6402/J XXVIII. GP

Eingelangt am 25.06.2026
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ANFRAGE

 

der Abgeordneten Rosa Ecker, MBA

an die Bundesministerin für Justiz

betreffend Bewerbung von Leihmutterschaften über soziale Medien und internationale Vermittlungsagenturen

 

 

Österreich zählt zu den europäischen Staaten, in denen die Leihmutterschaft ausdrücklich verboten ist. Das Verbot ergibt sich insbesondere aus den Bestimmungen des Fortpflanzungsmedizingesetzes (FMedG)[1], wonach die Durchführung von Maßnahmen der medizinisch unterstützten Fortpflanzung für eine Leihmutter unzulässig ist. Gleichzeitig gewinnt die grenzüberschreitende Inanspruchnahme von Leihmutterschaft seit Jahren zunehmend an Bedeutung.

 

Ein aktueller Bericht der Kronen Zeitung vom 6. Juni 2026 stellt dar, dass ausländische Agenturen trotz des österreichischen Verbots aktiv um Kunden aus Österreich werben sollen. Dem Bericht zufolge werden Interessenten über soziale Medien, Internet-plattformen und persönliche Beratungsgespräche angesprochen und bei der Durchführung von Leihmutterschaften im Ausland begleitet. Besonders hervorgehoben werden Angebote aus der Ukraine, die trotz des anhaltenden Krieges weiterhin an internationale Kunden vermittelt werden.[2]

 

Die Ukraine zählte vor dem russischen Angriffskrieg zu den weltweit bedeutendsten Zentren der kommerziellen Leihmutterschaft. Schätzungen gingen bereits vor Kriegsbeginn von mehreren tausend Geburten pro Jahr für ausländische Auftraggeber aus. Auch nach Beginn des Krieges berichten internationale Medien und Organisationen über die Fortsetzung entsprechender Geschäftsmodelle.[3]

 

Darüber hinaus wurde die Ausbeutung von Leihmutterschaft im Jahr 2024 auf europäischer Ebene ausdrücklich in die novellierte Richtlinie zur Bekämpfung des Menschenhandels aufgenommen. Damit wird den Risiken von Ausbeutung, Kommerzialisierung weiblicher Reproduktionsleistungen und möglichen Formen des Kinderhandels erhöhte Aufmerksamkeit gewidmet.

 

 

In diesem Zusammenhang richtet die unterfertigte Abgeordnete an die Bundes-ministerin für Justiz nachstehende

 

Anfrage

 

  1. Wie viele Fälle von im Ausland durchgeführten Leihmutterschaften mit Bezug zu Österreich sind Ihnen für den Zeitraum 2020 bis 2025 bekannt? (Bitte um Aufschlüsselung nach Jahr)
  2. Werden in Ihrem Ressort statistische Daten über im Ausland erfolgte Leihmutterschaften mit österreichischer Beteiligung erfasst?

a.    Wenn ja, welche?

b.    Wenn nein, warum nicht?

  1. Welche konkreten Maßnahmen haben Sie bisher gesetzt, um die Umgehung des österreichischen Verbots der Leihmutterschaft zu verhindern?
  2. Welche konkreten Maßnahmen setzen Sie derzeit, um die Umgehung des österreichischen Verbots der Leihmutterschaft zu verhindern?
  3. Wie beurteilen Sie die Bewerbung von Leihmutterschaftsangeboten über soziale Medien und Online-Plattformen?
  4. Wie viele Ermittlungen oder Verfahren gegen Vermittler, Agenturen oder sonstige Personen werden derzeit durchgeführt, die Leihmutterschaften für österreichische Staatsbürger beworben oder vermittelt haben?

a.    Gegen wen richten sich diese Ermittlungen konkret?

b.    Welche Ergebnisse konnten bisher erzielt werden?

  1. Welche rechtlichen Möglichkeiten bestehen derzeit, gegen im Ausland ansässige Vermittlungsagenturen vorzugehen, die gezielt österreichische Kunden ansprechen?
  2. Sehen Sie Handlungsbedarf bei der Anpassung der bestehenden Rechtslage?

a.    Wenn ja, welche gesetzlichen Änderungen werden geprüft?

b.    Wenn nein, warum nicht?

  1. Wie viele Kinder wurden seit 2020 nach Ihrer Kenntnis nach einer im Ausland durchgeführten Leihmutterschaft in Österreich rechtlich anerkannt oder registriert?
  2. Welche Behörden sind für die Überprüfung solcher Fälle zuständig?
  3. Besteht ein regelmäßiger Austausch mit dem Familien-, Innen- und Gesundheitsministerium hinsichtlich Leihmutterschaftsfällen?

a.    Wenn ja, in welcher Form?

b.    Welche Ergebnisse wurden dabei erzielt?

  1. Welche Maßnahmen werden gesetzt, um eine Kommerzialisierung von Schwangerschaften und Kindern zu verhindern?
  2. Liegen Ihnen Erkenntnisse über österreichische Staatsbürger vor, die Leihmutterschaftsangebote in der Ukraine, Georgien, den USA oder anderen Staaten in Anspruch genommen haben?
  3. Welche Rolle spielen soziale Medien und digitale Plattformen nach Ihrer Einschätzung bei der Vermittlung von Leihmutterschaften?
  4. Wurden Betreiber sozialer Netzwerke oder Online-Plattformen bereits aufgefordert, entsprechende Werbeanzeigen oder Vermittlungsangebote zu entfernen?

a.    Wenn ja, welche Plattformen?

b.    Mit welchem Ergebnis?

  1. Plant die Bundesregierung Maßnahmen gegen die Bewerbung von Leihmutterschaften im Internet?
  2. Welche finanziellen Mittel wurden seit 2020 für Maßnahmen, Studien, Gutachten oder internationale Kooperationen im Zusammenhang mit Leihmutterschaft aufgewendet? (Bitte um Aufschlüsselung nach Jahr)
  3. Welche internationalen Initiativen oder EU-weiten Maßnahmen unterstützt Österreich zur Bekämpfung der kommerziellen Leihmutterschaft?
  4. Teilen Sie die Auffassung, dass die gezielte Bewerbung von Leihmutterschaften an österreichische Staatsbürger die Wirksamkeit des nationalen Verbots unterläuft?

a.    Wenn nein, warum nicht?

  1. Welche Konsequenzen zieht die Bundesregierung aus den jüngsten Medienberichten?
  2. Bis wann ist mit konkreten weiteren Maßnahmen zur Durchsetzung des Verbots der Leihmutterschaft zu rechnen?
  3. Wie viele gerichtliche Verfahren mit Bezug zu Leihmutterschaften wurden seit 2020 bei österreichischen Gerichten geführt? (Bitte um Aufschlüsselung nach Jahren und Verhandlungsgegenstand)
  4. Wie viele Verfahren betreffend die Anerkennung ausländischer Entscheidungen oder Urkunden im Zusammenhang mit Leihmutterschaften wurden in den Jahren 2020- 2025 geführt? (Bitte um Aufschlüsselung nach Jahr)
  5. In wie vielen Fällen mussten österreichische Gerichte in den Jahren 2020 bis 2025 über die rechtliche Elternschaft eines nach einer Leihmutterschaft geborenen Kindes entscheiden? (Bitte um Aufschlüsselung nach Jahr)
  6. Liegen Ihnen Erkenntnisse vor, wonach österreichische Staatsbürger gezielt ausländische Rechtsordnungen in Anspruch nehmen, um das österreichische Verbot der Leihmutterschaft zu umgehen?

a.    Wenn ja, welche?

  1. Wie beurteilen Sie die Tatsache, dass österreichische Staatsbürger trotz des nationalen Verbots im Ausland rechtswirksam Leihmutterschaftsverträge abschließen können?
  2. Sehen Sie darin eine Umgehung österreichischer Rechtsvorschriften?

a.    Wenn nein, warum nicht?

  1. Welche Möglichkeiten bestehen nach derzeitiger Rechtslage, die Anerkennung von Rechtsfolgen aus kommerziellen Leihmutterschaften zu verweigern?
  2. Wie oft wurde in den Jahren 2020 bis 2025 die Anerkennung ausländischer Urkunden, Gerichtsentscheidungen oder sonstiger Dokumente aufgrund eines Verstoßes gegen den österreichischen ordre public verweigert? (Bitte um Aufschlüsselung nach Jahr)
  3. Wie viele Staatsbürgerschafts-, Personenstands- oder Abstammungsverfahren mit Bezug zu Leihmutterschaften waren in den Jahren 2020 bis 2025 anhängig? (Bitte um Aufschlüsselung nach Jahr)
  4. Gibt es Weisungen oder Leitlinien für Gerichte hinsichtlich des Umgangs mit Fällen von Leihmutterschaft?

a.    Wenn ja, seit wann?

b.    Wenn ja, mit welchem Inhalt?

  1. Wurde geprüft, ob die Vermittlung von Leihmutterschaften für österreichische Staatsbürger unter einen eigenen Straftatbestand gestellt werden sollte?

a.    Wenn ja, mit welchem Ergebnis?

b.    Wenn nein, warum nicht?

  1. Welche strafrechtlichen Bestimmungen kommen derzeit gegen Vermittler, Organisatoren oder Werber von Leihmutterschaften zur Anwendung?
  2. Wurden seit 2020 Anzeigen oder Ermittlungen gegen Personen oder Unternehmen erstattet, die Leihmutterschaften beworben oder vermittelt haben?

a.    Wenn ja, wie viele?

b.    Wenn ja, mit welchem Ergebnis?

  1. Wurde geprüft, ob derartige Werbeangebote gegen österreichisches Recht verstoßen?

a.    Wenn ja, mit welchem Ergebnis?

  1. Liegen Ihnen Erkenntnisse über in Österreich tätige Vermittler oder Kontakt-personen vor, die Leihmutterschaften im Ausland organisieren oder vermitteln?
  2. Welche Maßnahmen werden gesetzt, um gegen derartige Vermittlungs-strukturen vorzugehen?
  3. Welche Auswirkungen erwarten Sie durch die Aufnahme der Ausbeutung von Leihmutterschaft in die EU-Richtlinie zur Bekämpfung des Menschenhandels?
  4. Sehen Sie gesetzgeberischen Handlungsbedarf zur besseren Bekämpfung kommerzieller Leihmutterschaft?

a.    Wenn ja, welche konkreten Änderungen werden geprüft?

b.    Wenn ja, bis wann ist mit entsprechenden Gesetzesinitiativen zu rechnen?

  1. Teilen Sie die Auffassung, dass die nachträgliche Anerkennung von im Ausland durch Leihmutterschaft begründeten Elternschaftsverhältnissen die praktische Wirksamkeit des österreichischen Verbots beeinträchtigen kann?


[1]     https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=
10003046
(aufgerufen am 06.06.2026)

[2]    https://www.krone.at/4167257 (aufgerufen am 06.06.2026)

[3]    https://www.imabe.org/bioethikaktuell/einzelansicht/baby-business-der-krieg-in-der-ukraine-draengt-die-leihmutterschaft-auf-neue-maerkte (aufgerufen am 06.06.2026)