6075/J XXVIII. GP
Eingelangt am 08.05.2026
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Anfrage
der Abgeordneten Sigrid Maurer, Freundinnen und Freunde
an den Bundesminister für Bildung
betreffend den Mangel an IT-Infrastruktur für die Matura am Laptop
In der Theorie baut das Bildungsministerium an der Schule der Zukunft, doch immer wieder scheitert diese Vision in der Praxis. Trotz der millionenschweren Digitalisier-ungsoffensive des „8-Punkte-Plans“ klafft zwischen dem bildungspolitischen Anspruch und der schulischen Realität mitunter eine gewaltige Lücke. Während die Jüngsten in der Sekundarstufe 1 konsequent mit Tablets ausgestattet werden, stehen die Absolvent:innen der Oberstufen vor einem absurden Problem. In einer Welt der Künstlichen Intelligenz und des digitalen Arbeitens wird die wichtigste Prüfung ihrer bisherigen Schullaufbahn – die Matura – zur analogen Zeitreise.
Schüler:innen berichten, dass die schriftliche Reifeprüfung am Laptop schlichtweg nicht möglich sei. Dies liegt nicht an mangelndem Willen oder fehlendem Können, sondern daran, dass die Infrastruktur vor Ort nicht ausreicht. In manchen Schulen scheint es nicht genug Geräte zu geben um einen Prüfungsbetrieb für einen gesamten Jahrgang zu garantieren. Während digitale Schularbeiten im Alltag meist funktionieren, weil sie zeitlich gestaffelt ablaufen, wird die gleichzeitig stattfindende Matura so zum technischen Nadelöhr.
Da nicht flächendeckend prüfungstaugliche Geräte für die Oberstufe zur Verfügung stehen, sind viele Schüler:innen auf die Nutzung von Privatgeräten (Bring Your Own Device) angewiesen. Dies setzt aber voraus, dass die Jugendlichen über entsprechende Hardware verfügen und diese mit der notwendigen Prüfungssoftware kompatibel ist. Wer kein eigenes, leistungsfähiges Gerät besitzt, ist hier klar im Nachteil.
Dieser Zustand ist ein bildungspolitischer Offenbarungseid. Während medienwirksam neue Pflichtfächer wie „Medien und Demokratie“ oder die Ausweitung der Informatik verkündet werden, lässt man die Schüler:innen und Schulen bei der technischen Basisausstattung im Regen stehen. Es ist ein Schlag ins Gesicht für eine Generation von „Digital Natives“, wenn sie im Unterricht digitale Kompetenzen erlernen sollen, bei der entscheidenden Prüfung aber wie im letzten Jahrhundert mit krampfenden Händen seitenweise Papier füllen müssen.
Die unterfertigenden Abgeordneten stellen daher folgende
1) Welche Bundesschulstandorte (AHS und BMHS) verfügten zum Matura-Haupttermin 2025 über keine ausreichende IT-Infrastruktur und/oder Hardware, um die schriftliche Reifeprüfung digital durchführen zu können?
2) Wie viele Bundesschulen (AHS und BMHS) konnten zum Matura-Haupttermin 2025 eine digitale Durchführung der schriftlichen Reifeprüfung anbieten und wie viele nicht? Bitte um Darstellung im Verhältnis zu allen Bundesschulen, nach Bundesländern und Schultypen.
3) Welche Bundesschulstandorte (AHS und BMHS) verfügen zum
Matura-Haupttermin 2026 über keine ausreichende IT-Infrastruktur
und /oder Hardware, um die schriftliche Reifeprüfung digital
durchführen zu können?
4) Wie viele Bundesschulen (AHS und BMHS) können zum Matura-Haupttermin 2026 eine digitale Durchführung der schriftlichen Reifeprüfung anbieten und wie viele nicht? Bitte um Darstellung im Verhältnis zu allen Bundesschulen, nach Bundesländern und Schultypen.
5) Wie viele Schüler:innen mussten beim Haupttermin 2025 die schriftliche Reifeprüfung mangels ausreichender Hardware und/oder digitaler Infrastruktur handschriftlich ablegen?
6) Wie viele Schüler:innen müssen beim Haupttermin 2026 die schriftliche Reifeprüfung mangels ausreichender Hardware und/oder digitaler Infrastruktur handschriftlich ablegen?
7) Welche technischen und rechtlichen Mindeststandards müssen schuleigene oder private Geräte erfüllen, um für die schriftliche Reifeprüfung zugelassen zu werden?
8) Warum wurden die Standards der Geräteinitiative des Bundes nicht so definiert, dass auch Bundesschulen, die abschließende schriftliche Prüfungen durchführen müssen, flächendeckend prüfungsreife Hardware zur Verfügung gestellt wird? Welches Verbesserungspotential sehen Sie hier?
9) Welche konkreten Mittel aus dem Budget 2025/2026 wurden spezifisch für die Absicherung der digitalen (Prüfungs)infrastruktur an den Schulstandorten getätigt, und warum greifen diese Maßnahmen offensichtlich nicht?
10) Welche konkrete Strategie verfolgen Sie, um sicherzustellen, dass die Wahl des Prüfungsformats (digital vs. analog) bis zum Matura-Haupttermin 2027 nicht mehr von den digitalen Mängeln des jeweiligen Schulstandorts abhängt, sondern eine pädagogische Entscheidung bleibt?
11) Wie rechtfertigen Sie die geplante Ausweitung des Informatikunterrichts sowie die Einführung des Pflichtfachs „Medien und Demokratie“ an Standorten, an denen die Hardware und digitale Infrastruktur nicht einmal ausreicht, um die abschließende schriftliche Reifeprüfung zeitgemäß am Computer durchzuführen?