RN/170

20.32

Abgeordneter Maximilian Linder (FPÖ): Sehr geehrte Frau Präsident! Herr Minister! Geschätzte Kolleginnen, geschätzte Kollegen! Sehr geehrte Zuhörerinnen und Zuhörer! Zur Lehrlingsbeschäftigung, Jugendbeschäftigung: Ein alter Spruch besagt, Handwerk hat einen goldenen Boden. Karriere mit Lehre war lange ein Leitspruch, und ich glaube, wir müssen wieder ganz intensiv in diese Richtung arbeiten. 

Eines ist für mich ganz klar: Betriebe garantieren eine praxisnahe Ausbildung für die Lehrlinge. Eine Lehrwerkstatt ist eines, aber wirklich in der Praxis zu arbeiten, ist, glaube ich, genau das, was wir brauchen. Leider ist es so, meine Damen und Herren, und das muss ich jetzt schon sagen, weil die Kollegin von der SPÖ sich hier herausstellt und sagt, wir müssen Betriebe zwingen und so weiter: Diese Betriebe hören nicht auf, Lehrlinge auszubilden, weil sie es nicht mehr wollen, sondern weil teilweise die Rahmenbedingungen nicht mehr passen. Ich werde jetzt ein paar Beispiele bringen. 

Flexibilität ist eines der wichtigsten Rezepte, damit ein Betrieb heute noch wirtschaftlich überleben kann. Dieselbe Flexibilität wird von uns Arbeitgebern, aber auch den Mitarbeitern gegenüber eingefordert, weil flexible Arbeitszeitmodelle einfach notwendig sind, damit wir die Leute kriegen oder halten können. Und eines ist klar: Da gibt es dann die Probleme. 

Ein schönes Beispiel aus der Nachbargemeinde: ein großer Friseurbetrieb, der mit seinen Mitarbeitern genau diese Flexibilität eingeführt hat, indem er gesagt hat, es gibt eine Viertagewoche – Mittwoch bis Samstag geöffnet, Sonntag, Montag, Dienstag ist der Betrieb geschlossen. Dieser Betrieb hat immer Lehrlinge ausgebildet, ist wirklich ein hervorragender Ausbildungsbetrieb gewesen, und plötzlich hat er Probleme dahin gehend bekommen, dass er die Lehrlinge nicht mehr beschäftigen kann, weil der Lehrling nur 9 Stunden am Tag arbeiten darf und weil er am Samstag nur bis 13 Uhr arbeiten darf. Im Handel darf er bis 18 Uhr arbeiten, in der Gastronomie jede zweite Woche bis 22 Uhr, aber bei den Friseuren ist es so geregelt, dass er nur bis 13 Uhr arbeiten darf. 

Das heißt, der Betrieb ist nicht mehr in der Lage, Lehrlinge einzustellen. Und da ist man nicht bereit, zu sagen: Gehen wir den Betrieben, den Friseuren einen Schritt entgegen und schauen wir, dass wir das lockern und verändern!, nein, sondern man geht her und sagt: Wir müssen diejenigen strafen, die nicht mehr ausbilden! – Man muss sich einmal fragen, warum das so ist. Wir fordern rundherum Flexibilität ein, und ich glaube, wir von der Politik hier herinnen haben die Aufgabe, für diese Flexibilität zu sorgen. 

Lieber Kollege Binder, ich glaube, Sie haben selber gespürt, dass die Aussage im Ausschuss wirklich ein Fehlgriff war. Herzugehen und zu sagen: Wenn die Lehrlinge länger arbeiten müssen, laufen wir Gefahr, dass einer in der Nacht mit dem öffentlichen Verkehr nicht heimkommt, und womöglich müssen wir dann hinter seinem Sarg nachgehen!, ist aus meiner Sicht wirklich keine Basis, um Lösungen suchen – dass man von vornherein sagt, es könnte jemand sterben und deswegen dürfen wir das nicht machen.

Wenn wir wirklich wieder dafür sorgen wollen, dass die Lehrlinge in Lehrbetrieben ausgebildet werden, dann müssen wir selber darauf schauen, dass wir Flexibilität schaffen, dass wir den Betrieben die Möglichkeit dazu geben, dass sie wirklich arbeiten können. (Beifall bei der FPÖ.) 

Kollege Egger, es ist ja schön, wenn du dich bedankst und salbungsvoll bedankst. Die Betriebe freuen sich über den Dank schon, aber sie brauchen auch die Hilfe, dass wir wirklich wieder viele Rahmenbedingungen schaffen, durch die das Ausbilden leichter wird. 

Wir selbst bilden in der Gemeinde regelmäßig Lehrlinge aus, und wir wissen, dass es wirklich nicht ganz einfach ist. Jetzt sind wir ein öffentlicher Betrieb, aber ich weiß, was es in einem Privatbetrieb, in einem kleinen Privatbetrieb bedeutet, Lehrlinge auszubilden – und da haben wir die Aufgabe, uns zusammenzusetzen, konstruktiv etwas auszuarbeiten und das dann wirklich so zu beschließen, dass es den Betrieben zugutekommt. 

Eine gute Chance wäre, dass ihr unserem Antrag – von Kollegen Pfeifer, des freiheitlichen Abgeordneten – zustimmt, dass wir das wirklich auf die Reihe bringen, denn ich glaube, wir sollten schauen, dass unsere Leute wieder in unseren Betrieben ausgebildet werden können. (Beifall bei der FPÖ.)

20.36

Präsidentin Doris Bures: Nächster Redner: Herr Abgeordneter Klaus Mair.

Die angezeigte Rede ist noch nicht nach § 52 Abs. 2 GOG-NR autorisiert.