6591/J XXVIII. GP
Eingelangt am 10.07.2026
Dieser Text ist elektronisch textinterpretiert. Abweichungen vom Original sind
möglich.
Anfrage
des Abgeordneten Peter Schmiedlechner
an den Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Klima und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft
betreffend Existenzbedrohung der heimischen Wildhalter durch das EU Haltungsverbot von Sikawild (Cervus nippon) – Versäumnisse und Handlungs bedarf bei nationalen Ausnahmeregelungen
Mit dem Inkrafttreten der Durchführungsverordnung (EU) 2025/1422[1] am 7. August 2025 wurde das Sikawild (Cervus nippon) offiziell in die Unionsliste der invasiven gebietsfremden Arten aufgenommen. Damit läuft unweigerlich die zweijährige Übergangsfrist ab, die den betroffenen landwirtschaftlichen Wildhaltern in Österreich bis zum August 2027 den vollständigen Abbau ihrer Bestände vorschreibt.
In Österreich sind von diesem pauschalen Verbot rund 250 landwirtschaftliche Gatterbetriebe betroffen. Diese stehen nun vor dem wirtschaftlichen Ruin, da wertvolle Zuchttiere getötet oder weit unter Wert abgegeben werden müssen und jahrzehntelange Investitionen in Gehegestrukturen entwertet werden.[2]
Die EU-lnvasiven-Verordnung (Nr. 1143/2014)[3] sieht in Artikel 8 ausdrücklich Genehmigungen für geschlossene Systeme vor, sofern die Mitgliedstaaten diese rechtlich verankern und einfordern. Bislang vermissen die österreichischen Bauern jedoch eine klare, schützende Strategie Ihres Ressorts, um diese rechtlichen Hintertüren konsequent für unsere Betriebe zu nutzen.
In diesem Zusammenhang richtet der unterfertigte Abgeordnete an den Bundes minister für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft nachstehende
Anfrage
1. Welche konkreten rechtlichen Schritte haben Sie bis dato unternommen, um landwirtschaftliche Wildgehege in Österreich pauschal oder im Einzelfall als „geschlossene Systeme“ im Sinne der EU-Verordnung anerkennen zu lassen, um den Betrieben eine dauerhafte Haltung und kontrollierte Nachzucht zu ermöglichen?
2. Wie viele Ansuchen von Landesregierungen, betroffenen Landwirten, regionalen Arbeitsgruppen und Tiergärten liegen Ihrem Ressort aktuell zur Prüfung vor, und wie sieht der konkrete Zeitplan für deren Beantwortung und Umsetzung aus?
3. Ab wann und in welcher Form wurden Landwirte, Jäger und Tiergärten in Bezug auf das Sika Wild Haltungsverbot von Ihnen informiert?
4. Führt Ihr Ressort derzeit aktive Gespräche oder Nachverhandlungen mit der EU-Kommission, um für Österreich praxisnahe Sonderregelungen zu erwirken, die den Eigentumsschutz der Bauern in Bezug auf die Sikawild-Haltung zu wahren?
a. Wenn ja, was ist der aktuelle Zwischenstand?
5. Welche genauen bürokratischen und baulichen Auflagen müssen seitens der Landwirte erfüllt werden, um weiterhin das Sika Wild halten zu dürfen?
6. Da der vollständige Bestandsabbau bis August 2027 vollzogen sein muss: Plant Ihr Ressort die Einrichtung eines nationalen oder kofinanzierten EU Entschädigungsfonds, der betroffenen Bauern den Totalverlust ihrer Sika Zuchtwerte sowie die Kosten für den baulichen Umbau der Gatter (z. B. auf Dam- oder Rotwild) zu 100% ersetzt?
a. Wenn nein, warum wird den Bauern eine finanzielle Entschädigung verwehrt?
7. Wie bewertet Ihr Ressort die langfristigen Auswirkungen dieses EU-Verbots auf die Vielfalt und die wirtschaftliche Überlebensfähigkeit der landwirtschaftlichen Wildhaltung als wichtigen Zweig für die österreichische Landwirtschaft?
8. Wurde das Europäische Erhaltungszuchtprogrammes (EEP) mit Geldern Ihres Ressorts in den letzten 10 Jahren unterstützt?
a. Wenn ja, welche Projekte wurden finanziert?
9. Welche österreichischen zoologischen Einrichtungen sind aktuell in Europäische Erhaltungszuchtprogramme (EEP) eingebunden, insbesondere im Hinblick auf Hirscharten und andere Huftiere?
a. In welchem finanziellen Umfang werden diese Einrichtungen durch öffentliche Mittel des Bundes im Zusammenhang mit EEP-Aktivitäten unterstützt?
10. Welche Kenntnisse liegt Ihrem Ressort über Umfang und Struktur der europäischen EEP-Zucht für den Vietnam-Sikahirsch (Cervus nippen pseudaxis) vor?
11. Wie erklären Sie die fachliche und politische Inkonsistenz, dass Sikawild Unterarten im Rahmen von EEP-Programmen aktiv bzw. in den letzten Jahren erhalten werden bzw. wurden, während freilebende und im Gatter gehaltene Sikawildpopulationen gleichzeitig als invasive Art eingestuft und bekämpft werden?
12. Werden Sie sich für den Erhalt der zwei kleinen Sika Populationen in den Donauauen einsetzen?
a. Wenn ja, in welcher Form?
b. Wenn nein, warum nicht?
[1] https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/ALL/?uri=CELEX:32025R1422 (aufgerufen am 06.07.2026)
[2] https://www.derstandard.at/story/3000000329548/was-steckt-hinter-dem-hinter-dem-angeblichen-todesplan-fuer-sika-hirsche (aufgerufen am 06.07.2026)
[3] https://eur-lex.europa.eu/legal-content/de/ALL/?uri=CELEX:32014R1143 (aufgerufen am 06.07.2026)