6693/J XXVIII. GP

Eingelangt am 22.07.2026
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Anfrage

 

der Abgeordneten Sigrid Maurer, Freundinnen und Freunde

an den Bundesminister für Bildung

betreffend den schleppenden Ausbau und strukturelle Hürden von Schulclustern in Österreich

BEGRÜNDUNG

 

Mit dem Bildungsreformgesetz 2017 wurde in Österreich ein vielversprechendes Werkzeug geschaffen: Die Möglichkeit, Schulen zu sogenannten Schulclustern zusammenzuschließen. Das Ziel war klar und zukunftsweisend. Insbesondere schulartübergreifende Cluster bergen ein enormes Potenzial, um die chronischen Schnittstellenprobleme unseres Bildungssystems – etwa beim Übergang vom Kindergarten in die Volksschule oder von der Primarstufe in die Sekundarstufe I – endlich aufzubrechen. Sie bieten eine echte Chance für mehr Bildungsgerechtigkeit, ermöglichen eine sinnvolle und vorausschauende Schülerstromlenkung und sichern langfristig die Qualität von kleineren Schulstandorten im ländlichen Raum. Zudem können Schulcluster durch die gemeinsame Nutzung von Ressourcen, Infrastruktur (wie Sportsälen oder Laboren) und die Flexibilität beim Personaleinsatz ein Motor für moderne Schulentwicklung sein.

Die Realität im Jahr 2026 zeigt jedoch ein ernüchterndes Bild: Das Projekt Schulcluster bewegt sich im Schneckentempo voran. Österreichweit existiert laut Kennzahlen im Budgetvoranschlag 2027 nur eine verschwindend geringe Anzahl von gerade einmal 61 Schulclustern.

Aus der Schulpraxis und von den Akteur:innen vor Ort wird immer wieder dieselbe Frustration geäußert: Die bürokratischen Hürden für die Einrichtung eines Clusters sind hoch und es mangelt an echten Anreizen für die Schulen. Besonders beachtenswert sind Berichte, wonach bereits fertig geplante und von den Regionen gewünschte Schulcluster auf den letzten Metern scheitern oder nach der Genehmigung bislang nicht umgesetzt wurden. Sowohl die im Gesetz verankerten Zustimmungsrechte der Schulkonferenz und der Schulerhalter als auch der gesamte Ablauf des Gründungsprozesses scheinen hier ein Hemmschuh zu sein. Erfahrungen zeigen, dass bei den Beteiligten nachvollziehbare Unsicherheiten bezüglich künftiger Rahmenbedingungen, Zuständigkeiten und Ressourcen bestehen, die wiederum zu einem negativen Abstimmungsverhalten führen.

Wenn eine Reform, die administrativen Freiraum und pädagogische Synergien schaffen sollte, in der Praxis an den Rahmenbedingungen und der eigenen Büro-kratie scheitert, müssen wir genau hinschauen. Um die Ursachen dieses schlep-penden Vorankommens zu verstehen und das System endlich fit für die Praxis zu machen, bedarf es einer transparenten Datenbasis.

 

Die unterfertigenden Abgeordneten stellen daher folgende

ANFRAGE

 

Bestandsaufnahme und Struktur der bestehenden Schulcluster

1)    Wie viele Schulcluster gibt es zum aktuellen Zeitpunkt in Österreich? Bitte um Auflistung der jeweiligen Schulcluster sowie aufgeteilt nach Bundesländern und Bildungsregionen.

2)    Wie hat sich die Anzahl der Schulcluster seit der gesetzlichen Einführung im Jahr 2017 jährlich entwickelt? Bitte um tabellarische Auflistung der einzelnen Schul-cluster nach Schuljahren, Bundesländern seit 2018/19.

 

3)    Wie stellt sich die konkrete Zusammensetzung aller derzeit aktiven Schulcluster in Österreich dar? Bitte um eine vollständige, namentliche und nach Bundesländern gegliederte Liste aller Schulcluster unter Angabe von:

a)    Anzahl und Namen der jeweils einbezogenen Schulstandorte,

b)    Schultypen der beteiligten Schulen (VS, MS, ASO, PTS, AHS, BMHS, sonstige)

c)    Kategorisierung nach Bundesschulcluster, Mischcluster und Pflichtschulcluster

d)    Gesamtzahl der Schüler:innen (ca.) im Cluster,

e)    Gesamtzahl der Lehrpersonen (ca.) im Cluster,

f)     Datum der offiziellen Inbetriebnahme des Clusters.

 

4)    Wie viele der bestehenden Pflichtschulcluster sind schulartgleich (z.B. reiner Volksschulcluster, reine MS etc.) und wie viele sind schulartübergreifend (z.B. Kombination aus VS, Mittelschulen, Sonderschulen u.a.)? Bitte um Auflistung entsprechender Cluster nach Bundesländern, deren Schularten und Größe (Schüler:innenanzahl).

 

5)    In wie vielen Fällen handelt es sich um Mischcluster, in denen Bundesschulen (z.B. AHS/BMHS) und Pflichtschulen gemeinsam in einem Cluster organisiert sind? Bitte um Auflistung entsprechender Cluster nach Bundesländern, deren Schularten und Größe (Schüler:innenanzahl).

 

6)    Im Pflichtschulerhaltungsgrundsatzgesetz steht in § 5a explizit: „Zum Zweck der Inklusion sind nach Möglichkeit Sonderschulen einzubeziehen“. Bitte um Auflistung der Schulcluster, in denen explizit Sonderschulen Teil davon sind.

 

7)    Wie viele Schulcluster sind dem ländlichen und wie viele dem städtischen Bereich zuzuordnen? Bitte um entsprechende Kategorisierung und Auflistung nach Bundesländern.

 

8)    Gibt es Schulcluster, die mit elementaren Bildungseinrichtungen kooperieren bzw. bei denen entsprechende Einrichtungen Teil des Clusters sind?

a)    Wenn ja, bitte um Auflistung dieser Cluster, deren Schularten, Institutionen und Größe (Schüler:innen).

b)    Wenn nein, warum nicht und gibt es Bestrebungen, elementare Bildungseinrichtungen hier strategisch einzubeziehen?

 

Beantragung und Genehmigungsprozess

 

9)    Wie läuft in der Regel der Prozess zur Einrichtung eines Schulclusters ab? Bitte um Darstellung der einzelnen Schritte.

10) Wie viele Prozesse zur Gründung eines Schulclusters wurden seit dem Schuljahr 2018/19 insgesamt eingeleitet und durch wen wurden sie initiiert? Bitte um Aufschlüsselung nach Jahren, Bundesländern, Bildungsregionen und gegliedert nach dem Ursprung der Initiative: „Bottom-Up“ (von den Schulstandorten bzw. Schulerhaltern selber) und „Top-Down“ (durch eine Bildungsdirektion oder Bildungsministerium).

a)    Wie viele dieser begonnenen Prozesse wurden tatsächlich genehmigt? Bitte um Auflistung nach Jahren, Bundesländern und konkreten Schulclusterprojekten.

b)    Wie viele dieser begonnenen Prozesse zur Gründung eines Schulclusters wurden tatsächlich realisiert und operationalisiert? Wie viele davon wurden in der Folge nicht realisiert bzw. bis dato (noch) nicht operativ umgesetzt? Bitte um Auflistung nach tatsächlich realisierten und nicht realisierten Schulclustern, Jahren, Bundesländern und konkreten Schulclustern.

c)    Was waren die Hauptgründe für das Scheitern oder die Nicht-Umsetzung bereits genehmigter bzw. in Planung befindlicher Cluster?

d)    Die gesetzlichen Rahmenbedingungen sehen die explizite Zustimmung der Schulpartner (Schulkonferenz) bzw. Schulerhalter vor. In wie vielen Fällen scheiterte die Umsetzung an einem negativen Votum der Schulkonferenz oder des Schulerhalters? Bitte um Auflistung siehe oben.

 

Ressourcen und Support

11) Welche konkreten personellen, finanziellen oder administrativen Unterstützungsleistungen stellen das Bildungsministerium bzw. die Bildungsdirektionen Schulen und Schulerhaltern für den Gründungsprozess bereit? Bitte um Auflistung der Unterstützungsleistung und deren Beschreibung.

12) Welche konkreten personellen, finanziellen oder administrativen Unterstützungsleistungen stellen das Bildungsministerium bzw. die Bildungsdirektionen Schulen für die Operationalisierung (den laufenden Betrieb) eines Schulclusters bereit?

13) Inwiefern hemmen die nach wie vor unterschiedlichen Dienstrechte und Zuständigkeiten (Landeslehrer vs. Bundeslehrer) die administrative Zusammenführung in Mischclustern, und welche legistischen Maßnahmen planen Sie, um diese Schnittstelle zu vereinfachen?

14) Gibt es eine systematische Evaluierung der bestehenden 61 Schulcluster hinsichtlich der administrativen Entlastung und der pädagogischen Qualitätsverbesserung? Wenn ja, was sind die Kernergebnisse? Wenn nein, warum nicht?

15) Planen Sie angesichts der stockenden Zahlen eine Reform der gesetzlichen Rahmenbedingungen für Schulcluster, um bürokratische Hürden abzubauen und den Zusammenschluss für Schulen attraktiver zu gestalten?