RN/173

20.46

Abgeordnete Nicole Sunitsch (FPÖ): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Geschätzter Herr Bundesminister! Hohes Haus! Liebe Zuseher! Vor allem aber: Liebe Jugend! Ich möchte heute mit etwas Persönlichem beginnen: Ich habe selbst eine Lehre zur Hotel- und Gastgewerbeassistentin gemacht und erst danach führte mich mein Weg in die Justiz. Heute bin ich Bürgermeisterin und Nationalratsabgeordnete. Hätte mir das damals jemand gesagt, hätte ich es selbst nicht geglaubt. Genau das zeigt aber: Eine Lehre ist keine Ausbildung zweiter Klasse, sie ist ein Fundament, auf dem man sein ganzes Berufsleben aufbauen kann. Umso bedenklicher sind natürlich die Zahlen: Ende 2025 gab es in Österreich nur noch rund 103 000 Lehrlinge, so wenige, wie seit 50 Jahren nicht mehr. Auch die Zahl der Ausbildungsbetriebe ist auf rund 25 000 gesunken. 

Sehr geehrte Damen und Herren, wir reden über den Fachkräftemangel, unsere Betriebe suchen Mitarbeiter, gleichzeitig bilden immer weniger Unternehmen Lehrlinge aus. Ja wo sollen wir denn unsere Fachkräfte hernehmen, woher sollen sie kommen? – Aus einer Pressekonferenz des Wirtschaftsministers werden sie nicht herausspazieren. (Beifall bei der FPÖ.) 

Natürlich spielen die demografische Entwicklung und die schwierige Wirtschaftslage eine große Rolle. Genau deshalb müssen wir aber handeln. Kleine Betriebe kämpfen mit steigenden Kosten, Bürokratie und starren Regelungen. Wer Fachkräfte fordert, darf ihre Ausbildung nicht unnötig erschweren. Als Bürgermeisterin weiß ich, was fehlende Lehrstellen für unsere Regionen bedeuten. Wer in seiner Heimat keine Perspektive findet, geht irgendwann weg und kommt vielleicht nicht wieder zurück, dann fehlen nicht nur die Fachkräfte, dann fehlen junge Menschen in unseren Gemeinden und in den Vereinen. Deshalb brauchen wir eine bessere Berufsorientierung und echte Chancen auch außerhalb der großen Städte. Und eines sage ich ganz deutlich: Nicht jeder muss studieren, um erfolgreich zu sein. Wir brauchen Akademiker, aber genauso brauchen wir jene, die unsere Häuser bauen, unsere Fahrzeuge reparieren und unsere Betriebe am Laufen halten. 

Geschätzte Kolleginnen und Kollegen, ich habe selbst mit einer Lehre begonnen und stehe heute hier im Parlament – nicht trotz meiner Lehre, sondern mit dem Fundament, das sie mir gegeben hat. Wer heute bei den Lehrausbildungen spart, dem fehlen morgen die Fachkräfte. Denn eine Lehre darf keine Sackgasse sein, sie muss ein Sprungbrett bleiben. Ich hatte diese Chance und unsere Jugend verdient sie auch. – Vielen Dank. (Beifall bei der FPÖ.)

20.49

Präsidentin Doris Bures: Nächster Redner: Herr Abgeordneter Veit Valentin Dengler. 

Die angezeigte Rede ist noch nicht nach § 52 Abs. 2 GOG-NR autorisiert.