6691/J XXVIII. GP
Eingelangt am 22.07.2026
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Anfrage
der Abgeordneten Meri Disoski, Freundinnen und Freunde
an den Bundesminister für Inneres
betreffend Österreichs Beteiligung an der Europol-Operation MEDUSA zur Bekämpfung internationaler Vergewaltiger-Netzwerke
Aus internationalen Medienberichten sowie den von den zwei deutschen Journalistinnen Isabell Beer und Isabel Ströh veröffentlichten Recherchen geht hervor[1], dass über Jahre hinweg international vernetzte Tätergruppen Frauen gezielt betäubten, vergewaltigten, die Taten filmten und entsprechende Aufnahmen in geschlossenen Netzwerken austauschten. Die dafür eingerichteten Telegram-Gruppen hatten bis zu 73.000 Mitglieder. Die Recherchen führten zu Ermittlungen in mehreren europäischen Staaten.
Mit dem jüngst bekannt gewordenen Ermittlungsverfahren in Tirol[2], wo ein 44-Jähriger derzeit in Untersuchungshaft sitzt, weil dieser seine Partnerin mehrfach betäubt, vergewaltigt und Bilder davon ins Netz gestellt haben soll, sind mittlerweile bereits zwei Fälle in Österreich bekannt geworden, die Verbindungen zu solchen internationalen Vergewaltiger-Netzwerken aufweisen. Es handelt sich hier mitnichten um Einzelfälle, sondern um grenzüberschreitend organisierte Täterstrukturen, die es aufzudecken und auszuhebeln gilt. Noch dazu ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen.
Europol koordiniert seit April 2026 mit der Operation MEDUSA die internationale Zusammenarbeit zur Bekämpfung dieser Täterstrukturen[3]. Nach dem derzeit öffent-lich bekannten Stand wird Österreich von Europol nicht als Teilnehmerstaat dieser Operation geführt. Angesichts der bekannt gewordenen Verbindungen nach Öster-reich stellt sich jedoch die dringende Frage, in welchem Ausmaß österreichische Sicherheitsbehörden in die internationale Zusammenarbeit eingebunden sind und welche konkreten Maßnahmen gesetzt werden.
Ein Sprecher des Bundeskriminalamts sagte zu den Medien nur: „Bei dem Pro-jekt Medusa werden gezielte Ermittlungsdaten abgearbeitet und bei diesen Daten-sätzen gibt und gab es noch keinen Bezug nach Österreich, weder zu einem Opfer noch zu einem Täter und dementsprechend sind wir hier noch nicht eingebunden.“ Der Standard berichtet jedoch[4], dass das Landeskriminalamt Niederösterreich von deutschen Behörden auf den ersten offiziellen Fall in Österreich aufmerksam gemacht wurde, die ihre Ermittlungen wiederum aufgrund des aufgedeckten inter-nationalen Vergewaltiger-Netzwerks aufgenommen hatten. Darüber hinaus fanden die deutschen Ermittlungsbehörden bereits vor der Operation „Medusa“ heraus, dass einer der deutschen Täter mit dem Mann aus Niederösterreich in Kontakt stand: Der Täter aus Niedersachen „gab diesem Tipps, damit auch er seine Freundin betäuben und vergewaltigen kann, und schickte ihm sogar sedierende Mittel“[5]. Damit ist ein Bezug nach Österreich völlig offensichtlich.
Die unterfertigenden Abgeordneten stellen daher folgende
1. Ist Österreich an der Europol-Operation MEDUSA beteiligt?
2. Wenn ja:
a. Seit wann beteiligt sich Österreich an der Operation?
b. Welche österreichischen Behörden nehmen daran teil?
c. Welche konkreten Beiträge leistet Österreich im Rahmen der
Operation?
3. Wenn nein:
a. Aus welchen Gründen beteiligt sich Österreich nicht an der
Operation MEDUSA?
b. Wurde eine Teilnahme geprüft?
c. Wenn ja, wann und mit welchem Ergebnis?
4. Gab oder gibt es einen Informationsaustausch zwischen österreichischen Sicherheitsbehörden und Europol im Zusammenhang mit der Operation MEDUSA?
a. Wenn ja, wann?
5. Gab oder gibt es einen Informationsaustausch mit den Sicherheitsbehörden anderer Staaten im Zusammenhang mit den im Rahmen der Operation MEDUSA geführten Ermittlungen?
a. Wenn ja, wann?
b. Wenn ja, mit welchen Sicherheitsbehörden und Staaten?
6. Wurden österreichische Sicherheitsbehörden von Europol oder von Sicherheitsbehörden anderer Staaten über mögliche Bezüge nach Österreich informiert?
a. Wenn ja, wann?
b. Wenn ja, durch welche Sicherheitsbehörden und Staaten?
7. Seit wann liegen den österreichischen Sicherheitsbehörden Hinweise auf Verbindungen internationaler Vergewaltiger-Netzwerke nach Österreich vor?
8. Wie viele Ermittlungsverfahren mit Bezug zu den im Rahmen der Operation MEDUSA untersuchten Täterstrukturen wurden in Österreich bislang geführt oder werden derzeit geführt? (Bitte um Auflistung nach Datum, Ort und Einheit der Ermittlung)
9. In welchem Ausmaß konnten die Daten, die der Operation MEDUSA vorliegen, bereits durch österreichische Behörden geprüft werden? Wie wurde sichergestellt, dass diese keinen Österreichbezug aufwiesen, wie vom Sprecher des Bundeskriminalamts am 20.7.2026 angemerkt?
10. Wie viele Beschuldigte wurden in Österreich im Zusammenhang mit diesen Ermittlungen ausgeforscht?
11. Welche Maßnahmen wurden seit Bekanntwerden entsprechender Hinweise gesetzt, um Verbindungen internationaler Vergewaltiger-Netzwerke nach Österreich aufzuklären?
12. Wie viele Ermittlungsverfahren mit Bezug zu drogenassoziiertem sexuellem Übergriff im sozialen Nahraum wurden unabhängig des Projekts MEDUSA bislang geführt oder werden derzeit geführt? (Bitte um Auflistung nach Datum, Ort und Einheit der Ermittlung)
13. Wie viele Ermittler:innen arbeiten im Bundeskriminalamt bzw. den Landeskriminalämtern an der Aufklärung der Verbreitung und Darstellung von Sexualstraftaten an sedierten Frauen im Internet?
a. Gibt es dafür eigens spezialisierte Einheiten?
b. Werden Mitarbeiter:innen dafür besonders ausgebildet?
c. Wenn nein, wieso nicht?
14. Plant das Bundesministerium für Inneres eine Beteiligung Österreichs an der Operation MEDUSA?
a. Wenn ja, wann soll diese erfolgen?
b. Wenn nein, warum nicht?
15. Welche zusätzlichen Maßnahmen plant das Bundesministerium für Inneres zur Bekämpfung international organisierter Vergewaltiger-Netzwerke?
[1] Wie Recherchen über ein internationales Vergewaltigernetzwerk zum "niederösterreichischen Fall Pelicot" führten - dieStandard - derStandard.at › dieStandard
[2] Erschütterung nach Vergewaltigungs-Bericht - tirol.ORF.at
[3] Project MEDUSA - A project dedicated to combat drug-facilitated sexual assault | Europol
[4] Wie Recherchen über ein internationales Vergewaltigernetzwerk zum "niederösterreichischen Fall Pelicot" führten - dieStandard - derStandard.at › dieStandard
[5] Ebenda.