6445/J XXVIII. GP

Eingelangt am 30.06.2026
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ANFRAGE

 

des Abgeordneten Christofer Ranzmaier

an den Bundesminister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur

betreffend Verzögerungen beim Ausbau der Bahninfrastruktur im Brenner-korridor und deren Auswirkungen auf die Verlagerungspolitik

 

 

In Medienberichten der Tiroler Tageszeitung vom 21. Mai 2026 wird über mögliche weitere Verzögerungen beim Ausbau der Unterinntalbahn zwischen Radfeld und Kufstein berichtet.[1] Demnach soll eine Koppelung des Ausbaus an den Fortschritt des Brenner-Nordzulaufs in Bayern geprüft werden. Bereits zuvor war die Fertigstellung der Ausbaustrecke aus budgetären Gründen von 2037 auf 2039 verschoben worden. Gleichzeitig wird über mögliche Verzögerungen beim Brennerbasistunnel selbst spekuliert.

 

Der Ausbau der Unterinntaltrasse sowie der Zulaufstrecken gilt als wesentliche Voraussetzung für die Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene im Brennerkorridor. Ohne leistungsfähige Zulaufstrecken können die Kapazitäten des Brennerbasistunnels nur eingeschränkt genutzt werden. Darüber hinaus stellt sich die Frage, wie Österreich weiterhin mit Nachdruck den Ausbau des deutschen Nordzulaufs einmahnen will, wenn gleichzeitig zentrale Infrastrukturprojekte auf österreichischer Seite verzögert oder an andere Projekte gekoppelt werden.

 

 

In diesem Zusammenhang richtet der unterfertigte Abgeordnete an den Bundes-minister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur nachstehende

 

Anfrage

 

  1. Ist beabsichtigt, den Ausbau des zweiten Abschnitts der Unterinntalbahn zwischen Radfeld und Kufstein/Schaftenau weiter zu verschieben bzw. an den Fortschritt des deutschen Brenner-Nordzulaufs zu koppeln?
  2. Seit wann bestehen innerhalb Ihres Ressorts Überlegungen, den Ausbau der Unterinntalbahn an den Fortschritt des Brenner-Nordzulaufs in Bayern zu koppeln?
  3. Welche Gründe liegen den Überlegungen einer weiteren Verschiebung beziehungsweise Streckung des Projekts zugrunde?

a.    Welche budgetären Gründe liegen vor?

b.    Welche sonstigen Gründe liegen vor?

  1. Wurde bereits eine Überarbeitung des ÖBB-Rahmenplans hinsichtlich des Ausbaus der Unterinntalbahn beauftragt, vorbereitet oder durchgeführt?

a.    Wenn ja, mit welchem Inhalt?

b.     Welche zeitlichen Änderungen sind vorgesehen?

  1. Welche konkreten Auswirkungen hätte eine weitere Verzögerung des Ausbaus der Unterinntalbahn auf die geplante Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene im Brennerkorridor?
  2. Welche Auswirkungen hätten Verzögerungen der österreichischen und deutschen Zulaufstrecken beziehungsweise eine mögliche Verschiebung der Inbetriebnahme des Brennerbasistunnels auf dessen tatsächliche Nutzbarkeit, Kapazität sowie die Verkehrs- und Verlagerungsstrategien der Bundes-regierung?

a.    Liegen dem Ressort hierzu Berechnungen oder Szenarien vor?

                                          i.    Wenn ja, wie sehen diese aus?

                                        ii.    Wenn nein, warum nicht?

  1. Hält die Bundesregierung weiterhin an einer Inbetriebnahme des Brennerbasis-tunnels im Jahr 2032 fest?
    1. Wenn nein, von welchem aktuellen Zeithorizont gehen Sie derzeit aus?
    2. Welche Gründe liegen einer möglichen Verzögerung zugrunde?
  2. Wie bewerten Sie die Auswirkungen möglicher Verzögerungen österreichischer Zulaufstrecken auf die Glaubwürdigkeit Österreichs gegenüber Deutschland hinsichtlich der Forderungen nach einem rascheren Ausbau des Brenner-Nordzulaufs?
  3. Gab es bereits Gespräche mit Vertretern Deutschlands, Bayerns, Italiens oder der Europäischen Union über mögliche Verzögerungen auf österreichischer Seite?

a.    Wenn ja, wann?

b.    Mit welchen Gesprächspartnern?

c.    Mit welchem Inhalt?

d.    Wenn nein, warum nicht?

  1. Welche Auswirkungen hätte eine verzögerte Fertigstellung der Bahninfrastruktur im Brennerkorridor auf bestehende oder geplante Maßnahmen zur Einschränkung des Transitverkehrs auf der Straße?
  2. Welche konkreten Maßnahmen planen Sie, um trotz möglicher Verzögerungen bei der Bahninfrastruktur eine Entlastung der Tiroler Bevölkerung vom Transitverkehr sicherzustellen?
  3. Welche Auswirkungen hätte eine Fertigstellung der deutschen Zulaufstrecken erst nach 2050 auf die österreichische Transit- und Verlagerungspolitik?
  4. Wie rechtfertigen Sie Investitionen in Milliardenhöhe in den Brennerbasistunnel, wenn gleichzeitig zentrale Zulaufstrecken auf unbestimmte Zeit verschoben werden?
  5. Welche Projekte im Bereich der Bahninfrastruktur wurden in den vergangenen drei Jahren aus budgetären Gründen verschoben, gestreckt oder reduziert?

a.    Welche Projekte sind betroffen?

b.    Um welchen Zeitraum erfolgte jeweils die Verschiebung?

c.    Welche budgetären Einsparungen wurden dadurch jeweils erzielt?



[1]    https://www.tt.com/artikel/30934448/faehrt-die-unterinntalbahn-ins-abseits-tiroler-politik-schiesst-gegen-wien-scharf (aufgerufen am 22.05.2026)