6861/J XXVIII. GP

Eingelangt am 11.09.2026
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Anfrage

 

der Abgeordneten Olga Voglauer, Lukas Hammer, Freundinnen und Freunde

an den Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft

betreffend Rechnet sich das BMLUK den Waldzustand schön?

BEGRÜNDUNG

 

Wälder sind für uns Menschen enorm wichtig: Sie schützen uns vor Naturgefahren, sind für den Klimaschutz unverzichtbar, dienen uns als Erholungsraum und kühlen unsere Umgebung, liefern Holz als wertvollen Rohstoff. Nicht zuletzt sind sie auch Lebensraum für zahlreiche Tier-, Pflanzen- und Pilzarten. Viele dieser typischen Waldbewohner sind angewiesen auf Merkmale naturnaher Wälder, z.B. auf Alt- und Totholz. Gleichzeitig trägt eine hohe Biodiversität zur Resilienz unserer Wälder bei. Um die Artenvielfalt im Wald angemessen schützen zu können, braucht es auch ein realistisches Bild über den aktuellen Zustand der Waldbiodiversität.

Basierend auf den Indikatoren für nachhaltige Waldbewirtschaftung des Österreichischen Walddialogs (ÖWAD) überarbeitet das Bundesforschungszentrum für Wald (BfW) gemeinsam mit der Universität für Bodenkultur (BOKU) im Rahmen des Waldfonds Projekts „WaldBIOLOG“[1] seit 2022 mit Partner:innen die Indikatoren für die Biodiversität im Wald und schlägt neue Monitoring-Maßnahmen vor. Hierfür wurden von anerkannten Expert:innen intensive Recherchen zu verschiedenen Indikatoren durchgeführt, begleitet von einem partizipativen Prozess im Walddialog in Zusammenarbeit mit den Projektpartner:innen. Diese Maßnahmen führten zur Überarbeitung der Indikatoren für die Waldbiodiversität. Basierend auf diesen überarbeiteten Indikatoren wird gemeinsam mit den Projektpartner:innen eine Handlungsempfehlung für die Bewirtschaftung von Waldökosystemen entwickelt.

Indikatoren erfüllen für den Walddialog zwei wichtige Funktionen. Einerseits dienen sie zur Überprüfung, wie sich ein bestimmter Zustand im Verhältnis zu den gewünschten Zielen verändert. Andererseits ermöglichen sie eine Bewertung, inwie-weit Maßnahmen zur Erreichung der jeweiligen Ziele beitragen. Damit zeigen Indikatoren einen allfälligen Handlungsbedarf auf[2] und sind zudem mit weitreichenden Berichtspflichten verbunden, etwa gegenüber „Forest Europe“, der FAO, UNECE, der Convention on Biological Diversity (CBD) uvm. Die Biodiversität im Wald ist äußerst facettenreich, und Indikatoren sind entscheidend, um Veränderungen zu messen. Die Dynamik des Klimawandels bringt eine neue Dimension in die Entwicklung von Waldökosystemen, was die Überwachung und Interpretation von Indikatoren zusätzlich herausfordernd macht.[3]

Die Berichterstattung über den Erhaltungszustand der österreichischen Wälder, ihrer Biodiversität und insbesondere der Schutzgebiete gegenüber der EU hat direkte Auswirkungen auf die Identifikation notwendiger Maßnahmen und deren Umsetzung im Rahmen der Renaturierungsverordnung.

Im Februar[4] 2026 wurde ein Waldbiodiversitätsbericht[5] veröffentlicht, der Medien-berichten[6],[7] zufolge im Mai 2026 in einer „aktualisierten“ Version wieder-veröffentlicht wurde. Diese Medienberichte legen nahe, dass hier nachträglich in den Expert:innen-Bericht eingegriffen und eine alternative Berechnungsmethode angewandt wurde, um der Öffentlichkeit ein positiveres Bild vom Zustand der Waldbiodiversität und Waldbewirtschaftung, insbesondere des Erhaltungszustands in Schutzgebieten zu vermitteln.

Diese besorgniserregende Vorgangsweise – ein intransparenter nachträglicher, inhaltlicher Eingriff seitens des BMLUK in ein wissenschaftliches Förderprojekt - hat zum einen zu Verstimmungen und Irritationen innerhalb des Walddialogs geführt und hat zum anderen das hochproblematische Potenzial die Vertrauens- und Glaubwürdigkeit der beteiligten Institutionen, der qualitätvollen wissenschaftlichen Arbeit und die Integrität offizieller Berichte zu beschädigen.

Die unterfertigenden Abgeordneten stellen daher folgende


 

ANFRAGE

 

1)    Welche Institutionen waren an der Erstellung des Waldbiodiversitätsberichts 2026 neben dem BfW und der Universität für Bodenkultur beteiligt und welche Arbeitsgruppen des ÖWAD wurden hier in welcher Form einbezogen?

2)    Wer nahm an den Sitzungen dieser Arbeitsgruppen gemeinsam mit der Projektleitung „WaldBIOLOG“ teil, um Daten, Analyse und Ergebnisse zu diskutieren?

3)    Wer war inhaltlich für den Waldbiodiversitätsbericht 2026 verantwortlich?

4)    Inwieweit sind die inhaltlichen Vorschläge der Arbeitsgruppe Indikatoren des ÖWAD in den Bericht eingeflossen?

5)    Sind die Inhalte des Waldbiodiversitätsberichts 2026 ident mit den Vorschlägen der Arbeitsgruppe Indikatoren des ÖWAD?

a.    Wenn nein: Warum nicht?

6)    Welche Kriterien wurden für die Erstellung des Berichts anfangs festgelegt?

a.    Wurde nachträglich seitens des Auftraggebers in diese Kriterien eingegriffen?

7)    Wann hatten die Stakeholder:innen vor Abschluss des Berichts zuletzt Gelegenheit Eingaben zum Inhalt des Berichts zu machen und wann wurde der Bericht abgeschlossen?

8)    Wurde nach Abschluss des Berichts inhaltlich in den Bericht eingegriffen?

a.    Falls ja: Wer war für die Überarbeitung verantwortlich bzw. hat die Änderungen veranlasst?

b.    Falls ja: Wurden diese Änderungen mit den inhaltlich verantwortlichen Stakeholder:innen abgestimmt?

c.    Falls ja: Welche Inhalte wurden in dieser Überarbeitung verändert, gestrichen oder angepasst? Wir bitten um Angabe und Text-gegenüberstellung aller Originalpassagen mit den nachträglich vorgenommenen Änderungen sämtlicher überarbeiteter Teile, oder um Übermittlung der ursprünglich veröffentlichten Version des Waldbiodiversitätsberichts 2026 als Anlage der Anfragebeantwortung.

9)    Ist es üblich, dass seitens des BMLUK während oder nach Abschluss von Förderprojekten inhaltlich in Projekte bzw. deren Berichte eingegriffen wird bzw. Inhalte verändert werden?

10) Wann erfolgten die Auszahlungen der Fördermittel des WaldBIOLOG-Projektes?

a.    Wurden die Fördermittel in Tranchen ausgezahlt, und wenn ja, in wie vielen?

b.    Wann wurden die jeweiligen Abrechnungen bzw. Zahlungsanträge gestellt und wann wurde diesen Anträgen stattgegeben?

c.    Wann erfolgte die letzte Fördermittelauszahlung?

11) Wann und wo wurde der Waldbiodiversitätsbericht 2026 erstmals veröffentlicht?

12) Wurde diese im Februar veröffentlichte Fassung in Druck gegeben?

a.    Falls ja: Was wurde nach Zurückziehen dieser Fassung mit den bereits gedruckten Berichten gemacht?

b.    Falls ja: Welche Kosten entstanden durch die Drucklegung und Produktion dieser Fassung und wurden diese aus der Projektförderung gedeckt, oder anderweitig durch das BMLUK?

c.    Falls ja: Wurden bereits gedruckte Exemplare vernichtet?

                                  i.    Wenn ja: Wie viele Exemplare wurden vernichtet und wer hat diese Vernichtung in Auftrag gegeben?

13) Weshalb wurde der Waldbiodiversitätsbericht 2026 nach der Erstveröffentlichung zurückgezogen und im Mai neu veröffentlicht?

14) Inwieweit haben die Abt III/1 und/oder die Abt III/3 im BMLUK auf dieses Projekt und den Waldbiodiversitätsbericht 2026 eingewirkt?

a.    Welche inhaltlichen Änderungsvorschläge wurden zu welchen Zeitpunkten seitens der Abt III/1 gemacht?

b.    Welche inhaltlichen Änderungsvorschläge wurden zu welchen Zeitpunkten seitens der Abt III/3 gemacht?

c.    Welchen Änderungsvorschlägen welcher Abteilungen des BMLUK wurde zu welchen Zeitpunkten entsprochen und wann wurden diese Änderungen im Bericht vorgenommen?

15) Welche Auswirkungen haben diese vorgenommenen inhaltlichen Änderungen im Waldbiodiversitätsbericht 2026 auf die nationale Umsetzung der Renaturierungsverordnung?



[1] WF M10 BMLRT/III-2021-M10/6 (FAI.8)

[2] ÖWAD-Indikatoren-Set https://www.bmluk.gv.at/themen/wald/walddialog/dokumente/indikatoren0.html

[3] https://www.bfw.gv.at/waldbiolog-indikatoren-fuer-die-messung-der-waldbiodiversitaet-im-klimawandel/

[4] ebd. , 3. Absatz

[5] Linser, S.; Lapin, K.; Bradley, O.; Gschwantner, T.; Russ, W. (2026): Waldbiodiversitätsbericht. BFW-Berichte 155/2026, Wien.

[6] https://www.falter.at/zeitung/20260714/zustand-oesterreichs-waelder-ploetzlich-sehr-gut

[7] https://www.derstandard.at/story/3000000331691/gesunder-wald-wieder-mehr-voegel-wie-das-umweltministerium-einen-einflussreichen-bericht-schoente