RN/27
11.49
Abgeordnete Petra Tanzler (SPÖ): Vielen Dank, Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Minister! Werte Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuseherinnen und Zuseher! Der Grüne Bericht 2026 beschreibt die wirtschaftliche Lage der österreichischen Land- und Forstwirtschaft im Jahr 2025. Bevor ich aber auf den Bericht eingehe, möchte ich zum Kollegen Kainz noch ein paar Worte sagen.
Sie kritisieren die Bürokratie, die überbordende Bürokratie und möchten auf der anderen Seite mehr Förderungen haben. Aber wenn Sie Geld von der öffentlichen Hand bekommen, dann ist es wohl auch klar, dass Sie einen Nachweis erbringen müssen, wohin das Steuergeld fließt und wie Sie es einsetzen. (Beifall bei der SPÖ sowie bei Abgeordneten von ÖVP und NEOS.)
2025 war gesamtwirtschaftlich gesehen ein sehr gutes Jahr mit mehreren günstigen Entwicklungen. Ich darf aus dem Bericht zitieren: Bei Getreide und Ölfrüchten wurden größere Mengen geerntet. In der Forstwirtschaft sorgten ein stärkerer Holzeinschlag und höhere Preise für zusätzliche Einkommen. Es gab höhere Zahlungen aus dem Agrarumweltprogramm Öpul, und bei Milch und Rindern stiegen die Preise und auch die Produktionsmengen. Wir haben eine sehr großartige Wertschöpfung, eine wirklich gute Leistung, eine gute Produktion in Österreich, und so hoffe ich schon, dass wir irgendwann einmal gemeinsam einen Beschluss für eine Herkunfts- und Haltungskennzeichnung machen können, denn wir brauchen uns dafür wirklich nicht zu genieren.
Gegenläufig zu den ganzen Entwicklungen haben sich die Kosten für Futter und Dünger erhöht, und auch in der Schweinehaltung gab es ein leichtes Minus, aber insgesamt war 2025 ein wirklich gutes Jahr und es überwogen die positiven Faktoren.
Interessant und aussagekräftig war auch die Einkommenssituation der Betriebe: Es gibt in Österreich rund 101 000 landwirtschaftliche Betriebe im Haupt- und Nebenerwerb. Wirtschaftlich unterscheiden sie sich sehr, sehr stark in der Betriebsgröße, bei den produzierten Produkten oder darin, ob der Betrieb eben im Haupt- oder Nebenerwerb geführt wird. So sieht man halt ganz klar, dass ein Viertel, also 25 000 Betriebe, Verluste geschrieben hat, wohingegen auf der anderen Seite 25 000 Betriebe ein Pro-Kopf-Einkommen von 82 000 Euro hatten. Man sieht da also eine wirkliche Diskrepanz. Der Großteil der Nebenerwerbsbauern kommt natürlicherweise aus der unselbstständigen Arbeit, und diese Betriebe erreichen bei Weitem nicht die Einkommenshöhe der Haupterwerbsbetriebe.
Ich möchte wie meine Vorrednerin Kollegin Neumann-Hartberger auch noch ganz kurz auf die Rolle der Frauen eingehen, die in der österreichischen Landwirtschaft wirklich ganz zentral ist: Ein Drittel der Betriebe wird von Frauen geführt, wir liegen da an vierter Stelle in der EU. Frauen übernehmen eine ganz zentrale Rolle. Sie sind, wie in allen anderen Familien auch, der Mittelpunkt der Familie und des Betriebes. Sie haben zentrale Aufgaben am Hof, sie sorgen für den familiären Zusammenhalt und arbeiten auch im Ehrenamt. In Summe leisten sie einen sehr, sehr großen, wesentlichen Beitrag für den landwirtschaftlichen Erfolg dieser Betriebe – vielen Dank dafür. (Beifall bei SPÖ und ÖVP.)
Zum Schluss möchte ich als Niederösterreicherin im Zusammenhang mit dem Thema Landwirtschaft auch über die aktuelle Situation der Tiefkühlfirma Ardo im Weinviertel sprechen. Ich stehe als Niederösterreicherin selbstverständlich voll und ganz hinter den über 200 Beschäftigten, und nicht nur hinter ihnen, denn es hängen fast 500 familiäre bäuerliche Betriebe daran, also bäuerliche Familien, die die Lebensmittel dafür liefern und massiv davon betroffen sind. Abgesehen davon ist es der größte Tiefkühllieferant Österreichs, also 80 Prozent der österreichischen Tiefkühlware kommen aus diesem Betrieb, und bei Spinat sind es sogar 100 Prozent. Es kann nicht sein, dass wir künftig das Gemüse aus dem Ausland kaufen müssen, das wollen wir alle miteinander nicht. (Beifall bei SPÖ und ÖVP.)
Es müssen hier wirklich ganz klare Worte gefunden werden, denn der belgische Konzern schreibt ja auch Gewinne am Standort. Er hat öffentliche Förderungen bekommen – über 1 Million Euro – und will nur einfach nicht mehr im Marchfeld produzieren. Es ist meiner Meinung nach ein Skandal. Sie wollen nämlich auch verhindern, dass der Betrieb übernommen wird, dass Investoren diesen Betrieb kaufen und die Arbeitsplätze gerettet werden. Da gilt es schon für uns alle hier, einen Schulterschluss zu bilden, denn das ist nicht nachvollziehbar. Ich appelliere an dieser Stelle wirklich an die Verantwortlichen dieser Firma, auch tatsächlich Verantwortung zu übernehmen. Sie haben auch bei den öffentlichen Förderungen die Hand aufgehalten, und jetzt ist es an der Zeit, die Hand für eine Übernahme aufzuhalten. – Danke. (Beifall bei SPÖ und ÖVP.)
11.54
Präsident Peter Haubner: Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Bettina Zopf. – Freiwillige Redezeitbeschränkung: 4 Minuten, Frau Abgeordnete.
Die angezeigte Rede ist noch nicht nach § 52 Abs. 2 GOG-NR autorisiert.