RN/57

13.41

Abgeordnete Melanie Erasim, MSc (SPÖ): Geschätzte Präsidentin! Geschätzte Frau Staatssekretärin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Heute aber auch: Liebe Touristikerinnen und liebe Touristiker! Als Tourismussprecherin meiner Fraktion freut es mich wirklich besonders, dass wir uns gemeinsam entschieden haben, diesen Tourismusbericht auch heute innerhalb dieser Plenarsitzung ausführlich besprechen zu können – und dies völlig zu Recht, geschätzte Damen und Herren, denn es ist ein Bericht der Superlative, wenn es um Gästeankünfte geht, aber auch wenn es um Nächtigungszahlen insgesamt geht. 

Bei all diesen Kennzahlen konnte das Megajahr 2019 deutlich überholt werden. Herr Kollege Fürtbauer, es wundert mich nicht, dass Sie hier vorne unrichtige Sachen erzählen (Abg. Fürtbauer [FPÖ]: Was?), wenn Sie nicht zuhören. (Abg. Fürtbauer [FPÖ]: Was denn? Was war unrichtig?) Also hören Sie zu, Sie werden nach meiner Rede noch lernen können. (Heiterkeit des Abg. Steiner.)

Bei diesen beeindruckenden Zahlen lohnt es sich nämlich, genauer dahinter zu blicken, denn so etwas passiert ja nicht von alleine. Über 90 000 Betriebe sorgen da mit Mut, Weiterentwicklung und Topqualität auf der einen Seite für unerlässliche Rahmenbedingungen, und auf der anderen Seite leisten über 300 000 Mitarbeitende mit Herzlichkeit, Gastfreundschaft und Fleiß unverzichtbare Arbeit auf einem weltweiten Topniveau. (Abg. Fürtbauer [FPÖ]: Habe ich auch gesagt!)

Rund 7 Prozent der Erwerbstätigen arbeiten somit in dieser so krisenresilienten Branche – eine große Zahl an Beschäftigten, die mit ganz speziellen Herausforderungen konfrontiert sind: Wochenend- und Feiertagsdienste, arbeiten, wenn andere bereits lange im Feierabend sind, die kurze Verbleibedauer, eine hohe Teilzeitquote und mittlerweile 60 Prozent mit migrantischen Wurzeln. Es gibt Betriebe, in denen innerhalb der Belegschaft über 50 verschiedene Sprachen gesprochen werden, und noch etwas Weiteres ist zu beobachten: Der Tourismus wird auch immer weiblicher. 

All das sind Entwicklungen, die schon länger zu beobachten sind. Deshalb habe ich gemeinsam auch mit vielen Kolleginnen und Kollegen hier im Raum, auch mit den anderen Fraktionen und auch mit Abgeordnetem Hauser zum Beispiel, schon seit längerer Zeit ein Vehikel gefordert und erarbeitet, das genau diesen Herausforderungen für die Beschäftigten Rechnung trägt. Ich bin daher sehr stolz darauf und froh darüber, dass mit diesem Tourismusbeschäftigtenfonds so etwas gelungen ist. 

Deshalb hatten wir beim letzten Ausschuss die gute Gelegenheit, in den direkten Austausch mit dem neu bestellten Geschäftsführer dieses Tourismusbeschäftigtenfonds zu gehen. Und wenn es in diesem Austausch weniger darum gegangen wäre, irgendwelche an den Haaren herbeigezogenen Vorwürfe aggressiv zu verbreiten, sondern wenn es Ihnen wirklich darum gegangen wäre, etwas zu erfragen (Abg. Fürtbauer [FPÖ]: War ich aggressiv? – Abg. Darmann [FPÖ]: Selbst wenn du wolltest, könntest du nicht aggressiv sein!) und einen Wissensgewinn daraus zu ziehen, dann hätten Sie vieles bemerkt, nämlich zum Beispiel, dass ein Vieraugenprinzip auch dann funktionieren kann, wenn nur einer bezahlt wird. Der Vorstand arbeitet zu 100 Prozent ehrenamtlich. (Abg. Fürtbauer [FPÖ]: Das habe ich auch nicht gesagt!) – Das haben Sie sehr wohl gesagt. (Abg. Fürtbauer [FPÖ]: Dass der Vorstand ein Geld kassiert, habe ich nicht gesagt!) – Dann stellen Sie das hier richtig, Herr Abgeordneter Fürtbauer, dass ein Vieraugenprinzip hier sehr wohl ausreichend möglich ist. 

Und auch hier zu erwähnen, dass im September noch keine Gehälter ausbezahlt worden sind (Abg. Fürtbauer [FPÖ]: Keine Förderungen! Er wird schon ein Gehalt gekriegt haben!), wo im Juli die Leistungsordnung beschlossen worden ist: Das sind ganz normale Prozesse, die bei allen ähnlichen Gesellschaften, bei allen ähnlichen Vehikeln Zeit brauchen, damit eben genau diese Doppelgleisigkeiten vermieden werden. 

An alle Beschäftigten im Tourismus: Ich habe die wirklich gute Nachricht, dass das gesamte Geld aus dem Jahr 2026, das noch nicht ausgeschöpft werden konnte, mit in das kommende Jahr genommen wird, sodass den Beschäftigten kein einziger Euro entgeht, geschätzte Kolleginnen und Kollegen. (Beifall bei der SPÖ sowie der Abg. Baumgartner [ÖVP].) 

Es hat mich auch sehr gefreut, dass du, liebe Frau Staatssekretärin, dieses Vehikel im Ausschuss so wertschätzend bewertet hast, aber auch, dass eben diese offenen Fragen beantwortet werden sollen. So wurde ganz klar das Ziel formuliert, dass umgesetzt werden soll, dass die Strukturen so klein wie möglich gehalten werden sollen und eben möglichst alle Mittel, die 6,5 Millionen Euro pro Jahr, an die Beschäftigten im Tourismus auszuzahlen sind.

Ab November wird es die Möglichkeit geben, die Förderungen direkt zu beantragen. Der dafür notwendige Leistungskatalog ist bereits erstellt und enthält ein Bündel an Möglichkeiten, beispielsweise Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Dass du, Kollege Fürtbauer, kritisierst, dass es auch darum gehen soll – gerade bei einer Branche, die zu 60 Prozent weiblich ist –, dass man im Zusammenhang mit Kinderbetreuungsmöglichkeiten (Abg. Fürtbauer [FPÖ]: Das fördert das AMS auch!) Unternehmer und Beschäftigte gleichzeitig fördern kann (Abg. Fürtbauer [FPÖ]: Das fördert das AMS auch! Da brauche ich keine zweite Struktur!), das finde ich wirklich zum Schämen, aber das ist ja eure Art von Politik. Qualifizierungsmaßnahmen, Awareness-Bildung, konkrete Unterstützung bei Arbeitsunfällen hast du zum Beispiel auch nicht erwähnt. Besonderes Augenmerk eben diese Doppelgleisigkeiten zu unterstützen. (Abg. Fürtbauer [FPÖ]: „Besonderes Augenmerk eben diese Doppelgleisigkeiten zu unterstützen“? – Abg. Pracher-Hilander [FPÖ]: Ja, ..., gelernt ist gelernt!)

Liebe Kolleginnen und Kollegen, dieser Bericht zeigt, wie viel diese Branche leistet. Unsere Aufgabe ist es, daraus die richtigen politischen Konsequenzen zu ziehen. Mein Anspruch ist ein Tourismus, von dem die Menschen gut leben können – als Beschäftigte, aber auch als Unternehmerinnen und Unternehmer und als Bevölkerung in der angrenzenden Region. Daran müssen wir unseren Erfolg messen, und dafür werden wir als Sozialdemokratie weiterarbeiten. – Vielen Dank. (Beifall bei der SPÖ sowie des Abg. Obernosterer [ÖVP].)

13.47

Präsidentin Doris Bures: Nächster Redner: Herr Abgeordneter Dominik Oberhofer.

Die angezeigte Rede ist noch nicht nach § 52 Abs. 2 GOG-NR autorisiert.