6057/J XXVIII. GP

Eingelangt am 07.05.2026
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ANFRAGE

 

der Abgeordneten Rosa Ecker, MBA

an den Bundesminister für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport

betreffend Regionale Schieflage bei der Kulturförderung des Bundes

 

 

Aus aktuellen Analysen geht hervor, dass die Verteilung der Bundesmittel für Kultur in Österreich erhebliche regionale Ungleichgewichte aufweist. Besonders deutlich wird dies am Beispiel Oberösterreichs: Während der Bund im Durchschnitt lediglich rund 5,8 Euro pro Einwohner für Kultur in Oberösterreich aufwendet, liegt dieser Wert ohne Sonderprojekte nach Angaben der Kulturplattform Oberösterreich sogar nur bei etwa 4,4 Euro pro Kopf.[1]

 

Im Vergleich dazu zeigen Auswertungen des KDZ – Zentrum für Verwaltungs-forschung, dass andere Bundesländer wie Salzburg und Vorarlberg deutlich höhere Pro-Kopf-Förderungen erhalten. Gleichzeitig wird ein Großteil der Bundesmittel in zentrale kulturelle Einrichtungen investiert, insbesondere in Bundestheater und Bundesmuseen mit Sitz in Wien. Rund drei Viertel der gesamten Bundesmittel fließen in solche zentralen Institutionen.[2]

 

Diese strukturelle Konzentration führt dazu, dass Bundesländer ohne große Bundeseinrichtungen – wie Oberösterreich – ihre kulturelle Infrastruktur in weiten Teilen eigenständig finanzieren müssen. Studien zeigen, dass Gemeinden teils zwischen 50 und 100 Euro pro Kopf für Kultur aufwenden und damit einen erheblichen Anteil an der Finanzierung tragen.[3]

 

Oberösterreich verfügt dennoch über eine vielfältige und leistungsfähige Kultur-landschaft mit Festivals, regionalen Initiativen und international beachteten Projekten. Trotz dieser kulturellen Leistungsfähigkeit wird das Bundesland in der Mittelverteilung des Bundes vergleichsweise schwach berücksichtigt.

 

Vor diesem Hintergrund ist fraglich, ob die derzeitige Förderlogik des Bundes strukturell zu einer Benachteiligung der Regionen führt und ob die kulturelle Leistung außerhalb Wiens ausreichend anerkannt und unterstützt wird.

 

 

In diesem Zusammenhang richtet die unterfertigte Abgeordnete an den Bundes-minister für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport nachstehende

 

Anfrage

 

  1. Wie hoch waren die gesamten Bundesausgaben für Kultur in den Jahren 2022, 2023, 2024 und 2025? (Bitte um Aufschlüsselung jeweils absolut und pro Kopf, nach Bundesländern und Jahren)
  2. Wie hoch waren die Pro-Kopf-Kulturförderungen des Bundes in diesen Jahren im Vergleich zwischen Oberösterreich, Wien, Salzburg und Vorarlberg?
  3. Welche konkreten Projekte, Initiativen und Einrichtungen in Oberösterreich wurden in den Jahren 2022 bis 2025 vom Bund gefördert? (Bitte um Auflistung inklusive Fördersummen und Förderart)
  4. Wie hoch war der Gesamtbetrag der Bundesmittel, der in diesem Zeitraum nach Oberösterreich geflossen ist, im Vergleich zu Wien und den übrigen Bundes-ländern?
  5. Welcher Anteil der gesamten Bundesmittel für Kultur entfiel in den Jahren 2022 bis 2025 auf Einrichtungen mit Sitz in Wien? (Bitte um Aufschlüsselung nach Jahr)
  6. Welcher Anteil entfiel im selben Zeitraum auf alle übrigen Bundesländer zusammen? (Bitte um Aufschlüsselung nach Jahr und Bundesland)
  7. Nach welchen konkreten Kriterien erfolgt die regionale Verteilung der Bundes-mittel für Kultur?
  8. Welche Rolle spielen dabei institutionelle Förderungen im Vergleich zu projekt-bezogenen Förderungen?
  9. Welche Definition legt das Ressort dem Begriff „überregional bedeutsam“ zugrunde?
  10. Wie viele als „überregional“ oder „national bedeutsam“ eingestufte Kultur-projekte wurden in den Jahren 2022 bis 2025
    1. in Wien
    2. in Oberösterreich

gefördert? (Bitte um Aufschlüsselung nach Jahr)

  1. Welche Fördersummen entfielen jeweils auf diese Projekte in Wien und in Oberösterreich? (Bitte um Aufschlüsselung nach Jahr und Bundesland)
  2. Sehen Sie einen direkten Zusammenhang zwischen der Anzahl bundeseigener bzw. bundesnaher Einrichtungen in einem Bundesland und der Höhe der dort wirksamen Fördermittel?
    1. Wenn ja, welche Maßnahmen werden gesetzt, um strukturelle Standort-vorteile einzelner Bundesländer auszugleichen?
    2. Wenn nein, wie erklären Sie die deutlichen Unterschiede in der Pro-Kopf-Förderung zwischen den Bundesländern?
  3. In welchem Ausmaß berücksichtigt die Förderpolitik des Bundes die kulturelle Eigenleistung der Länder und Gemeinden?
  4. Wie bewerten Sie die Tatsache, dass Gemeinden einen erheblich höheren Pro-Kopf-Aufwand für Kultur tragen als der Bund?
  5. Gibt es innerhalb Ihres Ressorts Zielvorgaben oder strategische Leitlinien zur Sicherstellung einer ausgewogenen regionalen Verteilung der Kultur-fördermittel?
    1. Wenn ja, wie werden diese konkret umgesetzt und evaluiert?
  6. Welche Maßnahmen wurden in den letzten fünf Jahren gesetzt, um die kulturelle Infrastruktur außerhalb Wiens gezielt zu stärken?
  7. Welche spezifischen Programme oder Förderinstrumente existieren derzeit für regionale Kulturinitiativen in Bundesländern ohne große Bundeseinrichtungen?
  8. Gibt es Überlegungen, die Förderlogik dahingehend zu reformieren, dass regionale kulturelle Leistungen stärker berücksichtigt werden?
  9. Welche Maßnahmen setzt Ihr Ressort, um einer übermäßigen Zentralisierung kultureller Ressourcen in Wien entgegenzuwirken?
  10. Welche konkreten Schritte planen Sie, um die Sichtbarkeit und finanzielle Ausstattung von Kulturprojekten in Oberösterreich zu verbessern?
  11. Ist geplant, künftig angemessene Verteilungsschlüssel oder Zielwerte für die regionale Verteilung von Kulturfördermitteln festzulegen?
  12. Wie wird sichergestellt, dass innovative, regionale Kulturprojekte nicht gegenüber etablierten Großinstitutionen systematisch benachteiligt werden?
  13. Welche Rolle spielen Festivals, freie Szene und regionale Initiativen in der strategischen Kulturpolitik des Bundes?
  14. Wie bewerten Sie die aktuelle Förderhöhe für bedeutende Veranstaltungen in den Bundesländern abseits Wien im Vergleich zu ähnlich gelagerten Projekten in Wien?
  15. Gibt es Pläne, die Kooperation zwischen Bund, Ländern und Gemeinden im Kulturbereich finanziell neu zu strukturieren?
    1. Wenn ja, wie sind diese ausgestaltet?
  16. Welche langfristige Strategie verfolgen Sie konkret, um eine faire und ausgewogene Kulturförderung in allen Bundesländern sicherzustellen?


[1]    https://kupf.at/zeitung/188/das-wien-ministerium/ (aufgerufen am 09.04.2026)

[2]    https://www.kdz.eu/de/aktuelles/blog/was-kostet-kultur-ein-blick-auf-die-oeffentliche-kulturfinanzierung-oesterreich (aufgerufen am 09.04.2026)

[3]    https://www.kdz.eu/system/files/downloads/2024-04/%C3%96ffentliche%20Kulturausgaben_KDZ%20Studie_Endbericht.pdf (aufgerufen am 09.04.2026)