RN/172

20.42

Abgeordneter Roland Baumann (SPÖ): Danke, Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Bundesminister! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuseherinnen und Zuseher! Junge Menschen brauchen Perspektiven, eine hochwertige Ausbildung und faire Arbeitsbedingungen. – Weil mich Kollege Fürtbauer hier direkt angesprochen hat: Ja, natürlich ist die Dimension in einer Voestalpine eine andere, aber in einem Unternehmen – zwischen Betriebsräten und Unternehmensleitung –, das ist völlig klar, ist es notwendig, diese Perspektiven zu geben und Verantwortung für die eigene wirtschaftliche Zukunft zu übernehmen, und das muss auch in kleineren Betrieben möglich sein. (Beifall bei der SPÖ.)

Wenn sich Betriebe aus der Lehrlingsausbildung zurückziehen und weniger junge Menschen eine Lehre beginnen, müssen wir uns fragen, wie wir die Qualität und Attraktivität dieser Ausbildung nachhaltig stärken können. Die Erhöhung der Mittel für Lehre mit Matura waren hierbei ein erster wichtiger Schritt. Für uns ist da eines ganz entscheidend: Die Lösung kann nicht darin bestehen, Schutzrechte für junge Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer abzubauen. Das Kinder- und Jugendlichen-Beschäftigungsgesetz gibt klare Grenzen vor. Diese Grenzen sind keine Schikane für Betriebe, sondern dienen dem Schutz der Gesundheit, der Sicherheit und der Entwicklung junger Menschen. 

Gerade Jugendliche befinden sich in einer wichtigen Lebens- und Ausbildungsphase. Sie müssen ausreichend Zeit haben, sich fachlich weiterzubilden, sich zu erholen und ihre Ausbildung erfolgreich abzuschließen. Schon heute ermöglicht das Gesetz eine flexible Gestaltung der Arbeitszeit, deshalb ist es nicht gerechtfertigt, den Jugendschutz als Hindernis für die Lehrausbildung darzustellen. Der Lehrlingsmonitor der Gewerkschaftsjugend weist darauf hin, dass Überstunden für viele Lehrlinge zum Arbeitsalltag gehören. Jeder vierte Lehrling gibt an, Überstunden zu leisten – und viele tun das gegen ihren eigenen Willen. Dabei ist eines wesentlich: Zwischen einem Lehrling und seinem Ausbildungsbetrieb besteht ein Machtgefälle. Wer auf seinen Ausbildungsplatz angewiesen ist, kann nicht immer frei entscheiden, ob er zusätzliche Arbeitsstunden leisten möchte. Deshalb brauchen wir klare Regeln und wirksame Schutzbestimmungen. (Beifall bei der SPÖ.)

Freiwilligkeit darf nicht nur auf dem Papier stehen, sondern muss auch in der betrieblichen Praxis gewährleistet sein. Natürlich müssen wir die Betriebe unterstützen, die junge Menschen ausbilden: Wir brauchen attraktive Rahmenbedingungen und gezielte Förderungen in eine hochwertige Ausbildungsqualität. Sorgen wir dafür, dass die Lehre als attraktiver Bildungsweg gesehen wird! Dabei dürfen wir nicht übersehen, dass die Ausbildung von Fachkräften eine Grundlage für die Zukunft von vielen Betrieben ist. Sie sichern sich damit ihre zukünftigen Fachkräfte und leisten einen wichtigen Beitrag für unsere gesamte Wirtschaft. 

Der Standpunkt der Sozialdemokratie ist klar: Wir wollen mehr Lehrstellen, starke Ausbildungsbetriebe und gute Zukunftsperspektiven für junge Menschen. Wir wollen das aber nicht auf Kosten ihrer Gesundheit und ihrer Rechte erreichen. Eine starke Lehrausbildung braucht keine schwächeren Schutzgesetze, sondern bessere Ausbildungsbedingungen, faire Arbeitszeiten und Betriebe, die Verantwortung für die nächste Generation übernehmen. (Beifall bei der SPÖ.)

20.45

Präsidentin Doris Bures: Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Nicole Sunitsch. 

Die angezeigte Rede ist noch nicht nach § 52 Abs. 2 GOG-NR autorisiert.