6256/J XXVIII. GP

Eingelangt am 09.06.2026
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ANFRAGE

 

des Abgeordneten Alois Kainz

an den Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft

betreffend Rückbau und Recycling von Windkraftanlagen

 

 

In den vergangenen Jahren wurde der Ausbau der Windkraft in Österreich von der Bundesregierung massiv vorangetrieben. Gleichzeitig mehren sich jedoch Hinweise darauf, dass zentrale Fragen rund um den Rückbau, die Entsorgung sowie die tatsächliche Wiederverwertbarkeit von Windkraftanlagen nach wie vor unzureichend geklärt sind. Bereits frühere parlamentarische Anfragen haben aufgezeigt, dass ein erheblicher Teil der Anlagen nach Ende ihrer Lebensdauer rückgebaut werden muss, wobei insbesondere Rotorblätter aus glasfaserverstärkten Kunststoffen nur schwer oder gar nicht recycelbar sind und bislang häufig zerkleinert, exportiert oder deponiert werden.[1]

 

Auch seitens des zuständigen Ministeriums wurde eingeräumt, dass keine umfassenden Daten darüber vorliegen, wie viele Anlagen tatsächlich weiterverkauft, recycelt oder im Rahmen von „Repowering“-Projekten ersetzt werden. Ebenso fehlt es an detaillierten Informationen zu Abfallmengen und Entsorgungswegen, insbesondere bei problematischen Verbundstoffen.[2]

 

Zusätzliche Brisanz erhält diese Thematik durch aktuelle Medienberichte, wonach selbst in der Windkraftbranche tätige Unternehmen wegen illegaler Entsorgung von Windradbestandteilen angeklagt wurden.[3] Derartige Vorfälle werfen ein Schlaglicht auf mögliche strukturelle Defizite im Umgang mit ausgedienten Windkraftanlagen und stellen die Frage, ob die bestehenden Kontroll- und Entsorgungsmechanismen ausreichend sind.

 

Vor dem Hintergrund steigender Anlagenzahlen – allein Ende 2023 waren bereits über 1.400 Windkraftwerke in Österreich installiert – und der absehbar zunehmenden Menge an Rückbaumaterialien erscheint eine umfassende Aufklärung dringend geboten.[4]

 

 

In diesem Zusammenhang richtet der unterfertigte Abgeordnete an den Bundes-minister für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft nachstehende

 

Anfrage

 

1.    Welche konkreten Mengen an Abfällen aus dem Rückbau von Windkraft-anlagen (insbesondere Rotorblätter aus glasfaserverstärkten Kunststoffen) sind in Österreich in den Jahren 2018 bis 2025 angefallen? (Bitte um Aufschlüsselung nach Jahr)

a.    Wie viel wird davon in Österreich verwertet?

2.    Um welche Materialien handelt es sich konkret?

a.    Wie viel Prozent davon sind Sondermüll? (Bitte um genaue Aufschlüsselung der Müllarten)

b.    Wie wird mit Schwefelhexafluorid (SF6) verfahren?

3.    Über welche Entsorgungswege wurden diese Abfälle jeweils behandelt (Recycling, thermische Verwertung, Export, Deponierung)?

4.    Wie viele Tonnen an Rotorblattmaterial wurden seit 2018 ins Ausland verbracht? (Bitte um Aufschlüsselung nach Jahr und Zielland)

5.    Welche anderen, nicht verwert-, deponier- oder recyclebaren Materialien werden sonst noch ins Ausland verbracht? (Bitte um Aufschlüsselung nach Jahr, Material und Zielland)

6.    Wie wurde der Transport ins Ausland durchgeführt? (Bitte um Aufschlüsselung nach Transportmittel und Jahr von 2020 bis 2025)

a.    Wenn dieser nicht per Bahn durchgeführt wurde, warum nicht?

7.    Welche konkreten Kontrollmechanismen bestehen derzeit, um eine ordnungsgemäße Entsorgung bzw. Verwertung dieser Materialien sicherzustellen?

a.    Wie sehen diese Kontrollen aus und wann bzw. wie oft werden diese durchgeführt

8.    Gab es seit 2018 Fälle von illegaler Entsorgung, unsachgemäßer Lagerung oder unzulässigem Export von Windkraftanlagen-Bestandteilen in Österreich?

a.    Wenn ja, wie viele?

b.    Wenn ja, wo genau?

c.    Welche Unternehmen waren betroffen?

d.    Welche Sanktionen wurden verhängt?

9.    Welche Erkenntnisse liegen dem Ministerium zu aktuellen Medienberichten über illegale Entsorgungspraktiken in der Windkraftbranche vor?

a.    Wenn Ihnen Erkenntnisse dazu vorliegen, seit wann ist dies der Fall und wie kamen sie dazu?

10. Welche Maßnahmen wurden aufgrund dieser Vorfälle gesetzt bzw. sind geplant, um derartige Missstände künftig zu verhindern?

11. Warum liegen dem Ministerium – wie aus früheren Anfragebeantwortungen hervorgeht – keine detaillierten Daten zu Weiterverkauf, Recycling und Entsorgung von Windkraftanlagen vor?

12. Ist geplant, künftig eine umfassende Datenerhebung über Rückbau, Materialströme und Entsorgungswege von Windkraftanlagen einzuführen?

a.    Wenn ja, bis wann?

b.    Wenn nein, warum nicht?

13. Haben Sie Zahlen dazu, ob sich die Windkraftanlagen, an ihre im UVP-Verfahren veranschlagten Entsorgungsvorgaben halten? (Bitte um Auflistung alle relevanter Angaben dazu)

a.    Wenn nicht, warum nicht?

b.    Wie wird überprüft, ob sich die Windkraftanlagenbetreiber an die Vorgaben halten?

c.    Wer haftet im Falle eines Konkurses für die ordnungsgemäße Entsorgung?

14. Wie hoch ist der tatsächliche Anteil jener Bestandteile von Windkraftanlagen, die in Österreich stofflich wiederverwertet werden?

15. Wie hoch ist jener Anteil, der thermisch verwertet oder exportiert wird?

16. In welchem Ausmaß werden Rotorblätter derzeit in der Zementindustrie mitverwertet, und welche ökologischen Auswirkungen hat diese Praxis?

17. Welche alternativen Recyclingtechnologien für Verbundwerkstoffe stehen aktuell in Österreich zur Verfügung bzw. sind im Aufbau?

18. Wie bewertet das Ministerium die Problematik, dass Deponien laut eigenen Angaben nicht für große, starre Kunststoffteile wie Rotorblätter ausgelegt sind?

19. Wie wird sichergestellt, dass das seit 2023 geltende Deponierungsverbot für entsprechende Materialien eingehalten wird?

20. Wie viele Windkraftanlagen werden voraussichtlich bis 2035 in Österreich das Ende ihrer Lebensdauer erreichen? (Bitte um Aufschlüsselung nach Bundesland und Jahr)

a.    Welche Abfallmengen sind daraus zu erwarten? (Bitte um Aufschlüsselung nach Bundesland und Jahr)

21. Braucht es für das Ersetzen von Windkraftanlagen durch stärkere Anlagen bzw. für ein „Repowering“ ein erneutes UVP-Verfahren?

a.    Wenn nicht, warum nicht?

22. Welche Kosten entstehen durchschnittlich für den Rückbau und die Entsorgung einer Windkraftanlage?

a.    Wer muss diese Kosten tragen?

b.    Inwiefern sind Betreiber verpflichtet, finanzielle Rückstellungen für Rückbau und Entsorgung zu bilden, und wie wird dies kontrolliert?

23. Welche Rolle spielt der Weiterverkauf alter Anlagen ins Ausland?

a.    Kann ausgeschlossen werden, dass durch den Verkauf von Windkraftanlagen an Drittstaaten lediglich Entsorgungsauflagen umgangen werden?

24. Gibt es eine Nachverfolgung („Tracking“) exportierter Windkraftanlagen bzw. deren Komponenten bis zur endgültigen Verwertung?

a.    Wenn nein, warum nicht?

b.    Wo sind befugte Entsorgungsbetriebe für umweltbedenkliche Stoffe befindlich? (Bitte um Aufschlüsselung nach Betrieb und Standort)

25. Welche Maßnahmen setzt die Bundesregierung, um eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft im Bereich der Windkraftanlagen sicherzustellen?



[1]    https://www.parlament.gv.at/gegenstand/XXVII/J/13237 (aufgerufen am 29.04.2026)

[2]    https://www.parlament.gv.at/gegenstand/XXVII/AB/17153 (aufgerufen am 29.04.2026)

[3]    https://exxpress.at/news/windrad-schrott-pionier-der-branche-wegen-illegaler-entsorgung-angeklagt/ (aufgerufen am 29.04.2026)

[4]    https://www.parlament.gv.at/gegenstand/XXVII/AB/17153 (aufgerufen am 29.04.2026)