RN/63
14.15
Abgeordneter Mag. Antonio Della Rossa (SPÖ): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Hohes Haus! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Trotz aller Herausforderungen – wir haben es gehört – ist der Tourismusbericht wirklich ein Bericht der Superlative: 22,8 Milliarden Euro Wertschöpfung in diesem Land, 157 Millionen Übernachtungen, 9,5 Millionen davon alleine in Vorarlberg. Ja, in Österreich hat man im letzten Jahr sehr gut geschlafen, zumindest wenn man als Gast in unserem wunderschönen Land war.
Damit das möglich ist, stehen andere ganz früh auf, arbeiten bis spät in die Nacht, richten Zimmer her, kochen, servieren, halten die Betriebe sauber und am Laufen. Deshalb möchte ich in meiner Rede auch mit den Menschen beginnen, mit den Menschen hinter diesen Rekordzahlen: engagierte Unternehmerinnen und Unternehmer und viele, viele Beschäftigte, die unseren Tourismus erfolgreich machen.
Wie die Touristen selbst sind diese Beschäftigten ganz oft aus dem Ausland. Das kann man in diesem Bericht lesen. Eine oder zwei Bemerkungen an die FPÖ seien mir erlaubt. Ich bin verwirrt: In Ihren Reden, hört sich das irgendwie so an, als ob Sie gar nicht so zufrieden sind. Sie werden hier zustimmen. Vielleicht müssen Sie das noch ein bisschen lernen. (Abg. Kaniak [FPÖ]: Das ist ja ein Bericht!) Wir haben gelernt, dass Sie in der Steiermark gegen Ihre eigenen Anträge gestimmt haben. Heute ist Ihr Klubobmann auch wieder nicht hier – er war kurz einmal hier. Ich dachte, es ist vielleicht ein Interesse am Tourismus da, weil er gerne wandert – aber, na ja.
Vielleicht ist Ihnen ja auch in den Sinn gekommen, dass der Tourismus früher Fremdenverkehr hieß. (Abg. Steiner [FPÖ]: Wo ist dein Klubobmann?) Offenbar fällt Ihnen die Offenheit gegenüber Menschen aus dem Ausland dann leichter, wenn sie Zimmer buchen. Ich wünsche mir diese Offenheit auch gegenüber Menschen, die diese Zimmer herrichten, meine Damen und Herren. (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der Grünen.)
Die Arbeit dieser Menschen verdient – wie meine Vorrednerin gesagt hat – zwar ein herzliches Dankeschön, aber ich glaube, sie verdient viel mehr. Sie verdient faire Bezahlung, verlässliche Arbeitszeiten und eine Wohnung, die man sich vom eigenen Einkommen leisten kann – egal woher man kommt. Wer das ganze Jahr quasi für die Erholung anderer arbeitet, glaube ich, braucht auch selbst Zeit zum Erholen und sollte sich selbst einen Urlaub leisten können.
Meine Damen und Herren, ein Aspekt des Tourismus, den wir heute noch überhaupt nicht besprochen haben, ist eigentlich der allerwichtigste Aspekt des Tourismus, nämlich das, was wir immer so schön auf unseren Postkarten abbilden. Es ist schlussendlich das, von dem der österreichische Tourismus lebt, es ist die Natur. Ich war diesen Sommer selbst in Vorarlberg wandern und auf Hütten, die wirklich schwer zu erreichen sind, und habe dort unglaublich viele Touristen gesehen. Ich wollte meine Wasserflasche nachfüllen, und dann haben sie gesagt: Geht nicht, Wasser haben wir keines mehr; extreme Trockenheit. Ich dachte mir, okay, das ist schwierig. Das ist ein Bild, das mir hängen geblieben ist, nämlich: Hütte voll, das Wasser knapp. Das ist die Realität auf den Berghütten in Österreich, und das müssen wir uns ganz genau anschauen. (Beifall bei der SPÖ.)
Es zeigt, dass wirtschaftlicher Erfolg und natürliche Grenzen gleichzeitig Realität sein können. Wir freuen uns natürlich über viele Gäste, aber eine zusätzliche Buchung bringt kein zusätzliches Wasser, und die Menschen, die unsere Schutzhütten mit enormem Einsatz bewirtschaften, können Wassermangel nicht mit noch mehr Einsatz wettmachen. Das geht nicht. Da gibt es eine natürliche Grenze. Und wo die Natur an ihre Grenze kommt, kommt auch unser Tourismus an seine Grenzen. Das müssen wir wissen.
Ich komme aus einer Region, aus der Stadt Bludenz, wo fünf Täler am Fuße des Montafons und des Klostertals vereint werden, und mir muss niemand erklären, wie wichtig Tourismus für meine Region ist. Gerade deshalb muss man die Landschaft erhalten, von der dieser Erfolg ja eigentlich lebt. Unsere Berge sind Lebensräume, unsere Hütten sind Schutzorte, unsere Bäche, Böden und Wälder gehören zu einem Ökosystem, auf dessen Funktionieren wir alle – nicht nur im Tourismus – angewiesen sind.
Das verpflichtet uns dazu, vorauszudenken. Wir brauchen einen sorgsamen Umgang mit Wasser, mit Boden, und den Mut, empfindliche Lebensräume vor weiteren Eingriffen zu schützen. Ich denke da vor allem an die Hochmoore. Wir brauchen wirksamen Klimaschutz, denn während wir uns an die Folgen der Erderhitzung anpassen, müssen wir zugleich ihre Ursachen bekämpfen. Meine Damen und Herren, gute Arbeit und eine intakte Natur, das sind die zwei Träger des Tourismus, und beides verdient ihren Schutz.
Ich beende wie immer – vielleicht auch an Sie, liebe FPÖ –: Klimaschutz, das ist wahre Heimatliebe. Wer die Heimat erhalten will, muss das Klima schützen. – Vielen Dank. (Beifall bei SPÖ und Grünen. – Ruf bei den Grünen: Ich glaub, der ist bei der falschen Partei! – Heiterkeit bei SPÖ und Grünen.)
14.20
Präsidentin Doris Bures: Nächster Redner: Herr Abgeordneter Sebastian Schwaighofer.
Die angezeigte Rede ist noch nicht nach § 52 Abs. 2 GOG-NR autorisiert.