreich angewendet?
i. Wenn nein, warum nicht?
b. Werden die im Projekt entwickelten Schulungsprogramme für Fachkräfte in Österreich übernommen oder adaptiert?
11. Gibt es ein nationales Handbuch oder verbindliche Leitlinien für die behördenübergreifende Zusammenarbeit bei Gewalt an älteren Frauen?
a. Wenn ja, seit wann und wo ist dieses öffentlich zugänglich?
b. Wenn nein, warum nicht?
15. Planen Sie den Ausbau altersgerechter Plätze in Frauenhäusern?
a. Wenn ja, in welchem Umfang und Zeitrahmen?
16. Welche Unterstützungsangebote bestehen für ältere Frauen, die aufgrund von Pflegebedürftigkeit nicht in ein klassisches Frauenhaus wechseln können?
17. Welche Maßnahmen setzen Sie gezielt gegen Gewalt durch Pflegepersonal oder Angehörige?
18. Gibt es spezialisierte Beratungsangebote für ältere Gewaltopfer?
a. Wenn ja, wie viele und wo?
19. Welche Maßnahmen setzen Sie zur frühzeitigen Erkennung sozialer Isolation als Risikofaktor für Gewalt?
20. Inwiefern werden Gemeinden, mobile Dienste und Pflegeorganisationen in der Prävention und Früherkennung von Ihrem Ministerium unterstützt?
21. Welche konkreten Maßnahmen setzen Sie gegen finanzielle Abhängigkeit älterer Frauen als strukturellen Risikofaktor für Gewalt?
22. Welche Budgetmittel stehen aktuell für Maßnahmen zum Schutz älterer Frauen vor Gewalt zur Verfügung? (Bitte um detaillierte Aufschlüsselung)
a. Wie haben sich diese Budgetmittel seit 2020 im Ausmaß verändert?
23. Werden Budgetmittel gezielt für diese Altersgruppe reserviert?
a. Wenn ja, in welcher Höhe?
24. Welche der im Projekt „MARVOW 2.0“ entwickelten Empfehlungen werden aktuell in Österreich umgesetzt?
a. Welche dieser Empfehlungen wurden bislang nicht umgesetzt und aus welchen Gründen?
25. Gibt es einen eigenen Nationalen Aktionsplan oder Schwerpunkt zum Schutz älterer Frauen vor Gewalt?
26. Welche konkreten Maßnahmen planen Sie zur Verbesserung des Schutzes älterer Frauen?
27. Wie evaluieren Sie die Wirksamkeit bestehender Maßnahmen speziell für diese Zielgruppe?
28. Welche Rolle spielt Altersdiskriminierung bei der Bewertung und Verfolgung von Gewaltfällen?
29. Inwieweit wird Gewalt an älteren Frauen in bestehenden nationalen Strategien (z.B. Gewaltschutzstrategie, Pflegepolitik) explizit berücksichtigt?
30. Gibt es Kooperationen mit Seniorenorganisationen zur Prävention von Gewalt?
31. Wie wird sichergestellt, dass auch digital weniger affine ältere Frauen Zugang zu Unterstützungsangeboten erhalten?
32. Welche Maßnahmen setzen Sie zur besseren Erfassung von Gewalt in institutionellen Settings (z.B. Pflegeheimen)?
[1] https://www.derstandard.at/story/3000000316827/gewalt-gegen-aeltere-frauen-haeufig-unsichtbar (aufgerufen am 18.04.2026)
[2] https://www.wienerzeitung.at/a/gewalt-an-aelteren-frauen-warum-frauen-ueber-65-haeufiger-getoetet-werden
https://www.statistik.at/statistiken/bevoelkerung-und-soziales/kriminalitaet-und-sicherheit/gewalt-gegen-frauen (aufgerufen am 18.04.2026)
[3] https://marvow.eu/ (aufgerufen am 18.04.2026)