6756/J XXVIII. GP

Eingelangt am 03.08.2026
Dieser Text wurde elektronisch übermittelt. Abweichungen vom Original sind möglich.

ANFRAGE

 

des Abgeordneten Christoph Steiner

an den Bundesminister für Wirtschaft, Energie und Tourismus

betreffend Schluss mit den ÖVP-Tourismus-Märchen – die mangelnde Validität und das Zustandekommen der Nächtigungszahlen im österreichischen Tourismus

 

 

Die Bundesregierung und insbesondere die Staatssekretärin für Tourismus, präsentiert regelmäßig neue Rekordzahlen bei den touristischen Ankünften und Nächtigungen in Österreich als Beleg für den Erfolg ihrer Wirtschafts- und Tourismuspolitik.[1] Gleichzeitig kämpfen jedoch zahlreiche Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe mit massivem Kostendruck, Personalmangel und sinkenden Erträgen. Zwischen den öffentlichen Erfolgsmeldungen und der wirtschaftlichen Realität vieler Betriebe scheint daher eine erhebliche Diskrepanz zu bestehen.

 

Aus den Veröffentlichungen der Statistik Austria geht hervor, dass die monatlich präsentierten Tourismuszahlen zunächst vielfach auf vorläufigen Ergebnissen, Schnellschätzungen und Hochrechnungen beruhen. Endgültige Ergebnisse liegen erst nach Einlangen sämtlicher Meldungen der berichtspflichtigen Beherbergungsbetriebe vor. Dennoch stützt die Bundesregierung ihre öffentliche Erfolgsdarstellung regelmäßig auf diese vorläufigen Daten, ohne offenzulegen, welcher Anteil auf tatsächlich eingelangten Meldungen und welcher auf statistischen Schätzverfahren beruht.[2] Auch die Österreich Werbung gibt an, dass es sich nur um Hochrechnungen handelt.

 

Gerade weil diese Zahlen als Begründung für die wirtschaftspolitische Erfolgsbilanz herangezogen werden, besteht ein berechtigtes öffentliches Interesse an vollständiger Transparenz über die Datengrundlagen und den Umfang der verwendeten Hochrechnungen. Im Sinne der parlamentarischen Kontrolle erscheint daher eine umfassende Offenlegung der Erhebungsmethodik und der tatsächlichen Datenbasis erforderlich.

 

 

In diesem Zusammenhang richtet der unterfertigte Abgeordnete an den Bundes-minister für Wirtschaft, Energie und Tourismus nachstehende

 

Anfrage

 

1.    Wie hoch ist der prozentuale Anteil an tatsächlich gemeldeten und verifizierten Daten (Echtdaten der Betriebe) an den monatlich veröffentlichten vorläufigen Nächtigungszahlen (Schnellschätzungen/Hochrechnungen) der Statistik Austria für die Jahre 2024, 2025 und das laufende Jahr 2026? (Bitte um Aufschlüsselung nach Monaten)

2.    Wie hoch ist im Gegenzug der prozentuale Anteil jener Daten für die Jahre 2024, 2025 und das laufende Jahr 2026, die im Rahmen der monatlichen Tourismusberichterstattung auf reinen Schätzungen, statistischen Modellen oder Hochrechnungen basieren (Bitte um Aufschlüsselung nach Monaten)

3.    Welche konkreten mathematischen und statistischen Modelle werden für die Erstellung der vorläufigen Hochrechnungen der Nächtigungszahlen verwendet, und wer zeichnet für die Validierung dieser Modelle verantwortlich?

4.    In welchem Ausmaß weichen die monatlich präsentierten Schnellschätzungen bzw. vorläufigen Hochrechnungen im Durchschnitt von den endgültigen, monatelang später vorliegenden Ergebnissen der Beherbergungsstatistik ab? (Bitte um Aufschlüsslung nach Abweichung in Prozent und absoluten Nächtigungszahlen für die Jahre 2024 und 2025)

5.    Trifft es zu, dass bei den monatlichen Erfolgsmeldungen der Bundesregierung teilweise bis zu 50 Prozent der herangezogenen Datenbasis für aktuelle Berichtszeiträume auf Schätzungen beruhen?

a.    Wenn ja, warum wird dieser Umstand in den Presseaussendungen und öffentlichen Stellungnahmen des Ressorts nicht transparent und unmissverständlich ausgewiesen?

b.    Wenn nein, wie hoch ist der tatsächliche Maximalanteil an Schätzdaten in einem durchschnittlichen Berichtsmonat?

6.    Wie viele der rund 1.500 österreichischen Tourismus-Berichtsgemeinden liefern ihre monatlichen Beherbergungsdaten pünktlich ein, sodass sie in die erste offizielle Datenveröffentlichung einfließen, und für wie viele Gemeinden müssen regelmäßig Schätzungen vorgenommen werden?

7.    Welche Kosten entstanden dem Ressort sowie den nachgelagerten Dienststellen und der Österreich Werbung für die Bewerbung der „Rekord-Nächtigungszahlen“ in den Jahren 2024 und 2025? (Bitte um Aufschlüsselung nach Werbekampagnen, Inseraten und PR-Maßnahmen)

8.    Wie rechtfertigen Sie die wiederholten Jubelmeldungen über angebliche Rekordwerte im Tourismus angesichts der Tatsache, dass die reale Ertragslage vieler Betriebe aufgrund von Inflation, Teuerung und bürokratischen Hürden massiv rückläufig ist?

9.    Welche konkreten Maßnahmen setzt Ihr Ressort, um sicherzustellen, dass in Zukunft nur noch statistisch vollständig abgesicherte und verifizierte Echtdaten für die offizielle politische Kommunikation verwendet werden?

10. Inwieweit fließen die Schätzungen und Hochrechnungen der Nächtigungs-statistik direkt in andere volkswirtschaftliche Kennzahlen und Berichte (wie das Tourismus-Satellitenkonto TSA oder die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung VGR) ein, und welche potenziellen Fehlprognosen ergeben sich daraus für die Budget- und Standortplanung?



[1]    https://orf.at/stories/3418706/ (aufgerufen am 25.06.2026)

[2]    https://b2b.austria.info/de-at/wissen/studien-und-berichte/statistik/naechtigungsstatistik-maerz2026-hochrechnung-/ (aufgerufen am 25.06.2026)