RN/171
20.36
Abgeordneter Klaus Mair (ÖVP): Geschätzte Frau Präsidentin! Geschätzter Herr Bundesminister! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Geschätzte Zuseherinnen und Zuseher hier im Plenum und zu Hause! Ja, wir sind uns hier herinnen nicht so oft einig, aber was man jetzt schon spürt, ist, dass wir uns bei der Lehrausbildung einig sind. Die duale Lehrausbildung ist zweifelsohne ein Erfolgsprojekt und ein Konzept, das Praxis und Theorie in Perfektion vereint.
Wir haben viel Positives gehört. Wenn man sich aber die aktuellen Lehrlingszahlen anschaut, dann stimmt mich das sehr wohl bedenklich. Waren es im Jahre 1980 noch rund 200 000 Jugendliche, die sich für eine Lehre entschieden haben, so sind es aktuell unter 100 000. Da gibt es ein großes Delta, diese Jugendlichen werden uns am Arbeitsmarkt fehlen. Die Gründe dafür sind vielfältig, es gibt nicht die eine Lösung.
Da ist zunächst einmal natürlich der demografische Wandel, es fehlt uns einfach eine beträchtliche Menge an 15- bis 19-Jährigen, und es ist natürlich auch, was schon angesprochen worden ist, der Rückgang an Ausbildungsbetrieben seit den Neunzigerjahren ein Grund. Es ist jetzt ungefähr so aufgeteilt, dass rund die Hälfte in Industriebetrieben und die Hälfte in kleinen und mittleren Unternehmen arbeiten, wobei da wiederum jeweils ein bis zwei Lehrlinge ihre Ausbildung machen.
Und warum nimmt die Zahl der Ausbildungsbetriebe ab? – Es ist zunächst einmal natürlich Druck da, das wirtschaftliche Umfeld, das die Unternehmen sehr fordert. Wir müssen aber auch so kritisch sein und sagen, dass die Jugendlichen, die eine Lehre machen, oftmals auch nicht dafür geeignet sind, weil sie noch nicht so weit sind und einen weiteren Schritt dazwischen brauchen. Da sage ich zuallererst, dass sich der Betrieb sehr wohl auf das Ausbilden konzentrieren muss und nicht auf die Erziehung. (Beifall des Abg. Oberhofer [NEOS].) Es ist auch eine Grundvoraussetzung, dass die Jugendlichen nach einer Schulausbildung Deutsch, Mathematik und sinnerfassendes Lesen können müssen. Es kann nicht sein, dass die Unternehmerinnen und Unternehmer auch da noch hineininvestieren. Das, sage ich einmal, muss in den Schulen passieren, und – so selbstkritisch müssen wir sein – da haben wir aktuell auch ein Thema. (Beifall bei der ÖVP.)
Wenn man sich das aber über ganz Österreich anschaut, dann gibt es auch da Unterschiede: In Tirol gibt es zum Beispiel 1 548 offene Lehrstellen und 596 Suchende, und in Wien sind es 5 551 Suchende und 611 Lehrstellen. Natürlich wissen wir, dass man Wien mit Tirol nicht vergleichen kann, und, und, und, aber ich möchte damit aufzeigen, dass das Problem nicht ein einheitliches ist, sondern es auch regional unterschiedlich ist.
Ein wesentliches Thema ist dann auch noch, was schon angesprochen wurde, die überbetriebliche Ausbildung. Während die Anzahl der Lehrlinge in Summe um 4,8 Prozent abgenommen hat, hat die Zahl jener in der Überbetrieblichen um 7,4 Prozent zugenommen.
Weil auch die Kosten angesprochen wurden: Fakt ist schon, dass eine überbetriebliche Ausbildungsstelle 23 000 Euro kostet – dreimal so viel wie ein Ausbildungsplatz in der Privatwirtschaft. Da müssen wir also ansetzen!
Dann gibt es noch ein Thema: Wir hier herinnen reden alle gut über die Lehre. Wir wissen alle, wie super die Lehre ist, und dennoch ist es in der breiten Masse der Bevölkerung so, dass es, wenn man über die Berufswahl, über Karriere und den Beruf spricht, dann oft einmal heißt: Aber mein Kind soll es besser haben! – Genau da müssen wir ansetzen, wie auch der Herr Minister schon gesagt hat.
Wenn wir vom Ansetzen sprechen, dann gibt es dabei für mich drei wesentliche Punkte:
Zum einen ist das: Wir müssen die Jugendlichen, vor allem aber auch die Eltern, davon überzeugen, dass die Lehrausbildung gerade auch in Zeiten der künstlichen Intelligenz wichtiger ist denn je, denn die Berufswelt wird sich verändern. Die KI wird uns zwar sagen, was kaputt ist, aber die KI hat keine Hände. Wir brauchen Handwerkerinnen und Handwerker, wir brauchen Professionisten, und die werden eine gute Zukunft haben. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der SPÖ.)
Es ist auch schon angesprochen worden, dass wir die Realität der Ausbildung auch in der Arbeitswelt umsetzen müssen. Zum Antrag von Kollegen Pfeifer darf ich durchaus sagen, dass ich dem sehr viel abgewinnen kann, aber wie schon angesprochen wurde: Wir müssen ein größeres Paket schnüren, weil es auch eine Vielzahl von anderen Themen gibt, wie zum Beispiel, dass ein Jugendlicher mit 15 zwar sein Moped tanken darf, aber eine Motorsäge nicht bedienen darf. Auch da müssen wir ansetzen. Da gibt es eine Reihe von Beispielen, das gehört nur einmal entsprechend zusammengefasst und dann gehört ein neues Paket aufgestellt.
Angesprochen wurde auch die Finanzierung: Wir müssen unsere Betriebe entsprechend unterstützen, das ist wichtig. Die Ausbildung kostet Geld, aber die Unternehmerinnen und Unternehmer sind bereit, diese Ausbildung für Jugendliche anzubieten, weil sie sich dessen bewusst sind, dass sie sie schlicht und ergreifend brauchen.
Ich möchte jetzt zum Abschluss noch ein anderes Thema ansprechen: Es ist nicht selbstverständlich, dass die Kolleginnen und Kollegen bei den Worldskills vier Silbermedaillen, sechs Bronzemedaillen und 20 ausgezeichnete Erfolge gemacht haben. Ich glaube, dass sich unsere Olympioniken, die die duale Ausbildung in der Welt präsentiert haben, von uns hier herinnen heute einen großen Applaus verdient haben. (Beifall bei ÖVP und SPÖ, bei Abgeordneten von FPÖ und NEOS sowie des Abg. Dengler [OK].)
Das braucht es auch in Zukunft, da müssen wir ansetzen. Es lebe das Handwerk! Ich bin zuversichtlich, Herr Bundesminister, dass wir ein tolles Paket für unsere Lehrlinge zusammenbringen werden. – Danke. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der SPÖ.)
20.42
Präsidentin Doris Bures: Nächster Redner: Herr Abgeordneter Roland Baumann.
Die angezeigte Rede ist noch nicht nach § 52 Abs. 2 GOG-NR autorisiert.