6847/J XXVIII. GP

Eingelangt am 04.09.2026
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ANFRAGE

 

des Abgeordneten Christoph Steiner

an die Bundesministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumenten-schutz

betreffend Fachkräftemangel durch Abwerbung qualifizierter Arbeitnehmer aus der Privatwirtschaft in den öffentlichen Bereich

 

 

Der anhaltende Fachkräftemangel stellt österreichische Unternehmen, insbesondere kleine und mittlere Betriebe, zunehmend vor existenzielle Herausforderungen. Zahlreiche Unternehmer berichten, dass erhebliche Investitionen in die Ausbildung und Einschulung neuer Mitarbeiter oftmals innerhalb kürzester Zeit verloren gehen, weil qualifizierte Arbeitnehmer unmittelbar nach ihrer Ausbildung oder Einschulungs-phase in den öffentlichen Bereich wechseln.

 

Insbesondere Gemeinden, öffentliche Unternehmen, Landesgesellschaften sowie staatsnahe Betriebe treten aufgrund ihrer finanziellen Möglichkeiten zunehmend als Konkurrenz zur Privatwirtschaft auf. Dabei werden Arbeitnehmer häufig mit deutlich höheren Nettogehältern, zusätzlichen Sozialleistungen, bezahlten Aus- und Weiterbildungen sowie attraktiven Arbeitszeitmodellen angeworben.

 

Während private Unternehmen die Kosten für Einschulung, Ausbildung und Einarbeitung tragen, profitieren öffentliche Arbeitgeber vielfach von bereits fertig ausgebildeten Fachkräften. Dies führt nicht nur zu erheblichen wirtschaftlichen Belastungen für Unternehmen, sondern verschärft auch den Fachkräftemangel in der Privatwirtschaft.

 

 

In diesem Zusammenhang richtet der unterfertigte Abgeordnete an die Bundes-ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz nachstehende

 

Anfrage

 

  1. Ist Ihrem Ressort bekannt, in welchem Ausmaß Arbeitnehmer aus der Privatwirtschaft in den öffentlichen Bereich wechseln?
  2. Liegen Ihrem Ressort statistische Daten über den Wechsel von Arbeitnehmern aus privaten Unternehmen zu Gemeinden, Ländern, Bundesdienststellen, staatsnahen Unternehmen oder sonstigen öffentlichen Arbeitgebern vor?
  3. Wie viele Arbeitnehmer wechselten in den Jahren 2019 bis 2025 aus der Privatwirtschaft in den öffentlichen Bereich?
  4. In welchen Berufsgruppen wurden die meisten Wechsel aus der Privatwirtschaft in den öffentlichen Bereich verzeichnet?
  5. Welche Auswirkungen hat diese Entwicklung nach Einschätzung Ihres Ressorts auf den Fachkräftemangel in der österreichischen Privatwirtschaft?
  6. Liegen Ihrem Ressort Untersuchungen oder Erhebungen vor, wonach die Lohnpolitik öffentlicher Arbeitgeber zur Verschärfung des Fachkräftemangels in privaten Unternehmen beiträgt?
  7. Welche Maßnahmen setzt die Bundesregierung, um eine weitere Abwanderung qualifizierter Arbeitnehmer aus der Privatwirtschaft in den öffentlichen Bereich zu verhindern?
  8. Werden im Rahmen der Budgetkonsolidierung auch Personalaufnahmen in öffentlichen Unternehmen, Gemeinden, Landesgesellschaften oder staats-nahen Betrieben hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt evaluiert?
  9. Ist vorgesehen, bei öffentlichen Arbeitgebern verstärkt auf die Ausbildung eigener Fachkräfte zu setzen, anstatt bereits ausgebildete Arbeitnehmer aus der Privatwirtschaft abzuwerben?
  10. Welche Maßnahmen setzt die Bundesregierung, um Ausbildungsbetriebe, die erhebliche Mittel in die Qualifizierung neuer Mitarbeiter investieren, besser zu unterstützen?
  11. Liegen Ihrem Ressort Daten darüber vor, welche Kosten privaten Unternehmen durchschnittlich durch die Einschulung und Ausbildung neuer Fachkräfte entstehen?
  12. Welche volkswirtschaftlichen Schäden entstehen nach Einschätzung Ihres Ressorts dadurch, dass private Unternehmen Fachkräfte ausbilden, diese jedoch kurz darauf in den öffentlichen Bereich wechseln?
  13. Welche Maßnahmen setzt die Bundesregierung, um die Wettbewerbsfähigkeit der Privatwirtschaft gegenüber öffentlichen Arbeitgebern am Arbeitsmarkt zu stärken?
  14. Ist vorgesehen, die Personalpolitik öffentlicher Arbeitgeber künftig stärker mit den Bedürfnissen der österreichischen Wirtschaft abzustimmen?
  15. Welche Auswirkungen erwartet Ihr Ressort auf die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Wirtschaft, wenn sich der Trend zur Abwanderung qualifizierter Fachkräfte in den öffentlichen Bereich fortsetzt?
  16. Wie viele offene Stellen wurden in den Jahren 2020 bis 2025 bei Bundesdienst-stellen, ausgegliederten Rechtsträgern des Bundes, staatsnahen Unternehmen sowie Unternehmen mit Bundesbeteiligung ausgeschrieben, bei denen ausdrücklich Personen mit Berufserfahrung aus der Privatwirtschaft angesprochen oder bevorzugt wurden? (Bitte um Aufschlüsselung nach Dienststelle bzw. Unternehmen)