RN/159

17. Punkt

Bericht des Ausschusses für Wirtschaft, Industrie und Energie über den Bericht des Bundesministers für Wirtschaft, Energie und Tourismus zur Situation der Jugendbeschäftigung und Lehrlingsausbildung in Österreich 2024-2025 (III-370 d.B./652 d.B.)

Präsidentin Doris Bures: Damit kommen wir zum 17. Punkt unserer heutigen Tagesordnung. 

Auf eine mündliche Berichterstattung wurde verzichtet.

Erster Redner: Herr Abgeordneter Manuel Pfeifer. 

RN/160

19.48

Abgeordneter Manuel Pfeifer (FPÖ): Danke, Frau Präsidentin! Herr Bundesminister! Hohes Haus! Aber vor allem: Geschätzte Jugendliche! Geschätzte Lehrlinge! Wir sprechen heute zum aktuellen Bericht über die Jugendbeschäftigung und die Lehrlingsausbildung in Österreich. Eines möchte ich vorweg festhalten: Die Lehrausbildung in Österreich ist ein Erfolgsmodell und darauf können wir richtig stolz sein. (Beifall bei der FPÖ und bei Abgeordneten der ÖVP.)

Wir dürfen aber die Augen vor der Realität nicht verschließen, denn dieser Bericht zeigt schonungslos auf, was in unserem Ausbildungssystem alles schiefläuft. Kommen wir zu den alarmierenden Zahlen: immer weniger Lehrlinge und immer weniger Ausbildungsbetriebe. 2010 waren es noch 130 000 Lehrlinge in Österreich und heute sind wir bereits bei unter 100 000 Lehrlingen angekommen.

Aber wissen Sie, was noch dramatischer ist? – Unsere Ausbildungsbetriebe brechen uns weg! In den vergangenen 20 Jahren haben über 10 000 Betriebe aufgehört, junge Menschen auszubilden. Im SPÖ-regierten Wien fehlen rund 5 000 Lehrstellen. Nun frage ich die hoch bezahlten Gewerkschaftsfunktionäre in der SPÖ: Wann waren Sie das letzte Mal auf einer Baustelle, wo wirklich gearbeitet wird? (Abg. Silvan [SPÖ]: Gestern! Gestern! Gestern waren wir!) Dabei meine ich nicht die politische Großbaustelle in der Löwelstraße. (Beifall bei der FPÖ.)

Es gibt immer weniger Ausbildungsbetriebe, immer weniger Lehrlinge, und gleichzeitig fehlen die Fachkräfte. Wer trägt dafür die politische Verantwortung? Wer hat in den letzten Jahrzehnten den Wirtschaftsminister gestellt? – Ja, es war die ÖVP. Und was macht diese aktuelle Bundesregierung, um diesen Zahlen entgegenzuwirken? – Sie kürzt faktisch bei der betrieblichen Lehrstellenförderung. Ist das euer Ernst, dass dort gekürzt wird, ist das das Ergebnis aus diesem Bericht? Also ich finde nein, sondern in die betriebliche Lehrstellenförderung gehört hineininvestiert, denn unsere Betriebe, die Lehrlinge ausbilden, gehören unterstützt. (Beifall bei der FPÖ. – Ruf bei der FPÖ: Bravo!)

Wer die Lehre wirklich stärken will, muss endlich die Rahmenbedingungen an die heutige Arbeitsrealität anpassen. Wir Freiheitliche stehen hinter unseren Lehrlingen und wir stehen hinter den Betrieben, die jungen Menschen eine berufliche Zukunft ermöglichen. 

In vielen Branchen am Bau, im Handwerk und auch in der Industrie haben sich flexible Arbeitszeitmodelle bereits längst bewährt. (Zwischenruf des Abg. Stich [SPÖ].) Dazu gehört auch die Viertagevollzeitwoche. Die erwachsenen Facharbeiter arbeiten beispielsweise vier Tage länger und haben dafür einen zusätzlichen Tag frei, aber der Lehrling unter 18, der im selben Team mitarbeitet, darf das aufgrund der gesetzlichen Regelung heute nicht. (Abg. Stich [SPÖ]: Halbierung der Lehrlingsentschädigung in der ÜBA in eurer Regierungszeit!) Für die Betriebe bedeutet das zusätzliche Dienstpläne, mehr organisatorischen Aufwand und höhere Kosten. Gerade deswegen hören Klein- und Mittelbetriebe auf, Lehrlinge aufzunehmen: weil sie höhere Kosten haben und das einfach nicht mehr schaffen, wenn sie schon eine Viertagevollzeitwoche haben, sehr geehrte Damen und Herren – aber, und das ist mir besonders wichtig: selbstverständlich immer unter klaren Schutzbestimmungen, wie keine Ausweitung der wöchentlichen Normalarbeitszeit, maximal 10 Stunden Arbeitszeit pro Tag und vor allem absolute Freiwilligkeit für die Lehrlinge und für die Betriebe. 

Daher bringe ich folgenden Entschließungsantrag ein:

RN/160.1

Entschließungsantrag

der Abgeordneten Manuel Pfeifer, Kolleginnen und Kollegen betreffend „Mehr Chancen und mehr Flexibilität für Lehrlinge“ 

Der Nationalrat wolle beschließen:

„Die Bundesregierung wird aufgefordert, dem Nationalrat ehestmöglich eine Regierungsvorlage zuzuleiten, mit der eine Rechtsgrundlage geschaffen wird, die flexible Arbeitszeitmodelle auch für Lehrlinge unter 18 Jahren ermöglicht, sofern 


Das, sehr geehrte Damen und Herren, ist eine Win-win-Situation für die Betriebe und für die Lehrlinge. 

Machen wir unsere Lehre gemeinsam fit für die Zukunft! Dazu wird es aber einen politischen Systemwechsel brauchen, und das gelingt nur mit einer starken FPÖ und mit einem Volkskanzler Herbert Kickl. (Beifall bei der FPÖ. – Ruf bei der SPÖ: Wo ist er?)

19.53

Der Gesamtwortlaut des Antrages ist unter folgendem Link abrufbar:

RN/160.2

Mehr Chancen und mehr Flexibilität für Lehrlinge (228/UEA)

Präsidentin Doris Bures: Der Entschließungsantrag ist ordnungsgemäß eingebracht und steht daher auch mit in Verhandlung.

Nächster Redner: Herr Abgeordneter Kurt Egger.

RN/161

19.53

Abgeordneter Mag. (FH) Kurt Egger (ÖVP): Danke schön, Frau Präsidentin! Herr Bundesminister! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuseherinnen und Zuseher! Geschätzte Jugendliche! Ich war ja schon knapp davor, Kollegen Pfeifer für seine Konstruktivität zu loben, aber dann ist es ihm ein Anliegen gewesen, auch den Namen seines Parteiobmannes in den Mund zu nehmen (Zwischenruf der Abg. Schartel [FPÖ]) und dass es nur mit diesem Volkskanzler besser wird. Er ist nur leider seit heute Mittag nicht mehr im Saal; also die parlamentarische Debatte ist nicht ganz seines. Die Empörung ist der Dauerzustand und die Lösungskompetenz eher Teilzeit. 

Wenn wir heute über die Lehrlingsausbildung reden (Zwischenruf des Abg. Deimek [FPÖ]), dann reden wir über eine wesentliche Stärke des Wirtschaftsstandortes Österreich, des Arbeitsmarktstandortes Österreich, und für mich persönlich ist das Ganze ein Herzensanliegen insofern, weil – wie einige von Ihnen auch wissen werden – ich gelernter Gas-Wasser-Installateur und Technischer Zeichner bin. Ich würde zwar niemandem mehr raten, von mir eine Gasleitung schweißen zu lassen (Heiterkeit der Abg. Bogner-Strauß [ÖVP]), aber insgesamt glaube ich, dass die Lehrausbildung ein Ausbildungsweg ist, auf den wir in ganz Österreich stolz sein können. (Beifall bei ÖVP und NEOS.)

An eine Lehrausbildung geknüpft ist das Übernehmen von Verantwortung, das Dranbleiben, wenn etwas nicht gleich funktioniert, und das Verstehen, auch aus der Sicht des Jugendlichen, dass es auf den eigenen Beitrag ankommt. Das sind Fähigkeiten, die einen ein Leben lang begleiten. Es würde auch in diesem Haus dem einen oder anderen guttun, über diese Fähigkeiten nachzudenken. Man muss auch immer wieder selbstkritisch sein. (Zwischenruf bei der FPÖ.)

Gerade weil die Lehre nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch die Haltung der Jugendlichen prägt und praktische Fähigkeiten vermittelt, ist unser duales Ausbildungssystem so stark. Wir haben einen gewissen Teil der Wissensvermittlung in der Berufsschule, wir haben aber auch einen sehr starken Teil in den Betrieben. Die Kombination von Theorie und Praxis ist in dem Zusammenhang europaweit herzeigbar und ein Vorbild für sehr viele Länder. 

Die Lehre ist kein Randthema: 36 Prozent der Jugendlichen haben im Jahr 2024/2025 diesen Bildungsweg gewählt. Damit ist er der meistgewählte Bildungsweg in der 10. Schulstufe. Hinter dieser Zahl stehen junge Menschen mit Zielen, Talenten und dem Wunsch, aus ihrem Leben etwas zu machen. Sie verdienen unsere Unterstützung und unsere Wertschätzung. 

Auch mein Junior hat gelernt, und er hat immer wieder gesagt: Ich mache ja nur eine Lehre! – Darauf habe ich gesagt: Nein, du machst eine Lehrausbildung und kannst damit aus deinem Leben etwas machen! – Wir müssen das den Jugendlichen sagen, wir müssen den Eltern und den Großeltern vermitteln, dass damit große Chancen verbunden sind. Die Wertschätzung zeigt sich durch die Chancen, die wir ihnen damit eröffnen. 

Eine Lehre ist ein guter Start in die Ausbildung. Wir haben in den letzten Jahren auch einiges gemacht: den Zugang zur Meisterprüfung; man kann in die Selbstständigkeit gehen, mit einer höheren beruflichen Bildung aber auch in Richtung Universitätsstudium gehen. Mir ist es in dem Zusammenhang sehr wichtig, sich auch bei zwei Gruppen zu bedanken: erstens bei den 25 000 österreichischen Unternehmerinnen und Unternehmern, die Lehrlinge ausbilden, die den jungen Menschen Unterstützung geben, die sie in sehr schwierigen Zeiten begleiten, ihnen dementsprechend auch mit Rat und Tat zur Seite stehen, und zusätzlich nicht nur quasi bei den Unternehmerinnen und Unternehmern, sondern auch bei jenen Menschen, die sich in den Betrieben um diese Lehrlinge kümmern: den Ausbildnerinnen und Ausbildnern, die die Talente der Jugendlichen erkennen, die die Talente fördern, ihnen Dinge erklären – einmal, zweimal, dreimal –, die sie aber auf diesem Weg begleiten, um diesen Abschluss auch zustande zu bringen. 

Ich glaube, wir alle sind gefordert, im Sinne auch der Chancen für die Zukunft dieser jungen Menschen diesen Ausbildungsweg zu unterstützen. Es gibt eine Zahl aus der Statistik, nämlich dass bei der Arbeitslosenquote (der Redner räuspert sich) – ich habe schon zu lange geredet – bei Menschen mit Lehrabschlussprüfung aktuell die Zahl bei 5 Prozent liegt; bei Menschen, die nur einen Pflichtschulabschluss haben, bei 13,1 Prozent.

Das heißt, wir müssen gemeinsam daran arbeiten, dass wir die jungen Menschen ausbilden, ihnen die Chancen für die Zukunft ermöglichen und das dementsprechend auch gemeinsam unterstützen. (Beifall bei der ÖVP. – Abg. Strasser [ÖVP]: Bravo! Sehr gut!)

20.00

Präsidentin Doris Bures: Nächster Redner: Herr Abgeordneter Reinhold Binder.

RN/162

20.00

Abgeordneter Reinhold Binder (SPÖ): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werter Herr Minister! Sehr geehrte Damen und Herren! Werte Zuseherinnen und Zuseher! Was haben eigentlich Arnold Schwarzenegger, Silvia Schneider, Hermann Maier und ich gemeinsam? (Abg. Gödl [ÖVP]: Ui! – Abg. Pfeifer [FPÖ]: Das Gehalt) – Ich kann Sie aber total beruhigen: Es sind überhaupt nicht die Hollywood-Karrieren, es sind auch nicht die olympischen Goldmedaillen (Zwischenrufe der Abgeordneten Koza [Grüne] und Schwarz [Grüne]) und im Fernsehen bin ich irgendwie auch nicht so viel vertreten wie diese genannten Personen. Eines verbindet uns aber tatsächlich: Wir haben alle eine Lehre abgeschlossen.

Ich möchte mich an dieser Stelle ganz besonders bei den Lehrlingen in Österreich bedanken, die diesen Weg eingeschlagen haben und sich diese Zukunft gestalten. Ich möchte auch ganz besonders den Eltern Danke sagen, die begleitend mit den Jugendlichen genau diese Entscheidung mitgetragen haben. Ganz besonders möchte ich mich heute auch bei jenen Ausbildnerinnen und Ausbildnern bedanken, die in den Betrieben dafür sorgen, dass sie die Lehrlinge bis zur Facharbeitsprüfung begleiten. (Beifall bei der SPÖ sowie bei Abgeordneten von ÖVP und Grünen.)

Danke natürlich auch an die Betriebe, die es ermöglichen, dass ausgebildet wird, gerade in Zeiten wie diesen. Ich sage immer ganz klar: Facharbeiterinnen und Facharbeiter fallen nicht vom Himmel. Wir müssen sie ausbilden. 

Da müssen bei uns eigentlich jetzt aktuell die Alarmglocken läuten. Ende September hatten wir in Österreich erstmalig weniger als 100 000 Lehrlinge in den Betrieben. Auch bei den Lehrlingen im ersten Lehrjahr gab es ein Minus von fast 5 Prozent innerhalb eines Jahres. Gleichzeitig sagen 37 Prozent der Industriebetriebe, dass sie Schwierigkeiten haben, qualifiziertes Personal zu finden. 

Meine Damen und Herren, das geht sich einfach hinten und vorn nicht aus. Man kann nicht ständig über Fachkräftemangel jammern und gleichzeitig bei der Ausbildung sparen (Beifall bei der SPÖ), zum einen jammern: Wir finden keine Fachkräfte!, und gleichzeitig hoffen: Ausbilden wir sie wahrscheinlich eh irgendein anderer für mich! Jeder Fußballverein, jede Blasmusikkapelle, jeder Verein weiß: ohne Nachwuchs keine Zukunft. Was heißt das tatsächlich für die Wirtschaft? – Ohne Lehrlinge keine Fachkräfte für morgen.

Für unsere Wirtschaft gilt genau dasselbe. 2007 hatten wir noch mehr als 38 000 aktive Lehrbetriebe, Ende 2025 waren es nur noch 25 000. Deshalb sage ich: Wer morgen Fachkräfte braucht, muss heute Lehrlinge ausbilden. Ich habe den höchsten Respekt vor Betrieben, die Geld, Zeit und Herzblut in ihre Lehrlinge investieren, denn das ist die Zukunft. Es kann aber nicht sein, dass andere gar nicht ausbilden und sich später die fertigen Fachkräfte von diesen Betrieben holen. Wer gut ausbildet, soll unterstützt werden. Das ist unsere gemeinsame Forderung.

Eines geht mir in dieser Debatte wirklich auf die Nerven: Immer wieder wird so getan, als wäre unsere Jugend zu faul. – Nein, meine Damen und Herren! Ein Lehrling ist die Fachkraft von morgen. Wir haben nicht zu viele junge Menschen, die zu wenig arbeiten, wir haben zu wenige Betriebe, die junge Menschen ausbilden. (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der Grünen.)

Wir reden über Digitalisierung, künstliche Intelligenz und die Industrie der Zukunft. Das ist alles wichtig, aber am Ende muss jemand die Maschinen aufstellen, programmieren und natürlich auch warten, und es muss auch jemanden geben, der tatsächlich auch etwas produziert. 

Deshalb ist Berufsausbildung nicht irgendein Randthema – Berufsausbildung ist Wirtschaftspolitik, Berufsausbildung ist Industriepolitik und Berufsausbildung ist Standortpolitik. Denn: ohne Lehrlinge keine Fachkräfte, ohne Fachkräfte keine Produktion, ohne Produktion keine Wertschöpfung und ohne Wertschöpfung kein Wohlstand. Darum: ausbilden, ausbilden, ausbilden, denn Fachkräfte fallen nicht vom Himmel. – Danke schön. (Beifall bei der SPÖ, bei Abgeordneten von ÖVP, NEOS und Grünen sowie des Abg. Schiefer [FPÖ].)

20.04

Präsidentin Doris Bures: Nächster Redner: Herr Abgeordneter Janos Juvan.

RN/163

20.04

Abgeordneter Mag. (FH) Janos Juvan (NEOS): Danke, Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Minister! Werte Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuseherinnen und Zuseher! Es ist jetzt schon einige Male gesagt worden: Die duale Ausbildung ist ein Erfolgsmodell. – Ja, aber!, sollte man, glaube ich, momentan in Österreich dazusagen, weil es auch in diesem Bereich sehr, sehr viel zu tun gibt. 

25 000 Ausbildungsbetriebe, 100 000 Lehrlinge und Lehrlinge, das klingt natürlich nach einer ganzen Menge und das ist auch eine ganze Menge, gleichzeitig muss man aber auch dazusagen: Das ist in beiden Bereichen die geringste Zahl seit vielen, vielen Jahren. Das beschäftigt mich, und ich glaube, das muss uns alle beschäftigen.

Allen Schwierigkeiten zum Trotz kann man aber, glaube ich, auch attestieren, dass das Modell nach wie vor funktioniert. Es funktioniert deswegen, weil es darin – Herr Kollege Egger, da möchte ich noch eine Gruppe ergänzen – vielleicht nicht zwei, sondern drei Gruppen gibt, die man da hervorheben muss. 

Erstens – das ist schon genannt worden – sind das die vielen, vielen Betriebe in Österreich, die Zeit, Herzblut und, ja, auch Geld investieren, um jungen Menschen Fähigkeiten beizubringen, die diese dann für ihr weiteres Leben nutzen können, die sie dann aber auch in diesen Betrieben entsprechend einbringen. Das bedeutet, dass wir genau diese Betriebe entlasten müssen, wie wir es beispielsweise mit der Lohnnebenkostensenkung tun, weil wir ihnen damit den Freiraum schaffen – und hoffentlich noch viel mehr Freiraum schaffen –, genau diese Zeit, dieses Herzblut und dieses Geld in die jungen Menschen, in junge Österreicherinnen und Österreicher zu investieren. (Beifall bei den NEOS und bei Abgeordneten der ÖVP.)

Die zweite Gruppe, die ich hervorheben möchte, sind Österreichs Schulen mit den Lehrerinnen und Lehrern, die dort arbeiten, weil sie den jungen Menschen das Fundament geben, auf dem diese wiederum ihr Können aufbauen können. Also müssen wir genau auch dort investieren, müssen dort die Rahmenbedingungen schaffen, damit es in den Schulen alle Möglichkeiten gibt, die jungen Menschen in ihren Talenten weiter vorankommen zu lassen. Der Chancenbonus ist da zum Beispiel sicher ein ganz konkreter, wesentlicher Beitrag, aber es geht eben auch darum, Lehrpläne laufend zu überarbeiten und generell Lehrberufe an die Notwendigkeiten im Wirtschaftsleben dann auch tatsächlich anzupassen.

Drittens – und natürlich ganz entscheidend – sind das die jungen Menschen selbst. Das sind diese rund 100 000 jungen Menschen in Österreich, die sich für eine Lehre entschieden haben. Ich glaube, genau das muss es sein: eine ganz bewusste Entscheidung. Die Lehre darf nie – auch das wurde vorhin schon gesagt – einfach nur ein letzter Ausweg oder so etwas wie ein Last Resort sein. Ich glaube, es braucht das klare Bekenntnis, jungen Menschen auch mitzugeben, was die Lehre für sie wirklich ist, nämlich eine Möglichkeit, einen ersten ganz konkreten Schritt in ein eigenständiges, in ein selbstbestimmtes Leben zu gehen.

Damit das in Zukunft noch besser gelingt, müssen wir natürlich die Lehre laufend weiterentwickeln. Erste Schritte sind auch schon erfolgt, aber ich glaube, wir brauchen da eindeutig noch mehr Tempo, müssen noch weitergehen und – ich habe es schon gesagt – die Lehrberufe auch an die sich immer schneller verändernden Realitäten in der Wirtschaft anpassen.

Dazu gehört, glaube ich, dass wir jungen Menschen etwas zutrauen, dass wir ihnen erlauben, ja vielleicht manchmal sogar zumuten, schon als Lehrlinge auch einmal die Extrameile zu gehen. Ich bin überzeugt: Je früher junge Menschen erkennen, dass das geht und dass sich das für sie vor allem lohnt, desto glücklicher werden sie über ihr eigenes Vorankommen sein, desto erfolgreicher werden sie sein und desto größer wird schlussendlich auch ihr Beitrag sein, den sie zum Standort und zum Wohle des Standorts Österreich beitragen können. (Beifall bei den NEOS und bei Abgeordneten der ÖVP.)

20.09

Präsidentin Doris Bures: Nächster Redner: Herr Abgeordneter Markus Koza.

RN/164

20.09

Abgeordneter Mag. Markus Koza (Grüne): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Minister! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Der Bericht zur Jugendbeschäftigung und zur Lehrlingsausbildung bietet tatsächlich einen sehr guten Überblick über die Situation der Lehre und der Lehrlinge in Österreich und liefert vor allem auch sehr wichtiges und wertvolles Datenmaterial, das wir für die politische Arbeit brauchen: Anregungen, was man tun soll, Handlungsoptionen.

Eine kleine Anregung würde ich gerne heute schon gleich mitnehmen. Was uns nämlich bei der Durcharbeitung des Berichtes aufgefallen ist, ist, dass die geschlechtsspezifischen Analysen leider etwas zu kurz kommen, und zwar beispielsweise betreffend die Frage: Wie hoch ist der Gender-Pay-Gap zwischen Lehrlingen männlichen und weiblichen Geschlechts? Wie hat er sich entwickelt, und wie hat sich beispielsweise auch der Anteil weiblicher Lehrlinge in typischen Männerberufen verändert? Diese Fragen sollten analysiert und beantwortet werden, denn wenn man den Gender-Pay-Gap tatsächlich schließen will, dann muss man dort anfangen, wo er sich zuallererst auftut. Die Einkommensunterschiede gibt es bereits während der Lehre, und sie vergrößern sich leider auch über den beruflichen Verlauf. Wir würden daher dringend darum ersuchen, dass man im Lehrlingsbericht die geschlechtsspezifische Perspektive stärker einbaut und auch entsprechend erweitert, denn darauf aufbauend kann man dann tatsächlich entsprechende Maßnahmen zur Begrenzung des Gender-Pay-Gaps setzen, die auch nachwirken. (Beifall bei den Grünen.)

Was am Lehrlingsbericht auch sehr gut ist, ist, dass sehr ausführlich – das ist sehr begrüßenswert – die Ergebnisse des Lehrlingsmonitors wiedergegeben werden. Der Lehrlingsmonitor gibt den Lehrlingen selbst eine Stimme. Die Rückmeldungen zeigen deutlich, dass es bedauerlicherweise auch in der Lehre nach wie vor Missstände gibt. 37 Prozent der Lehrlinge beispielsweise sehen sich mit schlechten oder sehr schlechten Rahmenbedingungen konfrontiert. (Zwischenruf des Abg. Darmann [FPÖ].) 18 Prozent müssen häufig ausbildungsfremde Tätigkeiten verrichten. 34 Prozent der männlichen und 41 Prozent der weiblichen Lehrlinge waren während ihrer Ausbildung zumindest einmal von Mobbing betroffen. Knapp ein Viertel der Lehrlinge leistet regelmäßig Überstunden, obwohl sie das eigentlich aus gesetzlichen Gründen gar nicht machen dürften.

Diese Missstände müssen auch angegangen werden. Wer ist da gefordert, wenn nicht die Politik? Darum ergeben sich schlichtweg auch Fragen, die auf eine Beantwortung warten, beispielsweise: Welche Maßnahmen plant das Ministerium, um diese Missstände zu beseitigen? Setzen wir uns beispielsweise für stärkere Betriebskontrollen oder ein eigenes Lehrlings- und Jugendinspektorat ein? Welche Strategien gegen Mobbing und sexuelle Belästigung im Betrieb und in den Berufsschulen sind vorgesehen? – Das sind alles Fragen, die wir, glaube ich, beantworten müssen, um den Lehrberuf letztlich attraktiver zu machen, um die Lehre auch interessanter zu machen und Missstände in den Lehrberufen abzustellen.

Zuletzt: Wirtschaft und WKÖ beklagen ja regelmäßig den Fachkräftemangel. Gleichzeitig – Kollege Binder hat es bereits erwähnt – sind wir damit konfrontiert, dass die Zahl der Ausbildungsbetriebe massiv sinkt. Im Jahr 2005 hatten wir noch 36 000 Ausbildungsbetriebe, im Jahr 2025 waren es schon nur noch 25 000. (Zwischenruf des Abg. Fürtbauer [FPÖ].) Das heißt, die Zahl ist um circa 30 Prozent gesunken. Wer Fachkräfte braucht, der muss halt einfach auch ausreichende Ausbildungs-, Lern- und Arbeitsbedingungen schaffen. (Beifall bei den Grünen sowie des Abg. Binder [SPÖ].)

Umso unverständlicher ist es letztlich auch, wenn – wie zuletzt vonseiten der WKÖ – an der überbetrieblichen Lehrausbildung Kritik geübt wird, denn die ÜBAs schließen halt genau die Lücken, die entstehen, wenn Lehrstellen in den Betrieben fehlen. Sie sind dementsprechend auch ein wichtiges arbeitsmarktpolitisches Instrument. Es sind letztlich die WKÖ und ihre Betriebe, die es in der Hand haben: Bilden Sie wieder mehr Lehrlinge aus, dann braucht es weniger ÜBAs, denn Jammern alleine löst sicher keinen Fachkräftemangel. – Danke. (Beifall bei den Grünen.)

20.13

Präsidentin Doris Bures: Nun hat sich Herr Bundesminister Wolfgang Hattmannsdorfer zu Wort gemeldet. – Bitte.

RN/165

20.13

Bundesminister für Wirtschaft, Energie und Tourismus Mag. Dr. Wolfgang Hattmannsdorfer: Sehr geehrte Frau Präsidentin! Geschätzte Abgeordnete! Liebe Zuseherinnen und Zuseher hier im Parlament und zu Hause! Zuerst einmal möchte ich allen jungen Menschen, die sich für die Lehre entscheiden, die sich für eine fundierte, gute Berufsausbildung entscheiden, und allen Eltern, die sie dabei unterstützen und sagen: Jawohl, die Lehre ist nicht zweite Wahl, sondern eine aktive Entscheidung für die Grundlage für ein gutes Leben!, Respekt zollen. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der SPÖ.)

Ich möchte mich bei allen Betrieben, die Lehrlinge ausbilden, und bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die sich der Lehrlingsausbildung verschreiben, bedanken. Es ist immer eine besondere Freude – erst heute wieder bei der Wiener Jugend, wo ich war, aber auch wenn man in einen Betrieb kommt –, wenn man die Leidenschaft jener Menschen, die für die Lehrlingsausbildung verantwortlich sind, spürt. Sie sind die Stütze unseres Systems, und sie sind der wahre Grund, warum wir für die Lehre, für die duale Ausbildung in der ganzen Welt beneidet werden: weil wir einfach super junge Menschen ausbilden, weil wir einfach tipptopp Fachkräfte haben und das auch der Grund ist, warum der Wirtschaftsstandort Österreich auch international so gefragt ist. (Beifall bei der ÖVP.)

Ja, es ist richtig, dass der Lehrlingsbericht auch eine gute Datengrundlage ist, um gemeinsam politisch zu diskutieren, wo die Schwerpunkte in der Zukunft liegen müssen. Wir haben das Thema der Ausbildung der jungen Menschen bei uns im Wirtschaftsressort auch zu einem Schwerpunkt erklärt. Ein paar Schwerpunkte, die wir aktuell verfolgen, sind:

Erstens Attraktivierung der Lehrberufe – weil das mehrmals angesprochen wurde –: Wir haben alleine heuer wieder neue Lehrberufe geschaffen, nicht nur weil es die Wirtschaft nachfragt, sondern auch weil wir den jungen Menschen attraktive Ausbildungen ermöglichen müssen. Wenn ich alleine an das letzte Lehrberufspaket denke: Gleisbautechnik, Verfahrenstechnik, Labortechnik – alles Lehrberufe, die gefragt sind, die aber auch topattraktiv für junge Menschen sind.

Wir müssen zweitens Karrierewege in der Lehre ermöglichen – das ist ein ganz entscheidender Punkt –: die höhere berufliche Bildung, aber auch die Frage, Lehre mit Matura oder Lehre nach der Matura, die Bildungssysteme verschneidend zu sehen und da den jungen Menschen auch Chancen zu geben.

Es geht aber auch darum, klarzumachen, dass wir unsere Betriebe bestmöglich unterstützen. – Herr Abgeordneter Koza, Sie haben gesagt, vom Jammern wird es nicht besser. Die Frage ist schon immer: Was sind die Gründe, warum sich immer wieder Betriebe aus der Lehrlingsausbildung zurückziehen? – Das hängt vor allem mit wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zusammen, das hängt aber auch mit den Vorgaben, die wir in der Lehrlingsausbildung machen, zusammen, mit der mangelnden Flexibilität, was Arbeitszeitmodelle und dergleichen betrifft. Ich glaube, wenn wir ein attraktives Paket zusammenbekommen müssen, heißt es, ohne ideologische Scheuklappen dieses Thema zu diskutieren, denn ich bin mir sicher, die Betriebe – und ich spüre das jeden Tag – wollen junge Menschen ausbilden, wir müssen es ihnen nur einfach und nicht schwer machen.

Ich glaube aber, was das Allerallerwichtigste ist, ist die Frage des Mindsets, der Grundstimmung in unserer Bevölkerung: dass wir unterstützen, dass die Lehre wünschenswert ist, dass eine Werkstatt genauso viel wert ist wie ein Hörsaal, dass ein Meister genauso viel wert ist wie ein Master. Dafür tragen wir alle miteinander Verantwortung.

Ich möchte zum Schluss noch mit einer Mär aufräumen, Herr Abgeordneter Koza, weil Sie vom Gender-Pay-Gap gesprochen haben und da auch die grüne Fraktion sehr applaudiert hat: Den gibt es bei Lehrlingen nicht. (Abg. Maurer [Grüne]: Geh bitte! – Weitere Zwischenrufe bei den Grünen.) Das Lehrlingseinkommen von Männern und Frauen ist gleichgesetzt, ist kollektivvertraglich auch ganz klar geregelt. (Abg. Koza [Grüne]: ... kollektivvertraglich ...!)

Mit dieser Mär möchte ich aufhören; wir bekennen uns dazu, dass junge Leute in der Ausbildung ein gutes Lehrlingseinkommen haben. Verbreiten wir da bitte nicht irgendwelche falschen Gerüchte, wenn das schlichtweg nicht der Fall ist! – Herzlichen Dank, dass sich alle Fraktionen so eindeutig zur Lehrlingsausbildung bekennen. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der SPÖ.)

20.18

Präsidentin Doris Bures: Nächster Redner: Herr Abgeordneter Michael Fürtbauer.

RN/166

20.18

Abgeordneter Michael Fürtbauer (FPÖ): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Hohes Haus! Wenn wir uns den Lehrlingsbericht ansehen und darüber sprechen, dann reden wir über die untrennbaren zwei Seiten einer Medaille: über unsere Lehrlinge, aber auch über unsere Ausbildungsbetriebe; über junge Menschen, die sich Gott sei Dank für einen Beruf entscheiden, Verantwortung übernehmen und uns Fachkräfte von morgen sind, aber genauso über jene Unternehmerinnen und Unternehmer, die diesen jungen Menschen eine Chance geben, Zeit investieren und sie tagtäglich ausbilden – ohne Lehrbetriebe keine Lehrlinge, ohne Lehrlinge keine Fachkräfte von morgen.

Ja, Herr Kollege Binder, Sie haben recht: Auch die Betriebe sind in der Pflicht, aber auch wir hier sind in der Pflicht, dass nach dem neunten Schuljahr Jugendliche herausgebracht werden, denen es möglich ist, eine Lehre zu absolvieren. Da haben wir sicher auch einen gewissen Nachholbedarf – das brauche ich Ihnen nicht zu erzählen –, das müssen wir auch immer im Auge haben.

Herr Kollege Baumann kommt ja nachher: Ja, die Voestalpine mit ihren rund 600 Lehrlingen ist ein wichtiger Ausbildungsbetrieb. Gott sei Dank gibt es noch solche Betriebe – trotz Ihrer Politik –, aber ein internationaler Großkonzern mit eigenen Lehrwerkstätten und etlichen Lehrlingsbeauftragten hat halt mit der Realität eines kleinen österreichischen Familienbetriebes relativ wenig zu tun. Beim Tischler, Installateur, Wirten oder Friseur um die Ecke ist der Chef nämlich meistens der Financier, die Personalabteilung und der Ausbildende in einer Person. Gerade diese Betriebe müssen heute flexibel sein, um Mitarbeiter zu finden.

Es gibt viele Betriebe, die auf die Viertagewoche umgestellt haben – nicht weil der Unternehmer weniger arbeiten will, sondern weil er die Arbeitszeitmodelle braucht, um seine Mitarbeiter im Betrieb halten zu können. Das Problem: Einen Lehrling kann er aufgrund der starren Arbeitszeitregelung nicht mehr sinnvoll ausbilden. Da müssen bei uns die Alarmglocken läuten, denn dann, wenn ein Betrieb seine Arbeitszeiten modernisiert, um seine Fachkräfte halten zu können, und dadurch keine Lehrlinge mehr ausbilden kann, ist nicht der Betrieb das Problem, dann ist das starre Regelwerk das Problem. (Beifall bei der FPÖ.)

Herr Kollege Koza, den Gender-Pay-Gap bei Lehrlingen zu suchen: Ich meine, ich habe gelesen, Sie waren Sekretär bei der Auge – also da waren bei der grünen Gewerkschaft anscheinend die Lehrlinge nicht wie in der normalen Welt organisiert, weil es das nicht gibt! Die einzige Frage ist, was sie lernen. (Abg. Koza [Grüne]: 14,5 Prozent!) Der Friseur verdient genauso gut oder genauso schlecht wie die Friseurin. Da ist kein Unterschied, ich kann Ihnen leider nicht helfen. (Beifall bei der FPÖ sowie der Abg. Jeitler-Cincelli [ÖVP].)

Dann haben wir noch ein Problem: Das ist der Ausbildungsschlüssel. Den vergessen auch alle. Einem normalen Handwerksbetrieb schreibt man genau vor, wie viele Lehrlinge eine Fachkraft ausbilden darf – im Regelfall zwei. In der überbetrieblichen Ausbildung, meine Damen und Herren, gibt es diesen Ausbildungsschlüssel nicht. Bei diesem Ausbildungsschlüssel muss man eigentlich sagen: Es muss die Qualität der Ausbildung das Ziel sein, man sollte nicht an einer starren Zahl festhalten, die eigentlich nicht mehr zeitgemäß ist. Eines nämlich nur nebenbei: Die überbetriebliche Ausbildung kostet uns ja ein Vielfaches der normalen Lehrlingsausbildung. 

Nur an die SPÖ gerichtet: Sie haben die Lehrlingsförderung effektiv gekürzt, weil sie nicht erhöht worden ist, die Löhne dort sind aber gestiegen. Und eines darf man auch nicht vergessen – ich finde, Sie haben recht –: Die Lehrlingszahlen fallen um 5 Prozent, in der überbetrieblichen Ausbildung sind sie aber um 7 Prozent gestiegen, und da sind wir wieder bei den Alarmglocken – hinsichtlich dem, was bei der Ausbildung herauskommt und was funktionieren würde.

Wir hier herinnen müssen dafür sorgen, dass es in der Lebensrealität angepasste Arbeitszeitmodelle und einen zeitgemäßen Ausbildungsschlüssel gibt. Wir müssen unseren Lehrbetrieben mehr vertrauen. Nicht mehr Kontrolle, Herr Koza: Das ist schon wieder einmal der falsche Zugang! Sie werden keine Betriebe hinter dem Ofen hervorlocken, wenn Sie als Erstes sagen, das ist die sexuelle Gefährdung und der Betrieb muss kontrolliert werden. Ich meine, wie kommt man auf solche Ideen?

Die Lehrlinge brauchen die richtige Wertschätzung, auch keine Frage. Zuerst brauchen wir einen jungen Menschen, der etwas lernen will, dann brauchen wir einen Betrieb, der ausbilden will und kann, und nur aus dieser Kombination entstehen Fachkräfte, die wir morgen brauchen. – Danke. (Beifall bei der FPÖ.)

20.22

Präsidentin Doris Bures: Zu einer tatsächlichen Berichtigung hat sich Herr Abgeordneter Markus Koza zu Wort gemeldet.

RN/167

20.22

Abgeordneter Mag. Markus Koza (Grüne): Sehr geehrte Frau Präsidentin. – Abgeordneter Michael Fürtbauer hat in seinem Debattenbeitrag behauptet, dass es den Gender-Pay-Gap bei Lehrlingen in denselben Berufen nicht geben würde.

Ich berichtige tatsächlich: Laut ÖGB bekommen weibliche Lehrlinge 14,5 Prozent weniger Einkommen. Die ungleiche Bezahlung beginnt schon in der Ausbildung. Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit muss für alle Berufe über alle Branchen gelten, auch bei der Lehre. – Danke. (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ. – Abg. Darmann [FPÖ] – in Richtung Grüne –: Da verzapft der ÖGB einen Blödsinn!)

20.23

Präsidentin Doris Bures: Zu Wort gemeldet ist nun Frau Abgeordnete Carmen Jeitler-Cincelli. 

RN/168

20.23

Abgeordnete Mag. Carmen Jeitler-Cincelli, BA (ÖVP): Geschätzte Frau Präsidentin! Geschätzter Herr Minister! Vielleicht diskutieren wir das gleich aus, weil ich das auch drinnen habe: Natürlich ist ein Kollektivvertrag ein Kollektivvertrag – dann muss ich diejenigen Frauen dazu bringen, in eine andere Berufssparte zu gehen. Das ist ein Unterschied, Herr Kollege. (Beifall bei Abgeordneten der ÖVP. – Zwischenruf des Abg. Koza [Grüne].) – Ja, aber dann haben wir ein anderes Thema; das hat damit nichts zu tun. Dann muss ich Mädchen für Mint-Fächer, für andere Dinge begeistern, mit denen man mehr Geld verdient. 

Ich möchte mich zuerst einmal bedanken, weil ich diesen Ausschuss wirklich sehr, sehr schätze und weil der Diskurs im Ausschuss normalerweise extrem produktiv und auch sehr interessant ist. Ich habe das Gefühl, wir stehen eigentlich zumindest dort meistens alle auf derselben Seite.

Wir erzählen uns jetzt alle, wie gut die Lehre ist und wie toll die Lehre ist, und das wissen wir auch, und dennoch sehen wir anhand der Zahlen: Wir haben ein Thema. Wir wissen, wir haben bei den Worldskills jetzt wieder abgeräumt – Medaillenregen pur. Wir wissen, dass durch KI auch ganz viele Chancen kommen, und trotzdem schaffen wir irgendwie das Matching nicht. Ich glaube – Herr Kollege, Sie haben vorhin die eine Maßnahme mit den vier Tagen rausgenommen –, es braucht ein ganzes Bündel an Maßnahmen, die zusammenwirken.

Wenn wir jetzt schauen: Was könnten wir tun? – Ich glaube, das Mismatch von der Region ist einmal das eine Thema. Eine gewisse Flexibilität – man darf den Jungen was zutrauen, hat der Kollege von den NEOS gesagt – kann man einfordern, und vielleicht brauchen wir einfach kreativere Lösungen. Ich weiß, einen 15-, 16-Jährigen gibt man jetzt nicht einfach irgendwohin und sagt: Jetzt wohnst du einmal da, und am Freitag kommst du wieder! – Vielleicht müssen wir Lösungen finden, indem wir sagen: Es gibt genauso wie Internate wieder Lehrlingswohnheime, wie es das früher auch gegeben hat, in denen ein bissl geschaut wird und wo er halt am Freitag, wie wenn er sonst im Internat wäre, wieder nach Hause kommt. – Es gibt ja Arbeitsplätze, die nicht besetzt sind, das Problem ist nur das Ungleichgewicht. Also vielleicht ist das eine Chance.

Die Zahlen sind ein Warnsignal für die Wirtschaft – ja, ich sehe das auch so. Die Wirtschaft schwächelt. Ich übernehme, wenn ich einen Lehrling aufnehme, Verantwortung für Jahre. Ganz viele trauen sich das in der Konjunkturlage und in der jetzigen Situation einfach gar nicht zu. Also auch da sollte man vielleicht die Unternehmer fragen: Was konkret braucht ihr, dass ihr es wieder tut? – Eine Maßnahme, die ich wie gesagt gut finde, das kann man sicher in ein Gesamtpaket hineingeben.

Das Zweite ist das Thema Lehre später machen, zweiter Bildungsweg. Auch das ist total wichtig. Es gibt mittlerweile doch einige Erwachsene, die sagen: Ich will das eigentlich noch einmal machen, ich will etwas Gescheites lernen, früher habe ich es mir nicht zugetraut; und auch dahin geht es.

Kollege Schnedlitz! – Ach so, jetzt ist er nicht mehr hier. (Abg. Ragger [FPÖ]: Doch, da sitzt er!) Doch, er ist da, er sitzt nur in einer anderen Reihe. – Sie haben vorhin, als Kurt Egger geredet hat, so quasi gesagt: Na ja, sehr authentisch, und jetzt steht er da mit Manschettenknöpfen! – Ich finde das großartig! Das ist doch der Beweis dafür, dass man mit Lehre auch etwas anderes machen kann, dass das eine Basis für vieles ist. (Beifall bei der ÖVP.)

Mehr Mittel sind immer so die Thematik. Wenn mehr Mittel, muss man sich auch anschauen: Wofür? Ich glaube – und da hat der Herr Minister den Appell sicher jetzt auch mitgenommen –, das Thema ist schon auch, dass es bei denen, die wir in Wien haben – der große Teil, der keine Lehrstelle findet, ist in Wien –, schon etwas mit der Ausbildung davor zu tun hat. Also es wird schon auch in Niederösterreich Betriebe geben, die suchen und sagen: Ich nehme gar keinen mehr, weil das, was ich da kriege, nicht funktioniert, den muss ich zu lange trainieren!

Also wir brauchen ein Bündel an Maßnahmen. Ich glaube, das, was es nicht braucht, ist den Volkskanzler Kickl – den braucht es für diese Maßnahmen wohl nicht. Ich glaube, da braucht es einen Tisch, an dem die Unternehmer sitzen, wo man vielleicht auch die jungen Leute, die Interesse hätten, selbst fragt: Was braucht ihr?

Ganz toll fand ich zum Beispiel diese Kampagne auf Ö3, wo die von den Worldskills mit ihren Medaillen kamen und erzählt haben, wie toll das war. Diese Menschen motivieren andere, die Geschichten motivieren andere. Das müssen wir gemeinsam tun, und ich glaube, es ist eine Investition in unseren Wirtschaftsstandort, nicht nur in die jungen Leute, sondern in unseren gesamten Standort. Das können wir gemeinsam machen.

Jetzt möchte ich noch einmal kurz auf den vorherigen Tagesordnungspunkt replizieren, weil ich mich gefragt habe, ob jetzt ich einen Gedächtnisverlust habe oder die FPÖ, weil Peter Wurm gesagt hat, wie furchtbar dieses Pfandsystem ist. Leonore Gewessler weiß es: Ich bin kämpferisch gegen dieses Pfandsystem angetreten; auch Lukas sitzt da, er weiß es. Ich war ein glühender Verfechter, es nicht zu machen, und hätte andere Lösungen vorgeschlagen – Rezyklatquoten et cetera –, das ganz anders zu machen.

Aber wer hat den Antrag am 27.2.2020 eingebracht? – Es war der Entschließungsantrag, mit dem die Ministerin aufgefordert wurde, ein Pfandsystem für Plastikpfand einzuführen, und das war Walter Rauch. Das war Ihr Walter Rauch, der diesen Antrag gestellt hat! (Beifall bei Abgeordneten der ÖVP, bei den Grünen, bei Abgeordneten der NEOS sowie des Abg. Moitzi [SPÖ]. – Abg. Lukas Hammer [Grüne]: Bravo!) Ich habe jetzt nur gesehen, dass Rosa Ecker unterschrieben hat, die anderen Unterschriften konnte ich nicht entziffern.

Für mich ist eines ganz klar: Wenn wir Politik besser machen wollen, dann brauchen wir einmal den Mut zur Wahrheit. Leben wir das so – Herr Fürtbauer, das ist super – wie im Ausschuss! Da kann man reden, es ist konstruktiv. Benutzen wir diesen Saal hier nicht nur als Podcast- und Fernsehstudio, in dem man sich sein Video runterdreht! – Danke schön. (Beifall bei ÖVP und NEOS sowie bei Abgeordneten der SPÖ.)

20.28

Präsidentin Doris Bures: Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Barbara Teiber.

RN/169

20.28

Abgeordnete Barbara Teiber, MA (SPÖ): Danke, Frau Präsidentin! Geschätzter Minister! Hohes Haus! Werte Zuseher und Zuseherinnen! Ich möchte mich einmal im Namen meiner sozialdemokratischen Fraktion für den wirklich ausführlichen, aufschlussreichen Lehrlingsbericht bedanken. Nur liegt der Betrachtungszeitraum nun doch schon einige Zeit zurück, darum darf auch ich noch einmal auf die aktuelle arbeitsmarktpolitische Situation von Lehrstellensuchenden eingehen.

Wir haben es gehört: Es ist bittere Realität, dass wir aktuell 4 000 Lehrstellensuchende mehr haben als offene Stellen. Seit Jahren geht die Zahl der Lehrbetriebe zurück. In den letzten zwei Jahrzehnten ist die Anzahl der Lehrbetriebe um fast 10 000 gesunken. Man muss leider sagen, immer mehr Betriebe verabschieden sich von ihrer Verantwortung und rufen gleichzeitig – Reini Binder hat es gesagt; ich möchte es noch einmal wiederholen –: Wir brauchen mehr Fachkräfte! – Fachkräftemangel da, Fachkräftemangel dort – ehrlich gesagt, ich kann es nicht mehr hören. Es ist ja kein Wunder: Wenn man keine Fachkräfte ausbildet, dann wird es auch keine Fachkräfte geben. (Beifall bei der SPÖ.)

Darum müssen wir froh sein – es ist nur die zweitbeste Lösung –, dass es eben überbetriebliche Lehrausbildungsstätten gibt. Da müssen wir auch dafür sorgen, dass diese ausreichend finanziert werden, aber das ist natürlich auch wieder eine Belastung des Budgets für die aktive Arbeitsmarktpolitik. 

Ich möchte mich gleichzeitig aber – das ist mir wirklich ein Anliegen – bei jenen Unternehmen bedanken, die Verantwortung übernehmen, die Lehrlinge ausbilden, die jungen Menschen eine Chance, eine berufliche Perspektive geben. 

Ich möchte Ihnen sagen, ich war erst unlängst bei einem Lehrlingstag eines großen österreichischen Handelsunternehmens. Da werden Hunderte Lehrlinge ausgebildet. Da geht einem wirklich das Herz auf: Dutzende Jugendliche, die voller Zuversicht ins Berufsleben starten. Da sieht man wirklich, wie wichtig es ist, dass Unternehmen da auch Verantwortung übernehmen (Beifall des Abg. Hofer [NEOS]) – danke! –, nicht nur im eigenen Interesse, sondern da geht es wirklich um das Interesse des Standorts Österreich und das Interesse von vielen Tausenden jungen Menschen, die eine Chance am Arbeitsmarkt brauchen, denn es gibt nichts Schlimmeres, als wenn man das Gefühl hat, nicht gebraucht, nicht gewollt zu werden, das ist wirklich etwas ganz, ganz Schreckliches. 

Ich darf auch sagen, ich kenne in meinem engsten Umfeld einen Kleinunternehmer, der vor Kurzem das erste Mal einen Lehrling ausgebildet hat, und er hat mir erzählt, er hat es fast nicht geglaubt, aber es war einfacher und unkomplizierter, als er es sich gedacht hatte. Darum an alle Unternehmer und Unternehmerinnen, die zuhören: Geben Sie sich einen Ruck!

Abschließend noch ein letzter Appell an unsere Regierungspartner: Wir sehen ja an den aktuellen Zahlen, dass Förderungen offensichtlich nicht ausreichen. Darum müssen wir endlich die Trittbrettfahrer, die nichts für die Ausbildung von Fachkräften tun, dann aber von Fachkräften, die andere für sie ausgebildet haben, profitieren, durch ein Bonus-Malus-System dazu bringen, endlich Verantwortung zu übernehmen. Das wäre nur fair und gerecht für die guten Unternehmer, die etwas tun. – Vielen Dank. (Beifall bei der SPÖ.)

20.32

Präsidentin Doris Bures: Nächster Redner: Herr Abgeordneter Maximilian Linder.

RN/170

20.32

Abgeordneter Maximilian Linder (FPÖ): Sehr geehrte Frau Präsident! Herr Minister! Geschätzte Kolleginnen, geschätzte Kollegen! Sehr geehrte Zuhörerinnen und Zuhörer! Zur Lehrlingsbeschäftigung, Jugendbeschäftigung: Ein alter Spruch besagt, Handwerk hat einen goldenen Boden. Karriere mit Lehre war lange ein Leitspruch, und ich glaube, wir müssen wieder ganz intensiv in diese Richtung arbeiten. 

Eines ist für mich ganz klar: Betriebe garantieren eine praxisnahe Ausbildung für die Lehrlinge. Eine Lehrwerkstatt ist eines, aber wirklich in der Praxis zu arbeiten, ist, glaube ich, genau das, was wir brauchen. Leider ist es so, meine Damen und Herren, und das muss ich jetzt schon sagen, weil die Kollegin von der SPÖ sich hier herausstellt und sagt, wir müssen Betriebe zwingen und so weiter: Diese Betriebe hören nicht auf, Lehrlinge auszubilden, weil sie es nicht mehr wollen, sondern weil teilweise die Rahmenbedingungen nicht mehr passen. Ich werde jetzt ein paar Beispiele bringen. 

Flexibilität ist eines der wichtigsten Rezepte, damit ein Betrieb heute noch wirtschaftlich überleben kann. Dieselbe Flexibilität wird von uns Arbeitgebern, aber auch den Mitarbeitern gegenüber eingefordert, weil flexible Arbeitszeitmodelle einfach notwendig sind, damit wir die Leute kriegen oder halten können. Und eines ist klar: Da gibt es dann die Probleme. 

Ein schönes Beispiel aus der Nachbargemeinde: ein großer Friseurbetrieb, der mit seinen Mitarbeitern genau diese Flexibilität eingeführt hat, indem er gesagt hat, es gibt eine Viertagewoche – Mittwoch bis Samstag geöffnet, Sonntag, Montag, Dienstag ist der Betrieb geschlossen. Dieser Betrieb hat immer Lehrlinge ausgebildet, ist wirklich ein hervorragender Ausbildungsbetrieb gewesen, und plötzlich hat er Probleme dahin gehend bekommen, dass er die Lehrlinge nicht mehr beschäftigen kann, weil der Lehrling nur 9 Stunden am Tag arbeiten darf und weil er am Samstag nur bis 13 Uhr arbeiten darf. Im Handel darf er bis 18 Uhr arbeiten, in der Gastronomie jede zweite Woche bis 22 Uhr, aber bei den Friseuren ist es so geregelt, dass er nur bis 13 Uhr arbeiten darf. 

Das heißt, der Betrieb ist nicht mehr in der Lage, Lehrlinge einzustellen. Und da ist man nicht bereit, zu sagen: Gehen wir den Betrieben, den Friseuren einen Schritt entgegen und schauen wir, dass wir das lockern und verändern!, nein, sondern man geht her und sagt: Wir müssen diejenigen strafen, die nicht mehr ausbilden! – Man muss sich einmal fragen, warum das so ist. Wir fordern rundherum Flexibilität ein, und ich glaube, wir von der Politik hier herinnen haben die Aufgabe, für diese Flexibilität zu sorgen. 

Lieber Kollege Binder, ich glaube, Sie haben selber gespürt, dass die Aussage im Ausschuss wirklich ein Fehlgriff war. Herzugehen und zu sagen: Wenn die Lehrlinge länger arbeiten müssen, laufen wir Gefahr, dass einer in der Nacht mit dem öffentlichen Verkehr nicht heimkommt, und womöglich müssen wir dann hinter seinem Sarg nachgehen!, ist aus meiner Sicht wirklich keine Basis, um Lösungen suchen – dass man von vornherein sagt, es könnte jemand sterben und deswegen dürfen wir das nicht machen.

Wenn wir wirklich wieder dafür sorgen wollen, dass die Lehrlinge in Lehrbetrieben ausgebildet werden, dann müssen wir selber darauf schauen, dass wir Flexibilität schaffen, dass wir den Betrieben die Möglichkeit dazu geben, dass sie wirklich arbeiten können. (Beifall bei der FPÖ.) 

Kollege Egger, es ist ja schön, wenn du dich bedankst und salbungsvoll bedankst. Die Betriebe freuen sich über den Dank schon, aber sie brauchen auch die Hilfe, dass wir wirklich wieder viele Rahmenbedingungen schaffen, durch die das Ausbilden leichter wird. 

Wir selbst bilden in der Gemeinde regelmäßig Lehrlinge aus, und wir wissen, dass es wirklich nicht ganz einfach ist. Jetzt sind wir ein öffentlicher Betrieb, aber ich weiß, was es in einem Privatbetrieb, in einem kleinen Privatbetrieb bedeutet, Lehrlinge auszubilden – und da haben wir die Aufgabe, uns zusammenzusetzen, konstruktiv etwas auszuarbeiten und das dann wirklich so zu beschließen, dass es den Betrieben zugutekommt. 

Eine gute Chance wäre, dass ihr unserem Antrag – von Kollegen Pfeifer, des freiheitlichen Abgeordneten – zustimmt, dass wir das wirklich auf die Reihe bringen, denn ich glaube, wir sollten schauen, dass unsere Leute wieder in unseren Betrieben ausgebildet werden können. (Beifall bei der FPÖ.)

20.36

Präsidentin Doris Bures: Nächster Redner: Herr Abgeordneter Klaus Mair.

RN/171

20.36

Abgeordneter Klaus Mair (ÖVP): Geschätzte Frau Präsidentin! Geschätzter Herr Bundesminister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Geschätzte Zuseherinnen und Zuseher hier im Plenum und zu Hause! Ja, wir sind uns hier herinnen nicht so oft einig, aber was man jetzt schon spürt, ist, dass wir uns bei der Lehrausbildung einig sind. Die duale Lehrausbildung ist zweifelsohne ein Erfolgsprojekt und ein Konzept, das Praxis und Theorie in Perfektion vereint. 

Wir haben viel Positives gehört. Wenn man sich aber die aktuellen Lehrlingszahlen anschaut, dann stimmt mich das sehr wohl bedenklich. Waren es im Jahre 1980 noch rund 200 000 Jugendliche, die sich für eine Lehre entschieden haben, so sind es aktuell unter 100 000. Da gibt es ein großes Delta, diese Jugendlichen werden uns am Arbeitsmarkt fehlen. Die Gründe dafür sind vielfältig, es gibt nicht die eine Lösung. 

Da ist zunächst einmal natürlich der demografische Wandel, es fehlt uns einfach eine beträchtliche Menge an 15- bis 19-Jährigen, und es ist natürlich auch, was schon angesprochen worden ist, der Rückgang an Ausbildungsbetrieben seit den Neunzigerjahren ein Grund. Es ist jetzt ungefähr so aufgeteilt, dass rund die Hälfte in Industriebetrieben und die Hälfte in kleinen und mittleren Unternehmen arbeiten, wobei da wiederum jeweils ein bis zwei Lehrlinge ihre Ausbildung machen. 

Und warum nimmt die Zahl der Ausbildungsbetriebe ab? – Es ist zunächst einmal natürlich Druck da, das wirtschaftliche Umfeld, das die Unternehmen sehr fordert. Wir müssen aber auch so kritisch sein und sagen, dass die Jugendlichen, die eine Lehre machen, oftmals auch nicht dafür geeignet sind, weil sie noch nicht so weit sind und einen weiteren Schritt dazwischen brauchen. Da sage ich zuallererst, dass sich der Betrieb sehr wohl auf das Ausbilden konzentrieren muss und nicht auf die Erziehung. (Beifall des Abg. Oberhofer [NEOS].) Es ist auch eine Grundvoraussetzung, dass die Jugendlichen nach einer Schulausbildung Deutsch, Mathematik und sinnerfassendes Lesen können müssen. Es kann nicht sein, dass die Unternehmerinnen und Unternehmer auch da noch hineininvestieren. Das, sage ich einmal, muss in den Schulen passieren, und – so selbstkritisch müssen wir sein – da haben wir aktuell auch ein Thema. (Beifall bei der ÖVP.)

Wenn man sich das aber über ganz Österreich anschaut, dann gibt es auch da Unterschiede: In Tirol gibt es zum Beispiel 1 548 offene Lehrstellen und 596 Suchende, und in Wien sind es 5 551 Suchende und 611 Lehrstellen. Natürlich wissen wir, dass man Wien mit Tirol nicht vergleichen kann, und, und, und, aber ich möchte damit aufzeigen, dass das Problem nicht ein einheitliches ist, sondern es auch regional unterschiedlich ist.

Ein wesentliches Thema ist dann auch noch, was schon angesprochen wurde, die überbetriebliche Ausbildung. Während die Anzahl der Lehrlinge in Summe um 4,8 Prozent abgenommen hat, hat die Zahl jener in der Überbetrieblichen um 7,4 Prozent zugenommen. 

Weil auch die Kosten angesprochen wurden: Fakt ist schon, dass eine überbetriebliche Ausbildungsstelle 23 000 Euro kostet – dreimal so viel wie ein Ausbildungsplatz in der Privatwirtschaft. Da müssen wir also ansetzen! 

Dann gibt es noch ein Thema: Wir hier herinnen reden alle gut über die Lehre. Wir wissen alle, wie super die Lehre ist, und dennoch ist es in der breiten Masse der Bevölkerung so, dass es, wenn man über die Berufswahl, über Karriere und den Beruf spricht, dann oft einmal heißt: Aber mein Kind soll es besser haben! – Genau da müssen wir ansetzen, wie auch der Herr Minister schon gesagt hat. 

Wenn wir vom Ansetzen sprechen, dann gibt es dabei für mich drei wesentliche Punkte: 

Zum einen ist das: Wir müssen die Jugendlichen, vor allem aber auch die Eltern, davon überzeugen, dass die Lehrausbildung gerade auch in Zeiten der künstlichen Intelligenz wichtiger ist denn je, denn die Berufswelt wird sich verändern. Die KI wird uns zwar sagen, was kaputt ist, aber die KI hat keine Hände. Wir brauchen Handwerkerinnen und Handwerker, wir brauchen Professionisten, und die werden eine gute Zukunft haben. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der SPÖ.)

Es ist auch schon angesprochen worden, dass wir die Realität der Ausbildung auch in der Arbeitswelt umsetzen müssen. Zum Antrag von Kollegen Pfeifer darf ich durchaus sagen, dass ich dem sehr viel abgewinnen kann, aber wie schon angesprochen wurde: Wir müssen ein größeres Paket schnüren, weil es auch eine Vielzahl von anderen Themen gibt, wie zum Beispiel, dass ein Jugendlicher mit 15 zwar sein Moped tanken darf, aber eine Motorsäge nicht bedienen darf. Auch da müssen wir ansetzen. Da gibt es eine Reihe von Beispielen, das gehört nur einmal entsprechend zusammengefasst und dann gehört ein neues Paket aufgestellt. 

Angesprochen wurde auch die Finanzierung: Wir müssen unsere Betriebe entsprechend unterstützen, das ist wichtig. Die Ausbildung kostet Geld, aber die Unternehmerinnen und Unternehmer sind bereit, diese Ausbildung für Jugendliche anzubieten, weil sie sich dessen bewusst sind, dass sie sie schlicht und ergreifend brauchen. 

Ich möchte jetzt zum Abschluss noch ein anderes Thema ansprechen: Es ist nicht selbstverständlich, dass die Kolleginnen und Kollegen bei den Worldskills vier Silbermedaillen, sechs Bronzemedaillen und 20 ausgezeichnete Erfolge gemacht haben. Ich glaube, dass sich unsere Olympioniken, die die duale Ausbildung in der Welt präsentiert haben, von uns hier herinnen heute einen großen Applaus verdient haben. (Beifall bei ÖVP und SPÖ, bei Abgeordneten von FPÖ und NEOS sowie des Abg. Dengler [OK].)

Das braucht es auch in Zukunft, da müssen wir ansetzen. Es lebe das Handwerk! Ich bin zuversichtlich, Herr Bundesminister, dass wir ein tolles Paket für unsere Lehrlinge zusammenbringen werden. – Danke. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der SPÖ.)

20.42

Präsidentin Doris Bures: Nächster Redner: Herr Abgeordneter Roland Baumann.

RN/172

20.42

Abgeordneter Roland Baumann (SPÖ): Danke, Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Bundesminister! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuseherinnen und Zuseher! Junge Menschen brauchen Perspektiven, eine hochwertige Ausbildung und faire Arbeitsbedingungen. – Weil mich Kollege Fürtbauer hier direkt angesprochen hat: Ja, natürlich ist die Dimension in einer Voestalpine eine andere, aber in einem Unternehmen – zwischen Betriebsräten und Unternehmensleitung –, das ist völlig klar, ist es notwendig, diese Perspektiven zu geben und Verantwortung für die eigene wirtschaftliche Zukunft zu übernehmen, und das muss auch in kleineren Betrieben möglich sein. (Beifall bei der SPÖ.)

Wenn sich Betriebe aus der Lehrlingsausbildung zurückziehen und weniger junge Menschen eine Lehre beginnen, müssen wir uns fragen, wie wir die Qualität und Attraktivität dieser Ausbildung nachhaltig stärken können. Die Erhöhung der Mittel für Lehre mit Matura waren hierbei ein erster wichtiger Schritt. Für uns ist da eines ganz entscheidend: Die Lösung kann nicht darin bestehen, Schutzrechte für junge Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer abzubauen. Das Kinder- und Jugendlichen-Beschäftigungsgesetz gibt klare Grenzen vor. Diese Grenzen sind keine Schikane für Betriebe, sondern dienen dem Schutz der Gesundheit, der Sicherheit und der Entwicklung junger Menschen. 

Gerade Jugendliche befinden sich in einer wichtigen Lebens- und Ausbildungsphase. Sie müssen ausreichend Zeit haben, sich fachlich weiterzubilden, sich zu erholen und ihre Ausbildung erfolgreich abzuschließen. Schon heute ermöglicht das Gesetz eine flexible Gestaltung der Arbeitszeit, deshalb ist es nicht gerechtfertigt, den Jugendschutz als Hindernis für die Lehrausbildung darzustellen. Der Lehrlingsmonitor der Gewerkschaftsjugend weist darauf hin, dass Überstunden für viele Lehrlinge zum Arbeitsalltag gehören. Jeder vierte Lehrling gibt an, Überstunden zu leisten – und viele tun das gegen ihren eigenen Willen. Dabei ist eines wesentlich: Zwischen einem Lehrling und seinem Ausbildungsbetrieb besteht ein Machtgefälle. Wer auf seinen Ausbildungsplatz angewiesen ist, kann nicht immer frei entscheiden, ob er zusätzliche Arbeitsstunden leisten möchte. Deshalb brauchen wir klare Regeln und wirksame Schutzbestimmungen. (Beifall bei der SPÖ.)

Freiwilligkeit darf nicht nur auf dem Papier stehen, sondern muss auch in der betrieblichen Praxis gewährleistet sein. Natürlich müssen wir die Betriebe unterstützen, die junge Menschen ausbilden: Wir brauchen attraktive Rahmenbedingungen und gezielte Förderungen in eine hochwertige Ausbildungsqualität. Sorgen wir dafür, dass die Lehre als attraktiver Bildungsweg gesehen wird! Dabei dürfen wir nicht übersehen, dass die Ausbildung von Fachkräften eine Grundlage für die Zukunft von vielen Betrieben ist. Sie sichern sich damit ihre zukünftigen Fachkräfte und leisten einen wichtigen Beitrag für unsere gesamte Wirtschaft. 

Der Standpunkt der Sozialdemokratie ist klar: Wir wollen mehr Lehrstellen, starke Ausbildungsbetriebe und gute Zukunftsperspektiven für junge Menschen. Wir wollen das aber nicht auf Kosten ihrer Gesundheit und ihrer Rechte erreichen. Eine starke Lehrausbildung braucht keine schwächeren Schutzgesetze, sondern bessere Ausbildungsbedingungen, faire Arbeitszeiten und Betriebe, die Verantwortung für die nächste Generation übernehmen. (Beifall bei der SPÖ.)

20.45

Präsidentin Doris Bures: Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Nicole Sunitsch. 

RN/173

20.46

Abgeordnete Nicole Sunitsch (FPÖ): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Geschätzter Herr Bundesminister! Hohes Haus! Liebe Zuseher! Vor allem aber: Liebe Jugend! Ich möchte heute mit etwas Persönlichem beginnen: Ich habe selbst eine Lehre zur Hotel- und Gastgewerbeassistentin gemacht und erst danach führte mich mein Weg in die Justiz. Heute bin ich Bürgermeisterin und Nationalratsabgeordnete. Hätte mir das damals jemand gesagt, hätte ich es selbst nicht geglaubt. Genau das zeigt aber: Eine Lehre ist keine Ausbildung zweiter Klasse, sie ist ein Fundament, auf dem man sein ganzes Berufsleben aufbauen kann. Umso bedenklicher sind natürlich die Zahlen: Ende 2025 gab es in Österreich nur noch rund 103 000 Lehrlinge, so wenige, wie seit 50 Jahren nicht mehr. Auch die Zahl der Ausbildungsbetriebe ist auf rund 25 000 gesunken. 

Sehr geehrte Damen und Herren, wir reden über den Fachkräftemangel, unsere Betriebe suchen Mitarbeiter, gleichzeitig bilden immer weniger Unternehmen Lehrlinge aus. Ja wo sollen wir denn unsere Fachkräfte hernehmen, woher sollen sie kommen? – Aus einer Pressekonferenz des Wirtschaftsministers werden sie nicht herausspazieren. (Beifall bei der FPÖ.) 

Natürlich spielen die demografische Entwicklung und die schwierige Wirtschaftslage eine große Rolle. Genau deshalb müssen wir aber handeln. Kleine Betriebe kämpfen mit steigenden Kosten, Bürokratie und starren Regelungen. Wer Fachkräfte fordert, darf ihre Ausbildung nicht unnötig erschweren. Als Bürgermeisterin weiß ich, was fehlende Lehrstellen für unsere Regionen bedeuten. Wer in seiner Heimat keine Perspektive findet, geht irgendwann weg und kommt vielleicht nicht wieder zurück, dann fehlen nicht nur die Fachkräfte, dann fehlen junge Menschen in unseren Gemeinden und in den Vereinen. Deshalb brauchen wir eine bessere Berufsorientierung und echte Chancen auch außerhalb der großen Städte. Und eines sage ich ganz deutlich: Nicht jeder muss studieren, um erfolgreich zu sein. Wir brauchen Akademiker, aber genauso brauchen wir jene, die unsere Häuser bauen, unsere Fahrzeuge reparieren und unsere Betriebe am Laufen halten. 

Geschätzte Kolleginnen und Kollegen, ich habe selbst mit einer Lehre begonnen und stehe heute hier im Parlament – nicht trotz meiner Lehre, sondern mit dem Fundament, das sie mir gegeben hat. Wer heute bei den Lehrausbildungen spart, dem fehlen morgen die Fachkräfte. Denn eine Lehre darf keine Sackgasse sein, sie muss ein Sprungbrett bleiben. Ich hatte diese Chance und unsere Jugend verdient sie auch. – Vielen Dank. (Beifall bei der FPÖ.)

20.49

Präsidentin Doris Bures: Nächster Redner: Herr Abgeordneter Veit Valentin Dengler. 

RN/174

20.49

Abgeordneter Veit Valentin Dengler (ohne Klubzugehörigkeit): Frau Präsidentin! Herr Minister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es ist jetzt schon vieles über die Lehre gesagt worden, und ich glaube, eines sollte man noch einmal zusammenfassen: Die Lehre ist ein wirkliches Erfolgsmodell, das ist eine der besten Ideen, die dieses Land je gehabt hat. Wir müssen uns um sie kümmern, das zeigt der Lehrlingsbericht.

Wir verlieren sonst wirklich viel: Wir verlieren auf der einen Seite Jugendliche – das hat auch Klaus Mair schon gesagt –, aber das ist nicht erstaunlich, weil die Jahrgänge kleiner werden. Der Anteil aber bleibt einigermaßen stabil, das ist also nicht unser Problem. Das Problem liegt auf der Angebotsseite, bei Unternehmen, die keine Lehrstellen mehr anbieten. Dort liegt das ganze Problem – und bei großen, komplexen Problemen haben wir oft den Hang zu sagen: Wir brauchen jetzt einen ganzen Waschzettel an Maßnahmen! In Wahrheit müssen wir bei diesem einen Hebel am meisten ansetzen – nämlich: Wie kriegen wir Unternehmen dazu, wieder Lehrstellen zu schaffen? Die Zahl der Unternehmen ist von 38 000 vor 20 Jahren auf 25 000 Unternehmen gesunken.

An Kollegen Binder und Kollegin Teiber: Ich glaube, die Antwort kann nicht sein, dass wir sagen, wir müssen jetzt die Unternehmer bestrafen, wenn sie das nicht tun, weil die gute Gründe haben, dass sie weniger Lehrstellen anbieten. 

Was ist der erste Grund? – Der erste und wahrscheinlich auch einer der wichtigsten Gründe ist, dass die Schulen die Jugendlichen nicht mehr auf eine Lehre vorbereiten. Ein Viertel der 15-Jährigen beherrscht die Grundkompetenzen nicht – und dieses Problem, das wissen wir auch von Pisa, wird größer. Das heißt, man kann von einem Installateurbetrieb oder von einem Friseurbetrieb nicht verlangen, dass sie Ersatzschule spielen – das wird nicht funktionieren. Dann sagen sich diese Unternehmen sehr, sehr rational: Dann kann ich halt auch niemanden aufnehmen!

Dann springt der Staat ein; und das ist jetzt schon mehrmals gesagt worden: Die überbetriebliche Ausbildung ist die teuerste Form der Ausbildung, die es in Österreich gibt. Eine Lehrstelle in der überbetrieblichen Ausbildung ist teurer als ein Universitätsplatz. Was wir sehen, ist auch, dass die betriebliche Lehre vor allem in Wien ein Problem ist. Wien hat auch das andere Problem: Das ist die einzige Region in Österreich, wo der Anteil der Jugendlichen wächst. Vor zehn Jahren oder 2010 lebten 17 Prozent aller Jugendlichen in Wien, jetzt leben schon über 22 Prozent der Jugendlichen in Wien. Das heißt, das Problem ist in Wien und es wird in Wien verschärft. Das heißt, wir können auch keine Lösung, die für alle passt, finden. Wir müssen eine Lösung für Wien finden und wir müssen eine andere Lösung für die Bundesländer finden, wo die Situation sehr anders ist, wo es oft Lehrlingsmangel gibt. (Beifall bei Abgeordneten der ÖVP.) 

Übrigens hat das auch etwas mit Integration und Migration zu tun, weil wir auch wissen, dass eine Lehrstelle das beste soziale System und die beste Methode ist, sich hier zu integrieren. 

So, und wie reparieren wir die Schulen? – Nicht, indem wir die Polytechnischen Schulen kaputt machen. Die PTS sind hervorragend. Die sind eine Grundlage dafür, dass die Jugendlichen es sich aussuchen können, in welche Richtung sie beruflich gehen wollen. Die PTS sind übrigens auch der beste Schutz gegen Lehrabbrüche, die ja auch immer mehr werden, wie wir wissen. In die PTS müssen wir also investieren – und die PTS darf deswegen kein Aufbewahrungsort für Jugendliche werden, die nicht lesen und schreiben können. Das heißt, das Problem liegt in der Mittelschule. (Beifall bei Abgeordneten der ÖVP.) Wir dürfen die Schüler nicht aus der Mittelschule entlassen, bevor sie die Grundkompetenzen erlernt haben. Das heißt, wir brauchen so etwas wie eine mittlere Lehre – und ohne mittlere Lehre sollte man nicht in eine Polytechnische Schule gehen können. Das ist der Ansatz. 

Der zweite Ansatz – und das ist der wichtigste –: Für Unternehmen muss es einfacher und billiger werden, auszubilden. Wir haben das heute schon ein paar Mal angesprochen, aber stellen Sie sich das einmal praktisch vor: Sie haben einen Handwerksbetrieb, Sie arbeiten vier Tage die Woche 10 Stunden auf einer Baustelle. Was sollen Sie jetzt mit einem Lehrling nach 8 Stunden machen? Was machen Sie mit dem Lehrling am Freitagvormittag, wenn niemand im Betrieb ist? Entschuldigung, jetzt noch einmal: Da schützen wir die Jugendlichen nicht vor etwas Bösem, da schützen wir die Jugendlichen davor, dass sie eine Lehrstelle kriegen. Im Tourismus dürfen Jugendliche nur jeden zweiten Sonntag arbeiten. Was machen Sie jetzt mit einem Restaurant, das jede Woche von Donnerstag bis Sonntag offen hat? Wie sollen die Lehrlinge ausbilden? (Beifall bei Abgeordneten der ÖVP.) Das sind Schutzbestimmungen, die einfach überholt sind.

Wir müssen auch die Kosten senken. Die Lehrstellenförderung ist eingefroren, das haben wir schon gehört, aber seit 2023 real um 30 Prozent gestiegen. Ich glaube, da bietet sich eine Lösung an – und zwar ist das die, dass wir die Basisförderung dadurch ersetzen, dass der Staat die Lohnnebenkosten für die Lehrlinge übernimmt und dafür die ganzen Förderungen und die ganzen Anträge für die Förderungen und die Staffelungen streichen kann. 

Herr Minister! Sie haben jetzt die Novelle, dieses Paket angekündigt. Bitte machen Sie nicht den typischen Fehler, den wir oft machen, dass wir sagen, wir brauchen mehr Förderung. Machen Sie das System einfacher, machen Sie es billiger – und machen Sie bitte einen Plan für Wien und einen Plan für den Rest des Landes. (Beifall bei der ÖVP.)

20.54

Präsidentin Doris Bures: Zu Wort ist dazu nun niemand mehr gemeldet. (Zwischenruf des Abg. Schnabel [ÖVP].) Damit ist die Debatte geschlossen.

Wünscht der Herr Berichterstatter ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall. 

RN/175

Abstimmung

Präsidentin Doris Bures: Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordneten! Ich würde Sie ersuchen, die Plätze einzunehmen. Wir kommen in den Abstimmungsvorgang. 

RN/175.1

Wir stimmen über den Antrag des Ausschusses für Wirtschaft, Industrie und Energie, den vorliegenden Bericht III-370 der Beilagen zur Kenntnis zu nehmen, ab.

Wer dafür ist, den bitte ich um ein zustimmendes Zeichen. – Der Bericht ist einstimmig zur Kenntnis genommen.

RN/175.2

Damit kommen wir zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Abgeordneten Manuel Pfeifer, Kolleginnen und Kollegen betreffend „Mehr Chancen und mehr Flexibilität für Lehrlinge“.

Wer spricht sich für diesen Entschließungsantrag aus? – Das ist die Minderheit, abgelehnt.