6291/J XXVIII. GP
Eingelangt am 12.06.2026
Dieser Text ist elektronisch textinterpretiert. Abweichungen vom Original sind
möglich.
Anfrage
des Abgeordneten Mag. Stefan
an die Bundesministerin für Justiz
betreffend Weibliche Genitalverstümmelung (FGM) in Österreich und die strafrechtliche Verfolgung der Täter
Das Nachrichtenmagazin „profil“ berichtete Anfang Juni 2026 über tausende Frauen und Mädchen in Österreich, die von weiblicher Genitalverstümmelung betroffen bzw. gefährdet sind:
„3000 Mädchen in Österreich akut von Genitalverstümmelung bedroht
Für den Eingriff reisen Eltern meist in Länder wie Ägypten oder Somalia. Das ist strafbar. Darüber werden sie bei der Eltern-Kind-Pass-Untersuchung bald verpflichtend aufgeklärt. Für einige Mädchen könnte das zu spät kommen.
Ab einem Alter von vier oder fünf Jahren kann es soweit sein: Die äußeren Geschlechtsorgane wie Schamlippen und Klitoris werden mit Messer oder Skalpell entfernt. Dann wird die Vaginalöffnung fast vollständig vernäht, sodass nur eine kleine Öffnung für Urin und Menstruationsblut bleibt. Der Eingriff soll die Jungfräulichkeit und Sauberkeit der Mädchen garantieren und beruht auf überholten Gesundheitsmythen.
Für viele Frauen hat die Beschneidung lebenslange Folgen: Massive Schmerzen bei Sex und Menstruation, erhöhtes Infektionsrisiko, psychische Traumata sowie schwere Komplikationen bei Schwangerschaft und Geburt. Schon das Wasserlassen wird wegen der schmalen Öffnung zur Geduldsprobe.
FGM ist mitten unter uns
Diese Verstümmelung von Mädchen ist für Menschen in westlichen Gesellschaften kaum vorstellbar. Doch FGM („Female Genital Mutilation“) ist längst unter uns. Wie aus einer Studie der Med-Uni Wien aus dem Jahr 2024 hervorgeht, leben in Österreich rund 11.000 betroffene Frauen. Sie stammen aus Ländern wie Somalia, Ägypten, Äthiopien oder dem Sudan, wo die Mehrheit der Frauen beschnitten ist. In Somalia sind es 99 Prozent.
Entsprechend hoch ist der Druck aus der Familie und der Community, die Töchter selbst in Österreich rituell beschneiden zu lassen – aus kulturellen Gründen sowie der Angst, dass sie sonst keinen Mann finden. Das kann durch eine Beschneiderin passieren, die in Österreich lebt. Viel eher bringen die Familien ihre Töchter aber in Länder, in denen FGM offen praktiziert wird bzw. in die alte Heimat.
[…]
‚15 Jahre Haft‘
‚Genitalverstümmelung wird in Österreich hart bestraft, auch wenn es im Ausland durchgeführt wird‘, sagt Familienministerin Claudia Bauer (ÖVP). In der Praxis kommt es zu keinen Verurteilungen, weil die Communities dicht halten.“[1]
In diesem Zusammenhang richtet der unterfertigte Abgeordnete an die Bundesministerin für Justiz nachstehende
Anfrage
1. Wie viele Ermittlungsverfahren wurden im Zeitraum 1. Jänner 2010 bis 31. Dezember 2025 jährlich wegen des Verdachts einer weiblichen Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation - FGM) eingeleitet?
a. Wegen des Verdachts welcher Straftatbestände (§ 85, § 87 (2) StGB, etc.) wurden diese Ermittlungsverfahren jeweils geführt? (Bitte um Aufschlüsselung nach Jahr und Straftatbestand)
b. Wie viele dieser Ermittlungsverfahren wurden eingestellt? (Bitte um Aufschlüsselung nach Jahr und Straftatbestand)
c. Aus welchen Gründen wurden diese Ermittlungsverfahren eingestellt (Bitte um Aufschlüsselung nach Jahr, Straftatbestand und Einstellungsgrund)
2. Wie viele Anklagen wurden im Zeitraum 1. Jänner 2010 bis 31. Dezember 2025 wegen des Verdachts einer weiblichen Genitalverstümmelung erhoben?
a. Wegen welcher Straftatbestände erfolgten diese Anklagen jeweils? (Bitte um Aufschlüsselung nach Jahr und Straftatbestand)
b. Wie viele dieser Verfahren endeten mit einer Verurteilung und wie viele mit einem Freispruch? (Bitte um Aufschlüsselung nach Jahr und Straftatbestand)
c. Wie viele dieser Verurteilungen betrafen Eltern, Erziehungsberechtigte oder gesetzliche Vormunde?
d. Wie viele Verfahren betrafen Taten, die im Ausland an in Österreich lebenden Mädchen vorgenommen wurden?
e. In wie vielen Fällen wurden internationale Rechtshilfeersuchen im Zusammenhang mit FGM gestellt?
f. Welche Staaten waren dabei am häufigsten betroffen?
[1] https://www.profil.at/oesterreich/3000-maedchen-in-oesterreich-von-genitalverstuemmelung-bedroht/403165294 (aufgerufen am 10.06.2026)