6806/J XXVIII. GP

Eingelangt am 20.08.2026
Dieser Text ist elektronisch textinterpretiert. Abweichungen vom Original sind möglich.

Anfrage

der Abgeordneten Mario Lindner,

Genossinnen und Genossen,

an den Bundesminister für Inneres

betreffend „Schutz queerer Menschen vor der rechtsextremen ,Pedo-Hunter-Szene‘“

Vor wenigen Tagen erschütterte die Nachricht vom Mord an einem 29-Jährigen in Langenzersdorf die Republik. Das Opfer wurde nach übereinstimmenden Medienberichten aufgrund von seiner Homosexualität angegriffen, der mutmaßliche Täter ist der so genannten „Pedo-Hunter-Szene“ zuzurechnen. Diese Online-Bewegung attackiert bewusst homo- und bisexuelle Personen oder Menschen, denen sie eine solche sexuelle Orientierung zuschreiben, und unterstellt ihnen grundlos Pädophilie, was gleichzeitig als Vorwand für Gewaltverbrechen genutzt wird:

„Bei der Tat handelte es sich wohl um ein Hassverbrechen. Der mutmaßliche 18 Jährige Täter sitzt seit Samstag in U-Haft. Ob er Mitglied der „Pedo-Hunter“-Szene ist, sollen Ermittlungen zeigen – Diese verstehen sich als „Rächer“ und machen Jagd auf mutmaßliche Kinderschänder, teils aber auch auf Mitglieder der LGBTQIA+ Community“[1]

Dieser tragische Fall ist jedoch keineswegs das erste Mal, dass die Gewalt dieser Szene gegen die LGBTIQ+ Community in Österreich bekannt wurde. Erst im Frühjahr 2025 zeigte die Ermittlungen und späteren Verhaftungen gegen zahlreiche selbsternannte „Pedo-Hunter“, die Männer in mehreren Bundesländern in Fallen gelockt und teils schwer verletzt hatten, welche Gefahr von dieser Bewegung ausgeht. Auch in den Monaten danach wurden immer wieder einzelne Hassverbrechen aus diesem Umfeld bekannt. Einen Fall aus dem Burgenland beschrieb das Nachrichten-Magazin Profil Ende 2025 wie folgt:

„Die mutmaßlichen Täter verstehen sich als „Pedo-Hunter“. Sie gehören damit einer internationalen Szene an, die sich in Selbstjustiz übt und Gewaltfantasien auslebt – alles unter dem Deckmantel einer angeblichen Jagd auf vermeintliche Pädokriminelle. Szenetypisch sollen die jungen Burgenländer ihre Taten gefilmt und auf einschlägigen Social Media-Plattformen hochgeladen haben. Wie mit Jagdtrophäen posierten sie mit ihren erniedrigten Opfern auf Fotos, trugen dabei Sturmmasken mit Totenkopfaufdruck.“[2]

Dass die sogenannte „Pedo-Hunter-Szene“ dabei hauptsächlich Jagd auf LGBTIQ+ Personen macht und sich online wirksam organisiert, ist inzwischen ein internationales Phänomen. So warnte der deutsche Verfassungsschutz 2025 vor der engen Vernetzung rechtsextremer Netzwerke mit dieser Szene:

„Das Bundesamt für Verfassungsschutz sieht eine neue Tendenz bei Rechtsextremen: Als Aktionsform setzen sie verstärkt auf das Thema "Pädophile" - etwa durch sogenanntes "Pedo-Hunting". Dadurch geraten auch queere Menschen ins Visier. Bei der Tätergruppe soll es sich vor allem um "junge Männer" handeln. Über soziale Medien sollen sie Kontakt zu Personen aufgenommen haben, denen sie ''pädophile Neigungen zugeschrieben" haben, um dann "Straftaten gegen diese zu verüben," schreibt das Landeskriminalamt (LKA) Schleswig-Holstein auf Anfrage des SWR. Opfer seien auch Menschen, die sich selbst als queer identifizieren. (…) Laut LKA gebe es bei der Tätergruppe "klare Bezüge" zum Bereich der ''politisch motivierten Kriminalität - rechts".

(…) Das Thema Kindeswohl werde "für rechtsextremistische Politik und Narrative instrumentalisiert". Durch den Vorwurf der Pädophilie würden Feindbilder wie Homosexuelle legitimiert. "Die Strategie ist in sämtlichen rechtsextremistischen Strömungen präsent und wird im digitalen Raum als zentrales Agitations- und Mobilisierungselement eingesetzt," heißt es in der schriftlichen Stellungnahme.“[3]

Angesichts des furchtbaren Mord-Falls in Langenzersdorf gibt es in der LGBTIQ+ Community in ganz Österreich zurecht nicht nur Entsetzen, sondern auch Angst vor weiteren Übergriffen, gezielten Angriffen und Nachahmungstäter*innen. Die immer wieder aufkommenden Berichte über organisierte „Pedo-Hunter"-Netzwerke stellen damit nicht nur eine Gefahr für ihre direkten Opfer, sondern auch für die Sicherheit einer ganzen Personengruppe dar. Die Republik ist damit gefordert, auf jeder Ebene gegen derartige Netzwerke vorzugehen, allfällige rechtsextreme Verbindungen aufzudecken und für alle Personen ein sicheres und angstfreies Leben zu ermöglichen, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität.

Die unterfertigten Abgeordneten stellen daher folgende

Anfrage:

1. Welche konkreten Informationen liegen Ihrem Ressort über die Ausmaße und die Aktivitäten der Netzwerke der sogenannten „Pedo-Hunter“ in Österreich vor?

2. Welche konkreten Ermittlungsschritte wurden, insbesondere seit der „AG Venator“, mit der 2025 mehr als 30 Verhaftungen gegen Personen aus dem Umfeld dieser Szene durchgeführt wurden, durch Ihr Ressort gesetzt?

3. Welche konkreten Ergebnisse konnten seit Frühjahr 2025 durch diese Ermittlungen erzielt werden?

4. Gibt es seitens Ihres Ressorts, insbesondere hinsichtlich der Vernetzung der „Pedo Hunter“-Szene im digitalen Raum, Austausch bzw. Koordinierung mit anderen EU Ländern?

5. Liegen Ihrem Ressort konkrete Informationen über die Vernetzung der sogenannten „Pedo-Hunter-Szene“ mit rechtsextremen Gruppen oder Personen vor?

6. Welche konkreten Schritte werden, insbesondere angesichts des Mordfalls in Langenzersdorf seitens Ihres Ressorts gesetzt, um die Sicherheit von LGBTIQ+ Personen zu gewährleisten?



[1] https://www.krone.at/4250734

[2] https://www.profil.at/dasfruehstueck/burgenlaendische-schlaeger-aus-der-pedo-hunter-szene-ausgeforscht/403109758

[3] https://www.tagesschau.de/investigativ/rechtsextremismus-paedosexualitaet-lgbtq-lka-verfassungsschutz-100.html