RN/54
Bericht des Tourismusausschusses über den Bericht des Bundesministers für Wirtschaft, Energie und Tourismus betreffend Tourismus in Österreich 2025 (III-359 d.B. / 644 d.B.)
Präsidentin Doris Bures: Damit gelangen wir zum 4. Punkt unserer heutigen Tagesordnung.
Auf eine mündliche Berichterstattung wurde verzichtet.
Herr Abgeordneter Michael Fürtbauer, Sie haben das Wort.
RN/55
13.31
Abgeordneter Michael Fürtbauer (FPÖ): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Hohes Haus! Frau Staatssekretärin! Geschätzte Österreicher! 157,3 Millionen Nächtigungen, das klingt grundsätzlich hervorragend, aber leider bedeuten volle Betten noch lange keine vollen Kassen, denn entscheidend ist nicht, wie viele Gäste kommen, sondern wie viel unseren Betrieben am Ende übrig bleibt. (Abg. Hörl [ÖVP]: Blabla!) – Sie sprechen ja immer gern von Fakten, also schauen wir sie einmal an, die Fakten, Herr Hörl!
2019, als die Freiheitlichen aus der Regierung ausgeschieden sind, lag der Tourismusindex bei 2,88 Prozent, 2025 bei 3,04 Prozent – da ungefähr bist du gekommen – und heuer bereits bei 3,2 Prozent, also Tendenz noch immer fallend. Fast jeder zweite Betrieb erwartet eine weitere Verschlechterung. Die Kostensituation bekommt von den Unternehmern mittlerweile die Schulnote 4,3. – Herr Hörl, bei 5 hört es auf. – Ja, die Gäste kommen, aber unseren Wirten vergeht die Freude am Wirtschaften, und das sieht man auch an der dramatischen Entwicklung (Zwischenruf des Abg. Hörl [ÖVP]): Die Anzahl der klassischen Hotels, Gasthöfe, Pensionen ist in den letzten zehn Jahren um 13,8 Prozent gesunken, gleichzeitig ist die Zahl der Ferienwohnungen um unglaubliche 183 Prozent gestiegen.
Selbstverständlich haben Ferienwohnungen auch ihre Berechtigung, aber eine Ferienwohnung ersetzt kein österreichisches Gasthaus, denn was nützen uns die Nächtigungsrekorde, wenn gleichzeitig jene Familienbetriebe verschwinden, die unseren Tourismus groß gemacht haben? Unsere Wirtshäuser sind Arbeitgeber, Ausbildungsstätten und ein Stück österreichische Kultur. Wenn die Ferienwohnungen immer mehr werden – Herr Hörl, pass gut auf! –, die Wirtshäuser aber weniger, wo gehen die Gäste zukünftig hin?
Was macht die Bundesregierung dagegen? – Schauen wir uns die Bilanz des Tourismusausschusses an: Sage und schreibe ein Tagesordnungspunkt hat es in diesem Jahr aus dem Tourismusausschuss ins Plenum geschafft. (Abg. Hörl [ÖVP]: ... ein Blödsinn! – Zwischenruf des Abg. Steiner [FPÖ].) – Das war kein Blödsinn, entschuldige, nimm es zurück! Das war die Fußball-WM, denn wenn wir die nicht übertragen hätten, hätten wir wahrscheinlich ein Problem gehabt, aber es war halt nur die Verlängerung der Übertragungszeiten bei sportlichen Wettbewerben – so hat das, glaube ich, richtig geheißen.
Unsere Wirte kämpfen ums Überleben, und die Bundesregierung bringt nichts auf die Welt. Und ihr erklärt uns – und das seit zwei Tagen –: Wir liefern! – Ja, wo liefert ihr denn für den Tourismus? Ein Beispiel ist – Herr Hörl, da kannst du jetzt hereinschreien, das ist dein Thema – der Tourismusbeschäftigtenfonds. Ursprünglich sollte der Fonds – so ist er uns verkauft worden – mit speziellen Weiterbildungen die Lücke schließen, die das AMS nicht fördert. (Abg. Hörl [ÖVP]: Da hast du recht!) Und was wird jetzt tatsächlich gefördert? – Kinderbetreuung, Lehrlingsprämien und sogar ein Sonderzuschuss für Arbeitslose, wenn sie länger als drei Monate arbeitslos sind. (Abg. Erasim [SPÖ]: Du hast nicht zugehört! Oder du hast es nicht verstanden, das wenige, was du gehört hast? – Abg. Stögmüller [Grüne] – in Richtung Abg. Erasim [SPÖ] –: Beides!)
Meine Damen und Herren, in der Tourismusbranche dauert die Zwischensaison im schlimmsten Fall drei Monate. Welche Förderlücke schließen wir da eigentlich? (Zwischenruf des Abg. Hörl [ÖVP]. An die Kollegen von der ÖVP: Ihr habt bei den 6,5 Millionen Euro für die Damen und Herren der linken Reichshälfte mitgestimmt, denn die werden wir fördern. Wir haben einen eigenen Vorstand, einen Geschäftsführer und eine eigene Förderabwicklung. Während unsere Wirte jeden Euro zweimal umdrehen müssen, schaffen Sie einen neuen Förderapparat. Nach neun Monaten erfahren wir im Ausschuss, wie viel ausbezahlt worden ist, wie viel bei den Beschäftigten angekommen ist. Machen Sie die Augen zu, dann sehen Sie es: nichts! Selbst der Rechnungshof kritisiert die fehlende Begründung für diese zusätzliche Förderaktion.
Jetzt aber kommt der Höhepunkt: Bei der Auszahlung gilt das Vieraugenprinzip, ist uns erklärt worden. (Abg. Erasim [SPÖ]: Es gibt ja nicht einmal einen Rechnungshofbericht darüber!) Der Geschäftsführer hat uns im Ausschuss allerdings berichtet, dass der Fonds nur einen einzigen Mitarbeiter hat, nämlich ihn selbst. Für mich stellt sich nun die Frage: Wie funktioniert ein Vieraugenprinzip bei zwei Augen? Wer kontrolliert da eigentlich wen? Ist es der Vorstand, sind es externe Dienstleister, oder was kostet uns das alles zusätzlich, denn er alleine wird es nicht sein? (Abg. Erasim [SPÖ]: Das weiß ich, dass die Freiheitlichen nix von Ehrenamt verstehen!)
Unsere Wirte brauchen keinen neuen Förderdschungel, sie brauchen niedrige Lohnnebenkosten, leistbare Energie und weniger Bürokratie (Beifall bei der FPÖ), denn eines muss klar gesagt werden: Nicht die Bundesregierung schafft die Nächtigungsrekorde, das schaffen immer noch unsere Unternehmen und ihre Mitarbeiter mit harter Arbeit jeden Tag. Tourismuspolitik, meine Damen von den Roten, beginnt nicht am Schreibtisch eines Managers, der irgendwelche Fördergelder verteilt, sie beginnt beim Wirt, der morgens aufsperrt (Zwischenruf des Abg. Hörl [ÖVP]), beim Koch in der Küche und beim Kellner, der unsere Gäste bedient; und im Idealfall, Herr Hörl, ist es ein Österreicher, der unsere Gäste bedient. (Beifall bei der FPÖ.)
Die Menschen müssen am Abend wissen, was ihnen von dieser harten Arbeit bleibt, denn von Nächtigungsrekorden allein kann kein Wirt seine Rechnungen bezahlen. (Abg. Tanja Graf [ÖVP]: Nein, ...! – Zwischenruf der Abg. Erasim [SPÖ].) Wenn diese Bundesregierung nicht endlich handelt, dann haben wir irgendwann zwar volle Ferienwohnungen, aber keine Wirtshäuser mehr, in die unsere Gäste einkehren können. Wir brauchen keinen neuen Förderapparat, wir brauchen eine Politik, die unsere Familienbetriebe am Leben hält. Kurz gesagt, wir brauchen auch im Tourismus einen Systemwechsel, meine Damen und Herren. – Danke. (Beifall bei der FPÖ.)
13.36
Präsidentin Doris Bures: Nächster Redner: Herr Abgeordneter Gabriel Obernosterer.
RN/56
13.36
Abgeordneter Gabriel Obernosterer (ÖVP): Danke vielmals, Frau Präsidentin! Frau Staatssekretärin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr verehrten Damen und Herren auf der Galerie und zu Hause vor den Fernsehschirmen! Herr Kollege Fürtbauer, ich muss eines dazu sagen: Ich schätze in unserem Tourismusausschuss die Sachlichkeit. Das ist eigentlich einer der wenigen Ausschüsse, in dem relativ viel – Herr Kollege Steiner, du bist ja der Vorsitzende – einstimmig abgehandelt wird. (Abg. Stögmüller [Grüne]: Das ist überparteilich, Steiner!)
Du sagst jetzt aber: Okay, es wird viel zu wenig über den Tourismus geredet! – Ich glaube, das ist nicht der Fall, denn wir dürfen schon etwas nicht vergessen – Herr Kollege, versteh mich, ich weiß, dass du neu bist oder noch nicht so lange da bist –: Tourismus ist Ländersache und nicht Bundessache. Verstehst mich? (Abg. Oberhofer [NEOS]: Aber er kandidiert jetzt eh für den Landtag, der Steiner!) Es gibt nur gewisse Sachen, die wir vom Bund her regeln können, generell aber ist Tourismus Ländersache. (Beifall bei der ÖVP sowie des Abg. Oberhofer [NEOS]. – Zwischenruf des Abg. Fürtbauer [FPÖ].)
Man muss aber auch ganz klar dazusagen – damit wir ein bisschen bei der Sache bleiben –: Danke für die Zusammenarbeit quer über alle Fraktionen. Nach meiner Information und demzufolge, wie es auch im Ausschuss war, wird das einstimmig zur Kenntnis genommen, also liegen wir da mit der Meinung nicht weit auseinander.
Natürlich ist es richtig, dass Bürokratie abgebaut werden muss, natürlich soll die Wertschöpfung steigen, dafür sind wir ja da, dafür kämpfen wir, gerade wir vom Tourismus, aber dass man nicht Wunder wirken kann, Herr Kollege, das wisst ihr von der Freiheitlichen Partei auch. In den Jahren 2017 bis 2019 sind wir miteinander in einer Regierung gewesen, und ich habe nicht gesehen, dass da viel erleichtert worden ist (Beifall der Abgeordneten Erasim [SPÖ] und Oberhofer [NEOS]), sondern wir haben uns halt auch nach der Decke strecken müssen. (Zwischenruf des Abg. Fürtbauer [FPÖ].)
Dass der Tourismus in Österreich eine Erfolgsgeschichte ist, das zeigen ja die Zahlen. Dass die Erträge zumindest die Gewinne nicht steigern – diese Zahlen kennen wir auch. Die Entschuldungsdauer ist bei den Vier- und Fünfsternebetrieben von 12 Jahren auf 13 Jahre hinaufgegangen, bei den Zwei- und Dreisternebetrieben ist es eines darunter. Wir sind selber Touristiker, für meine Familie ist das ihr Leben. Meine Kinder führen beide zu Hause einen Hotelbetrieb, wir kennen diese Probleme, wir wissen das! Trotzdem ist der Tourismus in Österreich ein stabiler Faktor, mit dem auch in der Krise Pluszahlen geschrieben worden sind, und das brauchen wir uns nicht schlechtzureden. Wenn wir das uns international anschauen – wir können auch einmal dazu stehen, dass wir irgendwo gut sind (Beifall bei der ÖVP, bei Abgeordneten der SPÖ sowie des Abg. Oberhofer [NEOS]) –, sehen wir auch, dass wir weltweit unter den 40 besten Ländern an fünfter Stelle liegen! Wir sind mit dem Tourismus in Österreich an der Spitze, und gerade der Tourismus ist ein stabiler Faktor im ländlichen Bereich.
Weil wir gerade vorhin die Landwirtschaft auf der Tagesordnung hatten: Die Zusammenarbeit zwischen Tourismus und Landwirtschaft muss zum Teil noch besser werden. Ich bin mitten im ländlichen Gebiet daheim, ich glaube, es gibt kein ländlicheres Gebiet als das Lesachtal. (Abg. Kickl [FPÖ]: Das stimmt!) – Ja, Herr Klubobmann, Sie kennen das. – Ich weiß, wovon ich rede. Der Tourismus kann nur funktionieren, wenn wir eine gute und intakte Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft haben, weil etwas im Leben in einem Rechtsstaat auch immer gilt: Was mein ist, ist mein, und was dein ist, ist mein. (Abg. Fürtbauer [FPÖ] – erheitert –: Nein, meines geb’ ich dir nicht! Meines geb’ ich dir nicht! – Heiterkeit bei der FPÖ.) – Umgekehrt, ja. (Abg. Steiner [FPÖ]: So denkt die ÖVP: Was dein ist, ist mein! Das ist ÖVP-Parteipolitik! – Weitere Zwischenrufe bei der FPÖ.) – Der Eigentümer von Grund und Boden draußen am Land, wo der Tourismus stattfindet, ist eben die Landwirtschaft, und darauf ist auch Rücksicht zu nehmen.
Aber der Tourismus bringt auch die Wertschöpfung draußen, das muss man auch dazusagen. Wenn 100 000 Euro oder 1 Million Euro im Tourismus investiert wird, dann bleiben im Umkreis von 60, 70 Kilometern 80 Prozent der Investitionssumme in der regionalen Wertschöpfung. Und 1 Euro Umsatz bringt im Grunde genommen 2 bis 2,5 Euro an Wertschöpfung.
Ich kann nur sagen: Ich kann den vielen Familienbetrieben nur danken, denn der Tourismus lebt von den Familienbetrieben. Circa 88 Prozent der Betriebe sind Familienbetriebe. Mit Blick auf alle, die dort arbeiten, sage ich: Tourismus ist kein Beruf, Tourismus ist eine Berufung. Seien wir stolz auf den österreichischen Tourismus! Und wie gesagt: Bürokratie muss abgebaut werden, und wir müssen schauen, dass die Wertschöpfung wieder steigt. – Danke schön. (Beifall bei der ÖVP. – Abg. Kickl [FPÖ] – in Richtung des sich zu seinem Sitzplatz begebenden Abg. Obernosterer –: Es ist wirklich schön bei euch! ... auch schauen, dass es so bleibt!)
13.41
Präsidentin Doris Bures: Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Melanie Erasim.
RN/57
13.41
Abgeordnete Melanie Erasim, MSc (SPÖ): Geschätzte Präsidentin! Geschätzte Frau Staatssekretärin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Heute aber auch: Liebe Touristikerinnen und liebe Touristiker! Als Tourismussprecherin meiner Fraktion freut es mich wirklich besonders, dass wir uns gemeinsam entschieden haben, diesen Tourismusbericht auch heute innerhalb dieser Plenarsitzung ausführlich besprechen zu können – und dies völlig zu Recht, geschätzte Damen und Herren, denn es ist ein Bericht der Superlative, wenn es um Gästeankünfte geht, aber auch wenn es um Nächtigungszahlen insgesamt geht.
Bei all diesen Kennzahlen konnte das Megajahr 2019 deutlich überholt werden. Herr Kollege Fürtbauer, es wundert mich nicht, dass Sie hier vorne unrichtige Sachen erzählen (Abg. Fürtbauer [FPÖ]: Was?), wenn Sie nicht zuhören. (Abg. Fürtbauer [FPÖ]: Was denn? Was war unrichtig?) Also hören Sie zu, Sie werden nach meiner Rede noch lernen können. (Heiterkeit des Abg. Steiner.)
Bei diesen beeindruckenden Zahlen lohnt es sich nämlich, genauer dahinter zu blicken, denn so etwas passiert ja nicht von alleine. Über 90 000 Betriebe sorgen da mit Mut, Weiterentwicklung und Topqualität auf der einen Seite für unerlässliche Rahmenbedingungen, und auf der anderen Seite leisten über 300 000 Mitarbeitende mit Herzlichkeit, Gastfreundschaft und Fleiß unverzichtbare Arbeit auf einem weltweiten Topniveau. (Abg. Fürtbauer [FPÖ]: Habe ich auch gesagt!)
Rund 7 Prozent der Erwerbstätigen arbeiten somit in dieser so krisenresilienten Branche – eine große Zahl an Beschäftigten, die mit ganz speziellen Herausforderungen konfrontiert sind: Wochenend- und Feiertagsdienste, arbeiten, wenn andere bereits lange im Feierabend sind, die kurze Verbleibedauer, eine hohe Teilzeitquote und mittlerweile 60 Prozent mit migrantischen Wurzeln. Es gibt Betriebe, in denen innerhalb der Belegschaft über 50 verschiedene Sprachen gesprochen werden, und noch etwas Weiteres ist zu beobachten: Der Tourismus wird auch immer weiblicher.
All das sind Entwicklungen, die schon länger zu beobachten sind. Deshalb habe ich gemeinsam auch mit vielen Kolleginnen und Kollegen hier im Raum, auch mit den anderen Fraktionen und auch mit Abgeordnetem Hauser zum Beispiel, schon seit längerer Zeit ein Vehikel gefordert und erarbeitet, das genau diesen Herausforderungen für die Beschäftigten Rechnung trägt. Ich bin daher sehr stolz darauf und froh darüber, dass mit diesem Tourismusbeschäftigtenfonds so etwas gelungen ist.
Deshalb hatten wir beim letzten Ausschuss die gute Gelegenheit, in den direkten Austausch mit dem neu bestellten Geschäftsführer dieses Tourismusbeschäftigtenfonds zu gehen. Und wenn es in diesem Austausch weniger darum gegangen wäre, irgendwelche an den Haaren herbeigezogenen Vorwürfe aggressiv zu verbreiten, sondern wenn es Ihnen wirklich darum gegangen wäre, etwas zu erfragen (Abg. Fürtbauer [FPÖ]: War ich aggressiv? – Abg. Darmann [FPÖ]: Selbst wenn du wolltest, könntest du nicht aggressiv sein!) und einen Wissensgewinn daraus zu ziehen, dann hätten Sie vieles bemerkt, nämlich zum Beispiel, dass ein Vieraugenprinzip auch dann funktionieren kann, wenn nur einer bezahlt wird. Der Vorstand arbeitet zu 100 Prozent ehrenamtlich. (Abg. Fürtbauer [FPÖ]: Das habe ich auch nicht gesagt!) – Das haben Sie sehr wohl gesagt. (Abg. Fürtbauer [FPÖ]: Dass der Vorstand ein Geld kassiert, habe ich nicht gesagt!) – Dann stellen Sie das hier richtig, Herr Abgeordneter Fürtbauer, dass ein Vieraugenprinzip hier sehr wohl ausreichend möglich ist.
Und auch hier zu erwähnen, dass im September noch keine Gehälter ausbezahlt worden sind (Abg. Fürtbauer [FPÖ]: Keine Förderungen! Er wird schon ein Gehalt gekriegt haben!), wo im Juli die Leistungsordnung beschlossen worden ist: Das sind ganz normale Prozesse, die bei allen ähnlichen Gesellschaften, bei allen ähnlichen Vehikeln Zeit brauchen, damit eben genau diese Doppelgleisigkeiten vermieden werden.
An alle Beschäftigten im Tourismus: Ich habe die wirklich gute Nachricht, dass das gesamte Geld aus dem Jahr 2026, das noch nicht ausgeschöpft werden konnte, mit in das kommende Jahr genommen wird, sodass den Beschäftigten kein einziger Euro entgeht, geschätzte Kolleginnen und Kollegen. (Beifall bei der SPÖ sowie der Abg. Baumgartner [ÖVP].)
Es hat mich auch sehr gefreut, dass du, liebe Frau Staatssekretärin, dieses Vehikel im Ausschuss so wertschätzend bewertet hast, aber auch, dass eben diese offenen Fragen beantwortet werden sollen. So wurde ganz klar das Ziel formuliert, dass umgesetzt werden soll, dass die Strukturen so klein wie möglich gehalten werden sollen und eben möglichst alle Mittel, die 6,5 Millionen Euro pro Jahr, an die Beschäftigten im Tourismus auszuzahlen sind.
Ab November wird es die Möglichkeit geben, die Förderungen direkt zu beantragen. Der dafür notwendige Leistungskatalog ist bereits erstellt und enthält ein Bündel an Möglichkeiten, beispielsweise Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Dass du, Kollege Fürtbauer, kritisierst, dass es auch darum gehen soll – gerade bei einer Branche, die zu 60 Prozent weiblich ist –, dass man im Zusammenhang mit Kinderbetreuungsmöglichkeiten (Abg. Fürtbauer [FPÖ]: Das fördert das AMS auch!) Unternehmer und Beschäftigte gleichzeitig fördern kann (Abg. Fürtbauer [FPÖ]: Das fördert das AMS auch! Da brauche ich keine zweite Struktur!), das finde ich wirklich zum Schämen, aber das ist ja eure Art von Politik. Qualifizierungsmaßnahmen, Awareness-Bildung, konkrete Unterstützung bei Arbeitsunfällen hast du zum Beispiel auch nicht erwähnt. Besonderes Augenmerk eben diese Doppelgleisigkeiten zu unterstützen. (Abg. Fürtbauer [FPÖ]: „Besonderes Augenmerk eben diese Doppelgleisigkeiten zu unterstützen“? – Abg. Pracher-Hilander [FPÖ]: Ja, ..., gelernt ist gelernt!)
Liebe Kolleginnen und Kollegen, dieser Bericht zeigt, wie viel diese Branche leistet. Unsere Aufgabe ist es, daraus die richtigen politischen Konsequenzen zu ziehen. Mein Anspruch ist ein Tourismus, von dem die Menschen gut leben können – als Beschäftigte, aber auch als Unternehmerinnen und Unternehmer und als Bevölkerung in der angrenzenden Region. Daran müssen wir unseren Erfolg messen, und dafür werden wir als Sozialdemokratie weiterarbeiten. – Vielen Dank. (Beifall bei der SPÖ sowie des Abg. Obernosterer [ÖVP].)
13.47
Präsidentin Doris Bures: Nächster Redner: Herr Abgeordneter Dominik Oberhofer.
RN/58
13.47
Abgeordneter Dominik Oberhofer (NEOS): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Staatssekretärin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Vor allem aber liebe Bürgerinnen und Bürger entweder hier im Hohen Haus oder zu Hause! Wir sprechen hier jetzt über eine der wenigen Branchen, die in dieser schweren wirtschaftlichen Zeit wachsen, nämlich über den Tourismus in Österreich. (Beifall bei den NEOS und bei Abgeordneten der ÖVP.)
Das ist Faktum, und das zeigt dieser Bericht eindeutig. Ich möchte Ihnen, liebe Kolleginnen und Kollegen, nur eine Zahl mitgeben, damit man sieht, wie groß die Bedeutung des österreichischen Tourismus ist: Im Jahr 2025 hat die Tourismusbranche in Österreich 158 Millionen Nächtigungen erwirtschaftet. (Abg. Steiner [FPÖ]: 157!) Das klingt abstrakt, aber wenn jeder und jede hier im Raum daran denkt, was das für einen persönlich bedeutet, dann kommt man auf die Zahl 17. 17 Nächtigungen pro Einwohner in Österreich wurden von der Tourismuswirtschaft erwirtschaftet. Das heißt, auf jeden Einwohner in Österreich kommen 17 Nächtigungen in Tourismusbetrieben. (Abg. Fürtbauer [FPÖ]: Und was sagt diese Zahl aus?) Das ist Wertschöpfung, das sind Arbeitsplätze, und das sind am Ende des Tages auch Steuereinnahmen – das muss man einmal ganz klipp und klar sagen. (Beifall bei den NEOS und bei Abgeordneten der ÖVP.)
Wir sind Weltmeister, Weltmeister im Tourismus. Ich komme aus einer Region, die das wirklich auch behaupten kann, nämlich aus Tirol. Bei uns sind es nicht 17 Nächtigungen pro Einwohner, sondern bei uns in Tirol, Herr Kollege Steiner, sind es wie viele? (Abg. Steiner [FPÖ]: ... nicht aufpasst!) – Passt. Tourismus interessiert dich nicht. – Es sind 65 Nächtigungen pro Einwohner. Das möge man sich vorstellen! In der Schweiz sind es fünf Nächte, in Italien acht Nächte, in Frankreich sechs Nächte. (Abg. Steiner [FPÖ]: Das sagt nichts über die Wertschöpfung!) Das zeigt nur einmal, wo wir sind.
Und diese österreichische Bundesregierung unterstützt den Tourismus. In den ersten 19 Monaten haben wir einiges ganz Wesentliches auf den Weg gebracht, was die Vorgängerregierungen nicht geschafft haben. Zur Entlastung des Arbeitsmarkts haben wir das Saisonnierskontingent auf 5 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, plus 2 500 Mitarbeiter:innen im Saisonnierskontingent für den Westbalkan, erhöht. Warum ist denn das für uns im Tourismus so wichtig? – Weil es, und jetzt schaue ich gerade in Richtung von Kollegen Hörl, bei uns in Tirol heute 13 000 Arbeitslose und 4 000 Stellen im Tourismus gibt, die wir nicht besetzt kriegen. Warum? – Weil wir bei uns in Tirol in Wirklichkeit Vollbeschäftigung haben.
Wir brauchen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Drittstaaten, die für Saisonarbeit zu uns kommen. Und wer ist der größte Hinderer? – Der sitzt bei der FPÖ. (Abg. Hörl [ÖVP] – in Richtung SPÖ –: Da auch!) Ihr wollt das gar nicht. Ihr stellt euch andauernd gegen den Tourismus, indem ihr uns vorwerft, dass wir Billigarbeitsplätze in Österreich schaffen. Ihr wollt die Kontingente abschaffen. Das würde dem Tourismus das Genick brechen, lieber Herr Kollege Steiner, das ist die Wahrheit. (Beifall bei den NEOS. – Abg. Steiner [FPÖ]: Du bist ja nicht im Tourismus, das macht deine Frau!)
Das heißt aber letztendlich, dass wir als Bundesregierung auch weiter liefern müssen. Wir haben zwar die Saisonkontingente beschlossen, wir haben eine Senkung der Elektrizitätsabgabe für Betriebe durchgesetzt, wir haben zusätzlich das Trinkgeld und die Überstunden für die Tourismusbetriebe geregelt, wir haben mit der Frau Staatssekretärin eine zukunftsorientierte Vision, nämlich die Vision T, eine Tourismusstrategie, vorgelegt, aber das ist nach wie vor nicht alles, was diese Bundesregierung liefert. Wir machen jetzt weiter mit der Entbürokratisierung, wir gehen die Gewerbeordnung an, weil wir wissen: Das tut der Wirtschaft gut, das tut dem Unternehmertum gut. Warum? – Weil man nirgendwo so viele Selbstständige findet wie im Tourismus. Schaut euch an, wo die meisten Selbstständigen tätig sind: In den Tourismusregionen, in ländlichen Regionen, die ohne den Tourismus mit Abwanderung zu kämpfen hätten, blüht die österreichische Wirtschaft. (Abg. Steiner [FPÖ]: Ah, die österreichische Wirtschaft blüht?)
Da setzt die österreichische Bundesregierung weiter an. Ja, hinsichtlich dieser Zahlen blüht sie tatsächlich, lieber Herr Kollege Steiner. (Abg. Hafenecker [FPÖ]: Blühen tut nur deine Fantasie! – Zwischenruf des Abg. Fürtbauer [FPÖ].) Wir schaffen 0,8 Prozent plus in einem Jahr in einem Wirtschaftsbereich, in einem Umfeld, in einer Zeit, in der es in ganz Europa, rundherum – im Handel, in der Industrie, in allen Gewerken, überall – schwieriger wird.
Ich als Touristiker bin davon überzeugt, dass es unserer Branche gut geht – keine Frage –, aber genau darin liegt das größte Risiko, weil dann die Leute sagen: Na ja, um Gottes willen, dem einen Wirtschaftsbereich geht es gut, da müssen wir anfangen zu schröpfen! – Das tut diese Bundesregierung nicht, weil wir wissen, was wir am Tourismus haben und wie wir ihn unterstützen können. – Danke. (Beifall bei den NEOS. – Ruf bei der FPÖ: Nämlich gar nicht! – Abg. Hafenecker [FPÖ]: Ich glaube, es blüht nur in deiner Fantasie! – Ruf bei der FPÖ: Ein Blumenmeer!)
13.52
Präsidentin Doris Bures: Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Barbara Neßler.
RN/59
13.52
Abgeordnete Barbara Neßler (Grüne): Danke, Frau Präsidentin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Auf den ersten Blick scheint der Tourismusbericht erfreulich. Es gibt einen neuen Nächtigungsrekord, haben wir jetzt von allen Seiten gehört. Wenn wir uns die Zahlen allerdings ein bisschen genauer anschauen, dann sehen wir zwar, dass es schöne Zahlen sind, wir aber ein Ertragsproblem haben. Das haben wir im Ausschuss ausführlich diskutiert.
Das bringt mich gleich zum zweiten Punkt, und zwar zum Thema hohe Energiekosten. Wir wissen nämlich – wenn man sich die Zahlen hier anschaut –, dass ein Drittel der Hotellerie und Gastronomie Energie nach wie vor aus fossilen Quellen bezieht. Das heißt, wir müssen beim Ausbau erneuerbarer Energie so schnell wie möglich weiterkommen, denn es gibt eine grundlegende Entscheidung in diesem Bereich: Entweder wir schicken jedes Jahr 10 Milliarden Euro für fossile Energieimporte ins Ausland, oder wir investieren unser Geld hier und beziehen Heimatstrom, der nicht nur billig ist, sondern uns auch noch von Diktatoren unabhängig macht. Und das, liebe Kolleginnen und Kollegen der Regierungsfraktionen, hätten Sie in der Hand. (Beifall bei den Grünen.)
Die Branche steht aber nicht nur wegen der Energiepreise unter Druck. Schauen wir uns – wir haben es beim vorangegangenen Punkt diskutiert – den letzten Sommer an: Hitze, Trockenheit, Wassermangel. In Tirol mussten beispielsweise viele Schutzhütten früher schließen, weil sie de facto einfach kein Wasser mehr hatten. Das ist nicht nur ein Problem für den Tourismus, das ist ein Sicherheitsproblem in den Bergen, weil das natürlich bedeutet: Mir fehlt die Sicherheit, wenn ich beim Wandern unterwegs bin. Letztlich geht es auch um Österreichs Ruf als attraktives und sicheres Sommerurlaubsland.
Ich habe diesen Sommer selber erlebt, was Ehrenamtliche mit Herzblut leisten, doch Ehrenamt allein ersetzt weder Wasser noch eine ausreichende Finanzierung. Wir hier im Hohen Haus könnten handeln, damit Schutzhütten eben nicht früher schließen müssen. Das heißt, wir müssen Wassersicherheit herstellen. (Beifall bei den Grünen.) Es braucht Maßnahmen gegen Bodenversiegelung, eine langfristige Finanzierung, damit es Planungssicherheit gibt – leider wurden unsere Anträge diesbezüglich nicht angenommen.
Und ob Sie es wahrhaben wollen oder nicht, die nächste Hitzewelle wird sicher kommen. Das heißt, wir müssen jetzt handeln, wir müssen jetzt Klimaanpassungen tätigen. Augen zu und durch, schauen und hoffen, dass es schon nicht so schlimm werden wird, ist keine Politik. (Beifall bei den Grünen.)
Das hat auch nichts mit Klimahysterie oder Ideologie zu tun. Das ist faktenbasierte Vernunft, das ist ökonomisch und sicherheitspolitisch absolut richtig.
Weil es vorhin am Beispiel Tirol angesprochen wurde: Allein 8,5 Milliarden Euro Umsatz bringt der Tourismus in Tirol jedes Jahr. Tirol braucht den Tourismus, aber wie führt sich die FPÖ auf? – Ein Abgeordneter veröffentlicht dort eine Liste von Erstklässlern, um Massendeportationen zu fördern; ein ÖVP-Funktionär – mittlerweile zurückgetreten, muss man dazusagen – aus Tirol hat einem jungen Mann in Deutschland erklärt, er gehört dort nicht hin, weil er nicht weiß ist. Ständig wird Politik auf dem Rücken von Menschen gemacht – aufgrund ihrer Hautfarbe, aufgrund von ihrem Namen, aufgrund von ihrer Herkunft.
Schauen wir uns an, was es für einen der stärksten Wirtschaftszweige in Tirol bedeuten würde, wenn es keine ausländischen Arbeitskräfte gäbe – da muss ich meinem Vorredner, Kollegen Hörl, recht geben, was jetzt auch nicht immer passiert (Abg. Scherak [NEOS]: Manchmal hat sogar der Franz recht!) –: Über 55 Prozent der Beschäftigten in Österreich im Tourismus sind ausländische Arbeitskräfte. Wir haben da also sehr, sehr viele Menschen beschäftigt, die nicht hier geboren wurden, aber zum Glück in dieser Branche arbeiten, weil diese Branche auch händeringend nach Arbeitskräften sucht. (Beifall bei den Grünen, bei Abgeordneten von SPÖ und NEOS sowie des Abg. Hörl [ÖVP].)
Trotzdem haben vor allem die Kolleginnen und Kollegen von der FPÖ nichts Besseres zu tun, als immer wieder Hass zu schüren. Eure feindselige Politik gegenüber genau diesen Menschen und ihren Familien ist nicht nur menschenverachtend, sondern sie schadet schlicht und ergreifend dem Tourismus, weil wir wissen, dass der Tourismus zusammenbrechen würde, wenn wir diese Menschen nicht hätten. (Beifall bei den Grünen, bei Abgeordneten der SPÖ sowie des Abg. Oberhofer [NEOS].)
Ich glaube auch nicht, dass Menschen in einer Festung Österreich Urlaub machen möchten. Ich glaube, wir brauchen ein weltoffenes Österreich, wo sich alle willkommen fühlen, damit die Gäste zu uns kommen. – Danke. (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)
13.57
Präsidentin Doris Bures: Nun hat sich Frau Staatssekretärin Elisabeth Zehetner zu Wort gemeldet. – Bitte.
RN/60
13.57
Staatssekretärin im Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus Mag. Elisabeth Zehetner: Sehr geehrte Frau Präsidentin! Geschätzte Abgeordnete! Sehr geehrte Damen und Herren im Hohen Haus! Liebe Gäste hier! Liebe Zuseherinnen und Zuseher zu Hause vor den Bildschirmen! Wenn ein Hotel gut gebucht ist, macht der Bäcker im Ort mehr Geschäft, der Landwirt liefert seine Produkte und der Tischler bekommt den nächsten Auftrag. Wenn ein Ausflugsziel auch in der Nebensaison Gäste anzieht, profitieren davon sowohl die Geschäfte im Ort als auch die Wirtshäuser rundherum. Man kann also mit einem Wort sagen: Der Tourismus ist ein Kraftwerk für Wertschöpfung in unseren Regionen, und genau das zeigt auch der heute diskutierte Tourismusbericht.
Für 2025 wurde eine direkte und indirekte touristische Wertschöpfung von rund 33,1 Milliarden Euro gemessen; die Freizeitwirtschaft trägt weitere 35,1 Milliarden Euro bei. Zusammen sind das über 68 Milliarden Euro – sage und schreibe 13,3 Prozent der österreichischen Wirtschaftsleistung. Die Nächtigungszahlen wurden schon genannt: ein neuer Rekord mit über 157 Millionen. 230 000 Menschen sind unselbstständig im Tourismus beschäftigt. Diese Zahlen zeigen schon eindrucksvoll, wie viel Kraft in der Tourismus- und Freizeitwirtschaft steckt. Auch die Schätzungen, die wir von der Sommersaison 2026 haben, zeigen auch wieder ein deutliches Plus. Am Ende des Tages sind wir auch gemeinsam optimistisch für den Winter.
Der Tourismus schafft Einkommen, sichert Arbeitsplätze und bringt Aufträge für andere Branchen. Genau deshalb ist er in unseren Regionen ein wichtiger Konjunkturmotor. (Beifall bei der ÖVP.)
Hinter all diesen Zahlen stehen aber die Leistungen von Menschen. Deshalb möchte ich zu Beginn den Gastgeberinnen und Gastgebern, den Unternehmerinnen und Unternehmern, den vielen Familienbetrieben Danke sagen. Sie investieren, sie bilden junge Menschen aus und übernehmen Verantwortung für ihren Standort.
Ganz besonders danke ich aber auch ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – in der Küche, im Service, an der Rezeption, auf der Etage. Sie arbeiten oft dann, wenn andere freihaben, und mit viel Kompetenz, Engagement, hoher Servicequalität sorgen sie dafür, dass die Gäste wiederkommen, und dafür, dass Österreich weltweit als ein Topreiseziel gilt. Dieser Erfolg ist deren Leistung.
Bei meinen Betriebsbesuchen in Österreich höre ich natürlich nicht nur die guten Seiten, sondern ich höre auch, wie groß der wirtschaftliche Druck ist. Energie, Lebensmittel, Personal kostet mehr, die Gäste buchen kurzfristiger, achten stärker auf den Preis und Investitionen werden verschoben.
Ja – es wurde heute schon erwähnt –, ein volles Haus alleine sagt noch nichts darüber aus, wie viel am Konto übrig bleibt. Aber genau darauf kommt es an, denn nur wenn etwas übrig bleibt, kann der Betrieb modernisieren, investieren, seine Mitarbeiter halten oder neue Jobs schaffen; dann zahlt es sich aus, in der nächsten Generation den Familienbetrieb zu übergeben und mit Zuversicht weiterzuführen.
Unsere Aufgabe als Bundesregierung ist es, die Bedingungen genau dafür zu verbessern. Gestern haben wir im Nationalrat, haben Sie, sehr geehrte Damen und Herren, die Novelle der Gewerbeordnung beschlossen, die wiederum weitere Erleichterungen bringt, die gerade dem Tourismus helfen. Wenn ein Hotel oder Wirtshaus übernommen wird, braucht es gerade am Anfang Zeit und finanziellen Spielraum. Da hilft es, wenn die Grace Period von drei auf fünf Jahre verlängert wird, um bestimmte betriebsanlagenrechtliche Auflagen nicht gleich von Beginn an erfüllen zu müssen.
Auch bei den Dokumentationspflichten vereinfachen wir die Abläufe, indem nach Abstimmung mit den Behörden digital oder schriftlich übermittelt werden kann und dadurch alleine 5 000 Vor-Ort-Kontrollen im Jahr entfallen. Das spart Zeit und schafft den Spielraum, den kleine Betriebe brauchen.
Ich glaube, ein ganz wesentlicher Schritt ist auch die Aktivpension, die vor Kurzem hier in diesem Hohen Haus beschlossen wurde und ab 2027 gilt. Gerade in den Familienbetrieben erleben wir ja, wie wertvoll die Erfahrung der älteren Generation ist, und wer freiwillig über das gesetzliche Pensionsantrittsalter hinaus weiterarbeitet, soll finanziell auch mehr davon haben. (Beifall bei Abgeordneten der ÖVP.)
Last, but not least: Mit der Senkung der geplanten Lohnnebenkosten ab 2028 entlasten wir den Faktor Arbeit. Das ist für eine Branche, in der die persönliche Betreuung und guter Service essenziell, vielleicht das Wichtigste, sind, natürlich ein relevanter Punkt.
Sehr geehrte Damen und Herren, weniger Bürokratie, einfachere Betriebsübergaben, die Aktivpension, die Senkung der Lohnnebenkosten, das sind ganz konkrete Antworten auf die Fragen, die mir die Unternehmerinnen und Unternehmer bei meinen Betriebsbesuchen stellen. Also: Diese Regierung handelt, wir bringen Reformen auf den Weg und setzen sie um.
Und da wir heute im Anschluss noch über das Vertrauen in diese Bundesregierung diskutieren, darf ich doch eines in Richtung FPÖ sagen: Mit einem Misstrauensantrag ist keinem Wirt geholfen, ist kein Arbeitsplatz gesichert und keine Betriebsübergabe erleichtert. (Beifall bei Abgeordneten der ÖVP.)
Ich verstehe schon, dass das ein gewisses Dilemma für Sie als FPÖ ist (Abg. Darmann [FPÖ]: Ja, genau!), denn mit jedem Problem, das diese Regierung löst (Heiterkeit und Zwischenrufe bei der FPÖ), haben Sie eines weniger, über das Sie sich empören können, und vor allem auch eines weniger, mit dem Sie schlechte Stimmung machen können. (Beifall bei Abgeordneten von ÖVP und SPÖ. – Abg. Fürtbauer [FPÖ]: Wir müssen zumindest 0,1 Sekunde nachdenken, bis wir ein Problem finden! – Abg. Kickl [FPÖ]: Die schlechte Stimmung, die machen schon Sie!)
Daher brauchen wir keinen Systemwechsel, und ich sage Ihnen auch genau, warum (Abg. Kickl [FPÖ]: Aber danke für die Übernahmen! Find ich großartig, gut! Sie reden mit unserem Vokabular, ...!): Weil unsere Tourismuswirtschaft, aber auch die Österreicher sich erwarten, dass wir ihre Probleme lösen, und genau das tun wir. (Beifall bei Abgeordneten von ÖVP und SPÖ. – Abg. Stögmüller [Grüne]: Paketsteuer! – Abg. Kickl [FPÖ]: Können Sie bitte noch einmal Volkskanzler sagen? – Heiterkeit bei Abgeordneten der FPÖ.)
Zusätzlich zu den Lösungen ihrer Probleme, die sich die Betriebe erwarten, brauchen die Betriebe natürlich Perspektiven für die kommenden Jahre. Und auch das haben wir in der Vision T schlüssig dargestellt, nämlich mit einem sehr spannenden Claim, der, glaube ich, für jeden hier im Raum interessant ist: „Wertvoll für alle – 365 Tage im Jahr“.
Das bedeutet konkret, dass auch außerhalb der Hauptsaison unsere Betriebe ausreichend Gäste haben sollen, damit die Häuser besser ausgelastet sind und über das ganze Jahr besser genutzt werden. Das heißt nämlich im Umkehrschluss für die Beschäftigten, dass aus einem Saisonjob öfter ein Ganzjahresarbeitsplatz mit einem verlässlichen Einkommen, guten Entwicklungsmöglichkeiten und einer beruflichen Zukunft in der Region wird. Für Menschen vor Ort heißt es, dass der Tourismus ihren Alltag bereichert – nicht nur, weil sie Infrastruktur haben, vielleicht das Wirtshaus offen bleibt, es Freizeitangebote gibt, sondern weil auch die Arbeit im Ort und vor Ort bleibt.
Genau daran werden wir uns messen lassen bei der Umsetzung der Vision T. So bringen wir nämlich das Kraftwerk Tourismus über das ganze Jahr hin besser zum Laufen, und davon profitieren der Bäcker, der Landwirt, der Handwerker, von denen ich zu Beginn gesprochen habe.
Wenn wir den Tourismus stärken, stärken wir ganze Regionen. Wir sichern Arbeitsplätze, ermöglichen Investitionen und geben der nächsten Generation eine Perspektive, den Familienbetrieb weiterzuführen (Beifall bei Abgeordneten der ÖVP); weil – und das ist schon mein letzter, aber vielleicht mein wichtigster Satz – ein starker Tourismus Wohlstand für ganz Österreich schafft und wir – und damit meine ich: wir alle! – die Verantwortung haben, diesen Wohlstand für die nächste Generation zu sichern und auszubauen. (Beifall bei der ÖVP.)
14.06
Präsidentin Doris Bures: Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Tina Angela Berger.
RN/61
14.06
Abgeordnete Tina Angela Berger (FPÖ): Danke, Frau Präsident! Frau Staatssekretär! Hohes Haus! Während unsere Wirte und Familienbetriebe ums wirtschaftliche Überleben kämpfen, präsentiert uns die Bundesregierung Zahlen zu Nächtigungen und Wertschöpfung, die sich zunächst gut anhören. Das klingt ja vielleicht nicht schlecht, aber eines sei ÖVP, SPÖ und NEOS ins Stammbuch geschrieben: Diese Zahlen sind nicht das Ergebnis Ihrer Tourismuspolitik (Beifall bei der FPÖ), sondern der Verdienst heimischer Familienbetriebe, engagierter Unternehmen und fleißiger Mitarbeiter, und das nicht wegen, sondern trotz Ihrer Politik. (Beifall bei der FPÖ.)
Was aber ist die Realität unserer heimischen Tourismusbetriebe? – Hohe Kosten im Zusammenhang mit der Teuerung, die immer noch zu hohen Lohnnebenkosten, immer mehr Bürokratie und Verwaltungsaufwand und unnötige Belastungen, die sogar zu Wettbewerbsnachteilen führen. Es ist also nicht alles ganz so rosig, wie es uns die Bundesregierung präsentiert.
Die Zahl der Hotels, Gasthöfe und Pensionen ist innerhalb von zehn Jahren um fast 14 Prozent zurückgegangen. Gerade im ländlichen Raum sehen wir ja, was das Gasthaussterben bedeutet: Wenn ein Wirtshaus zusperrt, dann verlieren wir nicht nur einen Betrieb, sondern wir verlieren Arbeitsplätze, wir verlieren einen Treffpunkt für die Bevölkerung und wir verlieren ein Stück Heimat. Genau deshalb müssen unsere Betriebe endlich entlastet werden.
In den verschiedenen Zieldefinitionen der Bundesregierung liest man ja, was man für den Tourismus alles tun müsste, aber, geschätzte Damen und Herren: Wie passt das mit der tatsächlich umgesetzten Politik zusammen? – Gar nicht! Eines muss nämlich klar sein: Tourismuspolitik besteht nicht nur aus Strategien, Masterplänen und Zielsetzungen. Auch der neue Tourismusbeschäftigtenfonds ist sicher nicht das Allheilmittel – es werden wieder Millionen an Steuergeld verschleudert und unterm Strich gibt es noch mehr Verwaltungsstrukturen.
Wir haben ja mit dem AMS bereits eine Einrichtung, die Weiterbildung fördert, und selbst der Rechnungshof kritisiert die drohenden Doppelgleisigkeiten und die fehlende Begründung für diesen neuen Fonds. Ganz besonders spannend ist ja die Zusammensetzung dieses Vorstands: Arbeiterkammer, Gewerkschaft und ein Experte – aber kein einziger Vertreter unserer heimischen Tourismusbetriebe! Bevor Sie den Betrieben, die unser Land am Laufen halten, kluge Ratschläge geben, fragen Sie doch zuerst jene, die tagtäglich Arbeitsplätze schaffen und wissen, wo der Schuh drückt! (Beifall bei der FPÖ.)
Unsere Tourismusbetriebe brauchen endlich Entlastung statt noch mehr Bürokratie oder einen weiteren Verwaltungsapparat. Wer den Tourismus stärken will, der muss Urlaub leistbar halten und unseren Betrieben ermöglichen, wettbewerbsfähig zu wirtschaften.
Statt unsere freiheitlichen Anträge zur Unterstützung, Verbesserung und Entlastung des Tourismus immer wieder zu negieren, sollten Sie sich endlich ernsthaft mit unseren konstruktiven Vorschlägen auseinandersetzen. (Abg. Hanger [ÖVP]: Einmal auf den Tisch legen vielleicht!)
Die Rekordzahlen im Bericht sind schön und gut, aber wenn in der Realität laufend Wirtshäuser und Tourismusbetriebe zusperren müssen, gibt es wahrlich nichts mehr zu feiern. (Beifall bei der FPÖ.)
14.10
Präsidentin Doris Bures: Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Margreth Falkner.
RN/62
14.10
Abgeordnete Margreth Falkner (ÖVP): Vielen Dank, Frau Präsidentin! Geschätzte Frau Staatssekretärin! Nach 18 Stunden Debatte muss ich feststellen: Die Angstfabrik läuft wieder auf Hochtouren; Pessimismus am Fließband, da wird offenbar nicht einmal Kaffeepause gemacht, und einiges wird uns heute ja noch erwarten. (Abg. Steiner [FPÖ]: Ja, weil wir arbeiten durch!)
Ich lade Sie deshalb jetzt herzlich zu einem kleinen Ausflug in die Realität unseres Landes ein, zu den Menschen, die jeden Morgen aufstehen, optimistisch sind, anpacken und mit Leidenschaft etwas aufbauen. Ja, wir haben Herausforderungen, und das bestreitet niemand, aber hey: Es gibt auch Good News, und wir haben viele Gründe, um an dieses Land zu glauben. Wir sehen die Menschen, wir sehen, was sie leisten, und wir reden es nicht schlecht.
Ich frage Sie alle hier: Was macht Österreich aus? – Unsere Berge, unsere Seen, unsere Wälder, unsere wunderschöne Landschaft, die Natur, die uns Kraft gibt und die wir für die nächste Generation auch bewahren wollen. Österreich ist ein Land, in dem Mann und Frau aus der ganzen Welt gerne Urlaub machen, denn da gibt es die Wirtin, die nach einem langen Tag noch persönlich nachfragt, wie der Tag war und ob alles gepasst hat, den Kellner, der sich den Namen des Kindes gemerkt hat, und die Gastgeberfamilie, die seit Generationen ihre Türen öffnet und den Gästen ein Stück Heimat schenkt.
Das ist Gastfreundschaft, und darauf dürfen wir durchaus stolz sein – auf unsere Traditionen, auf unsere Kultur und auf unsere Identität. Das alles lebt, weil Menschen es mit Herz und Leidenschaft weitertragen und erlebbar machen, weil es nicht nur um den Konsum geht, sondern darum, teilhaben zu lassen, Erlebnisse und Erinnerungen zu schaffen.
Was ganz einfach klingt, ist harte Arbeit, und ich weiß ganz genau, was dahintersteckt, nämlich dass gearbeitet wird, wenn andere freihaben, und wie viel Mut es braucht, ein Familienunternehmen zu übernehmen. Der Tourismusbericht zeigt deutlich die wirtschaftliche Kraft, die daraus entsteht. Die Zahlen haben wir bereits gehört. Hinter diesen Zahlen stehen ganz konkrete Lebensgrundlagen: der Arbeitsplatz einer jungen Frau im Tal, der Auftrag für einen Tischler und die Perspektive, im eigenen Heimatort eine Zukunft aufzubauen, die Produkte unserer bäuerlichen Familien, die so wertvoll sind, und vor allem stehen großartige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dahinter. (Beifall bei der ÖVP.)
Es sind Menschen, die anpacken, die Verantwortung übernehmen und unseren Gästen jeden Tag zeigen, was Gastfreundschaft tatsächlich bedeutet. Viele von ihnen kommen aus anderen Ländern. Rund 60 Prozent der Beschäftigten im Tourismus haben eine ausländische Staatsangehörigkeit. An die rechte Schlechtmacherpartei gerichtet sage ich: Wer ständig den Eindruck vermittelt, Menschen aus anderen Ländern sollten am besten wieder gehen, muss ich schon fragen: Wer soll dann in unseren Küchen stehen? Wer soll dann die Zimmer auf Vordermann bringen? Wer soll dann dafür sorgen, dass das Essen serviert wird? Kurz gesagt: Wer soll dann die Betriebe am Laufen halten? (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der SPÖ.)
Diese Menschen verdienen Respekt, Anerkennung und ein herzliches Danke und nicht das, was von Ihrer Seite kommt. Wir stehen hinter dem Tourismus, hinter unseren Familienbetrieben und hinter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, aber wir wollen keinen Massentourismus, keinen Übertourismus. Wir wollen einen Tourismus, bei dem Qualität und Professionalität zählen und der vor allem auch die Bevölkerung mitnimmt, denn Tourismus schafft nicht nur für die Gäste Lebens- und Aufenthaltsqualität, sondern auch für alle Menschen, die in diesem Land wohnen: ein Gasthaus als Treffpunkt im Dorf, Freizeitangebote für die ganze Familie, Kulturveranstaltungen, Wanderwege und Infrastruktur, die wir gemeinsam nutzen. Auch das gehört zu diesem Wert.
Dafür braucht es gute Rahmenbedingungen, und die schaffen wir mit vielen Maßnahmen. Auch das haben wir heute schon gehört. Damit soll die nächste Generation zuversichtlich sagen können: Wir machen weiter! Wir brauchen diesen Optimismus, wir brauchen diesen Mut.
Zum Schluss lade ich Sie alle sehr herzlich ein, hier im Plenum und auch zu Hause – Achtung, diese Rede enthält Produktplatzierungen –: Überzeugen Sie sich selbst davon, wie großartig Österreich ist. Überzeugen Sie sich von der Gastfreundschaft, lernen Sie die Gastgeberinnen und Gastgeber kennen! Überzeugen Sie sich davon, mit welcher Leidenschaft, mit welchem Können und mit welchem Elan sie tagtäglich arbeiten, denn das schätzen Menschen auf der ganzen Welt! Auch wir sollten das tun und dann werden wir auch sehen, was Österreich tatsächlich ausmacht, nämlich die Menschen, die es jeden Tag vorantreiben. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der SPÖ.)
14.15
Präsidentin Doris Bures: Nächster Redner: Herr Abgeordneter Antonio Della Rossa.
RN/63
14.15
Abgeordneter Mag. Antonio Della Rossa (SPÖ): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Hohes Haus! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Trotz aller Herausforderungen – wir haben es gehört – ist der Tourismusbericht wirklich ein Bericht der Superlative: 22,8 Milliarden Euro Wertschöpfung in diesem Land, 157 Millionen Übernachtungen, 9,5 Millionen davon alleine in Vorarlberg. Ja, in Österreich hat man im letzten Jahr sehr gut geschlafen, zumindest wenn man als Gast in unserem wunderschönen Land war.
Damit das möglich ist, stehen andere ganz früh auf, arbeiten bis spät in die Nacht, richten Zimmer her, kochen, servieren, halten die Betriebe sauber und am Laufen. Deshalb möchte ich in meiner Rede auch mit den Menschen beginnen, mit den Menschen hinter diesen Rekordzahlen: engagierte Unternehmerinnen und Unternehmer und viele, viele Beschäftigte, die unseren Tourismus erfolgreich machen.
Wie die Touristen selbst sind diese Beschäftigten ganz oft aus dem Ausland. Das kann man in diesem Bericht lesen. Eine oder zwei Bemerkungen an die FPÖ seien mir erlaubt. Ich bin verwirrt: In Ihren Reden, hört sich das irgendwie so an, als ob Sie gar nicht so zufrieden sind. Sie werden hier zustimmen. Vielleicht müssen Sie das noch ein bisschen lernen. (Abg. Kaniak [FPÖ]: Das ist ja ein Bericht!) Wir haben gelernt, dass Sie in der Steiermark gegen Ihre eigenen Anträge gestimmt haben. Heute ist Ihr Klubobmann auch wieder nicht hier – er war kurz einmal hier. Ich dachte, es ist vielleicht ein Interesse am Tourismus da, weil er gerne wandert – aber, na ja.
Vielleicht ist Ihnen ja auch in den Sinn gekommen, dass der Tourismus früher Fremdenverkehr hieß. (Abg. Steiner [FPÖ]: Wo ist dein Klubobmann?) Offenbar fällt Ihnen die Offenheit gegenüber Menschen aus dem Ausland dann leichter, wenn sie Zimmer buchen. Ich wünsche mir diese Offenheit auch gegenüber Menschen, die diese Zimmer herrichten, meine Damen und Herren. (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der Grünen.)
Die Arbeit dieser Menschen verdient – wie meine Vorrednerin gesagt hat – zwar ein herzliches Dankeschön, aber ich glaube, sie verdient viel mehr. Sie verdient faire Bezahlung, verlässliche Arbeitszeiten und eine Wohnung, die man sich vom eigenen Einkommen leisten kann – egal woher man kommt. Wer das ganze Jahr quasi für die Erholung anderer arbeitet, glaube ich, braucht auch selbst Zeit zum Erholen und sollte sich selbst einen Urlaub leisten können.
Meine Damen und Herren, ein Aspekt des Tourismus, den wir heute noch überhaupt nicht besprochen haben, ist eigentlich der allerwichtigste Aspekt des Tourismus, nämlich das, was wir immer so schön auf unseren Postkarten abbilden. Es ist schlussendlich das, von dem der österreichische Tourismus lebt, es ist die Natur. Ich war diesen Sommer selbst in Vorarlberg wandern und auf Hütten, die wirklich schwer zu erreichen sind, und habe dort unglaublich viele Touristen gesehen. Ich wollte meine Wasserflasche nachfüllen, und dann haben sie gesagt: Geht nicht, Wasser haben wir keines mehr; extreme Trockenheit. Ich dachte mir, okay, das ist schwierig. Das ist ein Bild, das mir hängen geblieben ist, nämlich: Hütte voll, das Wasser knapp. Das ist die Realität auf den Berghütten in Österreich, und das müssen wir uns ganz genau anschauen. (Beifall bei der SPÖ.)
Es zeigt, dass wirtschaftlicher Erfolg und natürliche Grenzen gleichzeitig Realität sein können. Wir freuen uns natürlich über viele Gäste, aber eine zusätzliche Buchung bringt kein zusätzliches Wasser, und die Menschen, die unsere Schutzhütten mit enormem Einsatz bewirtschaften, können Wassermangel nicht mit noch mehr Einsatz wettmachen. Das geht nicht. Da gibt es eine natürliche Grenze. Und wo die Natur an ihre Grenze kommt, kommt auch unser Tourismus an seine Grenzen. Das müssen wir wissen.
Ich komme aus einer Region, aus der Stadt Bludenz, wo fünf Täler am Fuße des Montafons und des Klostertals vereint werden, und mir muss niemand erklären, wie wichtig Tourismus für meine Region ist. Gerade deshalb muss man die Landschaft erhalten, von der dieser Erfolg ja eigentlich lebt. Unsere Berge sind Lebensräume, unsere Hütten sind Schutzorte, unsere Bäche, Böden und Wälder gehören zu einem Ökosystem, auf dessen Funktionieren wir alle – nicht nur im Tourismus – angewiesen sind.
Das verpflichtet uns dazu, vorauszudenken. Wir brauchen einen sorgsamen Umgang mit Wasser, mit Boden, und den Mut, empfindliche Lebensräume vor weiteren Eingriffen zu schützen. Ich denke da vor allem an die Hochmoore. Wir brauchen wirksamen Klimaschutz, denn während wir uns an die Folgen der Erderhitzung anpassen, müssen wir zugleich ihre Ursachen bekämpfen. Meine Damen und Herren, gute Arbeit und eine intakte Natur, das sind die zwei Träger des Tourismus, und beides verdient ihren Schutz.
Ich beende wie immer – vielleicht auch an Sie, liebe FPÖ –: Klimaschutz, das ist wahre Heimatliebe. Wer die Heimat erhalten will, muss das Klima schützen. – Vielen Dank. (Beifall bei SPÖ und Grünen. – Ruf bei den Grünen: Ich glaub, der ist bei der falschen Partei! – Heiterkeit bei SPÖ und Grünen.)
14.20
Präsidentin Doris Bures: Nächster Redner: Herr Abgeordneter Sebastian Schwaighofer.
RN/64
14.20
Abgeordneter Sebastian Schwaighofer (FPÖ): Sehr geehrte Frau Präsident! Frau Staatssekretärin! Hohes Haus! Herr Kollege Oberhofer – ich sehe ihn jetzt gerade nicht, aber vielleicht richtet es ihm jemand aus –, meinen herzlichen Dank für die Erkenntnis, dass jährlich 17 Nächtigungen auf jeden Österreicher kommen. Ich bin dagesessen und habe auch ein bisschen gerechnet: Die circa 80 000 Unternehmer im Tourismus greifen sich bei jeder Rede von Kollegen Oberhofer im Schnitt circa dreimal in Verwirrung an den Kopf. Das sind sage und schreibe 240 000 individuelle Verwunderungen oder bei 5 Minuten Redezeit 48 000 Konfusionen pro Minute. Das ist auch ein Rekord – gratuliere! (Beifall bei der FPÖ. – Abg. Hörl [ÖVP]: ... Arroganz! – Abg. Scherak [NEOS]: Da gibt es ein Problem mit der wissenschaftlichen Evidenz! – Zwischenruf des Abg. Lukas Hammer [Grüne]. – Abg. Erasim [SPÖ]: Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich, Herr Kollege! – Abg. Krainer [SPÖ]: Vor allem macht es überhaupt keinen Sinn! Wenn es dreimal in der Minute ist, ist es ja wurscht, ob ...!)
Vor genau einem Jahr sind wir schon einmal hier gestanden und haben über den Tourismusbericht gesprochen. Damals hatten wir 154 Millionen Nächtigungen, heute sind es 157 Millionen, 3 Millionen mehr, ein Rekord jagt den nächsten. Die Betten sind voll, aber mittlerweile fehlen die Erträge. Ich komme aus Saalbach-Hinterglemm, ich bin in einem Hotel aufgewachsen und habe selbst Koch gelernt. Diese Nächtigungsrekorde hat keine Bundesregierung erwirtschaftet, das waren die Wirtsleute, die Hoteliers, die Mitarbeiter. Das sind Menschen, die ganze Täler nach vorne gebracht haben, und deshalb ärgert es mich umso mehr (Zwischenruf der Abg. Duzdar [SPÖ]), wenn sich die Politik diese Zahlen immer wieder ans Revers heftet, während die Betriebe weiter in der Luft hängen. (Abg. Erasim [SPÖ]: Warum bist du dann Abgeordneter, wenn du die Politik so verachtest?)
Frau Staatssekretärin, vor einem Jahr haben wir darüber diskutiert, dass aus dem Plan T plötzlich die Vision T geworden ist. Heute reicht diese Vision mittlerweile schon bis 2035. Im letzten Ausschuss haben Sie angekündigt, dass ein KI-Aktionsplan am Weg ist, damit die KI die österreichischen Tourismusbetriebe leichter im Internet findet – 157 Millionen Nächtigungen: Frau Staatssekretärin, die Gäste haben Österreich längst gefunden. (Zwischenruf des Abg. Hanger [ÖVP].)
Was Sie endlich finden sollten, ist ein Weg, wie unsere Betriebe wieder wirtschaftlicher arbeiten können. Das ist der Kern freiheitlicher Forderungen (Zwischenruf des Abg. Lukas Hammer [Grüne]), und ja, das ist auch das, worüber wir im Tourismus sprechen sollten, denn wir hier herinnen sind kein Tourismusbüro, das sich mit der Landeskompetenz auseinandersetzen soll, wir sind kein Tourismusverband, sondern wir sind eine gesetzgebende Körperschaft, die mehr oder weniger alle wirtschaftlichen Rahmenbedingungen setzt, also warum denn nicht auch da?
Im April habe ich beantragt, notwendige Investitionen in die Hotellerie schneller abschreiben zu können. Für ein Mitarbeiterhaus reden wir teilweise von 60 Jahren Abschreibungen. Die Koalition hat diesen Antrag natürlich abgelehnt. Im letzten Ausschuss haben wir vorgeschlagen, kleinere Saunaanlagen von unverhältnismäßigen Genehmigungspflichten zu entlasten. Selbst Grüne und NEOS konnten dem laut Bericht etwas abgewinnen. Die Koalition hat es trotzdem vertagt.
Wir versuchen mit diesen Anträgen eine wirtschaftliche Schieflage zu kitten, die Sie in den Jubelmeldungen über Nächtigungsrekorde ständig übersehen. Was hören wir, was alles wegen der budgetären Lage angeblich nicht möglich ist? Schauen wir uns den Tourismusbeschäftigtenfonds an: Seit Jänner gibt es ihn, jährlich 6,5 Millionen Euro. Nach neun Monaten war noch kein Euro bei den Beschäftigten angekommen. – Frau Erasim, wenn ich in meiner Kochlehre nach neun Monaten keinen einzigen Teller geschickt hätte, dann wäre ich hinausgeworfen worden. (Abg. Erasim [SPÖ]: Ich hoffe, du wirst keinen Teller geschickt haben nach neun Monaten, alleine und noch in der Lehre, weil das wäre gegen die Dings!) – Na selbstverständlich habe ich nach neun Monaten einen Teller geschickt. Bei Ihren Lohnnebenkosten, für die die Sozialdemokratie verantwortlich ist, haben die Betriebe nicht die Möglichkeit (Abg. Erasim [SPÖ]: Dass der Lehrling alleine ...!), dass sie für jeden einzelnen Posten in der Küche einen vollwertigen Koch anstellen und müssen ab und zu auch einem Lehrling etwas zutrauen, Frau Erasim. (Beifall bei der FPÖ. – Abg. Erasim [SPÖ]: Dürfen in Ihr Gasthaus Ausländer reingehen?)
Jetzt kommen wir einmal zum Budget (Abg. Erasim [SPÖ]: Bewirten Sie Ausländer?): Der Rechnungshof hat festgestellt, dass die gesamte Wirtschaftskammerorganisation über 2 Milliarden Euro an Rücklagen ausweist – 2 Milliarden Euro! (Abg. Tanja Graf [ÖVP]: Die Zahl hast du auch nur von der Zeitung ...!) Diese Milliarden hat die Kammer nicht wie die Hotelbetriebe am freien Markt erwirtschaftet. Ein wesentlicher Teil ihrer Einnahmen stammt aus Pflichtbeiträgen der Unternehmer, also von jenen, die jeden dieser Euro erst einmal selbst erwirtschaften. Und ja, ich weiß, die Kammerreserven sind kein Bundesbudget, das ist mir auch klar, aber solange die Wirtschaftskammer auf Milliardenreserven sitzt und selbst keinen einzigen Euro erwirtschaftet (Ruf bei der SPÖ: Falsches Thema!), kann und will ich – und viele Unternehmer in diesem Land auch – nicht glauben, dass für eine Branche, die immerhin knapp 7 Prozent unseres Bruttoinlandsprodukts ausmacht, keine Möglichkeiten vorhanden sind, tatsächlich strukturell zu entlasten. (Beifall bei der FPÖ. – Zwischenruf der Abg. Tanja Graf [ÖVP].)
Das alles sind einzig und allein Fragen von politischen Prioritäten.
Meine Damen und Herren, 157 Millionen Nächtigungen: Das ist ein Kompliment an unsere Gastgeber. Was am Ende bei den Betrieben übrig bleibt, ist das Zeugnis Ihrer Tourismuspolitik. – Vielen Dank. (Beifall bei der FPÖ.)
14.25
Präsidentin Doris Bures: Nächster Redner: Herr Abgeordneter Johann Weber.
RN/65
14.25
Abgeordneter Ing. Johann Weber (ÖVP): Vielen Dank, Frau Präsidentin! Frau Staatssekretärin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Geschätzte Damen und Herren auf der Galerie und auch zu Hause vor den Bildschirmen! Es ist schon immer wieder spannend, sich in der Mitte einer Debatte zu Wort melden zu können. Wenn man gewissen Redebeiträgen einer gewissen Seite Gehör hat schenken dürfen, dann muss man sagen: Es ist schon sehr erstaunlich, wie man etwas Positives so schlechtreden kann. Das verwundert mich schon sehr. (Beifall bei der ÖVP.)
Tourismus ist nicht nur Wirtschaft, Tourismus ist auch Heimat. Es geht dabei nämlich um Begegnungen, um Menschen, die mit Leidenschaft Gastgeber sind. Es geht um Regionen, die von ihren Gästen leben. Der vorliegende Tourismusbericht zeigt uns ganz eindrucksvoll, wie erfolgreich Österreich in diesem Bereich ist – dafür einerseits ein großes Dankeschön für diesen tollen Bericht, danke aber auch allen Touristikern, die diesen Bericht letztendlich ermöglicht haben!
2025 war wirklich ein Rekordjahr. Rund 48,2 Millionen Gäste, 157,3 Millionen Nächtigungen bedeuten nämlich Höchstwerte. Der touristische Konsum erreichte 41,5 Milliarden Euro. Die direkte Wertschöpfung lag direkt bei 22,8 Milliarden Euro und indirekt sogar bei 33,1 Milliarden Euro. Weil immer gesagt worden ist, Nächtigungen sind noch nicht Erträge: Leere Betten bringen aber auch keine Erträge, das muss auch gesagt sein. Wir haben 157,3 Millionen Nächtigungen – die Nächtigungen finden in Betten statt, und leere Betten bringen gar nichts.
Das sind keine abstrakten Zahlen, dahinter stehen Arbeitsplätze, dahinter steckt Einkommen und dahinter stecken auch viele Investitionen. Dahinter stehen die unterschiedlichsten Beherbergungsbetriebe, Gasthäuser, Seilbahnen, Ausflugsziele und viele, viele kleine Familienbetriebe. Der Tourismus trägt 6,5 Prozent zum österreichischen Bruttoinlandsprodukt bei. Er ist damit eine tragende und verlässliche Säule unserer gesamten Wirtschaft. Besonders erfreulich ist auch die hohe Zufriedenheit unserer Gäste. Mit der Note 1,6 wird Urlaub in Österreich hervorragend bewertet. Das zeigt uns auch: Unsere Qualität stimmt. Unsere Gastgeber leisten tagtäglich hervorragende, großartige Arbeit. (Beifall bei der ÖVP.)
Mit Einnahmen von 2 744 Euro pro Einwohner liegt Österreich im internationalen Reiseverkehr auf Platz fünf von 42 Destinationen. Das zeigt, wie erfolgreich unser Land als Urlaubsziel ist. Ich als Kärntner weiß auch ganz genau, wie wichtig der Tourismus für uns in Kärnten ist. Kärnten ist das schönste Bundesland (Beifall des Abg. Juvan [NEOS] – Zwischenruf der Abg. Jeitler-Cincelli [ÖVP]), vereint es doch Seen, Berge und Kulinarik mit einer hohen Lebensqualität. Ganz besonders wichtig ist der Tourismus auch für meine Heimat, das Lavanttal. Wir haben dort nämlich eine einzigartige Kombination aus Natur, Kultur und Kulinarik.
Mit der Koralmbahn eröffnen sich für das Lavanttal, übrigens das Paradies von Kärnten (Abg. Hörl [ÖVP]: Lei-lei! – Abg. Darmann [FPÖ]: So schaut’s aus!) – ja, Herr Darmann –, beziehungsweise nicht nur für das Lavanttal, sondern für die gesamte Region Südösterreich ganz neue Möglichkeiten. (Abg. Darmann [FPÖ]: Wir haben einen guten Most! Mostbarkeiten!) Seit Dezember 2025 ist unsere Region, der Süden Österreichs, mit einer entsprechenden Bahnverbindung viel besser erreichbar. Graz und Klagenfurt rücken näher zusammen, und das schafft neue Chancen für Tagesausflüge, Wochenendaufenthalte und zusätzliche Gäste aus beiden Städten.
Jetzt am Rande eine Anmerkung, um das zu verdeutlichen: Angeblich könnte sich Graz vielleicht einmal vorstellen, den Namen zu ändern – Graz am Wörthersee. In 45 Minuten von Graz zum Wörthersee, das sind U-Bahn-Distanzen in Wien. (Zwischenruf der Abg. Schartel [FPÖ].) Das ist schon ein klarer Hinweis (Beifall des Abg. Taschner [ÖVP]), wie das jetzt zusammengewachsen ist und welche Chancen sich dadurch ergeben. Natürlich können auch die Urlauber am Wörthersee zum Uhrturm nach Graz fahren und so weiter – also ganz neue Möglichkeiten.
Ich hätte noch ein paar Sachen aufgeschrieben, aber eines ist auch klar (Abg. Darmann [FPÖ]: Sag’s einfach!): Der Tourismusbericht zeigt, Österreich hat hervorragende Voraussetzungen, engagierte Gastgeber und viele Gäste, die gerne zu uns kommen und die sich bei uns wohlfühlen. Warum? – Österreich muss ein wunderschönes, lebenswertes Land sein und nicht so ein schlechtes Land, so wie es oft dargestellt wird. Als sehr interessierter Zuhörer bei den Debatten frage ich mich immer wieder: Sprechen wir alle hier im Haus vom selben Österreich? Da bin ich mir nämlich nicht immer sicher. Sicher bin ich mir aber darüber: Wir hier in Österreich dürfen im schönsten Land der Erde leben. (Beifall bei Abgeordneten der ÖVP.)
So, meine Schlusssätze sind: Tourismus schafft Wertschöpfung. Tourismus sichert Arbeitsplätze und Tourismus hält unsere Regionen am Leben und sehr lebenswert. – Danke. (Beifall bei der ÖVP sowie der Abg. Erasim [SPÖ].)
14.31
Präsidentin Doris Bures: Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Katrin Auer.
RN/66
14.31
Abgeordnete Mag. Katrin Auer (SPÖ): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Staatssekretärin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen – und auf die gut gefüllte Zuschauer:innengalerie ein herzliches Willkommen! Urlaub in Österreich zu machen ist ein Glück und Gott sei Dank kein Luxus, aber es müssen sich natürlich die Menschen auch leisten können, Urlaub zu machen. Deswegen ist das, was wir in der Regierung, in der Koalition hier im Parlament tun, um die Teuerung auf allen Ebenen und mit sehr, sehr vielen Maßnahmen zu bekämpfen, das Wichtigste, was wir tun können, um Menschen das zu ermöglichen, was sie sich verdient haben – Urlaub und Freizeit genießen zu können –, und abzuwenden, dass es jemals zu einer Zweiklassengesellschaft bezüglich Freizeit und Urlaub in Österreich kommt.
Deswegen sind wir dankbar, dass die Tourismusbranche im Bericht 2025 auch heuer wieder als tragende Säule der österreichischen Wirtschaft hervorkommt und insgesamt 6,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes leistet. Das ist ganz wichtige Wertschöpfung; und dazu trägt natürlich auch die Kultur bei. Es freut mich als Kultursprecherin sehr, dass auch da Zuwächse zu verzeichnen sind: nämlich auf 9,8 Prozent, und dass unser Kulturangebot auch im Rahmen von Tourismus in Anspruch genommen wird.
Das heißt, das Erfolgsrezept, auf das wir hier zurückgreifen, ist einerseits unsere Landschaft, das ist die Kultur, das ist aber auch die Sicherheit, die wir den Menschen hier in Österreich bieten, das ist die Infrastruktur, die vor allem in touristischen Gemeinden sehr oft öffentlich gefördert ist. – Herr Kollege Schwaighofer, Sie verdrehen da wieder die Tatsachen, denn alles, was wir in Lifte, Straßen, Kanäle und so weiter investiert haben, sind Steuergelder und sehr, sehr gut investierte Gelder, das heißt, auch darauf basiert unser Erfolg als Tourismusland. (Beifall bei der SPÖ.)
Wir haben eine große Anzahl und Vielfalt an Angeboten. Wir haben unsere Gastfreundschaft, und das Wichtigste überhaupt: Wir haben die Menschen, die in der Tourismusbranche arbeiten. Es sind 228 000 Menschen, die in der Hotellerie und Gastronomie arbeiten. Das ist eine sehr, sehr schwierige Arbeit, eine sehr harte Arbeit – aber alle Menschen, die das tun, tun das aus Überzeugung und weil sie wirklich eine Freude an dieser Arbeit haben.
Auch der Frauenanteil in der Tourismusbranche steigt. Er liegt nach wie vor bei 53 Prozent. Das ist ein sehr hoher Wert, das ist gut. Es wäre nur schön, wenn natürlich auch die Zahl der Frauen in Führungspositionen auch dementsprechend hoch wäre. (Beifall bei Abgeordneten der Grünen.)
Das, was wir in der Politik tun müssen – und das passiert auch –, ist, dass wir die Unternehmen stärken, dass wir dafür sorgen, dass Familienbetriebe eine Nachfolge finden, dass wir Betriebsübergaben unterstützen. Deswegen wurde eine Förderschiene eingerichtet, um Businesspläne zu erstellen – und das ist bei Familienbetrieben ganz, ganz wichtig, damit der Einstieg für die nächste Generation erleichtert wird.
Was aber auch wichtig ist: dass wir Nachwuchs schaffen, einerseits auf der Seite der Unternehmerinnen und Unternehmer, dass es neue Gründungen gibt, aber natürlich auch, dass es Übernahmen gibt – und deswegen brauchen wir Fachkräfte. Wir brauchen Menschen als Beschäftigte, als Unternehmerinnen und auch als Lehrlinge – und deswegen ist diese Angstmacherei von Herrn Kollegen Schwaighofer natürlich genau das Falsche, denn Lehrlinge werden an der Lehrstelle nicht alleine gelassen. Gute Ausbildungsbetriebe betreuen und bilden ihre Lehrlinge aus; und deswegen ist das, was Sie hier betreiben, Angstmache und nichts anderes. (Abg. Schwaighofer [FPÖ]: Angst ...!) Jeder Betrieb, der Lehrlinge ausbildet, hat sich unseren Dank und unsere Wertschätzung verdient – und nicht Ihre Angstmacherei. (Beifall bei der SPÖ.)
Zu einer guten Tourismuslandschaft zählt aber natürlich auch die Bevölkerung. Auch die Bevölkerung soll davon profitieren und die Bevölkerung soll einen Mehrwert davon haben, wenn eine Region sich sehr touristisch oder leicht touristisch entwickelt. Auch diesbezüglich sind die Zahlen der Umfragen sehr, sehr gut: Die Akzeptanz der Bevölkerung für Tourismus ist nämlich stabil, weil sie wirklich weiß, wie sehr eine Region davon profitiert, wenn man auch touristisch tätig ist. Deswegen sind 71 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher davon überzeugt, dass der Tourismus in unserem Land eine hohe Bedeutung hat.
Ich möchte zum Schluss aber nochmals auf den Frauenanteil zurückkommen: Je mehr Frauen nämlich in einer Branche beschäftigt sind und je höher die Teilzeitquote ist, desto höher ist natürlich auch der Gender-Pay-Gap. Deswegen ist es auch wichtig, dass wir den Gender-Pay-Gap generell bekämpfen – und die Lohntransparenzrichtlinie wäre da das richtige Instrument, aber natürlich auch mit vielen anderen Instrumenten. (Zwischenruf der Abg. Schartel [FPÖ].) Frauen haben sich wirklich Lohngerechtigkeit und Gehaltsgerechtigkeit verdient – denn all das, was Frauen hilft, hilft uns als Gesellschaft (Zwischenrufe bei der FPÖ) und wiederum auch unserer Volkswirtschaft und Wertschöpfung.
Gerade in den Teilzeitbeschäftigungen im Tourismus ist der Gender-Pay-Gap höher als in sonstigen Wirtschaftsbereichen. (Zwischenruf bei der FPÖ.) Auch da wird der Tourismusbeschäftigtenfonds gute Maßnahmen setzen, um nämlich Frauen und Betriebe bei der Kinderbetreuung und bei Weiterbildungsmöglichkeiten tatsächlich zu unterstützen (Zwischenruf des Abg. Petschnig [FPÖ]), um die Teilzeitquote von Frauen zu senken, das Gehaltsniveau zu erhöhen und natürlich auch die Care-Arbeit gerechter zu verteilen. (Zwischenruf der Abg. Schartel [FPÖ].)
Das heißt, indem wir Teuerung bekämpfen, indem wir die Kaufkraft stärken, indem wir auch für gerechte Lohnverhältnisse sorgen, helfen wir der Tourismusbranche (Zwischenruf des Abg. Steiner [FPÖ]) und machen sie noch attraktiver für die Beschäftigten, aber natürlich auch für die Bevölkerung und für die Unternehmen. Deswegen brauchen wir noch mehr Fairness für unsere Tourismusbranche, für Unternehmerinnen, Beschäftigte, Gäste und die Bevölkerung. Dafür arbeiten wir als SPÖ. – Danke. (Beifall bei der SPÖ. – Abg. Steiner [FPÖ]: Sehr motivierend!)
14.37
Präsidentin Doris Bures: Nächster Redner: Herr Abgeordneter Christian Schandor.
RN/67
14.37
Abgeordneter Dipl.-Ing. Christian Schandor (FPÖ): Danke, Frau Präsidentin! Frau Staatssekretärin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuhörer und Zuseher auf der Galerie und zu Hause! Österreich ist ein erfolgreiches Tourismusland. Darüber, glaube ich, sind wir uns einig, und das zeigt auch der vorliegende Bericht, der für 2025 – wir haben es schon gehört – 157 Millionen Nächtigungen ausweist. Hinter diesen Zahlen stehen aber Betriebe, stehen Unternehmer, Beschäftigte, also letztendlich Menschen, die sich Tag für Tag um ihre Gäste bemühen, und diese Leistung verdient unser aller Anerkennung.
Der Bericht beschäftigt sich auch mit dem Tourismusakzeptanzsaldo, der seit einiger Zeit auch erhoben wird, wobei es sich dabei um einen Durchschnittswert für das gesamte Bundesgebiet handelt, der aber auch für die jeweiligen Bundesländer ausgewiesen wird. Über die einzelnen Regionen gibt dieser Tourismusakzeptanzsaldo leider keine Auskunft.
Ich komme aus der Thermenhauptstadt Fürstenfeld in der Südoststeiermark, und wir sind sehr froh, dass es die Thermen in Bad Waltersdorf, in Bad Loipersdorf und in Bad Blumau gibt. Sie bringen Gäste zu uns, sie schaffen Arbeit und machen unsere Region bekannt. Wer in der Umgebung wohnt, profitiert aber nicht allein deshalb im selben Ausmaß davon. Für die Menschen ist auch entscheidend, ob der Thermengast bei unserem Wirt einkehrt, in unserer Stadt einkauft und regionale Produkte kennenlernt.
In einer Region wie zum Beispiel in Schladming prägt der Tourismus das Ortsleben wiederum ganz anders. Zugleich können dort hohe Grundstückspreise für Einheimische durchaus zum Ärgernis werden.
Unterschiedliche Regionen brauchen daher auch einen unterschiedlichen genauen Blick. Das betrifft auch, meine Damen und Herren, den öffentlichen Verkehr. Mit den Thermen und Hotels ist in der Südosteiermark etwas entstanden, auf das man stolz sein kann. So verzeichnet das Thermen- und Vulkanland 2025 2,17 Millionen Nächtigungen. Nicht nur der Erhalt des öffentlichen Verkehrs – dazu zählt nicht nur der Thermenbus, sondern auch die Thermenbahn –, sondern auch der Ausbau des Angebots ist für unsere Gäste, aber genauso für unsere Pendler und Schüler äußerst wichtig.
Unsere Region hat in den vergangenen Jahrzehnten, also seit circa 1981, eine touristische Entwicklung erzielt, die sich früher wohl kaum jemand hätte vorstellen können. 1972 wurde nämlich in Loipersdorf nach Öl gebohrt – und gefunden wurde heißes Wasser.
Der Bericht gibt auch Auskunft darüber, dass rund 71 Prozent der Befragten dem Tourismus eine hohe Bedeutung für Österreich und 39 Prozent eine hohe Bedeutung für Wirtschaft, Arbeitsmarkt und Freizeitangebot am eigenen Wohnort zuschreiben. Gerade deshalb, meine Damen und Herren, muss man den öffentlichen Verkehr, die Themenbahn da durchaus miteinbeziehen: weil es um die Angebote für die Menschen in der Region und nicht nur um die Gäste geht. – Danke schön. (Beifall bei der FPÖ.)
14.41
Präsidentin Doris Bures: Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Tanja Graf.
RN/68
14.41
Abgeordnete Tanja Graf (ÖVP): Vielen Dank, Frau Präsidentin! Geschätzte Staatssekretärin (Abg. Erasim [SPÖ]: Der Kollege Steiner wird dann ganz allein reden!) Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuschauer hier im Haus beziehungsweise vor den Bildschirmen! Wir haben heute schon sehr viele Zahlen aus dem Tourismusbericht gehört. Ich möchte heute aber nicht mit einer Zahl beginnen, denn ich komme aus Salzburg und ich möchte mit etwas anderem beginnen: Wenn Sie in der Früh losfahren durch Salzburg und in einen Tourismusort kommen, dann sehen Sie keine Zahl, Sie sehen Menschen. Sie sehen die Wirtin, die bereits in der Küche steht, den Mitarbeiter, der das Frühstück vorbereitet, die Familie, die seit Generationen das Hotel führt, den Bäcker, der liefert, und die Seilbahnmitarbeiter, die alles vorbereiten. Sie sehen die vielen Menschen, die arbeiten, während wir Urlaub machen. Das ist Tourismus. Genau diesen Menschen möchte ich heute Danke sagen: Danke für Ihren Einsatz! (Beifall bei der ÖVP sowie der Abg. Auer [SPÖ].)
Es ist Ihnen zu verdanken, dass wir 2025 in Österreich mit 157,3 Millionen Nächtigungen und 48,2 Millionen Gästen neue Höchstwerte verzeichnen können. Als Salzburgerin weiß ich auch, was das bedeutet, denn Salzburg und Tirol stellen gemeinsam fast die Hälfte aller Gästebetten in Österreich. Tourismus ist für uns nicht irgendeine Branche, er gehört zu unserer Heimat. Er schafft Arbeitsplätze, er hält Wertschöpfung in unserer Region. Etwas finde ich ganz besonders bemerkenswert: 53 Prozent der Salzburger und Salzburgerinnen bewerten die Auswirkungen des Tourismus auf ihren Wohnort positiv. Das ist der höchste Wert aller Bundesländer. Und warum? – Weil die Menschen wissen: Von dem starken Tourismus lebt nicht nur das Hotel, davon lebt der Tischler, der die Zimmer renoviert, davon leben der Installateur, die Landwirtschaft, der Handel, das Taxi und die Bäckerei im Ort. Tourismus ist eine ganze Wertschöpfungskette. (Beifall bei der ÖVP.)
Es gehört aber auch zur Wahrheit, dass diese Betriebe unter enormem Druck stehen. Energie, Lebensmittel, Löhne – vieles ist teurer geworden. Der Bericht zeigt, dass sich die Gastronomieleistungen allein 2025 um 5,9 Prozent verteuert haben. Gleichzeitig fehlen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Deshalb war es auch ganz wichtig, dass wir das Saisonkontingent nachgebessert haben, dass wir Rechtssicherheit beim Trinkgeld geschaffen haben und Überstunden, Sonn- und Feiertagsarbeit steuerlich entlastet haben.
Unser Auftrag darf da aber nicht enden, meine Damen und Herren! Unsere Tourismusbetriebe brauchen jetzt auch Klarheit, mit wie vielen Saisonkontingenten sie in die nächste Saison starten können. Da darf ich ganz deutlich einen Appell an unseren Koalitionspartner SPÖ aussprechen: Politische Taktspiele haben da keinen Platz! (Beifall bei Abgeordneten der ÖVP sowie des Abg. Gasser [NEOS].) Unsere Betriebe brauchen Entscheidungen statt Warteschleifen. Frau Kollegin Neßler hat es treffend gesagt: Der Tourismus bricht zusammen, wenn wir die Arbeitskräfte nicht hier in Österreich haben. – Und eines möchte ich hier schon auch sagen: Es ist nicht die Politik entscheidend, dass ein Gast kommt, sondern es ist die Gastgeberin, die mit einem Lächeln einen Gast begrüßt, es ist der Kellner, der sich Ihren Namen merkt, und es ist die Familie, die seit Jahrzehnten ein Haus weiterentwickelt.
Österreich kann Tourismus, Salzburg kann Tourismus. Und unsere Aufgabe in der Politik ist es, die Menschen, die diesen Erfolg Tag für Tag möglich machen, zu unterstützen, damit sie auch in Zukunft mit Überzeugung sagen können: Ja, es zahlt sich aus, Gastgeber oder Gastgeberin in Österreich zu sein. – Vielen Dank. (Beifall bei der ÖVP sowie des Abg. Gasser [NEOS].)
14.45
Präsidentin Doris Bures: Nächster Redner: Herr Abgeordneter Peter Manfred Harrer.
RN/69
14.45
Abgeordneter Mag. (FH) Peter Manfred Harrer (SPÖ): Danke, Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Staatssekretärin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Der Tourismusbericht 2025 zeigt eindrucksvoll, dass Menschen aus aller Welt gerne zu uns kommen. Das liegt nicht nur an unseren Bergen, Seen und Landschaften. Es liegt vor allem an den Menschen, an den Betrieben, die mit ihrer täglichen Arbeit dafür sorgen, dass sich unsere Gäste bei uns wohlfühlen. Die Zahlen zeigen klar: Österreich ist und bleibt ein erfolgreiches Tourismusland.
Mit den schon erwähnten über 157 Millionen Nächtigungen und mehr als 48 Millionen Gästeankünften haben wir 2025 neue Höchstwerte erreicht. Der Tourismus trägt damit rund 6,5 Prozent zu unserer Wirtschaftsleistung bei und sichert Hunderttausende Arbeitsplätze. Das sind erfreuliche Zahlen, auf die wir alle stolz sein können, und dafür – wie schon vorhin öfter erwähnt – ein großes Danke an die Betriebe und an die Mitarbeiter. (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der ÖVP.)
Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Als steirischer Abgeordneter aus der Oststeiermark freut mich besonders die positive Entwicklung in meiner Heimat, der Steiermark. Die Steiermark hat im Tourismusjahr 2025 erstmals die Marke von 14 Millionen Nächtigungen überschritten und auch der Sommer war mit über 8 Millionen Nächtigungen ein voller Erfolg. Gerade in meiner Heimat, der Oststeiermark, zeigt sich, wie vielfältig und wertvoll der Tourismus für den ländlichen Raum ist. Kollege Schandor hat ja auch schon kurz darüber gesprochen. Ob bei uns im Naturpark Almenland, rund um den Stubenbergsee oder im Thermen- und Vulkanland – überall erleben wir, wie der Tourismus regionale Wertschöpfung schafft.
Davon profitieren nicht nur die Hotels und Gasthäuser, sondern auch unsere Landwirtschaft, das Handwerk, der Handel und viele kleine Familienbetriebe; das ist die Wertschöpfungskette, die schon erwähnt wurde, denn jeder Euro, den ein Gast in unserer Region ausgibt, stärkt auch die Wirtschaft und die Arbeitsplätze vor Ort. Genau das ist für mich besonders wichtig. Erfolgreicher Tourismus muss auch bei jenen Menschen ankommen, die diesen Erfolg jeden Tag erarbeiten; einerseits bei den Betrieben, andererseits bei den Beschäftigten in der Gastronomie, bei den Reinigungskräften, den Köchinnen und Köchen und bei den vielen Menschen, die auch an den Wochenenden und Feiertagen für unsere Gäste und natürlich auch für uns da sind. Sie verdienen faire Einkommen, gute Arbeitsbedingungen und vor allem Wertschätzung. Deshalb ist es richtig, dass die Bundesregierung Maßnahmen für mehr Rechtssicherheit beim Trinkgeld, steuerliche Entlastung und bessere Rahmenbedingungen für die Betriebe gesetzt hat.
Während die Bundesregierung den Tourismusstandort Österreich gezielt stärkt, plant leider die Landesregierung in der Steiermark unter Landeshauptmann Kunasek eine massive Erhöhung der Nächtigungsabgabe von 2,80 Euro auf 4,90 Euro. Insgesamt geht es da um 54 Millionen Euro, und das mitten in der Saison. (Abg. Ottenschläger [ÖVP]: Wien als Stadt übrigens auch!) Das sorgt für Verunsicherung, für Unmut in der Branche – und das anscheinend ist der Systemwechsel.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, unser Ziel muss sein, dass auch die nächsten Generationen in unserer Region gute Arbeitsplätze und eine lebenswerte Heimat vorfinden. Dafür brauchen wir einen Tourismus, der wirtschaftlich erfolgreich, ökologisch nachhaltig und sozial gerecht ist. Sorgen wir also gemeinsam dafür, dass dieser auch in Zukunft möglich ist! – Herzlichen Dank. (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der ÖVP.)
14.49
Präsidentin Doris Bures: Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Daniela Gmeinbauer.
RN/70
14.49
Abgeordnete Daniela Gmeinbauer (ÖVP): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Geschätzte Frau Staatssekretärin! Werte Besucherinnen und Besucher und auch Sie vor den Bildschirmen! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Herzlich willkommen zu einem sehr positiven Punkt hier im Hohen Haus, dem Tourismusbericht 2025.
Wir haben schon eindrucksvolle Zahlen gehört, wir haben auch eindrucksvolle Geschichten gehört. Ich darf untermauern, dass sich mit 157 Millionen Nächtigungen und 48,2 Millionen Gästeankünften die Zahl der Nächtigungen seit 1970 verdoppelt hat. Das ist ein Beweis, wie gut in den letzten Jahrzehnten in Österreich im Bereich Tourismus gearbeitet worden ist. (Beifall bei der ÖVP.) – Danke schön. Das unterstreicht die nationale und internationale Attraktivität unseres Landes und die hervorragende Arbeit unserer Tourismusbetriebe.
Ich möchte aber heute auch einen Bereich beleuchten, der in der öffentlichen Wahrnehmung manchmal etwas zu kurz kommt, für mich persönlich aber eine ganz bestimmte Bedeutung hat, nämlich das Camping. Ich bin und war ein Campingkind. Das heißt, meine Eltern, ich und meine zwei Geschwister haben die ersten Jahrzehnte auf dem Campingplatz in Österreich verbracht. Das hat mir nicht nur schöne Erinnerungen beschert, die ich heute noch wertschätze, sondern es gibt eine große Wertschätzung für unsere österreichische Naturlandschaft und überhaupt das Gefühl, dass man beim Camping eine gewisse Art von Freiheit erlebt. Deswegen ist für mich Camping ein wunderbares Beispiel dafür, wie vielfältig Tourismus in unserem Land erlebt werden kann.
Dass Camping längst auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor ist, zeigen die aktuellen Zahlen. 2025 wurden auf Österreichs Camping- und Stellplätzen rund 8,8 Millionen Nächtigungen verzeichnet. Auch das ist ein neuer Rekord. Betrachtet man die vergangenen zehn Jahre, sieht man, dass Camping mit einem Wachstum von knapp 61 Prozent sogar eine mehr als viermal so hohe Wachstumsrate verzeichnet wie die übrigen Unterkunftsformen zusammen. Diese Entwicklung zeigt, welches Potenzial in diesem Segment steckt und wie wichtig es ist, unterschiedlichste Urlaubsformen zu fördern und weiterzuentwickeln.
Als steirische Abgeordnete in Graz freue ich mich auch, dass wir seit drei Jahren Gastgeber des österreichischen Campinggipfels sind, der auch im kommenden Jahr im März bei uns stattfinden wird.
Mein Kollege aus Kärnten, Johann Weber, hat es schon angesprochen: Mit dem neuen Wirtschafts- und Ballungsraum, nämlich der Area Süd, ist es gelungen, uns mit der Verbindung durch die Koralmbahn bis auf 42 Minuten einander näherzubringen. Wir arbeiten jetzt nicht nur im touristischen Bereich zusammen, sondern wir rücken auch zusammen. Ob wir jetzt Graz am Wörthersee heißen wollen, müssen wir uns noch kurz unter vier Augen ausmachen. Faktum ist aber: In Kärnten und in der Steiermark, in diesem neuen Wirtschaftsraum, leben 1,8 Millionen Menschen, sind 150 000 Unternehmerinnen und Unternehmer tätig, die 770 000 Beschäftigten eine wunderbare Tätigkeit geben.
Daraus ergeben sich nicht nur neue Möglichkeiten für den Tourismus, denn Gäste können jetzt in zwei Bundesländern ihren Urlaub über das Kultur- und Freizeitangebot hinweg planen. Dass auch Tagestouristen sich zwischen Graz und Klagenfurt freier bewegen können und schneller am Ziel sind, ist wirklich ein großartiges Ergebnis. Die Koralmbahn wird dahin gehend nicht nur als bedeutendes Infrastrukturprojekt gesehen, sondern wirklich als Verbindung zweier Bundesländer. (Beifall bei der ÖVP.)
Diese Chancen müssen wir weiterhin gemeinsam nutzen, über Ländergrenzen hinweg – wir sind ein gutes Beispiel – und mit einem klaren Blick auf die Bedürfnisse unserer Gäste und natürlich unserer Betriebe. Wenn wir in die Zukunft blicken, gibt uns die Vision T bis 2035 eine wichtige Richtung vor: einen Tourismus, der für alle an 365 Tagen im Jahr wertvoll ist.
Der Tourismusbericht zeigt, wo wir heute stehen. Die Vision T zeigt uns, wohin wir uns entwickeln können und wollen, denn ein erfolgreicher Tourismus bedeutet mehr als zufriedene Gäste. Er bedeutet sichere Arbeitsplätze, starke Regionen, erfolgreiche Unternehmerinnen und Unternehmer und Wohlstand für unser Land. Daran müssen wir gemeinsam weiterarbeiten. – Vielen Dank. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der SPÖ.)
14.55
Präsidentin Doris Bures: Als Nächster zu Wort gemeldet: Herr Abgeordneter Franz Jantscher.
RN/71
14.55
Abgeordneter Franz Jantscher (SPÖ): Vielen Dank, Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Staatssekretärin! Liebe Zuseherinnen, liebe Zuseher! Hohes Haus! Geschätzte Kolleginnen, geschätzte Kollegen! Der Tourismusbericht 2025 zeigt eines: Dem Tourismus in Österreich geht es wieder besser. Das ist gut so und wichtig für die Wirtschaft in unserem Land.
Leider spüren wir aber auch da die steigenden Preise. Übernachtungen und Essen im Restaurant sind um einiges teurer geworden. Nur geringfügig mehr Österreicherinnen und Österreicher als im Jahr 2024 verbrachten im Jahr 2025 ihren Urlaub im eigenen Land. Darum ist unser Kampf gegen die Teuerung, den wir weiterhin konsequent verfolgen werden, so enorm wichtig. (Beifall bei der SPÖ.)
Weiters macht mir die Lage bei den Arbeitsplätzen Sorgen. Es gibt viele freie Stellen im Tourismus, aber nicht genug passende Arbeitskräfte. Gleichzeitig – wie heute schon gehört – kommen 60 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Ausland. Warum ist das so? – Vielleicht nur zwei der Gründe: Der Wohnort passt vielfach nicht. Viele freie Stellen gibt es wie heute schon gehört zum Beispiel in Tirol, aber viele Arbeitslose wohnen zum Beispiel in Niederösterreich oder in der Steiermark, und ein Familienvater kann für einen Saisonjob nicht einfach so mir nichts, dir nichts umziehen. Ein weiterer Punkt: Es fehlt auch vielfach die passende Ausbildung. Viele Arbeitslose haben nicht die Kenntnisse, die man für diesen Job braucht.
Eine der vielen Maßnahmen, welche es braucht, gibt es jetzt aber. Neben den Kursen vom Arbeitsmarktservice gibt es seit diesem Jahr wie schon gehört den Tourismusbeschäftigtenfonds. Mit diesem Fonds finanzieren wir Ausbildungen und Arbeitssuchende. So können sie leichter einen Job im Tourismus finden. Die Ausbildung hilft den Menschen auch dabei, langfristig in der Branche zu arbeiten und sich eine sichere Zukunft aufzubauen.
Doch eine gute Ausbildung allein reicht nicht, um Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu halten. Gute und sichere Arbeitsbedingungen, eine gerechte Bezahlung und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind essenziell. Im Tourismus – das haben wir heute auch schon gehört – arbeiten traditionell viele Frauen. Passende und flexible Kinderbetreuungseinrichtungen sind von großer Bedeutung. Für den Ausbau setzen wir uns als SPÖ seit Jahren ein, und das führen wir auch in Zukunft fort.
Liebe Frau Staatssekretärin Elisabeth Zehetner sowie unsere Bundesministerin, Frau Korinna Schumann, ich danke euch herzlich für euren Einsatz. Durch eure Hilfe konnte dieser Fonds entstehen. Mir ist es besonders wichtig, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Tourismus eine gute Ausbildung bekommen, die sie beruflich wirklich weiterbringt. – Vielen Dank. (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der ÖVP.)
14.58
Präsidentin Doris Bures: Da wir um 15 Uhr zum Aufruf einer Dringlichen Anfrage kommen, werde ich jetzt die Sitzung bis 15 Uhr unterbrechen.
Die Sitzung ist unterbrochen.