6099/J XXVIII. GP
Eingelangt am 21.05.2026
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Anfrage
der Abgeordneten Barbara Neßler, Freundinnen und Freunde
an die Bundesministerin für Europa, Integration und Familie
betreffend außerschulische Kinderbetreuung in den Ferien
Für zehntausende Familien in Österreich beginnt mit dem Sommer keine entspannte Auszeit, sondern eine organisatorische Belastungsprobe. Die neunwöchigen Sommerferien passen schlichtweg nicht mehr zur Lebensrealität berufstätiger Eltern. Da der gesetzliche Urlaubsanspruch meist nur fünf Wochen beträgt, klafft eine massive Betreuungslücke von einem Monat. Diese Zeit müssen Eltern jedes Jahr aufs Neue mit hohem finanziellem und logistischem Aufwand überbrücken.
Besorgniserregend ist dabei auch die soziale Kluft. Während Kinder aus wohlhaben-den Familien durch teure Camps oder Sprachreisen gefördert werden, verlieren Kinder aus weniger privilegierten Haushalten massiv an Boden. Studien zum „Sum-mer Learning Loss“ belegen eindeutig, dass zu lange Lernpausen den Bildungserfolg gefährden und die soziale Schere weiter öffnen. Neun Wochen ohne jede pädagogische Struktur sind in einer modernen Gesellschaft nicht mehr zeitgemäß.
Erschwerend kommt hinzu, dass Eltern in einem regelrechten Kompetenz-Wirrwarr gefangen sind. Je nach Angebot ist entweder Bund, Land oder Gemeinde zuständig. Das Ergebnis ist ein „Postleitzahlen-Glück“: Ob ein Kind im Sommer gut betreut ist, darf aber nicht vom Wohnort abhängen.
Hinzu kommt für die Eltern erschwerend, dass private Sommercamp-Anbieter keinerlei Kinderschutzkonzepte vorweisen müssen. Die Folge sind beispielsweise gut getarnte weltanschauliche Sommercamps, wo Kinder zu „Soldaten Gottes“ heran-gezogen und angehalten werden, ihre Freund:innen zu missionieren.
Die unterfertigenden Abgeordneten stellen daher folgende
1) Sind Sie über das Hort-Angebot bzw. außerschulische Betreuungsangebot im Sommer im jeweiligen Bundesland informiert?
a. Wenn ja, in welchen Gemeinden und an wie vielen Hort-Standorten wird Sommerbetreuung und in welchem Umfang angeboten? Bitte um tabellarische Darstellung nach Bundesländern, Bildungsregionen sowie nach Umfang.
b. Wenn nein, warum gibt es hier keinen systematischen Austausch zwischen Bildungsverwaltung, Gemeinden, Schulstandorten und Hort-Anbietern?
2) Wie stellen Sie sicher, dass genügend leistbare außerschulische Betreuungsangebote im Sommer zur Verfügung stehen um eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu ermöglichen?
3) Der Tätigkeitsbericht der Bundesstelle für Sektenfragen aus dem Jahr 2024 hat aufgezeigt, dass Kinder in vermeintlich harmlosen Camps einen Schwur als „Soldaten Gottes“ ablegen mussten. Wie stellen Sie sicher, dass in allen Sommercamps, egal ob privat oder öffentlich organsiert, der Kinderschutz eingehalten wird?
a. Wie gehen Sie generell gegen das vermehrte aufkommen von Angeboten mit einem esoterischen, freikirchlichen oder auch sozialutopischen Hintergrund in der Ferienbetreuung vor?
4) Gibt es in Ihrem Ministerium definierte Qualitätskriterien für außerschulische Ferienbetreuung?
a. Wenn ja, wie werden diese überprüft?
b. Wenn nein, warum nicht?
5) Welche bundesweiten Programme oder Fördermaßnahmen zur außerschulischen Sommerbetreuung verfolgen Sie derzeit in Ihrem Ressort?
6) Arbeiten Sie an einer bundesweiten Steuerung der außerschulischen Sommerbetreuung um Familien und Kinder nicht vom „Postleitzahlen-Glück“ abhängig zu machen?
7) Welche Strategie verfolgen Sie im Rahmen der Reformpartnerschaft um die bestehenden Kompetenz-Zersplitterungen zwischen Bund, Ländern und Gemeinden zu entflechten, damit ein flächendeckendes Sommerbetreuungs-angebot sichergestellt werden kann?
8) Gibt es einen institutionalisierten Austausch zwischen dem Bundesministerium für Europa, Integration und Familie und anderen Ministerien sowie Ländern und Gemeinden, um eine gemeinsame Lösung für ein flächendeckendes Sommerbetreuungsangebot für alle, die es brauchen, zu erarbeiten?