6183/J XXVIII. GP
Eingelangt am 28.05.2026
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ANFRAGE
des Abgeordneten Alois Kainz
an die Bundesministerin für europäische und internationale Angelegenheiten
betreffend Blackout in Berlin: Beteiligung und Maßnahmen Österreichs
Am 3. Jänner 2026 kam es infolge eines mutmaßlich politisch motivierten Brand-anschlags auf kritische Energieinfrastruktur im Südwesten von Berlin zu einem großflächigen und mehrtägigen Stromausfall. Rund 45.000 Haushalte sowie über 2.200 Betriebe waren unmittelbar betroffen; insgesamt waren etwa 100.000 Menschen ohne Strom, Heizung und teilweise Kommunikationsmöglichkeiten.[1]
Der Ausfall ereignete sich bei winterlichen Temperaturen und führte zu erheblichen Einschränkungen der öffentlichen Versorgung, einschließlich Ausfällen bei Heizungssystemen, Telekommunikation und Teilen der kritischen Infrastruktur. Notmaßnahmen durch deutsche Behörden, das Technische Hilfswerk (THW) sowie Unterstützung durch die Bundeswehr wurden eingeleitet.[2]
Im Zuge dieses Ereignisses wurden auch Todesfälle im Zusammenhang mit dem Blackout berichtet. So verstarb zumindest eine 83-jährige Frau während des Stromausfalls, nachdem sie in ihrer Wohnung aufgefunden worden war. Darüber hinaus wurde in Medienberichten von weiteren tragischen Vorfällen im Zusammen-hang mit Dunkelheit und Kälte (z. B. Stürze oder mögliche Unterkühlung) berichtet, wenngleich deren unmittelbare Kausalität teilweise Gegenstand von Ermittlungen ist.[3]
Angesichts der geografischen Nähe sowie der engen politischen, wirtschaftlichen und infrastrukturellen Verflechtungen zwischen Österreich und Deutschland stellt sich die Frage, inwieweit Österreich – insbesondere über staatliche Stellen, technische Einsatzkräfte oder diplomatische Kanäle – in die Bewältigung dieses Blackouts involviert war bzw. entsprechende Unterstützungsangebote geleistet hat.
In diesem Zusammenhang richtet der unterfertigte Abgeordnete an die Bundes-ministerin für europäische und internationale Angelegenheiten nachstehende
Anfrage
1. Welche Erkenntnisse liegen Ihnen über den Stromausfall in Berlin Anfang Jänner 2026 vor, insbesondere hinsichtlich
a. Dauer,
b. Ausmaß (betroffene Haushalte/Personen),
c. betroffener kritischer Infrastruktur?
2. Wie viele Personen kamen nach Ihrer Kenntnis infolge dieses Blackouts zu Schaden oder ums Leben?
a. Wie viele bestätigte Todesfälle gab es?
b. Wie viele Fälle mit möglichem Zusammenhang (z.B. Unterkühlung/ Erfrieren, Unfälle im Dunkeln) gab es?
3. Gab es österreichische Staatsbürger unter den Betroffenen?
a. Wenn ja, wie viele?
b. Wenn ja, in welchem Ausmaß wurden diese konsularisch betreut?
4. Welche Maßnahmen hat das Ressort im Rahmen seiner Zuständigkeit gesetzt, insbesondere hinsichtlich
a. Informationsbeschaffung und Lagebeurteilung,
b. Kontaktaufnahme mit deutschen Behörden,
c. konsularische Unterstützung vor Ort?
5. Wurden seitens Österreichs Hilfsangebote an Deutschland gerichtet?
a. Wenn ja, in welcher Form?
b. Wenn ja, auf welcher Grundlage?
6. Wie viele österreichische Einsatzkräfte oder technische Experten sind zum Einsatz gekommen, insbesondere
a. Kräfte aus dem Bereich Energieversorgung,
b. Katastrophenschutz- oder Hilfsorganisationen,
c. Bundesheer oder spezialisierte Einheiten?
7. In welchem Umfang und Zeitraum erfolgte diese Unterstützung?
8. Welche konkreten Aufgaben wurden dabei übernommen?
9. Welche Lehren ziehen Sie aus diesem Ereignis für die internationale Zusammenarbeit im Krisen- und Katastrophenfall, insbesondere im Bereich Schutz kritischer Infrastruktur, Energieversorgungssicherheit und grenzüber-schreitende Krisenreaktion?
10. Welche Maßnahmen wurden bzw. werden auf europäischer Ebene unterstützt oder initiiert, um vergleichbare Blackout-Szenarien künftig besser zu bewältigen?
a. Welche Kosten fallen dabei für Österreich konkret an?
11. Inwieweit bestehen bilaterale Vereinbarungen zwischen Österreich und Deutschland zur gegenseitigen Unterstützung bei großflächigen Energie-ausfällen?
a. Wurden diese im gegenständlichen Fall aktiviert?
12. Wann wurden Sie erstmals über den Stromausfall in Berlin informiert und über welche Kanäle?
13. Welche Rolle spielte die österreichische Botschaft in Berlin bei der Lageeinschätzung und Betreuung von österreichischen Staatsbürgern vor Ort?
14. Wurde ein konsularischer Krisenstab aktiviert?
a. Wenn ja, wann und mit welchen konkreten Aufgaben?
15. Gab es Abstimmungen im Rahmen der Europäischen Union, insbesondere über den EU-Katastrophenschutzmechanismus?
a. Welche Position hat Österreich dabei vertreten?
16. Wurden österreichische Experten in EU- oder multilaterale Krisenstäbe entsandt?
a. Wenn ja, in welcher Funktion und für welchen Zeitraum?
17. Welche Erkenntnisse liegen Ihnen über die Ursache des Blackouts vor, insbesondere im Hinblick auf mögliche sicherheitspolitische Dimensionen und Bedrohungen kritischer Infrastruktur in Europa?
18. Gab es Hinweise auf koordinierte Angriffe oder vergleichbare Vorfälle in anderen europäischen Staaten und wie wurde darauf diplomatisch reagiert?
19. Wurden österreichische Sicherheits- oder Energiebehörden über diplomatische Kanäle eingebunden?
a. Wenn ja, in welcher Form erfolgte diese Koordination?
20. Welche Kommunikationsmaßnahmen wurden seitens des Ressorts gesetzt, um österreichische Staatsbürger vor Ort zu informieren?
21. Wird derzeit die Energieversorgung von österreichischen Einrichtungen im Ausland durch Notfallmaßnahmen sichergestellt?
22. Gab es wirtschaftsdiplomatische Auswirkungen seit dem Stromausfall in Berlin, insbesondere auf österreichische Unternehmen in Berlin oder Deutschland und wie wurde darauf reagiert?
23. Welche Maßnahmen setzen Sie, um die Resilienz österreichischer Auslands-vertretungen gegenüber Blackout-Szenarien zu erhöhen?
24. Bestehen derzeit Überlegungen zur Intensivierung der internationalen Zusammenarbeit im Bereich Schutz kritischer Energieinfrastruktur?
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Brandanschlag_auf_das_Berliner_Stromnetz_2026 (aufgerufen am 25.04.2026)
[2] https://www.t-online.de/nachrichten/panorama/ungluecke/id_101071124/stromausfall-83-jaehrige-stirbt-in-berlin-polizei-nennt-details.html (aufgerufen am 25.04.2026)
[3] https://www.kettner-edelmetalle.de/news/linksextremer-terroranschlag-in-berlin-fordert-erste-todesopfer-zwei-frauen-sterben-im-blackout-chaos-07-01-2026 (aufgerufen am 25.04.2026)