6872/J XXVIII. GP

Eingelangt am 16.09.2026
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ANFRAGE

 

des Abgeordneten Mag. Norbert Nemeth

an die Bundesministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumenten-schutz

betreffend Remigration von Leistungsträgern

 

 

Unter dem Titel „Die neue Lust am Auswandern - Junge, gut qualifizierte Deutsche verlassen das Land. Ein Ökonom sagt: Das Preis-Leistungs-Verhältnis in Deutschland stimmt nicht mehr“ berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung am 1. August 2026 „über eine übersehene Krise“ wie folgt:

 

„Es war nur ein kurzer Post, aber er reichte, um die Emotionen hochkochen zu lassen. Thorsten Alsleben, Geschäftsführer der Arbeitgeberinitiative Neue Soziale Marktwirtschaft, schrieb kürzlich auf der Plattform X: ‚Heute hat uns das fünfte Paar aus dem engeren Freundeskreis erzählt, dass sie auswandern wollen: Alle fünf Familien haben kleine Kinder, alle sind unternehmerisch tätig, alle verdienen sehr viel Geld. Drei nach Mallorca, zwei nach Portugal. Es ist Wahnsinn.‘

 

Die Debatte im Netz wurde schnell hitzig und emotional. Die einen bestätigten, was Alsleben geschildert hatte, andere widersprachen. Und dann meldete sich Karl Lauterbach (SPD) zu Wort. Der frühere Gesundheitsminister kommentierte:

 

‚Es ist dieses permanente Schlechtreden, was uns am stärksten schadet. Diese ewigen Übertreibungen von jungen Talenten, die mit dem hohen Rentenbeitrag (‚schnief‘) nicht klarkommen und deshalb angeblich auswandern. Auf diese Leute können wir verzichten, falls es sie überhaupt gibt.‘[1]

 

Ein Spitzenpolitiker, dem es egal ist, wenn es Leistungsträger reihenweise ins Ausland zieht? Die Aufregung wurde noch größer. Lauterbach löschte den Post auf X später und erklärte, er sei missverstanden worden. Was wirkt wie ein sommerliches Geplänkel, hat einen ernsten Hintergrund. Knapp 290.000 Menschen mit deutschem Pass haben im vergangenen Jahr das Land verlassen. Netto, also nach Abzug der Rückkehrer, gingen fast 97.000 deutsche Staatsangehörige – so viele wie noch nie, seitdem die Statistik erhoben wird. Hinzu kommt: In einer repräsentativen Umfrage „Jugend in Deutschland 2026“[2] gab zuletzt jeder fünfte junge Mensch an, konkrete Auswanderungspläne zu haben. […]

 

„Stefan Kolev, Volkswirt und Leiter des Ludwig-Erhard-Forums in Berlin, bereiten die Zahlen Sorgen. #Der Trend, dass immer mehr Menschen gehen, ist wie ein Thermometer, welches ein Fieber anzeigt, auf das wir achten sollten, es aber noch nicht tun‘, sagt er. Was das Problem aus volkswirtschaftlicher Sicht verschärft: Es sind nicht die Rentner oder Menschen ohne berufliche Perspektive, die gehen. Die deutschstämmigen Auswanderer sind im Schnitt 35

 

Jahre alt, berufstätig und haben überdurchschnittlich hohe Bildungsabschlüsse. […]

 

Die Motive für das Auswandern sind vielfältig, Ökonom Kolev spricht vom "Preis-Leistungs-Verhältnis des Staates". Die Leistung, das seien die Gesundheitsversorgung, das Bildungssystem, die Infrastruktur, die Sicherheit und die Möglichkeiten zum beruflichen Aufstieg. Dem steht der Preis gegenüber, also Steuern und Abgaben, Bürokratie und die wachsenden Staatsschulden. "Steigt der Preis in Form von Steuern, Abgaben oder Schulden bei sinkender Leistung, kippt das Urteil in Richtung Auswandern", sagt Kolev. Vor allem dann, wenn wie in Deutschland die wirtschaftliche Dynamik schwächer sei als jenseits der Grenzen. […]“[3]

 

 

In diesem Zusammenhang richtet der unterfertige Abgeordnete an die Bundes-ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz nachstehende

 

Anfrage

 

1.    Beobachten Sie die Auswanderung von Österreicherinnen und Österreichern unter dem Gesichtspunkt der Arbeitsmarktentwicklung?

2.    Wie viele österreichische Staatsbürger im erwerbsfähigen Alter haben Österreich in den letzten zehn Jahren verlassen?

a.    Wie viele sind zurückgekehrt?

3.    Gibt es Strategien, vor allem junge Talente im Land zu halten?

a.    Wenn ja, welche?

4.    Gibt es Strategien, ausgewanderte Leistungsträger zur Remigration nach Österreich zu bewegen?

a.    Wenn ja, welche?

 



[1]    https://loehr-pennekamp.podigee.io/9-neue-episode (aufgerufen am 15.09.2026)

[2]    https://www.simon-schnetzer.com/jugendstudien/jugend-in-deutschland-2026 (aufgerufen am 15.09.2026)

[3]    https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/deutsche-auswanderer-warum-so-viele-wie-nie-das-land-verlassen-accg-201076896.html (aufgerufen am 15.09.2026)