6186/J XXVIII. GP
Eingelangt am 28.05.2026
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ANFRAGE
des Abgeordneten Christian Hafenecker, MA
an den Bundesminister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur
betreffend Brennpunkt Zug: Sicherheitsmitarbeiter im Visier der Gewalt – wo bleibt der Schutz?
Die in den vergangenen Jahren dokumentierten Übergriffe auf Mitarbeiter im Bahnverkehr verdeutlichen, dass insbesondere Zugbegleiter und Sicherheitskräfte der ÖBB im Arbeitsalltag einem erheblichen Gefährdungspotenzial ausgesetzt sind. Diese Mitarbeiter erfüllen nicht nur betriebliche Aufgaben, sondern nehmen faktisch auch eine sicherheitsrelevante Rolle wahr, da sie regelmäßig einschreiten müssen, um Konfliktsituationen zu entschärfen, Störungen zu unterbinden und Fahrgäste vor aggressivem oder gewalttätigem Verhalten einzelner Personen zu schützen. Die Sicherheitskräfte dienen somit nicht allein dem Schutz des Unternehmens, sondern leisten einen wesentlichen Beitrag zur Sicherheit der Fahrgäste.
Wie real und konkret diese Gefahrenlage ist, zeigen mehrere dokumentierte Vorfälle aus jüngerer Zeit. So wurde am 21. April 2025 ein 23-jähriger Zugbegleiter in einem Zug bei Grieskirchen im Zuge einer Ticketkontrolle von einem Fahrgast gewürgt und durch einen Kopfstoß verletzt. Der Täter flüchtete nach dem Angriff.[1] In einem weiteren Fall bedrohte ein Mann am Bahnhof Wien-Mitte einen Zugbegleiter mit einem Messer, nachdem er ohne gültigen Fahrschein aus dem Zug verwiesen worden war. Der aggressive Fahrgast verfolgte den Mitarbeiter bis zur Führerkabine, ehe die Polizei einschreiten konnte. [2] Besonders bestürzend war ein Vorfall in Deutschland Anfang Februar 2026. Dabei starb ein 36-jähriger Zugbegleiter nach einem brutalen Angriff eines fremdländischen Fahrgastes im Rahmen einer Ticketkontrolle.[3] Derartige Vorfälle sind keine abstrakten Sicherheitsrisiken, sondern stellen akute Gefährdungs-situationen für Mitarbeiter und unbeteiligte Fahrgäste dar.
Vor diesem Hintergrund erscheint die Qualität der Ausbildung sowie die Ausstattung des eingesetzten Personals von zentraler Bedeutung. Eine wirksame Bewältigung von Eskalationssituationen setzt nicht nur persönliche Erfahrung, sondern professionelle Schulung in Deeskalation, Gefahreneinschätzung und Selbstschutz voraus. Ebenso ist eine adäquate technische und persönliche Schutzausrüstung erforderlich, um Mitarbeiter in potenziell gefährlichen Situationen nicht schutzlos Angreifern auszuliefern.
So entsteht jedoch zunehmend der Eindruck, dass Sicherheits- und Kontrollkräfte im Bahnverkehr häufig mit konfliktträchtigen und mitunter gewalttätigen Situationen konfrontiert sind, ohne dass Ausbildung, Personalressourcen und Schutzausrüstung im erforderlichen Ausmaß mit der tatsächlichen Gefährdungslage Schritt halten.
Besondere Brisanz erhält das Thema auch unter dem Gesichtspunkt des hohen Anteils an ausländischen Tatverdächtigen bei Gewaltdelikten im öffentlichen Raum und der traurigen Rolle von Bahnhöfen als Kriminalitätshotspot, wie eine parlamentarische Anfrage der FPÖ zuletzt offenlegte. So kam es in den letzten zehn Jahren zu unglaublichen 185.826 Straftaten in Zügen bzw. an Bahnhöfen, das entspricht 51 Straftaten pro Tag an Bahnhöfen bzw. in öffentlichen Verkehrsmitteln – begangen u.a. von über 17.500 ausländischen Tätern.[4]
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob die derzeitigen Ausbildungsstandards, Personalstärken sowie die sicherheitstechnische und persönliche Ausstattung der eingesetzten Sicherheitskräfte den realen Anforderungen des Einsatzalltags entsprechen. Die Zahlen lassen vermuten, dass es schlecht bestellt ist um die personelle und ressourcentechnische Ausstattung der ÖBB-Sicherheit.
In diesem Zusammenhang richtet der unterfertigte Abgeordnete an den Bundes-minister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur nachstehende
Anfrage
1. Wie viele Übergriffe auf Mitarbeiter der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), insbesondere auf Zugbegleiter sowie Sicherheitskräfte, wurden in den Jahren 2020 bis 2025 registriert?
a. In wie vielen Fällen wurde Anzeige erstattet?
b. In wie vielen Fällen mussten die Mitarbeiter medizinisch betreut werden?
2. Welche Erkenntnisse liegen dem Ressort über die Entwicklung der Anzahl und der Schwere dieser Übergriffe vor?
3. Welche typischen Einsatzsituationen gelten nach Kenntnis des Ressorts als besonders konflikt- oder risikobehaftet (z. B. Ticketkontrollen, Einschreiten bei Störungen, Durchsetzung der Beförderungsbedingungen)?
4. Wie bewertet das Ressort die gegenwärtige Gefährdungslage für ÖBB-Sicherheitskräfte im täglichen Einsatzdienst?
5. Existieren bundesweit einheitliche Vorgaben oder Mindeststandards für die Ausbildung von Sicherheits- und Kontrollpersonal im Bahnverkehr, insbesondere hinsichtlich Deeskalation, Gefahreneinschätzung und Selbstschutz?
6. Wie häufig werden verpflichtende Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen für ÖBB-Sicherheitskräfte durchgeführt?
7. Welche Standards gelten aktuell für die persönliche Schutzausrüstung von Sicherheits- und Kontrollpersonal der ÖBB?
8. Sind Sicherheitskräfte der ÖBB flächendeckend mit schutzverstärkender Ausrüstung, insbesondere Stichschutzwesten oder vergleichbarer Schutz-kleidung, ausgestattet?
a. Wenn nein, aus welchen Gründen wurde bislang auf eine verpflichtende oder flächendeckende Ausstattung mit Stichschutzwesten verzichtet?
9. Welche sonstigen persönlichen Selbstschutzmittel oder sicherheitstechnischen Ausrüstungsgegenstände stehen ÖBB-Sicherheitskräften im Einsatz zur Verfügung?
10. Hält Ihr Ressort die derzeitige Ausrüstung der Sicherheitskräfte angesichts der dokumentierten Übergriffe für ausreichend?
11. Welche Maßnahmen wurden gesetzt oder sind geplant, um die persönliche Sicherheit von Zugbegleitern und Sicherheitskräften wirksam zu erhöhen?
12. In welchem Umfang werden Sicherheits- und Kontrollkräfte der ÖBB für die erhöhten Risiken ihres Einsatzdienstes durch Gefahrenzulagen oder vergleichbare finanzielle Abgeltungen entschädigt?
13. Wurden Anpassungen oder Erhöhungen von Gefahrenzulagen geprüft oder umgesetzt?
14. Wie bewertet Ihr Ressort die personelle Ausstattung der ÖBB-Sicherheits-dienste vor dem Hintergrund der steigenden Gewalt- und Aggressionslagen im öffentlichen Verkehr?
15. Sieht Ihr Ressort strukturellen Handlungsbedarf hinsichtlich Personalstärke, Ausbildung oder Ausrüstung der ÖBB-Sicherheitskräfte?
16. Wie steht Ihr Ressort zu dem medial kommunizierten Vorschlag der Einführung einer eigenen Eisenbahnpolizei?
a. Wird eine solche Maßnahme durch Ihr Ressort in Kooperation mit der ÖBB bereits geprüft?
b. Wenn nein, warum nicht?
[1] https://www.meinbezirk.at/grieskirchen-eferding/c-lokales/gewalttaetiger-angriff-auf-zugbegleiter-bei-grieskirchen_a7272579 (aufgerufen am 11.05.2026)
[2] https://www.meinbezirk.at/c-lokales/wie-die-oebb-ihre-mitarbeiter-schuetzen-will_a7280370 (aufgerufen am 11.05.2026)
[3] https://www.welt.de/vermischtes/article698a5a78c72a7ad4aa377d7f/verdaechtiger-von-toedlichem-angriff-auf-zugbegleiter-zuvor-schon-auffaellig.html (aufgerufen am 11.05.2026)
[4] Anfrage: https://www.parlament.gv.at/gegenstand/XXVIII/J/799
Beantwortung: https://www.parlament.gv.at/gegenstand/XXVIII/AB/841 (aufgerufen am 11.05.2026)