6188/J XXVIII. GP
Eingelangt am 28.05.2026
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ANFRAGE
des Abgeordneten Hermann Brückl, MA
an den Bundesminister für Bildung
betreffend Kürzung von Fremdsprachenstunden in der AHS-Oberstufe und deren Auswirkungen auf das Maturaniveau
Im Zuge der geplanten Lehrplanreform ist vorgesehen, Unterrichtsstunden in Fremdsprachen an AHS-Oberstufen zu reduzieren, während gleichzeitig neue Unterrichtsgegenstände wie „Informatik und Künstliche Intelligenz“ sowie „Medien und Demokratie“ ausgebaut werden sollen. Dem Bericht zufolge stößt dieses Vorhaben nicht nur im Zusammenhang mit dem Lateinunterricht, sondern auch bei den anderen lebenden Fremdsprachen auf deutliche Kritik. Mehr als 320 Fachleute, darunter Wissenschaftler sowie Fremdsprachenlehrkräfte, haben hierzu einen offenen Brief unterzeichnet. Darin wird insbesondere darauf hingewiesen, dass durch die geplanten Kürzungen das Erreichen des angestrebten Kompetenzniveaus (B1) gefährdet sein könnte und Österreich bereits im europäischen Vergleich im Bereich des Fremdsprachenlernens zurückliegt.
„Fremdsprachen an AHS sollen auch gekürzt werden
Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) hat angekündigt, die Unterrichts-stunden in Fremdsprachen an AHS-Oberstufen kürzen zu wollen. Zunächst stand Latein im Fokus, nun regt sich auch Widerstand gegen dasselbe Vorhaben bei den zweiten lebenden Fremdsprachen. Mehr als 320 Fachleute haben einen offenen Brief unterschrieben.
Darunter sind etwa Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Fremdsprachen-lehrkräfte. Der Plan des Bildungsministers sieht vor, an den AHS-Oberstufen ab 2027/28 aus Informatik das Fach ‚Informatik und Künstliche Intelligenz‘ zu machen und das Stundenausmaß von zwei auf drei Wochenstunden über alle Jahre zu erhöhen. Zusätzlich soll ein neuer Gegenstand „Medien und Demokratie“ mit zwei Wochen-stunden über die gesamte Oberstufe eingeführt werden. Im Gegenzug soll es im Gymnasium in der vierjährigen Oberstufe nur noch zwei statt drei Wochenstunden Latein geben. Haben Jugendliche statt Latein eine zweite lebende Fremdsprache gewählt, werden zwei Stunden gekürzt.
Das wäre konstruktiv, da Österreich bereits jetzt ‚(...) zu den Schlusslichtern in Bezug auf das schulische Fremdsprachenlernen‘ gehöre, heißt es nun in dem offenen Brief, der an der Universität Innsbruck initiiert wurde. In der Sekundarstufe I (fünfte bis achte Schulstufe) beispielsweise würden lediglich 7,6 Prozent der österreichischen Schülerinnen und Schüler zwei oder mehr lebende Fremdsprachen lernen, während der EU-Durchschnitt bei 59,9 Prozent liege. Bei einer Kürzung um zwei Wochen-stunden sei das Erreichen des ‚B1-Niveaus‘ in Gefahr. Befragungen würden zudem zeigen, dass der Großteil der Schülerinnen und Schüler mehr als eine Fremdsprache lernen wolle.
‚Zumindest zwei Sprachen beherrschen‘
Der europäische Grundgedanke ist laut den Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern, dass alle Menschen zumindest zwei Fremdsprachen beherrschen sollten. Zugänge zu sprachlichen und kulturellen Kontexten würden ‚über das Englische nur unzufrieden-stellend erreicht‘. Angespielt wurde etwa auf den südamerikanischen Raum, ‚ein auch für Österreich zunehmend wichtiger Wirtschaftsmarkt‘.
‚Wir erwarten uns, dass der Minister unsere Bedenken und Argumente in seinen weiteren Überlegungen berücksichtigt. Gerne stellen wir auch unsere Expertise zur Verfügung‘, sagte Katrin Schmiderer, eine der Initiatorinnen und ARGE-Leiterin für Italienisch an den Allgemeinbildenden Höheren Schulen in Tirol."[1]
Die im genannten Artikel dargestellten Reformpläne sowie die dazu geäußerten Bedenken werfen eine Reihe an bildungspolitisch relevanten Fragen auf.
In diesem Zusammenhang richtet der unterfertigte Abgeordnete an den Bundes-minister für Bildung nachstehende
Anfrage
1. Liegen dem Ressort Studien vor, die den Zusammenhang zwischen der Anzahl an Unterrichtsstunden und dem erreichbaren Fremdsprachenniveau belegen?
a. Wenn ja, wie lauten die wesentlichen Ergebnisse?
b. Wenn nein, warum wurde auf eine entsprechende Grundlage verzichtet?
2. Welche Maßnahmen werden seitens des Ressorts gesetzt, um sicherzustellen, dass Schüler trotz der Reduktion von Unterrichtsstunden in zweiten lebenden Fremdsprachen weiterhin das angestrebte Niveau B1 erreichen?
3. Welche konkreten Maßnahmen sind vorgesehen, um einen Kompetenzverlust durch reduzierte Unterrichtszeit auszugleichen?
4. Inwieweit wurde geprüft, ob das bisherige Maturaniveau bei reduzierter Unterrichtszeit realistisch aufrechterhalten werden kann?
a. Welche Annahmen liegen dieser Einschätzung zugrunde?
b. Welche Vergleichswerte aus anderen Staaten liegen hierzu vor?
5. Ist geplant, das Anforderungsniveau der standardisierten Reifeprüfung / Matura in den betroffenen Fremdsprachen anzupassen?
a. Wenn ja, in welcher Form?
b. Wenn nein, wie soll das bisherige Niveau trotz geringerer Unterrichtszeit gewährleistet werden?
6. Wie wird im Falle einer Anpassung des Maturaniveaus die internationale Vergleichbarkeit der österreichischen Reifeprüfung sichergestellt?
a. Insbesondere im Hinblick auf europäische Bildungsstandards und internationale Abschlüsse?
7. Wie beurteilt das Ressort die Kritik, dass Österreich bereits im europäischen Vergleich im Bereich der Fremdsprachenkompetenz unter dem Durchschnitt liegt?
8. Wurden seitens des Ressorts alternative Modelle geprüft, die eine Einführung neuer Unterrichtsgegenstände ermöglichen, ohne das bestehende Fremd-sprachenangebot zu reduzieren?
a. Wenn ja, aus welchen Gründen wurden diese verworfen?
b. Wenn nein, warum nicht?
9. Welche Auswirkungen erwartet das Ressort durch geplante Kürzungen im Fremdsprachenunterricht auf den zukünftigen Bedarf an Lehrkräften?
a. Ist vorgesehen, betroffene Fremdsprachenlehrer im Zuge der Reform entsprechend umzuschulen oder in andere Unterrichtsgegenstände zu verlagern?
i. Wenn ja, in welchem Ausmaß und nach welchen Kriterien?
ii. Wenn nein, welche alternativen Maßnahmen sind vorgesehen?